Nationalsozialismus

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Gedenkstätte Konzentrationslager Neugamme, Hamburg
Gedenkstätte Konzentrationslager Neugamme, Hamburg

Arier

Die Arier (Sanskrit arya = »Edle«) waren eine Völkergruppe, deren Heimat im kleinasiatischen Raum lag. Im 2. Jahrtausend v.Chr. eroberten sie weite Teile Persiens und Indiens. Bei den Ariern existierte ein Kastensystems, eine Trennung zwischen der arischen Oberschicht und der ursprünglichen Bevölkerung.
Die unwissenschaftliche rassenkundliche Verwendung des Begriffs »Arier« im 19. Jahrhundert, also die These von der überlegenen arischen »Herrenrasse« wurde zum wesentlichen Bestandteil der nationalsozialistischen Ideologie.

Autobahn

Die Pläne für den Bau der Autobahnen gab es schon in den 20er Jahren, diese verschwanden aber aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Lage wieder in der Versenkung. Unsinnig waren sie ohnehin, denn kaum ein Deutscher konnte sich in der Zeit nach dem "Großen Krieg" ein Auto leisten. Hitler gründete am 27.06.1933 das Unternehmen Reichsautobahnen. Mitte 1936 arbeiteten etwa 125.000 Menschen an den »Straßen des Führers«, ab 1940 wurden verstärkt Kriegsgefangene und Juden als Arbeiter eingesetzt. Der Bau der Autobahnen diente vor allem Propagandazwecken. Das wichtigste Transportmittel der Wehrmacht während des Krieges war die Eisenbahn.

»D-Day«
»D-Day« - die Landung der alliierten Soldaten in der Normandie am 6. Juni 1944, Quelle: Archival Research Catalog (ARC)
»Into the Jaws of Death - U.S. Troops wading through water and Nazi gunfire«

D-Day

In der Nacht vom 5. auf den 6. Juni 1944 beginnt die »Operation Overlord«, die Landung US-amerikanischer und englischer Truppeneinheiten an der Küste der Normandie. Bei schweren Kämpfen mit den deutschen Truppen gelingt es ihnen, die Deutschen zurückzudrängen. Am 31. Juli wird bei Avranches der entscheidende Durchbruch erzielt. Am 25. August kann unter Führung freier französischer Verbände Paris befreit werden, im September stehen die Alliierten am Rhein und am 21. Oktober 1944 wird Aachen als erste deutsche Großstadt erobert.

Dolchstoßlegende

...die nach dem 1. Weltkrieg von nationalistischer und militärischer Seite aufgestellte und verbreitete Behauptung, Deutschland sei nicht der militärischen und wirtschaftlichen Übermacht seiner Gegner erlegen, sondern dem »Dolchstoß in den Rücken der Front«, dem »schmählichen und verräterischen Versagen« der Heimat (Streiks, politische Verhetzung linker Kreise). Zu den namhaftesten Vertretern der Dolchstoßlegende gehörten Hindenburg und Ludendorff, auch Hitler übernahm sie in »Mein Kampf«. Sie diente als propagandistische Waffe gegen die Weimarer Republik und die »Novemberverbrecher« (wegen der Unterzeichnung des Waffenstillstandes am 11. November 1918) sowie gegen die »Erfüllungspolitiker«. Die »Dolchstoßlegende« wurde bereits in den 20er Jahren als Verdrehung historischer Tatsachen entlarvt.

Erfüllungspolitik

Durch strikte Erfüllung des Versailler Vertrags und der Reparationsforderungen wollten Reichskanzler Wirth und Außenminister Rathenau die Unerfüllbarkeit der Bedingungen beweisen. Diese »Erfüllungspolitik« wurde von der so genannten »nationalen Opposition« (Hitler, Hugenberg) heftig angegriffen und als »nationale Würdelosigkeit« bezeichnet.

Friedensvertrag von Versailles

Der Friedensvertrag von Versailles bestand aus 15 Teilen mit insgesamt 440 Artikeln. Er wurde unter Drohung einer Kriegsfortsetzung durch die Alliierten am 28.06.1919 von den bevollmächtigten Ministern Hermann Müller (SPD) und Johannes Bell (Zentrum) im Spiegelsaal des Schlosses von Versailles unterzeichnet.
Der Vertrag beinhaltete neben Gebietsabtretungen, militärischen Beschränkungen und Reparationszahlungen auch die Anerkennung der alleinigen Kriegsschuld. Die Forderungen dieses Vertrages waren allerdings kaum zu erfüllen und waren eine schwere politische und wirtschaftliche Belastung für die Weimarer Republik. Durch die Verständnispolitik von Gustav Stresemann konnte zwar ein Teil der wirtschaftlichen Auswirkungen gemildert werden, der Kampf gegen den Versailler Vertrag wurde aber zu einem Kernstück der nationalsozialistischen Propaganda.

Hitler-Putsch

Am 08.11.1923 erklärte Hitler die Reichsregierung für abgesetzt und rief zum Marsch auf Berlin auf. Vorbild dafür war Mussolinis Marsch auf Rom am 28.02.1822. Zu Hitlers Verbündeten gehörte der Weltkriegsgeneral Ludendorff. Am 09.11.1923 zogen Hitler, Ludendorff, Röhm sowie mehrere 1000 SA-Männer und NSDAP-Anhänger zur Münchner Feldherrnhalle, wo es zu einem Schußwechsel mit der Polizei kam: 16 Teilnehmer des Putsches und 3 Polizisten starben. Der geflohene Hitler wurde am 11. November verhaftet und am 01.04.1924 wegen Hochverrats zu 5 Jahren Festungshaft in Landsberg verurteilt. Während dieser Zeit entsteht sein Buch »Mein Kampf«, das am 18.07.1925 im Franz-Eher-Verlag erscheint. Am 20.12.1924 wird Hitler aus seiner komfortablen Haft entlassen.
Der 9. November wurde von den Nazis zum höchsten NS-Feiertag erklärt.

Protokolle der Weisen von Zion

Die Dokumente einer angeblichen jüdischen Geheimregierung, welche die Eroberung der Weltherrschaft durch die Juden beschrieben, wurden bereits 1921 von der Londoner Times als Fälschung entlarvt. Diese "Dokumente" basierten auf einer Satire des französischen Rechtsanwalts Maurice Joly, der im Jahre 1864 wegen seines Widerstandes gegen Kaiser Napoleon III. in Haft saß. Es ging dabei um einen imaginären Dialog zwischen dem französischen Philosophen Montesquieu und dem Italiener Machiavelli. Von der russischen Geheimpolizei des Zaren umgeschrieben, erschienen sie schließlich Anfang der 20er Jahre in einer russischen Zeitung und bald darauf auch in Deutschland. Hitler bezeichnete die "Protokolle" in seinem Buch "Mein Kampf" als echt und nutzte sie für seine antisemitische Propaganda schamlos aus.

Rassenkunde

Die Nationalsozialisten verbreiteten die wissenschaftlich unsinnigen und verleumderischen Behauptungen von einer hochstehenden nordischen Rasse und einer anderen, minderwertigen Rasse. Diese »Rassenkunde«, die aufgebaut war auf den Rassephantasien des französischen Diplomaten J.A. Gobineau (»Versuch über die Ungleichheit der Menschenrassen«, 1898/1901) und des Engländers Houston Stewart Chamberlain (»Die Grundlagen des 19. Jh.«, 1899), entbehrte jeder wissenschaftlichen Grundlage und vermischte Vorurteile und Neid mit Lügen und Gerüchten. Die Forschungen von Charles Darwin über »Die Entstehung der Arten durch natürliche Zuchtwahl« wurden missbraucht, um die Theorien von dem Recht zur Herrschaft der stärkeren Rasse zu untermauern. Die Behauptungen Hitlers, Träger der Rasseneigenschaften sei das Blut, und »daß alle Staaten des Abendlandes und ihre schöpferischen Werke von den Germanen erzeugt wurden« wurden zur Rechtfertigung für den Völkermord.
Neben der besonders wertvollen und edlen nordischen Rasse sollte es angeblich noch eine fälische, eine westische, eine dinarische, eine östliche und eine ostbaltische Rasse geben. Unglaublich auch das Lügengebilde um das angebliche Vorhandensein des »Ariers«: »...Was wir heute an menschlicher Kultur, an Ergebnissen von Kunst, Wissenschaft und Technik vor uns sehen, ist nahezu ausschließlich schöpferisches Produkt des Ariers...« (Adolf Hitler in »Mein Kampf«). Neben den Juden wurden auch Schwarze, Zigeuner, Polen, Russen und Slawen zu »Untermenschen« erklärt.

»Reichskristallnacht« / Reichspogromnacht

Nach einer Hetzrede Goebbels' fanden in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 im gesamten Reich Terrorakte gegen die jüdische Bevölkerung statt, verbunden mit Zerstörungen der Synagogen, Geschäfte und Wohnungen.
Als Rechtfertigung diente die Ermordung des deutschen Diplomaten Ernst vom Rath durch den 17jährigen Juden Herschel Grynszpan. Der verzweifelte Junge wollte damit auf das Schicksal der bis zu 18.000 aus Deutschland ausgewiesenen Juden aufmerksam machen (darunter seine Familie), die in Viehwaggons an die deutsch-polnische Grenze geschafft worden waren. Da die polnischen Grenzbeamten eine Einreise verweigerten, warteten die verzweifelten Menschen ohne Wasser und Nahrung auf ihr Schicksal.
Mitglieder der SA, der NSDAP, der HJ und anderer Organisationen waren an den brutalen Übergriffen beteiligt, wobei mindestens 7.500 jüdische Geschäfte und Tausende von Wohnungen demoliert wurden. Die meisten Synagogen wurden entweiht oder niedergebrannt. Dutzende Juden wurden umgebracht, viele verletzt, über 26.000 Männer und Jugendliche wurden in die KZ Buchenwald, Dachau und Sachsenhausen verschleppt. Viele von ihnen starben dort infolge von körperlichen und psychischen Schikanen.
Schließlich wurden die Juden gezwungen, für die entstandenen Schäden selber aufkommen und sie zu beseitigen, außerdem mussten sie eine »Strafe« von einer Milliarde Reichsmark zahlen. Viele neue Vorschriften und Verbote wurden erlassen.

Brand des Berliner Reichtagsgebäudes
Brand des Berliner Reichtagsgebäudes in der Nacht vom 27. auf den 28. Februar 1933, Quelle: Archival Research Catalog (ARC)
»Firemen work on the burning Reichstag Building in February, 1933, after fire broke out simultaneously at 20 places. This enabled Hitler to seize power under the pretext of "protecting" the country from the menace to its security.«

Reichstagsbrand

Am 27.02.1933 entzündete der holländische Sozialist Marinus van der Lubbe das Gebäude des Berliner Reichstages, welches völlig abbrannte. Auffallend schnell wurde er gefaßt, und auffallend schnell waren Hitler, Göring, Goebbels und andere Nazis an der Unglücksstelle. Lubbe wurde am 10.01.1934 hingerichtet. Folge des Reichtagsbrands war die Gründung des Volksgerichtshofs und die »Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat« vom 28.02.1933, welche wichtige Grundrechte außer Kraft setzte, wie z.B. die persönliche Freiheit, das Recht auf freie Meinungsäußerung, die Pressefreiheit, das Vereins- und Versammlungsrecht und das Post- und Fernsprechgeheimnis. Hitler erhielt das Recht, die Befugnisse der Länderregierung »vorübergehend wahrzunehmen«. Die Gleichschaltung stand kurz bevor, der nächste Schritt war das Ermächtigungsgesetz vom 23.03.1933.

Wannsee-Konferenz

Am 20.1.1942 fand auf Befehl Görings im Gebäude der Kripo am Großen Wannsee eine Konferenz führender nationalsozialistischer Politiker unter Vorsitz von Reinhard Heydrich statt, deren Ziel die Klärung grundsätzlicher Fragen der so genannten »Endlösung der Judenfrage«, die Ermordung aller Juden in Europa, und der Zusammenarbeit zu diesem Zweck (Deportation in so genannte Vernichtungslager) war. Im Sommer 1942 nahmen die Vernichtungslager ihre grausame Arbeit auf.

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Zuletzt geändert am 07.06.2009

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