Kalenderblatt - Thema: Weimarer Republik (1919-1933)

Massendemonstration meuternder Matrosen
Revolution 1918/19: Massendemonstration meuternder Matrosen der kaiserlichen Kriegsflotte auf dem Kieler Marktplatz am 4. November 1918. Quelle: © AdsD der Friedrich-Ebert-Stiftung

Chronik:

  • 09.11.1918: Die Reichshauptstadt Berlin wird von der Novemberrevolution erfasst. Der Machtkampf zwischen den Mehrheitssozialdemokraten (MSPD) und der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (USDP) entscheidet sich für die MSPD. Reichskanzler Prinz Max von Baden (1897-1929) verkündet eigenmächtig die Abdankung des deutschen Kaisers Wilhelm II. (1859-1941), der ins niederländische Exil geht. Er ernennt den Führer der MSPD, Friedrich Ebert (1871-1925), zum neuen Reichskanzler und tritt selbst zurück. Durch Philipp Scheidemann (1865-1939), Mitglied der MSPD, wird gegen 14:00 Uhr vom Reichstagsgebäude in Berlin aus die »Deutsche Republik« (»Weimarer Republik«) ausgerufen. Gegen 16:00 Uhr ruft Karl Liebknecht (1871-1919), der Führer des Spartakusbundes, vor dem Berliner Schloss die »Freie Sozialistische Republik aus«.
    Links: »Weimarer Republik« und »Novemberrevolution«in der Wikipedia
  • 12.11.1918: Eine provisorische deutsch-österreichische Nationalversammlung proklamiert die Republik Deutsch-Österreich.
  • 14.11.1918: Die Republik Tschechoslowakei wird ausgerufen. Erster Präsident wird der aus dem Exil zurückgekehrte Tomás Masaryk (1850-1937).
  • 16.11.1918: Der radikale Reformpolitiker Graf Mihály Graf Károly (1875-1955) wird in Ungarn zum Ministerpräsidenten bestimmt. Er ruft die Republik Ungarn aus und löst alle staatsrechtlichen Verbindungen zu Österreich.

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  • 06.01.1919: Nach der Besetzung des Berliner Zeitungsviertels durch bewaffnete Demonstranten am 5. Januar beginnt am 6. Januar der »Spartakusaufstand«. Am 1. Januar hatten Rosa Luxemburg (1870-1919) und Karl Liebknecht (1871-1919) mit Bremer Linkssozialisten die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) gegründet, um die Massen zu organisieren und die Gründung einer sozialistischen Republik durchzusetzen, sowie die Wahlen zur Nationalversammlung am 19. Januar zu verhindern. Zum Jahreswechsel scheiden allerdings fast alle linkssozialistischen Politiker aus der Regierung aus, am 4. Januar wird schließlich auch der Berliner Polizeipräsident Emil Eichhorn (1863-1925) abgesetzt. Nur ein Teil der Berliner Arbeiterschaft folgt dem Kampfaufruf Liebknechts und Georg Ledebours (1850-1947, Sprecher der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschland, USDP). Am 11. und 12. Januar wird der Aufstand von Regierungstruppen niedergeschlagen.
    Link: Der »Spartakusaufstand« in der Wikipedia
  • 15.01.1919: Die nach dem gescheiterten »Spartakusaufstand« untergetauchten KPD-Führer Rosa Luxemburg (1870-1919) und Karl Liebknecht (1871-1919) werden nach ihrer Verhaftung bei der Überführung in das Untersuchungsgefängnis Moabit von Angehörigen der Gardekavallerie-Schützendivison ermordet. Die Leiche von Rosa Luxemburg wird erst Ende Mai aus dem Landwehrkanal geborgen. Die Reichsregierung verdammt den feigen Mord. Das Urteil im nachfolgenden Prozess führt zu 6 Freisprüchen und 2 Haftstrafen. Der zu zwei Jahren Gefängnis verurteilte Oberleutnant Vogel, der Leiter der Wachmannschaft, flieht mit Hilfe anderer Offiziere am 19. Mai nach Holland.
    Links: Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg in der Wikipedia
  • 19.01.1919: Bei den Wahlen zur verfassungsgebenden deutschen Nationalversammlung gewinnen »SPD« (Sozialdemokratische Partei Deutschlands, Vorsitzender: Friedrich Ebert), »Zentrum« (in Bayern »Bayerische Volkspartei«, Vorsitzender: Karl Trimborn) und »DDP« (Deutsche Demokratische Partei, Vorsitzender: Friedrich Naumann). Erstmal in der deutschen Geschichte nehmen auch Frauen an der Wahl teil, sie stellen 54 Prozent der Wahlberechtigten. Am 11. Februar wird Friedrich Ebert (1871-1925, SPD) zum ersten deutschen Reichspräsidenten und am 13. Februar Philipp Scheidemann (1865-1939, SPD) zum Reichskanzler gewählt.
  • 21.02.1919: Der bayerische Ministerpräsident und Publizist Kurt Eisner (1867-1919) wird von dem nationalistischen Offizier Anton Graf Arco auf Valley (1897-1945) erschossen. Die Ermordung führt zur kurzfristigen Errichtung einer sozialistischen Räteherrschaft, die am 2. Mai 1919 mit einem Blutbad gestürzt wird.
  • 28.06.1919: Die deutsche Delegation unter Außenminister Hermann Müller (1876-1931, SPD) unterzeichnet den »Friedensvertrag von Versailles«, der ihnen am 7. Mai 1919 von dem französischen Ministerpräsidenten Georges Clemenceau (1841-1929) zur Stellungnahme überreicht worden war. Eine Ablehnung hätte zur Wiederaufnahme der Kriegshandlungen geführt. Der Inhalt des Vertrages ist erdrückend. So wird dem Deutschen Reich die alleinige Kriegsschuld angelastet, sämtliche Kolonien gehen verloren. Elsass-Lothringen fällt an Frankreich, Westpreußen und Posen kommen zu Polen, Danzig wird freie Stadt, Memelland erhält eine alliierte Verwaltung. Das Hultschiner Ländchen kommt zur Tschechoslowakei, Volksabstimmungen entscheiden über die Zugehörigkeit weiterer Gebiete. Die allgemeine Wehrpflicht wird verboten, die Stärke der Reichswehr und der Flotte wird stark eingeschränkt, schwere Waffen sind untersagt. Der »Friedensvertrag von Versailles« tritt am 10. Januar 1920 in Kraft.
    Link: Der Vertrag von Versailles in der Wikipedia
  • 11.08.1919: Reichspräsident Friedrich Ebert (1871-1925) unterzeichnet die Verfassung des Deutschen Reichs (Weimarer Reichsverfassung), die erste praktizierte demokratische Verfassung Deutschlands (»Geburtsstunde der Demokratie in Deutschland«). Zeitgleich wird die schwarz-weiß-rote Flagge durch die Farben Schwarz-Rot-Gold ersetzt.
    Link: Die »Weimarer Verfassung« in der Wikipedia
  • 10.09.1919: Nach Zustimmung der Wiener Nationalversammlung unterzeichnet Österreich in St. Germain-en-Laye (bei Paris) den Friedensvertrag der Alliierten. Österreich muss, wie das Deutsche Reich, die Kriegsschuld auf sich nehmen und verliert Südtirol, Triest, Istrien und Dalmatien und muss die staatliche Selbständigkeit von Ungarn, Polen, der Tschechoslowakei und Jugoslawien anerkennen. Der Anschluss an das Deutsche Reich ist untersagt.
  • 18.11.1919: Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg (1847-1934) prägt den Begriff von der »Dolchstoßlegende« vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuss, der im Auftrag der Nationalversammlung die Schuldfrage des Weltkrieges klären soll. Schuld an der Niederlage seien die Arbeiter, die Politiker im Reichstag und die Friedenspropaganda, die dem »im Felde unbesiegten Heer« in den Rücken gefallen seien. Zusammen mit Hindenburg muss sich auch General Erich Ludendorff (1865-1937) verantworten. Ludendorff hatte Ende September 1918, als die Niederlage unmittelbar bevorstand, einen Plan zur Rettung der Ehre der Armee erarbeitet. Ein Waffenstillstand war unausweichlich, doch sollte das Waffenstillstandsgesuch von der Regierung ausgehen, die Schuld sollte auf die Parteien SPD, Zentrum und Liberale fallen. Hindenburg unterstützte diesen Plan, den man dann am 29. September dem Reichskanzler mitteilte.
    Hindenburg: »Die Heimat hat uns von diesem Augenblick an (1916) nicht mehr unterstützt. Wir erhoben oft unsere warnende Stimme. Seit dieser Zeit setzte auch die heimliche Zersetzung von Heer und Flotte ein. Die Wirkung dieser Bestrebungen war der Obersten Heeresleitung während des letzten Kriegsjahres nicht verborgen geblieben. Die braven Truppen, die sich von der revolutionären Einwirkung frei hielten, hatten unter der Einwirkung der revolutionären Kameraden schwer zu leiden. Unsere Forderung, strenge Zucht und strenge Handhabung der Gesetze durchzuführen, wurde nicht erfüllt. So mussten die Operationen misslingen, so musste der Zusammenbruch kommen, die Revolution bildete nur den Schlussstein. Ein englischer General sagte mit Recht: Die deutsche Armee ist von hinten erdolcht worden. Wo die Schuld liegt, bedarf keines Beweises. Das ist in großen Linien die tragische Entwicklung des Krieges für Deutschland.«
    Quelle: »Das Jahrhundertbuch«, ADAC/Bertelsmann 1999, S. 255

    Link: Die »Dolchstoßlegende« in der Wikipedia

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Wohnungselend
Wohnungselend in der Weimarer Republik: 29 qm mit feuchten Wänden
für eine 12köpfige Familie, Quelle: © AdsD der Friedrich-Ebert-Stiftung
  • 13.03.1920: Durch den Versailler Vertrag (28. Juni 1919) ist das Deutsche Reich zu einer Verminderung der Truppenstärke gezwungen. Davon sind u.a. auch Freikorpsverbände wie die Brigade Ehrhardt betroffen, die den Auflösungsbefehl ignoriert und als militärische Kerntruppe eines Putschversuches in Berlin einrückt. Da die Reichswehr untätig bleibt, flieht die Regierung nach Stuttgart. Die Regierung wird für abgesetzt erklärt und eine neue Regierung unter dem selbst ernannten Reichskanzler Wolfgang Kapp (1858-1922) gebildet. Die Aufständischen erhalten allerdings nicht die erhoffte Unterstützung, ein Generalstreik im gesamten Reich führt am 17. März zum Rücktritt Kapps und zum Ende des »Kapp-Putsches«.

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  • 29.01.1921: Die Reparationsforderungen der Siegermächte des 1. Weltkrieges an das Deutsche Reich werden auf utopische 226 Milliarden Goldmark, zahlbar in 42 Jahresraten, festgelegt. Siehe: 7. März 1921.
  • 07.03.1921: Die Londoner Konferenz, auf der Reparationsforderungen (226 Milliarden Goldmark) der Siegermächte des 1. Weltkrieges an das Deutsche Reich bekannt gegeben werden, scheitert. Das Deutsche Reich ist nicht bereit, diese utopische Summe zu bezahlen. Am 8. März beginnen die Alliierten mit der Besetzung des Ruhrgebietes. Am 4. Mai treten Kanzler Konstantin Fehrenbach (1852-1926) und das gesamte Kabinett zurück. Am 5. Mai stellen die Alliierten ein neues Ultimatum, die endgültige Reparationsforderung beträgt 132 Milliarden Goldmark, die innerhalb von 66 Jahren zu zahlen sind. Der Zentrumspolitiker Joseph Wirth (1879-1956) bildet am 10. Mai zusammen mit SPD und DDP ein Kabinett der Weimarer Koalition und nimmt das Ultimatum am 11. Mai an. Wirth erhofft sich von der so genannten »Erfüllungspolitik« Sympathien bei den Siegermächten.
  • 26.08.1921: Matthias Erzberger (1875-1921) wird von Angehörigen der rechten Organisation »Consul« ermordet. Erzberger gehörte als Staatssekretär zur Waffenstillstandskommission des Deutschen Reiches und hatte im Auftrag Paul von Hindenburgs am 11. November 1918 in Compiègne (Frankreich) den Waffenstillstand mit den Alliierten unterzeichnet, der den Ersten Weltkrieg beendete. Er wurde auch als »Erfüllungspolitiker« verunglimpft, da er auch die Annahme des Versailler Vertrags befürwortet hatte.

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  • 16.04.1922: In Rapallo, einem Vorort von Genua, schließt der deutsche Reichsaußenminister Walther Rathenau (1867-1922) mit dem sowjet-russischen Außenminister Georgi Wassiljewitsch Tschitscherin einen Vertrag über gegenseitige völkerrechtliche Anerkennung und Gleichberechtigung. Beide Länder verzichten auf Reparationsforderungen und sichern sich gegenseitige wirtschaftliche Unterstützung zu. Man erhofft sich mit dem Vertrag eine Stärkung gegenüber den Alliierten, die Russland zur Reparationsforderung an das Deutsche Reich bewegen wollten. Auf der zeitgleich stattfindenden Konferenz von Genua (10.04.-19.05.1922) stößt das Abkommen zunächst auf Empörung, da man Zusatzklauseln oder ein geheimes Militärabkommen befürchtet.
  • 24.06.1922: Der deutsche Reichsaußenminister Walther Rathenau (1867-1922), einer der bedeutendsten Politiker beim Aufbau der Weimarer Republik, wird in Berlin-Grunewald von wird von Angehörigen der rechten Organisation »Consul« ermordet. Als Reichsminister (1921) für den deutschen Wiederaufbau setzte der jüdische Industrielle eine Milderung der Reparationen durch (Konferenz in Cannes, Januar 1922). 1922 war er der deutsche Vertreter auf der Weltwirtschaftskonferenz in Genua. In Rapallo, einem Vorort von Genua, schloss er mit Sowjetrussland einen Vertrag über gegenseitige völkerrechtliche Anerkennung. Als sozial- und kulturphilosophischer Schriftsteller gehörte Walther Rathenau zu den meistgelesenen Autoren seiner Zeit. Von den antidemokratisch-nationalistischen Rechten wurde er als »jüdischen Erfüllungspolitiker« diffamiert und massiv bedroht.
    Der Vater von Walther Rathenau ist Emil Rathenau (1838-1915), der Gründer der AEG (Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft) .
  • 30.12.1922: Die Sowjetrepubliken Russland, Ukraine, Weißrussland und Transkaukasien gründen die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR).

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Inflationsgeld
Inflationsgeld, Quelle: © AdsD der Friedrich-Ebert-Stiftung
  • 11.01.1923: Französische und belgische Truppen besetzen wegen ausbleibender Reparationszahlungen mit 60.000 (später 100.000) Mann das Ruhrgebiet, um die Zahlungen in Form von Kohle einzutreiben. Der parteilose Reichskanzler Wilhelm Cuno (1876-1933) verkündet am 13. Januar den passiven Widerstand. Es kommt zu Sabotageakten und terroristischen Anschlägen gegen die Besatzer; Sühnemaßnahmen und Todesurteile sind die Folge davon. Der passive Widerstand wird am 26. September 1923 unter dem neuen Reichskanzler Gustav Stresemann (1878-1929) aufgegeben. Die Besatzung des Ruhrgebietes endet im August 1925, entsprechend des 1924 verabschiedeten Dawes-Plans (vom 16. August 1924), der am 1. September 1924 in Kraft tritt.
  • 22.10.1923: Die Inflation erreicht schwindelerregende Ausmaße. Im Juni 1923 kostet ein Ei 800,- Mark, am 2. Dezember 320 Milliarden Mark. Ein Liter Milch kostet im Juni 1.440,- Mark, im Dezember 360 Milliarden Mark. Die Arbeiter tragen ihren Lohn in Wäschekörben gleich nach der Auszahlung zum nächsten Laden, bevor er wieder wertlos geworden ist. Am 15. November beendet eine neue Währungsordnung die Geldentwertung.
  • 09.11.1923: In München organisieren Adolf Hitler (1889-1945) und Erich Ludendorff (1865-1937) den »Marsch auf die Feldherrnhalle«. Hitler erklärt die Regierung des Reichs sowie Bayerns für abgesetzt und sich selbst zum Reichskanzler. Die Polizei zerstreut den Zug der Putschisten mit Maschinengewehrfeuer, mehrere Polizisten und 16 Aufständische werden getötet. Adolf Hitler wird zwei Tage später festgenommen.
  • 15.11.1923: Eine neue Währungsordnung - die Einführung der Rentenmark - beendet die Inflation. Dabei entspricht eine Rentenmark einer Billion Papiermark (Inflations-Mark). In den nächsten Monaten stabilisiert sich der Reichshaushalt, woran vor allem Reichswährungskommissar Hjalmar Schacht (1877-1970) und besonders Reichsfinanzminister Hans Luther (1879-1962) beteiligt sind.

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  • 01.04.1924: Im Hochverratsprozess gegen Adolf Hitler (1889-1945), Erich Ludendorff (1865-1937) und andere wegen des Putsches vom 9. November 1923 werden die Urteile verkündet. Ludendorff wird freigesprochen, Hitler wird zu 5 Jahren Festungshaft verurteilt, aber bereits nach acht Monaten wieder entlassen. Während des Prozesses erhält er Gelegenheit zu stundenlangen Propagandareden, in denen er die Reichsregierung und die Republik auf das übelste beschimpft. Seine Reden machen Hitler im ganzen Deutschen Reich bekannt. Am 27. Februar 1925 gründet Hitler die NSDAP neu, am 18. Juli 1925 veröffentlicht er seine politische Programmschrift »Mein Kampf«, die er während der Festungshaft verfasst hat. Am 9. November 1925 gründet Hitler die SS als Schutzstaffel, die »nationalsozialistische Versammlungen vor Sprengung und Auflösung bewahren soll«
  • 30.08.1924: Im Deutschen Reich wird die Reichsmark als neue Währung eingeführt. Sie ersetzt die Rentenmark (siehe 15. November 1923).

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Reichspräsident Friedrich Ebert
Letzte offizielle Aufnahme des Reichspräsidenten Friedrich Ebert am 15.2.1925 in seinem Arbeitszimmer.
Quelle: © AdsD der Friedrich-Ebert-Stiftung
  • 28.02.1925: Friedrich Ebert (1871-1925), der erste Präsident der Weimarer Republik, stirbt im Alter von nur 54 Jahren an den Folgen einer verschleppten Blinddarmentzündung.
  • 26.04.1925: Der 77-jährige Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg (1847-1934) wird zum Reichspräsidenten gewählt.
  • 18.07.1925: Der Führer der NSDAP, Adolf Hitler (1889-1945) veröffentlicht den ersten Band von »Mein Kampf«. In dem Buch, geschrieben während seiner Festungshaft in Landsberg (siehe 1. April 1924), beschreibt er sein radikales politisches Programm. Es beinhaltet alle Elemente der nationalsozialistischen Ideologie und des Rassenwahns. Ursprünglich nannte Hitler das Werk »Viereinhalb Jahre Kampf gegen Lüge, Dummheit und Feigheit«, der Verleger Max Amann gab dem Werk den einprägsamen Titel.
  • 16.10.1925: In Locarno (Schweiz) beschließen Vertreter des Deutschen Reiches, Frankreichs, Großbritanniens, Belgiens, Italiens, Polens und der Tschechoslowakei ein Sicherheitsabkommen. Das Deutsche Reich erkennt darin die Grenzen zu Frankreich und Belgien an und verzichtet auf Elsass-Lothringen. Für 1926 wird ein Beitritt des Deutschen Reiches zum Völkerbund abgesprochen. Der »Vertrag von Locarno« ist ein wichtiger Schritt zur Verständigung zwischen Frankreich und dem Deutschen Reich.

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  • 18.09.1927: In Hohenstein in Ostpreußen wird ein Nationaldenkmal zur Erinnerung an die Schlacht bei Tannenberg (1914) eingeweiht. Unter den 70.000 Teilnehmern sind auch Erich Ludendorff (1865-1937) und Paul von Hindenburg (1847-1934), dem der ehemalige Kaiser Wilhelm II. telegrafiert: »Möchte der Heldengeist von Tannenberg unser zerrissenes Volk durchdringen«. Hindenburg erklärt in einer Rede die Unschuld des Deutschen Reiches am Weltkrieg. Das Ausland ist entsetzt und empört. Auch die Feier zum 80. Geburtstag Hindenburgs am 2. Oktober gerät zu einem großen Spektakel mit hunderttausenden von jubelnden Teilnehmern.

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Kundgebung zum 10jährigen Jubiläum der Ausrufung der Republik, 1928
Carl Severing (Mitte) und Otto Hörsing (vorne) auf einer Kundgebung des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold zum 10jährigen Jubiläum der Ausrufung der Republik, Magdeburg, 9. November 1928
Quelle: © AdsD der Friedrich-Ebert-Stiftung
  • 27.08.1928: In Paris unterzeichnen 15 Nationen den »Briand-Kellogg-Pakt«, der den Angriffskrieg für völkerrechtswidrig erklärt.

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  • 03.10.1929: Der deutsche Außenminister Gustav Stresemann (1878-1929) stirbt nach einem Schlaganfall. Sein Tod löst im In- und Ausland große Bestürzung und Trauer aus. Durch seine unermüdliche politische Tätigkeit hatte er, wie kaum ein anderer Politiker seiner Zeit, das Deutsche Reich wieder zu einem akzeptierten und geachteten Partner im Ausland gemacht. Am 10. Dezember 1926 hatte er zusammen mit Aristide Briand (1862-1932) den Friedensnobelpreis für das »Wirken für Völkerverständigung nach dem Ersten Weltkrieg und die Ausarbeitung des Locarno-Sicherheitspakets für Europa« (16. Oktober 1925) erhalten.
    »Zu wissen, dass man Recht hat, und dass man nicht anders handeln konnte - und sich auf einmal ganz allein zu finden, verhasst, geschmäht, verleumdet - sich zu fragen, wie soll man dem Irrtum eines ganzen Volkes standhalten? ... Ich war mir bewusst, dass ich in dem Augenblick damit nicht nur vielleicht die eigene Stellung in der Partei, sondern das Leben auf das Spiel setzte. Aber was fehlt uns im deutschen Volk? Und fehlt der Mut zur Verantwortlichkeit.«
    (Gustav Stresemann 1923 vor dem Deutschen Reichstag in Berlin)
  • 25.10.1929: Der »Schwarze Freitag« an der New Yorker Börse löst eine schwere Weltwirtschaftskrise aus, von der auch Europa und besonders das Deutsche Reich betroffen sind. Vor allem Spekulationsgeschäfte hatten die Aktienkurse in die Höhe getrieben, was eine Panik auslöste und zum Verkauf von 13 Millionen Wertpapieren innerhalb kürzester Zeit führte. Die Kurse fallen um bis zu 90 Prozent. Millionen von Kleinsparern verlieren ihr Geld. Es kommt zu zahlreichen Konkursen, Massenentlassungen und Verelendung sind die Folgen. Im Deutschen Reich steigt die Zahl der Arbeitslosen bis Februar 1932 auf über 6,128 Millionen, dazu kommen drei Millionen Kurzarbeiter. Damit sind 2/3 der arbeitsfähigen Deutschen von der Wirtschaftskrise betroffen.

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Arbeitslosigkeit in der Weimarer Republik
Arbeitslosigkeit in der Weimarer Republik: Arbeitslose in einem Leipziger Arbeitsamt,
Februar 1933, Quelle: © AdsD der Friedrich-Ebert-Stiftung
  • 16.07.1930: Der deutsche Reichspräsident Paul von Hindenburg (1847-1934) erlässt gemäß Artikel 48 der Reichsverfassung eine erste große Notverordnung »zur Sicherung von Wirtschaft und Finanzen«. Am 18. Juli stellt die SPD einen Antrag zur Aufhebung der Notverordnung, der mehrheitlich angenommen wird. Auf Empfehlung des Reichskanzlers Heinrich Brüning (1885-1970) löst Hindenburg den Reichstag auf.
  • 14.09.1930: Bei den Reichstagswahlen kommt es zu Verlusten für die Deutschnationalen und die bürgerlichen Parteien der Mitte. Gewinne verzeichnen die Kommunisten. Die NSDAP zieht mit 107 Abgeordneten in den neuen Reichstag ein, vorher waren es 12 Abgeordnete.

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  • 11.10.1931: Nationalsozialisten, Deutschnationale und der »Stahlhelm« tagen in Bad Harzburg. Es kommt zur Bildung der »Harzburger Front«, die eine Neubildung der nationalistischen Opposition erreichen soll.

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Arbeitslose Frau
Arbeitslosigkeit in der Weimarer Republik: Arbeitslose Frau bietet sich mit einem Schild auf der Straße zur Arbeit an, 1930
Quelle: © AdsD der Friedrich-Ebert-Stiftung
  • 10.04.1932: Reichskanzler Heinrich Brüning (1885-1970) kann Paul von Hindenburg (1847-1934), dessen Amtszeit als Reichspräsident im März 1932 abgelaufen ist, zu einer erneuten Kandidatur bewegen. Da die rechten Parteien (NSDAP, Stahlhelm), mit denen Hindenburg sich verbunden fühlt, ihm die Unterstützung versagen und mit Adolf Hitler (1889-1945, NSDAP) und Theodor Duesterberg (1875-1950, Stahlhelm, DNVP) gleich zwei Gegenkandidaten präsentieren, tritt Hindenburg für Zentrum und SPD an (die er eigentlich politisch ablehnt). Zentrum und SPD unterstützen Hindenburg, um die Präsidentschaft Hitlers zu verhindern. Bei dem zweiten Wahlgang zur Wahl des Reichspräsidenten erhält Hindenburg 19,4 Millionen Stimmen, 53% der Stimmen. Adolf Hitler erhält 13,4 Millionen und Ernst Thälmann (1886-1944, KPD) 3,7 Millionen Stimmen.

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Zuletzt geändert am 14.06.2015

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