Leonardo da Vinci

Das letzte Abendmahl

Das letzte Abendmahl
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Leonardo da Vinci: Das letzte Abendmahl, 1495-1497, Santa Maria delle Grazie, Refektorium, Mailand, Maße: 420 x 910 cm
Bartholomäus, Jakobus der Jüngere, Andreas, Petrus, Judas Ischariot (sitzend), Johannes, Jesus, Thomas, Jakobus, Philippus, Matthäus, Thaddäus, Simon der Zelot
Detail I | Detail II | Studie von Peter Paul Rubens (1577-1640)
The Last Supper in detail (hochauflösendes Bild)

Leonardo schätze die Fresko-Technik nicht, da diese eine schnelle Malweise erfordert. Das Abendmahl führte er daher in Tempara auf einem mit zwei Schichten vorbereiteten Untergrund aus: eine erste Schicht aus Kalziumcarbonat brachte er direkt auf den Wandputz auf. Auf die zweite Schicht aus Bleiweiß trug er dann das Gemälde auf. Seit dem 18. Jahrhundert wurde mehr oder weniger erfolgreich versucht, das sich von der Wand lösende Bild zu retten und zu restaurieren. Dies gelang erst bei Restaurationen ab den 1970er Jahren, wobei die urspünglichen, variantenreichen Farben und viele Details wieder zum Vorschein kamen.


Zu einer recht friedlichen Betrachtung gibt es Anlaß, wie viele Menschen hier im stillen leben, und wie sich jeder nach seiner Weise beschäftigt. Wir sahen bei einem Geistlichen, der ohne großes angebornes Talent sein Leben der Kunst widmete, sehr interessante Kopien trefflicher Gemälde, die er in Miniatur nachgebildet hat. Sein vorzüglichstes nach dem Abendmahl des Leonhard da Vinci in Mailand. Der Moment ist genommen, da Christus den Jüngern, mit denen er vergnügt und freundschaftlich zu Tische sitzt, erklärt und sagt: »Aber doch ist einer unter euch, der mich verrät.«
Man hofft einen Kupferstich entweder nach dieser Kopie oder nach andern, mit denen man sich beschäftigt. Es wird das größte Geschenk sein, wenn eine treue Nachbildung im großen Publikum erscheint.

Johann Wolfgang von Goethe - Italienische Reise;
Quelle: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, S. 28212 (vgl. Goethe-HA Bd. 11, S. 166)


Das 1498 vollendete Abendmahl gehört - zusammen mit der Mona Lisa - zu den berühmtesten Bildern der Welt. Schon nach zwei Jahrzehnten zeigte es starke Schäden, weil sich Leonardo einer Technik - Tempera auf Stein - bediente, die sich nicht bewährte; erst nach jahrhundertelanger Vernachlässigung vermochte es die modernste Restaurierungskunst, seinem weiteren Verfall Einhalt zu gebieten.

Trotz dieses tragischen Schicksals wurde und blieb das Abendmahl das für alle Zeiten gültige klassische Beispiel vollkommener Kunst: Der Aufbau der Szene ist meisterhaft, die Macht ihrer Wirkung beruht auf dem ergreifenden Kontrast, mit welchem die Schar der Jünger Christus gegenübergestellt ist. Eben sind die Worte gefallen: »Einer unter Euch wird mich verraten«; alle Apostel sind - als Menschen im Unverstehen des Geschehens befangen - in Erregung, während Christus - allein im Bewußtsein seiner göttlichen Sendung - in einsamer, verklärter Ruhe verharrt. Nur einer ist geheimer Mitwisser: Judas, den die Bewegung der Gefährten gleichsam umkreist und ausschließt; in dieser Isolierung wird er zum zweiten, jedoch schuldhaft Einsamen der Gemeinschaft.

Quelle: Leonardo Da Vinci in »Kindlers Malereilexikon« (1964-1971), S. 5691 ff


Vor allen Dingen besuchte ich noch das berühmte Abendmahlsgemälde von Leonardo da Vinci in dem Kloster der heiligen Maria. Das Kloster ist jetzt leer, und das Refektorium, wo das Gemälde an der Wand ist, war während der Revolution, wie man sagt, einige Zeit sogar ein Pferdestall. Das Stück ist einige Male restauriert. Volpato hat es zuletzt gezeichnet und Morghen gestochen, und wahrscheinlich ist der Stich, der für ein Meisterstück der Kunst gilt, auch bei euch schon zu haben; Du magst ihn also sehen und urteilen. Ich sah ihn in Rom zum ersten Male. Auch in dem verfallenen Zustande ist mir das Original noch weit lieber als der Stich, so schön auch dieser ist. Volpato ist vielleicht etwas willkürlich bei der Kopierung zu Werke gegangen, da das Stück dem gänzlichen Verfalle sehr nahe ist. Wir sind indessen dem Künstler Dank schuldig für die Rettung. Ich sage nichts von dem schönen Charakter der übrigen Jünger; mit vorzüglich feinem Urteil hat der Maler den Säckelmeister Judas Ischariot behandelt, damit er die ehrwürdige Gesellschaft nicht durch zu grellen Kontrast schände. Auch der Geist des Mannes ist nicht verfehlt. Er sitzt da wie ein kühner, tiefsinniger, mit sich selbst nicht ganz unzufriedener Finanzminister, der einen großen Streich wagt; er rechnete für die Gesellschaft, nicht für sich. Auch psychologisch ist Ischariot noch kein Bösewicht, nur ein Unbesonnener. Ein Bösewicht hätte sich nachher nicht getötet. Er glaubte, der Prophet würde sich mit Ehre retten. Ich möchte freilich nicht Judas sein und meinen Freund auf diese Weise in Gefahr setzen; aber vielleicht eben nur darum nicht, weil ich nicht so viel Glauben habe als er.
Jetzt muß man auf einer Leiter hinuntersteigen in den Saal, der untere Eingang ist vermauert, und nun leidet das Stück durch feuchte, dumpfe Luft vielleicht ebensosehr als vorher durch andere üble Behandlung.

Johann Gottfried Seume (1763-1810): Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802.
Quelle: Deutsche Literatur von Lessing bis Kafka, S. 87626, (vgl. Seume-P, S. 519 ff.)

Zuletzt geändert am 05.05.2009

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