Spekulation - was wäre wenn...

Außerirdische

von Jens

Was wäre, wenn die Flugversuche der Gebrüder Wright gescheitert wären?
Nun, ich schätze, dann hätte das jemand anders erfolgreich hinbekommen...

Allerdings war von Anfang an klar, daß die Gebrüder Wright es schaffen mußten, es ging praktisch gar nicht anders, auch wenn sie das selbst zuvor nicht gewußt hatten - genauso wie auch sonst niemand. Denn sie hätten es nur dann nicht geschafft, wenn sie sich z.B. nicht für das Fliegen interessiert hätten, wenn sie zuvor gestorben wären, oder wenn zuvor sonst etwas anders verlaufen wäre. Das wiederum wäre nur passiert, wenn wieder zuvor etwas in andere Bahnen gelenkt worden wäre, und so weiter, und so fort.

Was wäre, wenn OPPI nicht diese Aufforderung zu Spekulationen ins Leben gerufen hätte? Dann hätte ich diesen Beitrag nicht verfaßt. Dann hättest Du ihn nicht gelesen (immer vorausgesetzt, OPPI veröffentlicht ihn irgendwo). Dann hättest Du in dieser Zeit etwas anderes gemacht, womöglich - wir wollen es nicht hoffen - wärst Du in dieser Zeit unachtsam über die Straße gelaufen und hättest einen tödlichen Unfall erlitten. Das wiederum hat zur Folge, daß niemals Deine bezaubernde Tochter zur Welt kommen wird, die eines Tages die entscheidende Idee für die Massenproduktion von biologischen Speichermedien haben wird. Diese brauchen wir aber zur Fertigung von Supercomputern, mit deren Hilfe wir Signale aus dem Weltall so aufbereiten können, daß wir Kontakt zur anderen Welten aufnehmen können. Und wenn dann die Außerirdischen auf der Erde landen... Jetzt gib OPPI bitte nicht die Schuld an der Sache mit den Außerirdischen. Außerdem: vielleicht kommen sie in friedlicher Absicht.

Ich finde, das alles spricht dafür, daß sämtliche Ereignisse im stetigen Lauf der Zeit Ursache und Folge zugleich sind und eine unveränderbare Kette von unendlich dichten, unmittelbaren Kausalitäten bilden. Warum bewegen sich Deine Augen gerade jetzt von links nach rechts. Und jetzt der Sprung zurück nach links. Warum genau jetzt? Ich beeinflusse auf für mich völlig indirektem Wege - objektiv gesehen ist dieser Weg vielleicht direkter als man denken mag - Deine Körperbewegungen. Ja, Du kannst jederzeit aufhören zu lesen, aber vielleicht machst Du das ja nur deshalb, weil ich es gerade gesagt habe? Selbstverständlich weiß ich nicht, ob Du aufhörst mit Lesen oder nicht - auch wenn ich natürlich inständig hoffe, daß Du den Text interessant genug findest - das hängt zu einem Großteil von Dir selbst und Deinen Angewohnheiten ab (ich frage jetzt auch gar nicht weiter, woher die kommen mögen). Genaugenommen weiß ich ja noch nicht einmal, ob Du mit Lesen angefangen hast. Das bedeutet, daß Du, selbst wenn Dein Leben von Anfang bis Ende vorherbestimmt ist, völlig frei in Deinen Handlungen bist (und wenn Du jetzt ins Zweifeln gekommen sein solltest, was das anbelangt, dann überleg Dir, warum Du so bist, wie Du bist, sei stolz auf Dich selbst, und werde Dir klar, daß jede Entscheidung, die Du fällst, Deine Entscheidung ist, und daß es darauf ankommt, daß Du so handelst, wie Du es willst, und auf nichts anderes kommt es an).

Genausowenig möchte ich sagen, daß das Leben vorhersehbar ist (vorhersehbar und vorherbestimmt sind in der Tat zwei verschiedene Wörter). In diesem Punkt möchte ich um Himmels Willen nicht falsch verstanden werden. Unser Leben ist doch gerade deshalb so interessant, weil wir nicht genau wissen, was kommt. Und weil Ereignisse nicht von einer endlichen Anzahl von vorausgegangenen Ereignissen abhängen, sondern von unendlich vielen, die sich über die gesamte Zeit des Universums erstrecken (man kann also nicht sagen: der und der ist schuldig), leben wir in einer sehr zufälligen Welt. Die von mir angesprochene Kausalität, entzieht der Welt also nicht den Zufall - man möchte meinen, daß es gar keinen Zufall gibt, wenn wirklich alles durch vorangegangene Ereignisse bestimmt wird - sondern gibt ihr den Zufall, denn unbegrenzt viele Ursachen lassen die Folge unvorhersehbar werden.

Zusammengefaßt möchte ich also sagen, daß die Gebrüder Wright durchaus einen freien Willen hatten, und daß sie genausogut auch Archäologen hätten werden können, vielleicht hätten sie einen der ausgestorbenen Saurier ausgegraben. Sie wußten nicht, was auf sie zukommt, sie hatten Freude an der Umsetzung ihrer Ideen, und sie taten genau das, was sie tun wollten, inklusive aller Zufälle, die mit ihrem Leben verbunden waren. Aber würde man die Zeit zurückdrehen, dann würden sie nochmals ihre Flugversuche durchführen - weil sie nicht plötzlich den Charakter ändern - und sie wären abermals erfolgreich - weil um ihre Umgebung genausowenig den "Charakter" ändern würde. Auch die Saurier wären wieder ausgestorben. Trotzdem wären die Wrights keine Archäologen geworden.

Für Dich ist all das bei weitem keine Aufforderung, Deine Vorhaben ersticken zu lassen und zu denken: Entweder "Gott" will, daß ich die Große Vereinheitlichte Theorie finde - um jetzt nur mal ein ziemlich abgehobenes Beispiel zu nennen - oder er will es nicht. Ich kann sowieso nichts daran ändern. Die Frage ist vielmehr: Was erwartest Du vom Leben? Was bist Du? Was sind Deine Wünsche? Und selbst wenn Deine Wünsche "nur" Folgen Deiner Geschichte sind, würdest Du sie ändern wollen? Wenn nicht, dann setze sie durch. Nur so wirst Du zufrieden sein (und glaub mir, die Gebrüder Wright haben eine geradezu befreiende Befriedigung nach ihrem ersten Flug gespürt). Mag sein, vielleicht willst Du nur deshalb zufrieden sein, weil der Mensch in Folge seiner Evolution zufrieden sein möchte, aber das ist eine andere Geschichte.

Trotzdem macht die Frage "Was wäre wenn..." und der Versuch einer Beantwortung natürlich immer wieder Spaß. Vielleicht lieben wir Menschen es generell und instinktiv, unser Schicksal zu überlisten. Ist ja auch ganz gut so, denn das bringt uns weiter, und ich wette, schon die eine oder andere Erfindung wurde aus genau dieser Frage heraus gemacht (vielleicht sogar jede?). Man kann sich natürlich über den Nutzen von Erfindungen streiten, denn meist bringt jeder Fortschritt auch wieder ein Übel, das mit neuem Fortschritt bekämpft werden muß. Aber auch wenn es utopisch ist, aber allein schon, um das Thema nicht völlig zu verfehlen, versuche ich mich noch an der Frage "Was wäre wenn die Menschheit nicht an Fortschritt interessiert wäre, sondern einfach nur glücklich und zufrieden leben würde?" Nun, gehen wir mal voll Naivität davon aus, es würden sich alle daran halten (wie gesagt: was wäre wenn), keine würde versuchen wollen, besser zu sein als der andere oder einen Vorteil irgendeiner Art versuchen zu ziehen. Ich denke wir wären ausgestorben. Irgendwann schlägt der Zufall - genau der vorhin angesprochene - immer zu und verändert etwas. Wer nicht entweder sich oder seine Umgebung anpaßt, der wird angepaßt, und zwar auf eine Art, die ihm nicht gefällt. Abgesehen davon: Das Leben ist interessant durch Veränderung. Würden wir das hergeben wollen?

Also OPPI, ich hoffe, Du hattest die Muße und Zeit, den Text zu lesen. Und ich hoffe, Du fandest ihn interessant, egal ob Du mir zustimmst oder nicht. Mir hat das Schreiben jedenfalls Spaß gemacht.
Jens

P.S. Noch eine Reaktion zu Werner, dem Hexerlein: Ich glaube nicht, daß das Fehlen von Kriegen ein Wirtschaftschaos auslösen würde, im Gegenteil, Kriege werden meiner Meinung nach meist auf dem Rücken des Volkes ausgetragen und dienen nur dem Zweck, wirtschaftlich starken Gruppen noch mehr Macht zu verleihen (nicht Ländern, ich meine z.B. Waffenlieferanten, aber auch Großkonzerne, die nach dem Krieg "Aufbauhilfe" leisten dürfen und sich dadurch in bisher "unzivilisierten" Ländern etablieren können, und das völlig ohne "Chaos", sondern überaus geplant, das Chaos erlebt nur das Volk, das gleichzeitig willenlos wird und dem, der den Frieden wiederherstellt unendlich dankbar ist, hoffen wir, daß es nicht derselbe ist, der den Krieg ausgelöst hat). Wer sonst hat etwas vom Krieg? "...um mehr zu haben als andere"? Wer hat denn mehr als andere? Das Volk bestimmt nicht. Der Soldat auch nicht. Haß wird oft sehr gezielt geschürt und dient meist irgendwelchen Interessen. Das ist nur meine Meinung, aber ich finde, daß die Argumente überzeugen können, wenn man darüber nachdenkt, und daß Krieg als logische Schlußfolgerung völlig überflüssig ist.

Homepage: Jens' Welt voll Ideen

Zuletzt geändert am 05.05.2009

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