Nationalsozialismus

Propagandafilme im Nationalsozialismus

Von Daniel Heintz und Florian

Ein Propagandafilm ist ein Film, der planmäßig darauf abzielt, den Zuschauer politisch zu manipulieren Ein Propagandafilm ist ein Film, der planmäßig darauf abzielt, den Zuschauer politisch zu manipulieren. Das kann durch Form und Inhalt geschehen, ob offen oder verdeckt. Wir wollen in unserem Referat zeigen, wie die Nationalsozialisten den Film für ihre Zwecke nutzten.

Als am 30. Januar 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler ernannt wurde und die Nationalsozialisten an die Macht kamen, begannen sie sofort, die Massenmedien unter ihre Kontrolle zu bringen. Bereits am 11. März wurde das "Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda" gegründet, Minister wurde Dr. Joseph Goebbels. Diesem Ministerium sollte die gesamte Kultur, also auch der Film im Dritten Reich, unterstellt werden. Hitler kündigte in seiner Regierungserklärung am 23. März an, "gleichlaufend mit der politischen Entgiftung unseres öffentlichen Lebens wird die Reichsregierung eine durchgreifende moralische Sanierung des Volkskörpers durchnehmen. Das gesamte Erziehungswesen, Theater, Film, Literatur, Presse, Rundfunk - sie werden alle Mittel zu diesem Zweck sein (...) Sie haben alle der Erhaltung der im Wesen unseres Volkstum liegenden Ewigkeitswerte zu dienen."

Hitler wollte also den Film unter seine Kontrolle bringen und als Propagandamittel nutzen, obwohl er sich noch vor der Machtübernahme, im Jahre 1932, in einem Interview dagegen ausgesprochen hatte, Kunst und Politik miteinander zu verbinden. Im Juni 1933 wurde die Reichsfilmkammer dem Propagandaministerium unterstellt. Goebbels erklärte am 10. Mai 1933 im 'Völkischen Beobachter' sein Ministerium habe die Aufgabe, "in Deutschland eine geistige Mobilmachung zu vollziehen. Es ist also auf dem Gebiet des Geistes dasselbe, was das Wehrministerium auf dem Gebiete der Waffe ist (...) Der Film hat heute eine staatspolitische Funktion zu erfüllen. Er ist ein Erziehungsmittel des Volkes. Dieses Erziehungsmittel gehört - ob offen oder getarnt, ist dabei ganz gleichgültig - in die Hände der Staatsführung".

Am 9. Februar 1934 sagte Goebbels in einer Rede: "der Film ist eines der modernsten und weitreichendsten Mittel der Beeinflussung der Massen." Er wollte den Film nach nationalsozialistischen Grundsätzen reformieren. Nach und nach wurde der Film hinter den Kulissen gleichgeschaltet, alles sollte auf eine Linie ausgerichtet werden. Am 1. März 1934 wurde ein neues Lichtspielgesetzt erlassen - damit begann die Einführung der Zensur. Der 8 lautet folgendermaßen: "Die Prüfung eines Films durch die Prüfstelle hat sich auch darauf zu erstrecken, ob der Film als staatspolitisch wertvoll, als künsterlisch, als volksbildend oder als kulturell wertvoll und, soweit es sich um einen Spielfilm handelt, ob er als besonders wertvoll anzuerkennen ist." Durch diese Zensur hatte Kritik am Nationalsozialismus in den Filmen keine Chance. Alles, was der Auffassung der Nationalsozialisten nicht entsprach, wurde in den Filmen zensiert oder umgeändert.

Hitler und Goebbels hatten also beide erkannt, dass der Film ein wichtiges Mittel zur Beeinflussung der Bevölkerung ist. Dabei vertraten sie jedoch verschiedene Meinungen: Hitler wollte zwar auch den Film als Propagandamittel nutzen, aber so, dass "jeder Besucher weiß, heute gehe ich in einen politischen Film". Goebbels dagegen bevozugte raffiniertere Methoden. Er wollte die Massen indirekt beeinflussen. Er wusste, dass eine zu direkt polititsche Propaganda ihr Ziel nicht erreichen würde. Goebbels setzte auf die unmerkliche Wirkung und vertrat die Meinung, dass die Beeinflussung der Masse durch ein Kunstwerk geschehen sollte. Am 28. März 1933 sagte er in einer Rede: "Nicht die Gesinnung allein macht den Film, sondern das große Können". Möglich war für Goebbels Kunst nur dann, wenn sie "mit ihren Wurzeln in das nationalsozialistische Erdreich eingedrungen ist". Damit meinte er, dass der Nationalsozialismus nicht durch die Auswahl des Stoffes der Filme, sondern durch seine Gestaltung und Präsentation zum Ausdruck kommen sollte. Wenn in den Unterhaltungsfilmen des Dritten Reiches nationalsozialistische Elemente fehlten, wie zum Beispiel der Hitlergruß, war es leichter, ein unpolitisches Publikum zu beeinflussen. In einer Rede am 15. Februar 1941 sagte Goebbels: "Man muss nach dem Prinzip handeln, dass man die Absicht nicht merken soll". Die Menschen sollten nicht merken, in welche Richtung man sie lenken wollte. Deshalb wollte Goebbels den Nationalsozialismus nicht direkt verherrlichen, er bevorzugte eine indirekte Taktik.

Nach und nach wurde die Filmwirtschaft verstaatlicht. Bereits 1942 unterstellten die Nationalsozialisten alle Filmgesellschaften einer einheitlichen Leitung. Bei Filmen, die dem Staat wichtig waren, wurden die Rollen der Schauspieler vom Ministerium, also von Goebbels, vergeben. Diese Filme wurden ganz oder teilweise vom Staat finanziert. Goebbels griff direkt oder durch den Reichsfilmdramaturgen in die Filmproduktion ein. Jeder Film musste vor Drehbeginn genehmigt werden, nachdem der Reichsfilmdramaturg die Drehbücher kontrolliert hatte. So nahmen die Nationalsozialisten schon vor dem Beginn des Filmens Einfluss. War der Film fertig, so wurde entschieden, ob er öffentlich aufgeführt werden durfte.

Insgesamt wurden im Dritten Reich ca. 1150 Spielfilme hergestellt, nur ca. ein Sechstel davon waren direkte politische Propaganda. Allerdings hatte jeder Film eine politische Aufgabe, selbst Komödien. Auf der einen Seite gab es die direkten politischen Propagandafilme und Filme mit deutlich politischer Tendenz. Direkte politische Waffe war auch die Wochenschau, die im Kino immer vor den Filmen gezeigt wurde. Sie wurde in die Lügenpropaganda der Nationalsozialisten miteinbezogen. Der Eindruck des Gezeigten ließ beim Zuschauer erst gar nicht das Gefühl aufkommen, nach dem zu fragen, was systematisch verschwiegen wurde.

Auf der anderen Seite gab es Komödien mit einer Handlung fern von der Wirklichkeit des Tages. Auch Unterhaltung kann die Aufgabe haben, ein Volk für seinen Lebenskampf auszustatten und ihm in Tagen von Krieg und Elend Unterhaltung und Entspannung zu geben. Damit sollte die Bevölkerung von allen unangenehmen Sachen abgelenkt werden. Die Filme enthielten zudem viele Klischees aus dem Arsenal der nationalsozialistischen Propaganda. So nehmen beispielsweise Amerikaner auch im Wohnzimmer nicht den Hut ab, rauchen dicke Zigarren und trinken Whisky - gewissen Berufen darf man nicht trauen: Bankier, Gastwirt, Zeitungsverleger - Frauen, die eine Ehe gefährden, sind selten blond.

Wir haben uns zur genaueren Untersuchung zwei bekannte antisemitische Filme ausgesucht, Filme gegen die Juden. Sie sind besonders grausam, weil die Nazis mit den beiden Filmen ihre Judenpolitik rechtfertigten und die Bevölkerung zu Judenhass bewegten. Möglicherweise tragen die Filme Mitschuld daran, dass die systematische Ausrottung eines ganzen Volkes mit der Unterstützung der deutschen Bevölkerung möglich war.

April 2000 Daniel Heintz und Florian

  • Bücherquellen:
  • "Deutschland erwache" von Erwin Leiser, (rororo-Verlag), 1968
  • "Geschichte des Films von 1934 bis 1939" von Jerzy Teuplitz, (diskurs film), 1980
  • "Geschichte des Films von 1939 - 1945" von Jerzy Teuplitz, (diskurs film), 1983
  • "Staatspolitisch besonders wertvoll" von Klaus Kanzog, (diskurs film), 1994

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Zuletzt geändert am 03.05.2009

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