Kalenderblatt - Thema: Wilhelm II. (1859-1941)

Vier Monarchen
Zar Ferdinand I. (1861-1948) von Bulgarien, der deutsche Kaiser Wilhelm II. (1859-1941), Mehmed V. Res (1844-1918), Sultan des Osmanischen Reiches und Franz Joseph I. (1830-1916), der Kaiser von Österreich-Ungarn. Gemälde von Karl Schellbach (1850-1921), 1915.

Chronik:

  • 15.06.1888: Im »Drei-Kaiser-Jahr« stirbt zunächst Wilhelm I. (1797-1888) am 9. März 1888 im Alter von 91 Jahren. Die liberalen (freiheitlichen) Ansichten seines Sohnes und Nachfolgers Friedrich III. (1831-1888) stehen im Gegensatz zu seinem Vater. Er ist jedoch bereits schwer an Kehlkopfkrebs erkrankt und stirbt nach 99 Tagen der Regierung am 15. Juni 1888 im Alter von 57 Jahren. Sein Sohn, der 29jährige Wilhelm II. (1859-1941), besteigt am 15. Juni 1888 den Thron. Er gilt als Gegner der Politik Bismarcks und hat ganz eigene Vorstellungen vom Regieren. Seine unbedachten, oft großspurigen oder drohenden Äußerungen führen das Deutsche Reich in die Isolation (siehe 27. Juli 1900, die »Hunnenrede«).
    Link: »Drei-Kaiser-Jahr« in der Wikipedia
  • 20.03.1890: »Der Lotse geht von Bord« - Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) nimmt das Rücktrittsgesuch des Reichskanzlers und preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck (1815-1898) an. Vorausgegangen waren erhebliche Meinungsverschiedenheiten in Bezug auf Regierungsgeschäfte. Wilhelm II. strebte nach einem »persönlichem Regiment«. Zudem war Bismarck am 25. Januar 1890 mit seinem Antrag auf Verlängerung des Sozialistengesetzes (siehe 21. Oktober 1878) vor dem Reichstag gescheitert. Nachfolger von Bismarck wird Leo Graf von Caprivi (1831-1899); er verfolgt einen »neuen Kurs«, ist um Ausgleich bemüht und setzt u.a. 1891 ein Gesetz zum Arbeiterschutz durch.
    Link: Otto von Bismarck in der Wikipedia
  • 01.01.1891: Das Deutsche Reich übernimmt die Verwaltung Deutsch-Ostafrikas und besitzt dadurch nun Kolonien mit einer Gesamtfläche von etwa 2.660.000 Quadratkilometern und über zwölf Millionen Einwohnern. Die deutschen Kolonien gehen aus Handelsniederlassungen hervor, die dem Schutz des Reichs direkt unterstellt wurden; dazu gehören neben Deutsch-Ostafrika Deutsch-Südwestafrika, Kamerun und Togo.
  • 03.01.1896: Per Telegramm gratuliert der deutsche Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) dem Präsidenten von Transvaal, Paul »Ohm« Krüger, zu dessen Sieg über britische Invasionstruppen.
    »Ich spreche Ihnen Meinen aufrichtigen Glückwunsch aus, dass es Ihnen ohne an die Hülfe befreundeter Mächte zu appellieren, mit Ihrem Volk gelungen ist, ... gegenüber den bewaffneten Scharen, welche als Friedensstörer in Ihr Land eingebrochen sind, den Frieden wiederherzustellen und zu bewahren.«.
    Die »Krüger-Depesche« verschärft die Spannungen zwischen Großbritannien und dem Deutschen Reich.
  • 23.09.1898: Der deutsche Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) eröffnet den Freihafen in Stettin. Nach der Rede des Oberbürgermeisters Hagen bemerkt der Kaiser »Unsere Zukunft liegt auf dem Wasser«. Am 28. März 1898 hatte der deutsche Reichstag mehrheitlich das erste Flottengesetz verabschiedet.

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von Hindenburg, Wilhelm II. und Ludendorff
General von Hindenburg, Kaiser Wilhelm II. und General Ludendorff im Januar 1917, Quelle: [13]
  • 19.06.1900: »Peking muss rasiert werden.« telegrafiert der deutsche Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) an Reichskanzler Bernhard von Bülow (1849-1929). In dem Telegramm äußert der Kaiser sich in aggressiver Form zum so genannten »Boxeraufstand« in China (siehe 20. Juni 1900). (Zitat aus: Mommsen, Imperialismus (1977), S. 133 f)
  • 27.07.1900: Bei der Verabschiedung deutscher Truppen nach China (siehe 20. Juni 1900) hält Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) seine berühmt-berüchtigte »Hunnenrede«. Hier die 'Originalversion' (veröffentlicht wurde auf Veranlassung des Reichskanzlers von Bülow eine entschärfte Fassung):
    »Kommt ihr vor den Feind, so wird derselbe geschlagen! Pardon wird es nicht geben! Gefangene werden nicht gemacht! Wer euch in die Hände fällt, sei euch verfallen! Wie vor 1000 Jahren die Hunnen unter ihrem König Etzel sich einen Namen gemacht, der sie noch jetzt in Überlieferung und Märchen gewaltig erscheinen lässt, so möge der Name Deutscher in China auf 1000 Jahre durch euch in einer Weise betätigt werden, dass niemals wieder ein Chinese es wagt, einen Deutschen auch nur scheel anzusehen!«
  • 02.01.1904: Beginn des Aufstandes der Hereros in Deutsch-Südwestafrika gegen die deutsche Kolonialherrschaft. Am 11. August 1904 erleiden die Hereros in der Schlacht bei Waterberg eine entscheidende Niederlage. Seit 1884, als Südwestafrika deutsche Kolonie wurde, werden die Viehzucht betreibenden Hereros von den weißen Siedlern von den Weiden und Wasserstellen vertrieben. Dadurch verloren sie ihre Existenzgrundlage.
    Link: Hereros in der Wikipedia
  • 31.03.1905: Mit seinem Besuch in Tanger, der gegen das Vordringen Frankreichs in Marokko gerichtet ist, löst der deutsche Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) die so genannte erste »Marokko-Krise« aus.
    Link: Die erste Marokko-Krise 1905/06
  • 16.10.1906: Der vorbestrafte, arbeitslose Schuster Wilhelm Voigt (1849-1922) kommandiert in der Uniform eines Hauptmanns zehn Soldaten nach Köpenick bei Berlin ab und lässt dort den Bürgermeister und den Kassendirektor verhaften; dann beschlagnahmt er die Stadtkasse. Er wird zu 4 Jahren Gefängnis verurteilt, auf Veranlassung von Wilhelm II. (1859-1941) aber bereits nach 2 Jahren aus der Haft entlassen. Mit seiner Tat gibt er den Autoritätsglauben des wilhelminischen Kaiserreiches der Lächerlichkeit preis. Die Geschichte ist Vorlage für Carl Zuckmayers (1896-1977) Roman »Hauptmann von Köpenick« (1931), der später mehrfach verfilmt wird.
    Link: Der »Hauptmann von Köpenick« in der Wikipedia
  • 27.10.1906: Der Publizist Maximilian Harden (Felix Ernst Witkowski, 1861-1927) bezichtigt in der Zeitschrift »Die Zukunft« den Berliner Stadtkommandanten Kuno Graf Moltke der Homosexualität. Auch andere hohe Beamte, darunter der mit dem Kaiser befreundete Philipp Fürst zu Eulenburg und Hertefeld (1847-1921), werden in den Skandal verwickelt. Die so genannte »Eulenburg-Affäre« führt zum wohl größten Skandal des zweiten deutschen Kaiserreiches. Es kommt zu mehreren Prozessen, Eulenburg wird vom Hof verbannt.
    Links: Die Harden-Eulenburg-Affäre und Maximilian Harden in der Wikipedia
  • 31.03.1907: Trotz andauernder Unruhen erklärt der deutsche Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) den Kriegszustand in Deutsch-Südwestafrika (heute: Namibia) offiziell für beendet. Im so genannten »Hottentottenkrieg« (1903-1907) sterben rund 90.000 Einheimische und etwa 1.500 Angehörige der deutschen Kolonialtruppen. Im Dezember 1903 kam es zu einem Aufstand der Bondelswart-Hottentotten. Am 12. Januar 1904 begann der Aufstand der Herero, die in der »Schlacht am Waterberg« am 11. August 1904 eine Niederlage erlitten. Am 13. Dezember 1906 erklärt die deutsche Regierung die Fortsetzung des Krieges zur »nationalen Frage«. Am 6. September 1907 stellen die deutschen Truppen ihre Kampfhandlungen ein.
    Link: Der »Aufstand der Herero und Nama« in der Wikipedia
  • 27.04.1907: Um dem deutschen Kaiser Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) zu schaden, berichtet der Publizist Maximilian Harden (1861-1927) in der Zeitschrift »Die Zukunft« über die angebliche Homosexualität des Diplomaten und engen Vertrauten des Kaisers, Philipp Fürst zu Eulenburg und Hertefeld (1847-1921). Die so genannte »Harden-Eulenburg-Affäre« ist einer der größten Skandale der Wilhelminischen Zeit.
    Link: Die »Harden-Eulenburg-Affäre« in der Wikipedia
  • 17.05.1907: Der deutsche Reichstag erlässt die Bildung des Reichskolonialamtes, bestehend aus der bisher mit dem Auswärtigen Amt verbundenen Kolonialabteilung und dem Oberkommando der Schutztruppen. Diese Zentralbehörde ist direkt dem Reichskanzler unterstellt und wird durch einen Staatssekretär geleitet. Erster Staatssekretär im Reichskolonialamt wird Bernhard Dernburg (1865-1937).
    Link: Das Reichskolonialamt in der Wikipedia
  • 05.10.1908: Österreich-Ungarn annektiert Bosnien und Herzegowina, die sich schon seit 1878 unter seiner Verwaltung befinden. Es kommt zu Protesten Serbiens, das ein »Großserbisches Reich« errichten will und einen Ausgleich fordert. Ein drohender militärischer Konflikt kann durch die Vermittlungen Englands, Frankreichs, Italiens und des Deutschen Reiches verhindert werden. Am 10. März 1909 lenkt Serbien mit dem Hinweis ein, die bosnisch-herzegowinische Frage sei eine europäische Frage und die Signatarmächte des Berliner Vertrages (1878) hätten über die Behandlung Bosniens und der Herzegowina zu entscheiden.
  • 28.10.1908: In einem Zeitungsartikel des britischen »Daily-Telegraph« äußert sich der deutsche Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) gegenüber seinem Freund, dem britischen Oberst Stuart Wortley, zu Fragen der deutsch-britischen Beziehungen. Der Artikel löst in Deutschland eine politische Krise aus und belastet das deutsch-britische Verhältnis schwer.
    »Ihr Engländer seid verrückt, verrückt wie die Märzhasen. Was ist über euch gekommen, dass ihr euch so völlig einem Argwohn überlassen habt, der einer ganzen Nation unwürdig ist?« schreibt er, und weiter: »Deutschland muss eine mächtige Flotte haben, um diesen Handel und seine mannigfaltigen Interessen auch in entferntesten Meeren zu schützen. Es erwartet, dass diese Interessen sich noch ausbreiten, und muss fähig sein, sie in jedem Teil des Erdballs männlich zu verteidigen. Deutschland schaut vorwärts.« (Zitat aus: Lautemann, Geschichte in Quellen (1980), Bd. 5, S. 635 f)
  • 01.07.1911: Das Deutsche Reich entsendet das deutsche Kanonenboot »Panther« nach Agadir in Marokko. Der »Panthersprung nach Agadir« löst die so genannte zweite »Marokko-Krise« zwischen Frankreich und dem Deutschen Reich aus.
    Link: Die zweite Marokko-Krise 1911
  • 08.10.1912: Das Königreich Montenegro erklärt dem Osmanischen Reich (Türkei) nach wochenlangen Spannungen zwischen den Balkanstaaten und dem Osmanischen Reich den Krieg. Serbien, Bulgarien, Griechenland und Montenegro verbünden sich kurz darauf zum »1. Balkanbund« und erklären dem Osmanischen Reich am 17. Oktober den Krieg. Im »1. Balkankrieg« erleidet das Osmanische Reich vernichtende Niederlagen, es kapituliert am 8. November 1912 in Saloniki, am 3. Dezember 1912 wird in Tschataldscha ein Waffenstillstandsabkommen unterzeichnet, der am 30. Januar 1913 wieder aufgekündigt wird. Am 30. Mai 1913 kommt es zum »Londoner Primärfrieden«, der die Spannungen jedoch nicht beheben kann.
    Link: Der Balkankrieg in der Wikipedia
  • 29.06.1913: Im »2. Balkankrieg« greift Bulgarien Serbien an. Auslöser ist Streit um die Aufteilung Makedoniens. Montenegro, Griechenland, Rumänien und das Osmanische Reich bilden mit Serbien den »2. Balkanbund«. Am 29. Juli 1913 nehmen Serbien, Griechenland, Rumänien und Bulgarien Friedensverhandlungen auf. Die österreichisch-ungarische Drohung, auf der Seite Bulgariens in den Krieg einzutreten, führt im August 1913 zum »Frieden von Bukarest«. Bulgarien verliert große Gebiete, was das politische Gewicht der beteiligten Balkan-Mächte Bulgarien, Rumänien, Serbien und Griechenland verändert. Serbien erlangt nun die gleiche politische Bedeutung wie Bulgarien. Die Spannungen der Staaten untereinander nehmen zu.
    Link: Der Balkankrieg in der Wikipedia
  • 13.12.1913: Vertreter des Dreibundes (Deutsches Reich, Österreich-Ungarn, Italien) diskutieren über einen Krieg gegen Frankreich und Russland. Der deutsche Botschafter in Österreich-Ungarn, Heinrich Leonhard von Tschirschky und Bögendorff, und der österreich-ungarische Generalstabschef, Franz Graf von Conrad von Hötzendorf, vertreten die Ansicht, dass sich die die Situation des Dreibundes in Europa verschlechtern würde. Auf der anderen Seite steht die »Tripel entente«, in der sich Großbritannien, Frankreich und Russland zusammengeschlossen haben.
  • 1914-1918: siehe Erster Weltkrieg
  • 09.11.1918: Die Reichshauptstadt Berlin wird von der Novemberrevolution erfasst. Der Machtkampf zwischen den Mehrheitssozialdemokraten (MSPD) und der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USDP) entscheidet sich für die MSPD. Reichskanzler Prinz Max von Baden (1897-1929) verkündet eigenmächtig die Abdankung des deutschen Kaisers Wilhelm II. (1859-1941), der ins niederländische Exil geht. Er ernennt den Führer der MSPD, Friedrich Ebert (1871-1925), zum neuen Reichskanzler und tritt selbst zurück. Durch Philipp Scheidemann (1865-1939), Mitglied der MSPD, wird gegen 14:00 Uhr vom Reichstagsgebäude in Berlin aus die »Deutsche Republik« ausgerufen. Gegen 16:00 Uhr ruft Karl Liebknecht (1871-1919), der Führer des Spartakusbundes, vor dem Berliner Schloss die »Freie Sozialistische Republik aus«.

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Wilhelm II. und Winston Churchill, um 1916
Wilhelm II. und Winston Churchill bei einem Manöver, um 1916 (?), Quelle: [16]
  • 11.04.1921: Die letzte Königin von Preußen und deutsche Kaiserin Auguste Viktoria ( Auguste Viktoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg, 1858-1921), Frau des ehemaligen deutschen Kaisers Wilhelm II. (1859-1941), stirbt in Haus Doorn in den Niederlanden. Ihre Leiche wird nach Potsdam überführt.
  • 05.11.1921: Der ehemalige deutsche Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) heiratet die verwitwete Hermine von Schönaich-Carolath, geborene Prinzessin Reuß ä.L. (1887-1947).
    Link: Wilhelm II. - Deutscher Kaiser und König von Preußen
  • 1931/1932: Weil er auf eine Wiedereinführung der Monarchie in Deutschland hofft, empfängt der ehemalige deutsche Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) den nationalsozialistischen Politiker Hermann Göring in Haus Doorn.
  • 1940: Nach der Einnahme von Paris schickt der ehemalige deutsche Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) dem deutschen Diktator Adolf Hitler (1889-1945) ein Telegramm und gratuliert dem »Sieg der deutschen Waffen«. Vermutlich handelt es sich bei diesem Telegramm jedoch um eine Fälschung, die von Wilhelms Sekretär verfasst wurde.
  • 04.06.1941: Der ehemalige deutsche Kaiser Wilhelm II. (1859-1941) stirbt in Haus Doorn im niederländischen Exil. Adolf Hitler (1889-1945) ordnet eine Beisetzung mit militärischen Ehren im Mausoleum Doorn an.
    Link: Wilhelm II. - Deutscher Kaiser und König von Preußen

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Zuletzt geändert am 30.12.2014

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