Nationalsozialismus

Verleumdung, Verfolgung, Vernichtung

Gedenkstätte Konzentrationslager Neugamme, Hamburg
Gedenkstätte Konzentrationslager Neugamme, Hamburg

»Verleumdungen«

Von Anfang an war es das Ziel des nationalsozialistischen Regimes, die Juden zu vernichten. Auf Grundlage der nationalsozialistischen »Rassenkunde« wurden bewußt falsche, unhaltbare und verleumderische Behauptungen aufgestellt, um die Juden als minderwertige Rasse darzustellen und ein Feindbild aufzubauen. Schon vor der Machtübernahme der Nazis wurden Juden von der SA bedroht und gewalttätig verfolgt.

»Arierparagraph«

Am 01.04.1933 fand auf Anordnung der NSDAP ein Boykott jüdischer Geschäfte in Deutschland statt. Die Parteileitung hatte dies zuvor am 28. März als »Abwehrmassnahme gegen das deutsche Judentum« angeordnet.
Am 07.04.1933 trat das »Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums« in Kraft, nach dessen § 7 kein Jude mehr im öffentlichen Dienst beschäftigt werden durfte. Eine Anstellung als Beamter wurde völlig ausgeschlossen. Als nicht »arisch« galt, wer von nicht arischen, sondern insbesondere von jüdischen Eltern oder Großeltern abstammte. Dabei genügte es, wenn ein Elternteil oder ein Großelternteil nicht »arisch« war (»Durchführungsverordnung zum Berufsbeamtengesetz«, 11.04.1933). Die Übernahme des »Arierparagraphen« in das »Gesetz gegen die Überfüllung deutscher Schulen und Hochschulen« am 24.04.1933 führte zum Ausschluss der Juden von Schulen und Studienplätzen. Eine Ehe mit einem »Nicht-Arier« hatte die Entlassung aus dem Staatsdienst zur Folge (ab 30.06.1933). Die Aufnahme des »Arierparagraphen« in die Bestimmungen von Vereinen, Verbänden und Organisationen bedeutete schon bald ein völliges Berufsverbot für die Juden.

»Nürnberger Gesetze«

Am 15.9.1935 wurde auf dem »Reichsparteitag der Freiheit« in Nürnberg das so genannte »Gesetz zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre« (»Blutschutzgesetz«) beschlossen. Es beinhaltete das Verbot von Eheschließungen und außerehelichen Geschlechtsverkehr zwischen Juden und »Deutschblütigen«, verbunden mit dem Begriff der »Rassenschande«. Das »Reichsbürgergesetz« stellte die Reichsbürgerschaft über die Staatsbürgerschaft, mit besonderen Rechten für die »Arier«. Als Jude galt, wer von drei jüdischen Großelternteilen abstammte, wer zwei jüdische Großeltern hatte und bei Erlass des Gesetzes der jüdischen Religionsgemeinschaft angehörte bzw. ihr später beitrat oder zu diesem Zeitpunkt mit einem »Volljuden« verheiratet war bzw. danach ehelichte. (1. Verordnung zum Reichsbürgergesetz). Juden waren von nun an Bürger zweiter Klasse.

»Reichskristallnacht« / Reichspogromnacht

Nach einer Hetzrede Goebbels' fanden in der Nacht vom 9. auf den 10.11.1938 im gesamten Reich Terrorakte gegen die jüdische Bevölkerung statt, verbunden mit Zerstörungen der Synagogen, Geschäfte und Wohnungen.
Als Rechtfertigung diente die Ermordung des deutschen Diplomaten Ernst vom Rath durch den 17jährigen Juden Herschel Grynszpan. Der verzweifelte Junge wollte damit auf das Schicksal der 17.000 aus Deutschland ausgewiesenen Juden aufmerksam machen (unter anderem seine Eltern), die in Viehwaggons an die deutsch-polnische Grenze geschafft worden waren. Da Polen eine Einreise verweigerte, warteten die verzweifelten Menschen ohne Wasser und Nahrung auf ihr Schicksal.
Mitglieder der SA, der NSDAP, der HJ und anderer Organisationen waren an den brutalen Übergriffen beteiligt, wobei mindestens 7.500 jüdische Geschäfte und Tausende von Wohnungen demoliert wurden. Die meisten Synagogen wurden entweiht oder niedergebrannt. Dutzende Juden wurden umgebracht, viele verletzt, über 26.000 Männer und Jugendliche wurden in die KZ Buchenwald, Dachau und Sachsenhausen verschleppt. Viele von ihnen starben dort infolge von körperlichen und psychischen Schikanen.
Schließlich wurden die Juden gezwungen, für die entstandenen Schäden selber aufkommen und sie zu beseitigen, außerdem mussten sie eine »Strafe« von einer Milliarde Reichsmark zahlen. Viele neue Vorschriften und Verbote wurden erlassen.

»Warschauer Ghetto«

Das Warschauer Ghetto, das größte der zahlreichen Zwangsgettos der Nazis, bestand vom November 1940 bis zum April/Mai 1943. Bereits seit November 1939 mußten die Juden in Polen den Judenstern tragen und in den neu eingerichteten Ghettos leben. In Warschau lebten auf einer Fläche von 4 x 2,5 km über 360.000 Menschen unter katastrophalen Bedingungen. Die Verwaltung des Ghettos unterlag dem »Judenrat«, der für die »exakte und termingerechte Durchführung aller ergangenen oder zu ergehenden Weisungen« vollverantwortlich gemacht wurde. Der »Ordnungsdienst«, ebenfalls aus eingesperrten Juden bestehend, unterstand der Gestapo. Judenrat und Ordnungsdienst mußten seit Ende 1941 täglich die Menschen auswählen, die für die Deportation in die Vernichtungslager bestimmt waren.
1942 begann der Transport von über 300.000 Juden in das Vernichtungslager Treblinka, wo sie in den Gaskammern umgebracht wurden. Die verbliebenen 70.000 Juden des Warschauer Ghettos wurden während ihres verzweifelten 4-wöchigen Aufstandes (April/Mai 1943) getötet. Gegen die militärische Übermacht der Deutschen hatten die kaum bewaffneten Juden keine Chance.

Gefangene im Konzentrationslager Buchenwald
Gefangene im Konzentrationslager Buchenwald, 1945, Quelle: U.S. Defence Visual Information Center, image #HD-SN-99-02764; NARA image ARC #535561, file #208-AA-206K(31).

»Konzentrationslager«

Hitler ließ nach dem Reichstagsbrand (27. Februar 1933) zahllose angebliche und/oder tatsächliche Gegner verhaften. Um der Überfüllung der Haftanstalten zu entgegnen, wurden von der SA zunächst behelfsmäßige Lager zur Vollstreckung der »Schutzhaft« eingerichtet.
Das Lager Dachau war das erste »reguläre« Konzentrationslager. Die von Kommandant Theodor Eicke (1892-1943) eingeführte Lagerordnung wurde übernommen für die weiteren Konzentrationslager der Nazis, zu denen vor allem die KZ in Buchenwald, Flossenbürg, Groß-Rosen, Mauthausen, Neuengamme, Oranienburg/Sachsenhausen und Ravensbrück gehörten.
Die immer brutaler werdende Bewachung erfolgte durch die so genannten »Totenkopfverbände« der SS. Zu den Inhaftierten gehörten neben den »politischen Gegnern« auch Juden, Homosexuelle, Zigeuner, so gen. »Asoziale«, und »feindliche« Ausländer. Misshandlungen, Hinrichtungen, grausame medizinische Experimente, Folter, Seuchen und Hunger waren an der Tagesordnung und forderten zahllose Opfer.

Auschwitz im damals deutsch-besetzten Polen war das größte nationalsozialistische KZ und Vernichtungslager; 1940 entstand das KZ Auschwitz I (= Stammlager), 1941 Auschwitz III (= Monowitz/Lager Buna) und Ende 1941/Anfang 1942 Auschwitz II (= Birkenau), das eigentliche Vernichtungslager. Auschwitz hatte eine Doppelfunktion: es diente mit seinen rund 40 Außenstellen einerseits als Arbeitslager, zum anderen der Tötung von kranken Häftlingen, Sinti und Roma, Kriegsgefangenen, vor allem aber von Juden im Rahmen der so genannten »Endlösung der Judenfrage«.
In Auschwitz, dessen Gaskammern von Mitte 1941 bis Ende Oktober 1944 in Betrieb waren, sind über eine Million Menschen getötet worden, weitere 500.000 Häftlinge erlagen Folter, Menschenversuchen und den Haftbedingungen (Gesamtschätzungen reichen bis 3 Millionen Ermordete). Am 27. Januar 1945 erreichten Einheiten der Roten Armee das evakuierte Auschwitz, wo sie nur 7.600 Überlebende vorfanden.

Im Konzentrationslager Treblinka im damals deutsch-besetzten Polen wurden von 1942-1944 über 900.000 Menschen (meist Juden) getötet, darunter 323.000 Juden aus dem Warschauer Ghetto.

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Zuletzt geändert am 21.06.2009

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