Kalenderblatt - Thema: Europa 1802-1848
Reformen, Wiener Kongress, Märzrevolution

Jean Baptiste Isabey: Der Wiener Kongress
Jean Baptiste Isabey (1767-1855): Der Wiener Kongress,
18. September 1814 - 9. Juni 1815

Chronik:

  • 25.02.1802: Der »Reichsdeputationshauptschluss«, auf Druck Frankreichs und Russlands zustande gekommen, bewirkt eine territoriale Neuordung im (Deutschen) Reich. Die Anzahl der Einzelstaaten wird von 112 auf weniger als 50 gekürzt, was für rund 3 Millionen Menschen einen Wechsel der Staatsangehörigkeit bedeutet. Fast alle geistlichen Fürsten werden enteignet.
  • 07.07.1807: Der vierte Koalitionskrieg ist beendet. Frankreich schließt am 7. Juli mit Russland und am 9. Juli mit Preußen den Frieden von Tilsit, der Frankreichs Einfluss in Europa stärkt. Preußen verliert die Hälfte seines Staatsgebietes. So gehen alle Besitzungen westlich der Elbe verloren, ebenso sämtliche Ländereien, die Preußen bei der Teilung Polens (1795) hinzugewonnen hatte. Russlands Zar Alexander I. (1777-1825) unterstützt Kaiser Napoléon I. (1769-1821) bei der Kontinentalsperre, welche die Engländer schwächen soll. Die französische Besetzung des restlichen Preußens führt zu den späteren Freiheitskriegen und zu den Preußischen Reformen (siehe 9. Oktober 1807).
    Link: Die »Koalitionskriege« in der Wikipedia
  • 30.09.1807: Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr von und zum Stein (1757-1831) wird als leitender Minister in die preußische Regierung berufen. Er setzt grundlegende Reformen durch. Das Bauerndedikt vom 9. Oktober 1807 dient der Befreiung der Bauern von Erbuntertänigkeit und Leibeigenschaft. Bauern werden zu steuerpflichtigen Untertanen, die nun auch Land erwerben können. Die Städteordnung vom 19. November 1808 reformiert die Finanz-, Schul- und Sozialpolitik. Durch das Organisationsedikt vom 24. November 1808 werden Fachministerien für Krieg, Inneres und Äußeres, Verwaltung und Finanzen und für die Justiz eingerichtet. Am 16. Dezember wird Stein auf Druck Napoléons entlassen.
    Link: Freiherr vom und zum Stein in der Wikipedia
  • 09.10.1807: Der preußische König Friedrich Wilhelm III. (1770-1840) erlässt das »Edict den erleichterten Besitz und den freien Gebrauch des Grund-Eigenthums, sowie die persönlichen Verhältnisse der Landbewohner betreffend«. Damit wird die Leibeigenschaft und die Erbuntertänigkeit der preußischen Bauern aufgehoben. Auch unterstehen sie nicht mehr der Gerichtsbarkeit ihrer adeligen Grundherren. Das Edikt geht auf den leitenden Minister Preußens Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr vom und zum Stein (1757-1831) zurück.
    Link: Freiherr vom und zum Stein in der Wikipedia
  • 04.08.1810: Fürst Karl August von Hardenberg (1750-1822) wird zum Staatskanzler ernannt. Er führt die Verwaltungsreform Preußens fort, die Heinrich Friedrich Karl Reichsfreiherr von und zum Stein (1757-1831) begonnen hatte. So hebt er den Zunftzwang in den Städten auf und führt dafür 1810/11 die Gewerbefreiheit ein. Er regelt die endgültige Ablösung der Gutsherrenrechte am Boden und bringt damit die Bauernbefreiung zu einem relativen Abschluss. Mit der bürgerlichen und wirtschaftlichen Gleichstellung der Juden in Preußen schließt er 1812 das Reformwerk in Preußen zunächst ab.
  • 18.09.1814: Beginn des Wiener Kongresses, auf dem Monarchen und Staatsmänner der europäischen Mächte über eine Neuordnung Europas nach dem Sturz den französischen Kaisers Napoléon I. (1769-1821) verhandeln. Die wichtigsten Personen bei diesen langwierigen Verhandlungen sind der österreichische Reichskanzler Klemens Wenzel Fürst von Metternich, der den Vorsitz führt, der russische Zar Alexander I., der britische Außenminister Viscount Robert Stewart Castlereagh, der preußische Staatskanzler Karl August Fürst von Hardenberg und der Franzose Charles-Maurice de Talleyrand.
    Der Kongress droht zeitweise zu scheitern, ein Krieg wird durch Napoléons Rückkehr und seiner »Herrschaft der 100 Tage« verhindert. Nach seiner Verbannung einigt man sich schließlich. Der Kongress endet am 9. Juni 1815.
    Die Kongressteilnehmer ignorieren die Zeichen der Zeit, als sie beschließen, die alte Fürstenmacht wieder herzustellen und den Bürgern das politische Mitspracherecht wieder zu nehmen. Die nationalen und freiheitlichen Hoffnungen des aufgeklärten Bürgertums werden unterdrückt, was zu Unruhen und zur Revolution in fast ganz Europa führt.
    Link: Der Wiener Kongress in der Wikipedia
  • 29.11.1814: Anlässlich des Wiener Kongresses finden zahlreiche ausgedehnten Festlichkeiten, Bälle und Theateraufführungen statt. So erfolgt am 29. November 1814 die Uraufführung von Ludwig van Beethovens Kantate »Der glorreiche Augenblick« mit über 1.000 Musikern.
  • 08.06.1815: Auf Beschluss des Wiener Kongresses (Beginn: 18. September 1914) entsteht der »Deutsche Bund«, ein Zusammenschluss der 41 eigenständigen deutschen Fürsten und freien Städte zu einem Staatenbund, der das »Heilige Römische Reich Deutscher Nation« ablöst. Zentrales Organ ist der Bundestag, ein ständiger Gesandtenkongress in Frankfurt am Main unter Leitung Österreichs. Dadurch bleibt Deutschland weiterhin in selbständige Einzelstaaten zersplittert, es fehlt ein einheitliches Maß- und Münzsystem, ein gemeinsames Postwesen, Bundesgericht und Heer. Das Bürgertum hat kein Mitspracherecht in der Politik, freier Handel und Produktion werden durch Zollbestimmungen eingeschränkt. Freiheitliche Verfassungen der Einzelstaaten werden durch den Deutschen Bund verhindert, demokratische Bewegungen mit Polizeigewalt unterdrückt.
    Link: Der Wiener Kongress in der Wikipedia
  • 26.09.1815: Gründung der »Heiligen Allianz« zwischen Preußen, Österreich und Russland zur Unterdrückung revolutionärer Ideen. Dieser Allianz, mit christlichen Geboten als Richtschnur für die Politik, schließen sich - bis auf Großbritannien - später alle europäischen Staaten an.
  • 23.03.1819: Der demokratisch gesinnte Jenaer Theologiestudent Karl Ludwig Sand ermordet den konservativen Theaterdichter und Publizisten August Friedrich von Kotzebue, weil dieser über die freiheitlichen Ideen der Burschenschaften gespottet hatte.
    Die Burschenschaften entstanden aus den Freikorps und den freiwilligen Jägerkorps der Befreiungskriege an den deutschen Universitäten und verstanden sich als gesamtdeutsche Bewegung. Ihr Ziel war vor allem die nationale Einheit. Am 18. Oktober 1818 wurde der Dachverband, die »Allgemeine Deutsche Burschenschaft« in Jena gegründet.
  • 20.09.1819: Die auf einer von Metternich einberufenen Konferenz getroffenen »Karlsbader Beschlüsse« dienen der Unterdrückung des demokratischen Lebens, der Überwachung der Hochschulen und der Lehrer. »Sittlichkeit, gute Ordnung und äußerer Anstand« sollen gefördert werden. Lehrer, die »durch Missbrauch ihres rechtmäßigen Einflusses auf die Gemüter der Jugend, durch Verbreitung verderblicher, der öffentlichen Ordnung und Ruhe feindseliger oder die Grundlagen der bestehenden Staatseinrichtungen untergrabender Lehren ihre Unfähigkeit zur Verwaltung des ihnen anvertrauten wichtigen Amtes unverkennbar an den Tag gelegt haben« werden entlassen. Veröffentlichungen, die weniger als 320 Seiten umfassen, müssen den Landesbehörden zur Zensur vorgelegt werden.

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  • 27.07.1830: In Frankreich bricht ein Aufstand von Bürgern, Arbeitern, Intellektuellen und Studenten aus. Folge ist der Sturz des reaktionären Königs Karl X. und die Einsetzung des »Bürgerkönigs« Louis Philippe von Orléans. Vorausgegangen waren die so genannten »Juli-Ordonanzen« (25.07.1830), mit denen Karl X. die Pressefreiheit aufheben und das Wahlrecht abschaffen ließ. Es kommt zu erbitterten Barrikadenkämpfen gegen königstreue Truppen. Der »revolutionäre Geist« breitet sich auch in anderen Ländern Europas aus. In Deutschland kommt es zu Aufständen. In Braunschweig wird der despotisch herrschende Herzog Karl II. vertrieben, nachdem man sein Schloss belagert und angezündet hat (06.-08.09.1830). Wesentliche Veränderungen werden aber nicht durchgesetzt.
  • 31.10.1830: Der Frankfurter Bundestag beschließt »Maßregeln zur Herstellung und Erhaltung der Ruhe in Deutschland«. Dies ist eine Reaktion auf die Unruhen in Deutschland nach der »Julirevolution« in Frankreich (siehe: 27. Juli 1830). Die Zeit von der »Julirevolution« 1830 bis zur »Märzrevolution« 1848 wird auch als »Vormärz« bezeichnet.
  • 27.05.1832: Auf dem »Hambacher Fest« vom 27.-30. Mai 1832 demonstrieren über 30.000 Bürger, Handwerker und Bauern für Einheit und Freiheit in Deutschland. Die Volksversammlung findet auf dem Hambacher Schloss bei Neustadt an der Haardt statt und gilt als Höhepunkt der freiheitlich-demokratischen Bewegung in Deutschland nach der Julirevolution in Frankreich (27. Juli 1830). Es folgen Verhaftungen der beiden Organisatoren, Johann Georg August Wirth und Jacob Siebenpfeiffer, eine Verschärfung der Zensur, das Verbot von Volksversammlungen und Volksfesten mit politischem Inhalt, und das Verbot aller politischen Vereine. Das Tragen schwarz-rot-goldener Abzeichen wird unter Strafe gestellt.
  • 01.01.1834: Gründung des deutschen Zollvereins, der Deutschland einen einheitlichen Wirtschaftsraum ermöglicht.
  • 04.06.1844: Ein Aufstand schlesischer Weber wird vom Militär blutig niedergeschlagen. Der »Weberaufstand« ist der Protest der Heimweber, die durch die Einführung von Maschinen in große Not geraten sind. Die Unruhen dauern bis zum 06. Juni 1844, an der Situaton der Weber ändert sich nichts.

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Straßenschlacht zwischen Bürgern und preußischen Soldaten
Straßenschlacht zwischen Bürgern und preußischen Soldaten am 18. und 19. März 1848. Zeitgenössischer Bilderbogen aus dem Neuruppiner Verlag.
  • 23.02.1848: Der französischen Ministerpräsident Francois Guizot verbietet ein öffentliches »Republikanisches Bankett« für die Erweiterung des Wahlrechts, was zu Protesten führt. Am 23. und 24. Februar 1848 kommt es zu blutigen Straßenschlachten zwischen der Pariser Bevölkerung und der Armee. Guizot wird gestürzt, König Louis Philippe dankt am 24. Februar ab und flieht ins Ausland.
  • 24.02.1848: Die Februarrevolution in Frankreich führt zur Abdankung des »Bürgerkönigs« Louis Philippe (1773-1850) und zur Ausrufung der Zweiten Republik. Die revolutionäre Stimmung erfasst bald ganz Europa. Am 10. Dezember 1848 wird Louis Napoleon Bonaparte (1808-1873) - der Neffe des ehemaligen Kaisers Napoléon Bonaparte - zum Staatspräsidenten gewählt.
    Link: Die Februarrevolution (1848) in der Wikipedia
  • 27.02.1848: Eine badische Versammlung verlangt in den so genannten »Märzforderungen« Redefreiheit, Pressefreiheit, Amnestie für alle politischen Gefangenen, freies Versammlungs- und Vereinigungsrecht, politische Gleichberechtigung für alle Konfessionen und Besitzklassen, Geschworengerichte und unabhängige Richter, Verminderung des stehenden Heeres und allgemeine Volksbewaffnung und eine unverzügliche Einberufung des Vereinigten Landtages. Diese Forderungen werden bald von allen deutschen Staaten erhoben.
  • 09.03.1848: Die Bundesversammlung in Frankfurt am Main erklärt Schwarz-Rot-Gold zu den Farben des Deutschen Bundes, und beruft sich darauf, dass dies »die Farben des ehemaligen deutschen Reichspaniers« seien. In der »Märzrevolution« wurde die Schwarz-Rot-Goldene Fahne zum Symbol für den Kampf um nationale Einheit und bürgerliche Freiheiten. »Eben so werden die Bundesfarben der deutschen Vorzeit zu entnehmen seyn, wo das deutsche Reichspanier schwarz, roth und golden war.«. Am 23. März 1848 wird zum ersten Mal in Frankfurt am Main die Schwarz-Rot-Goldene Flagge gehisst.
    Quelle: »Schwarz - Rot - Gold« bei www.bundestag.de
  • 13.03.1848: Nach dem Ausbruch der Revolution in Wien flieht der österreichische Außen- und Innenminister sowie Haus-, Hof- und Staatskanzler Klemens Wenzel Fürst von Metternich (1773-1859) ins Ausland. Kaiser Ferdinand I. dankt am 2. Dezember 1848 zugunsten seines Neffen Franz Joseph I. ab. In Berlin kommt es zu ersten gewalttätigen Zusammenstößen zwischen der Berliner Bevölkerung und dem Militär. Die erste Barrikade entsteht. Am 15. März wird ein Demonstrant von einem Soldaten erschossen.
  • 18.03.1848: Der Sturz Metternichs in Wien (13. März 1848) führt am 18. März zu einer Massenkundgebung mit über 10.000 Teilnehmern in Berlin. Als deren Forderung nach dem Rückzug des Militärs nicht erfüllt wird, das Militär sogar auf die Menschen schießt, kommt es zu erbitterten »Barrikadenkämpfen« mit etwa 200 Toten. Am Morgen des 19. März 1848 befielt König Friedrich Wilhelm IV. die Einstellung der Angriffe des Militärs. Er stimmt allen Forderungen der Berliner zu und befielt einen Abzug des Militärs.
    Link: »Märzrevolution« in der Wikipedia
  • 18.05.1848: In der Frankfurter Paulskirche tritt die »Deutsche Nationalversammlung« als erste direkt gewählte Vertretung der Deutschen zusammen. Ziel ist die Herstellung der Einheit Deutschlands und die Erarbeitung einer Verfassung. Die Verhandlungen verlaufen schleppend.
  • 24.06.1848: In der »Juni-Schlacht« vom 24.-26. Juni 1848 wird ein Aufstand Pariser Arbeiter blutig niedergeschlagen. Tausende Menschen sterben bei den Barrikadenkämpfen, bei denen es um die Schließung der »Nationalwerkstätten« geht. Diese waren im März für Arbeitslose eingerichtet worden, der Initiator Louis Blanc hatte das Recht auf Arbeit gefordert.
  • 10.12.1848: In Frankreich wird Prinz Charles Louis Napoleon Bonaparte (1808-1873) - der Neffe des ehemaligen Kaisers Napoléon Bonaparte - zum Präsidenten der Zweiten Republik gewählt. Am 2. Dezember 1851 lässt er führende Oppositionelle verhaften und löst die Nationalversammlung auf. Am 7. November 1852 lässt er den ihm ergebenen Senat eine Verfassungsänderung vorlegen, mit der »die kaiserliche Würde« erneuert wird. Bonaparte wird als Napoleon III. zum Kaiser der Franzosen ernannt. Am 2. Dezember 1852 beginnt das Zweite Kaiserreich (siehe auch: 2. September 1870 - die »Schlacht bei Sedan«).
    Link: Napoleon III. in der Wikipedia

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  • 28.03.1849: Die Frankfurter Nationalversammlung nimmt die »Frankfurter Verfassung« an, die ein Deutsches Reich ohne Österreich unter dem Kaisertum des preußischen Königs Friedrich Wilhelm IV. vorsieht. Der König lehnt die Verfassung ab, da er eine Gefährdung der Monarchie und die Einführung einer Republik befürchtet. Vertrauten gegenüber äußert er, die ihm angetragene Kaiserkrone trage den »Ludergeruch der Revolution«. Als sich auch Österreich ablehnend verhält ist die Arbeit der Nationalversammlung politisch gescheitert. Die Reichsverfassung bleibt jedoch politisches Programm.
  • 18.06.1849: Mit der Auflösung des »Rumpfparlamentes«, der nach Stuttgart übersiedelten Gruppierung der bis zuletzt zusammengebliebenen Mitglieder der Frankfurter Nationalversammlung und der Niederschlagung des letzten Aufstandes am 23. Juli 1849 ist die deutsche Revolution von 1848/49 endgültig gescheitert.

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Zuletzt geändert am 30.12.2014

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