Nationalsozialismus

Widerstand

Bekennende Kirche

Auch die Kirche blieb von der Einflussnahme der Nazis nicht verschont. Die »Deutschen Christen«, eine Bewegung der dt. ev. Kirche, strebten eine Veränderung der kirchlichen Organisation an und befürworteten die nationalsozialistischen Grundsätze. Nach Hitler's Rundfunkrede vom 22.07.1933, in der er sich für die »Deutschen Christen« aussprach, wurde Ludwig Müller am 27.09.1933 zum Reichsbischof gewählt.
Am 21.09.1933 gründete der Pfarrer Martin Niemöller (14.01.1892-06.03.1984) den »Pfarrernotbund«, daraus wurde im Mai 1934 die »Bekennende Kirche«, der 19 Landeskirchen angehörten. Der Widerstand richtete sich hauptsächlich gegen die Einmischung und Eingriffe der Nazis in kirchliche Angelegenheiten. Niemöller wurde 1937 verhaftet und als »persönlicher Gefangener des Führers« ins KZ eingeliefert. 18 Pfarrer der »Bekennenden Kirche« wurden in Konzentrationslagern ermordet.
Leiter des illegalen Predigerseminares der Bekennenden Kirche war der Theologe Dietrich Bonhoeffer (04.02.1906, Breslau - 09.04.1945, KZ Flossenbürg). Bonhoeffer erhielt 1940 Rede- und 1941 Schreibverbot. Adolf Hitler war für ihn der »Antichrist«. Über seinen Schwager Hans von Dohnányi hatte Bonhoeffer Kontakte zu politischen Widerstandskreisen, so zum Abwehrkreis um Admiral Wilhelm Canaris (1887-1945). Im Mai 1942 traf er sich zu Gesprächen mit Bischof Bell von Chichester in Schweden, wobei ein Vorgehen nach Hitlers Ausschaltung erörtert wurde. Am 05.04.1943 wurde er von der Gestapo verhaftet. Am 9. April 1945, kurz vor Eintreffen der US-Truppen im KZ, wurde er zusammen mit Admiral Canaris gehängt.

Bürgerbräu-Attentat

Am 08.11.1939 um 21:20 Uhr explodierte die durch einen Zeitzünder gesteuerte Bombe des Schreiners Johann Georg Elser (04.01.1903-09.04.1945) im Müncher Bürgerbräukeller. Hier hielt Hitler jedes Jahr um diese Zeit eine Rede zum Gedenken an den Putsch von 1923. In wochenlanger Vorbereitung hatte Elser die Bombe in eine Säule neben Hitler's Rednerpult eingebaut. Doch Hitlers Rede dauerte diesmal nur 13 Minuten; wegen des schlechten Wetters wollte Hitler mit der Bahn nach Berlin zurückfahren. Die Bombe tötete 8 Menschen, 63 wurden verletzt. Die Gestapo vermutete zunächst den britischen Geheimdienst hinter dem Attentat. Elser wurde an der Schweizer Grenze verhaftet und nach seinem Geständnis im KZ Sachsenhausen inhaftiert. Ende 1944 nach Dachau verlegt wurde Johann Georg Elser am 09.04.1945 erschossen.

Kreisauer Kreis

Seit 1940 trafen sich Vertreter aller gesellschaftlichen und politischen Richtungen auf dem schlesischen Gut Kreisau des Grafen Moltke (11.03.1907-23.01.1945). Mitbegründer war Peter Graf Yorck von Wartenburg (am 08.08.1944 hingerichtet). Zu diesem Kreis aus Politikern, Adeligen, Gewerkschaftern und Geistlichen gehörten u.a. Dr. Julius Leber, Theo Haubach und Carlo Mierenbach, die nach der Machtergreifung der Nazis 1933 Verhaftungen, Folterungen und Gefängnisstrafen erlitten hatten. Außerdem der Jesuitenpater Delp, Eugen Gerstenmaier, Harald Poelchau und Carl Goerdeler. Der Kreis entwarf ein demokratisches Deutschland nach Hitler. Gegensätzlicher Auffassung war man bei der Frage, ob geistiger Widerstand allein ausreichen würde. Helmuth James Graf von Moltke, der den Einsatz von Gewalt aus Gewissensgründen abgelehnt hatte, wurde am 19.01.1944 verhaftet und am 23.01.1945 hingerichtet. Einige Mitglieder des Kreises nahmen 1944 Kontakt zur Widerstandsgruppe um Graf von Stauffenberg auf. Mitglieder, denen diese Verbindung nachgewiesen werden konnte, wurden nach dem 20.07.1944 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und nach schweren Folterungen hingerichtet.
»Für eine so gute und gerechte Sache ist der Einsatz des eigenen Lebens der angemessene Preis.«
Julius Leber wurde am 05.01.1945 hingerichtet.

Edelweißpiraten

Das Terrorregime der Nazis, die Hitlerjugend und ihre paramilitärische Ausrichtung wurde nicht von allen Jugendlichen akzeptiert. Durch Kleidung, Frisur, Musik und Verweigerung des HJ-Dienstes sowie Mitarbeit in kirchlichen Organisationen versuchten einige von ihnen ihren Widerstand auszudrücken. Von den Nationalsozialisten als »wilde Jugendgruppen« oder als »jugendliche Cliquen« bezeichnet, wollten sie auf die Verbrechen und das Unrecht der Nazis aufmerksam machen. Dies geschah u.a. mit der Verteilung von Flugblättern. 1944 wurden »Richtlinien zur Bekämpfung jugendlicher Cliquen« herausgegeben, die sich vor allem gegen die so genannten Edelweißpiraten aus dem Rheinland richteten. Im November 1944 wurden 13 Mitglieder dieser Gruppe verhaftet und ohne Verfahren aufgehängt.

Rote Kapelle

Die einzelnen Gruppen wurden 1938 als sowjetische Spionagezellen aufgebaut und dienten dem Ziel der Zerschlagung der nationalsozialistischen Herrschaft und der Errichtung einer sowjetisch ausgerichteten Republik. Die meisten der führenden Mitglieder der von der Gestapo als »Rote Kapelle« bezeichneten Organisation, u.a. der Offizier Harro Schulze-Boysen (02.09.1909-22.12.1942) und der Oberregierungsrat Arvid von Harnack (24.05.1901-22.12.1942), wurden 1942 durch ein Sonderkommando der deutschen Abwehr gefasst und als Volksverräter hingerichtet.

Goerdeler Kreis

Carl Friedrich Goerdeler (1884-1945) war von 1920 bis 1930 stellvertretender Bürgermeister von Königsberg, von 1930 bis 1937 Oberbürgermeister von Leipzig. Seine Verbindungen und sein Ansehen als bekannter Kommunalpolitiker nutzte er zum Aufbau der Widerstandsbewegung. Ein gewaltsames Vorgehen lehnte er jedoch ab. Von den Verschwörern des 20. Juli 1944 nach der geplanten Beseitigung Hitlers für das Amt des Reichskanzlers vorgesehen, wurde er am 7. September 1944 zum Tode verurteilt und am 2. Februar 1945 im Zuchthaus Berlin-Plötzensee - nach zahllosen Verhören und auf ausdrücklichen Befehl Hitlers - mit einem Handbeil enthauptet.

Weiße Rose

Die studentische Widerstandsgruppe »Weiße Rose« um den Münchner Professor Kurt Huber (1893-1943) versuchte mit der Verteilung von Flugblättern zu Sabotage und »passivem Widerstand« aufzurufen. Zu den Mitgliedern gehörten u.a. die Geschwister Hans und Sophie Scholl, Christoph Probst und Alexander Schmorell. Während der Verteilung von Flugblättern am 18.02.1943 wurden Hans und Sophie Scholl denunziert, verhaftet und zum Tode verurteilt; Schmorell, Huber und weitere Mitglieder wurden im Juli 1943 hingerichtet.
In dem letzten Flugblatt der »Weißen Rose« heißt es:
»Der Tag der Abrechnung ist gekommen, der Abrechnung der deutschen Jugend mit der verabscheuungswürdigsten Tyrannis, die unser Volk je erduldet hat. Im Namen der deutschen Jugend fordern wir vom Staat Adolf Hitlers die persönliche Freiheit, das kostbarste Gut des Deutschen, zurück, um das er uns in der erbärmlichsten Weise betrogen...Es gibt für uns nur eine Parole: Kampf gegen die Partei! Heraus aus den Parteigliederungen, in denen man uns weiter politisch mundtot halten will...«

Der 20. Juli

Bereits 1938 bildete sich ein Widerstandskreis um den Generaloberst Ludwig Beck (1880-1944), dem damaligen Chef des Generalstabes des Heeres. 1943 begannen die Vorbereitungen für das Attentat vom 20. Juli. Nach 3 gescheiterten Anschlägen stieß im August 1943 Oberst Claus Graf Schenk von Stauffenberg (15.11.1907-21.07.1944) dazu, dem dann im Frühjahr 1944 ein militärischer Posten direkten Zugang zu Hitler verschaffte.
Am 20. Juli 1944 versuchte Stauffenberg Hitler in seinem Hauptquartier »Wolfsschanze« mit einer Bombe zu töten, die in einer Aktentasche versteckt war. Nach Hitler's Tod sollten durch den »Plan Walküre« die Machtzentren der Nationalsozialisten ausgeschaltet werden; die vom Widerstand gebildete Regierung sollte umgehend Friedensgespräche mit den Westmächten aufnehmen.
Der geplante Staatsstreich scheiterte jedoch an Mißverständnissen, fehlender Tatkraft und Unentschlossenheit einiger Offiziere, Fehlern bei der Planung und vor allem an nicht vorhersehbaren Zufällen. Stauffenberg, Oberst von Mertz, General Olbricht und Oberstleutnant von Haeften wurden noch in der Nacht verhaftet und erschossen.
Durch die anschließende Menschenjagd auf Mitglieder der Verschwörung gerieten Tausende in die Hände des Regimes, rund 200 Personen wurden im direkten Zusammenhang mit dem Attentat auf besonders grausame Art hingerichtet. Dies bedeutete das Ende des organisierten Widerstandes.

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Zuletzt geändert am 28.05.2009

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