Kalenderblatt - Thema: Martin Luther, die Reformation und die Folgen

Lucas Cranach der Jüngere: Luther im Kreise seiner Freunde
Lucas Cranach der Jüngere: Luther im Kreise seiner Freunde
Johann Förster, Spalatin, Bugenhagen, Erasmus, Justus Jonas, Caspar Cruciger und Philipp Melanchthon

Chronik:

  • 17.07.1505: Nachdem er am 2. Juli 1505 nur knapp einem Blitzeinschlag entkommen ist, gelobt Martin Luther, Mönch zu werden. Am 17. Juli 1505 tritt er in das Erfurter Augustinerkloster ein und wird 1507 zum Priester geweiht.
  • 31.10.1517: Martin Luther schreibt Briefe an den Mainzer Kurfürsten und Erzbischof Albrecht II. von Brandenburg (1490-1545) und andere hohe kirchliche Amtsinhaber, in denen er die Ablassprediger und die Auswüchse des Ablasshandels scharf angreift. Den Briefen legt er seine 95 Thesen »Zur Aufklärung über die Kraft des Ablasses« bei, die als Grundlage für eine Disputation (Streitgespräch) gedacht sind.
    Die Vergebung der Sünden durch Zahlung von Geldbußen war immer mehr zu einem einträglichen Geldgeschäft der Kirche geworden. Und sie dient nicht nur Kirchenprojekten. Der Dominikaner Johannes Tetzel (um 1465-1519) hatte in seinen marktschreierischen Predigten behauptet, mit dem Geld solle der Bau des Petersdoms in Rom finanziert werden. »Der Taler in dem Säcklein klingt, die Seele aus dem Feuer springt«. In Wirklichkeit diente es zur Hälfte zur Schuldenbegleichung von Erzbischof Albrecht II., der sich 1513/1514 seine Kirchenämter mit Bestechungsgeldern erkauft hatte und das Geld nun an das Bankhaus Fugger zurückzahlen musste. Im Oktober 1517 gelangte Luther in den Besitz einer Dienstanweisung des Erzbischofs Albrecht II. an den Ablassprediger Tetzel, worauf er die 95 Thesen verfasste. Er wendet sich nicht gegen das Ablasswesen selbst, sondern gegen dessen Missbrauch. Die Thesen finden schnell weite Verbreitung (siehe: 12. Oktober 1518).

zum Seitenanfang

  • 12.10.1518: Vom 12. bis 18. Oktober 1518 wird Martin Luther auf dem Reichstag in Augsburg von dem päpstlichen Gesandten, Kardinal Thomas Cajetan (1468-1534), verhört - der Erzbischof Albrecht hatte Anklage gegen ihn wegen Ketzerei in Rom erhoben. Einen Widerruf verweigert Luther jedoch unter Berufung auf das Evangelium; den Vermittlungsversuch des päpstlichen Kammerherrn von Miltitz lehnt er ab. Luthers Meinung nach setzt sich das Papsttum über den klaren Wortlaut der Schrift hinweg. Die »Leipziger Disputation« im Juni und Juli 1519 mit den Theologen Johannes Eck (1486-1543) und Andreas Karlstadt verschärfen die Lage noch, da Luther die Unfehlbarkeit des Papstes in Frage stellt.
    1520 entstehen seine drei bedeutenden reformatorischen Schriften: »An den christlichen Adel deutscher Nation«, »Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche« und »Von der Freiheit eines Christenmenschen«. Die Androhung des Kirchenbanns durch Papst Leo X. (1475-1521), die Bulle »Exsurge Domini« vom 15. Juni 1520, wird von ihm am 10. Dezember 1520 öffentlich verbrannt. Am 3. Januar 1521 wird er von Papst Leo X. exkommuniziert.

zum Seitenanfang

  • 03.01.1521: Papst Leo X. (1475-1521) verhängt den Kirchenbann über Martin Luther (1483-1546). Am 15. Juni 1520 hatte er die Schriften Luthers bereits mit der Bulle »Exsurge Domine« verurteilt.
    Link: Papst Leo X. in der Wikipedia
  • 17.04.1521: Auf dem Wormser Reichstag (17./18. April 1521), wo Martin Luther seine Lehre vor Kaiser Karl V. (1500-1558) verteidigt, und den Widerruf sowie eine stumme Unterwerfung verweigert, wird er von Karl V. als Ketzer bezeichnet und mit der Reichsacht belegt (»Wormser Edikt«, unterzeichnet von Karl V. am 25. Mai 1521). Durch einen von Friedrich III. dem Weisen veranlassten Scheinüberfall gelangt Luther sicher auf die Wartburg, wo er vom 4. Mai 1521 bis zum 6. März 1522 als »Junker Jörg« lebt. Hier übersetzt er, anhand der griechisch-lateinischen Bibelübersetzung des Erasmus von Rotterdam (1466/69-1536), das Neue Testament in die »hochdeutsche« Sprache seiner Heimat.

zum Seitenanfang

  • 05.05.1525: In Lochau stirbt Friedrich der Weise (Friedrich III., 1463-1525), der Kurfürst von Sachsen und Begründer der Universität Wittenberg, die durch Martin Luther (1483-1546) und Philipp Melanchthon (1497-1560) zum Zentrum der Reformation wird. 1521 versteckt er Martin Luther vor den Folgen der Reichsacht auf der Wartburg.
    Link: Friedrich der Weise in der Wikipedia
  • 07.05.1525: Der radikale Theologe Thomas Müntzer (um 1490-1525), Anführer der Bauernaufstände in Thüringen, wird hingerichtet.
    Im Sommer 1524 brechen Bauernaufstände aus, die sich auf Martin Luthers Lehren berufen. In den »Zwölf Artikeln der Bauernschaft in Schwaben«, aufgestellt im Februar/März 1525 in Memmingen, fordern die Bauern u.a. die Abschaffung der Frondienste und der Leibeigenschaft sowie die Aufhebung der Standesunterschiede. Sie werden teilweise von Bürgern, aber auch von einigen Rittern - wie dem fränkischen Reichsritter Götz von Berlichingen (1480-1562) - unterstützt. Die Aufstände sind jedoch jeweils regional begrenzt und ohne zentrale Führung, und werden von den Landesfürsten und ihren Heeren niedergeschlagen. Die Anführer und insgesamt etwa 100.000 Bauern werden, oft auf grausame Art, hingerichtet. Wegen der ausufernden Gewalt der Bauern hatte auch Luther die Fürsten zur Niederschlagung der »räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern« aufgerufen.
  • 13.06.1525: Am Karsamstag 1523 flieht die Nonne Katharina von Bora (1499-1552) zusammen mit anderen Ordensschwestern aus dem Zisterzienserinnenkloster Marienthron in Nimbschen bei Grimma nach Wittenberg. Martin Luther nimmt die Frauen auf und sorgt für ihre Unterkunft und Verheiratung. Er selbst heiratet am 13. Juni 1525 Katharina. Aus der Ehe gehen 6 Kinder hervor.

zum Seitenanfang

  • 27.02.1526: Landgraf Philipp von Hessen und Kurfürst Johann von Sachsen schließen das »Gotha-Torgauer Bündnis«. Im Fall eines katholischen Angriffs wollen sie sich gegenseitig unterstützen. Zahlreiche Reichsstände schließen sich an.
    Link: Torgau in der Wikipedia

zum Seitenanfang

  • 19.04.1529: Auf dem zweiten »Reichstag zu Speyer« fordert Ferdinand I. (1503-1564, ab 1531 römischer König, Kaiser von 1556-1564, ungarischer und böhmischer König 1526-1564), der Bruder Karls V. (1500-1558), die Aufhebung des Reichstagsbeschlusses von 1526, der den Landesherren die persönliche Stellung zur Reformation überlassen hat. Die 19 evangelischen Reichsstände lehnen dies in einer »protestatio« ab. Die Vertreter der neuen Glaubensrichtung werden daraufhin »Protestanten« genannt. Der Protest bedeutet die endgültige Spaltung der evangelischen und katholischen Reichsstände.
  • 01.10.1529: Vom 1.-4. Oktober 1529 finden auf Einladung des Landgrafen Philipp I. von Hessen die so genannten »Marburger Religionsgespräche« statt. Die Wittenberger, Straßburger und Schweizer Reformatoren - Martin Luther, Philipp Melanchthon, Adam Krafft, Martin Bucer, Caspar Hedio, Huldrych (Ulrich) Zwingli (1484-1531) und Johannes Ökolampad - wollen die politische Einigung der evangelischen Fürsten erreichen, scheitern jedoch an dem Abendmahlsstreit.

zum Seitenanfang

  • 25.06.1530: Der Reformator Philipp Melanchthon (1497-1560) verliest auf dem »Augsburger Reichstag« die »Confessio Augustana« (Augsburger Bekenntnis), die lutherische Glaubenslehre. Darin betont Melanchthon die Gemeinsamkeiten der katholischen und der evangelischen Lehre. Der schweizerische Reformator Huldrych (Ulrich) Zwingli (1484-1531) lehnt das Bekenntnis ab. Kaiser Karl V. (1500-1558) beauftragt einen katholischen und einen evangelischen Ausschuss, sich mit dem Forderungen auseinanderzusetzen, es kommt jedoch zu keiner Einigung.

zum Seitenanfang

  • 27.02.1531: Im thüringischen Schmalkalden schließen die protestantischen Reichsstädte und Fürsten ein schnell wachsendes Verteidigungsbündnis, um Glauben und politische Selbständigkeit zu wahren. England und Frankreich erhoffen sich von dem Bündnis ein Gegengewicht zum übermächtigen katholischen Kaiser Karl V. - dieser verhängt am 20. Juli 1546 die Reichsacht über die Bundeshauptleute und bekämpft den Bund im so genannten »Schmalkaldischen Krieg«. Am 24. April 1547 gelingt ihm in der »Schlacht bei Mühlberg an der Elbe« der entscheidende Sieg. Der Bund wird aufgelöst und mit Ausnahme von Magdeburg unterwirft sich das gesamte evangelische Norddeutschland. Die Ergebnisse der Reformation sind jedoch nicht mehr rückgängig zu machen.
  • 11.10.1531: Der schweizerische evangelische Theologe und Reformator der deutschsprachigen Schweiz, Huldrych (Ulrich) Zwingli (1484-1531) fällt in der Schlacht bei Kappel (im so genannten 2. Kappeler Krieg). Durch Bekanntschaft mit Erasmus von Rotterdam (1515), persönliche Erlebnisse wie seine Erkrankung in der Pestzeit (1519/20) und die Schriften von Martin Luther entwickelte Zwingli ein eigenes reformatorisches Verständnis und schuf ein kirchliches Reformprogramm (Abschaffung von Heiligenbildern, Klöstern, Prozessionen, Letzter Ölung usw.), das sich seit 1523 in Zürich durchsetzte, und von dort als eigener Zweig der Reformation in der deutschsprachigen Schweiz ausbreitete.
    Link: Ulrich Zwingli in der Wikipedia

zum Seitenanfang

zum Seitenanfang

  • 27.10.1553: Auf Befehl des Schweizer Reformators Johannes Calvin (1509-1564) wird der spanische Arzt, Humanist und Religionsphilosoph Michel Servet (Michael Servetus, Miguel Serveto y Reves, 1511-1553) in Genf als Ketzer verurteilt und verbrannt. In seinem Hauptwerk »Christianismi Restitutio« hatte er Kritik am Calvinismus geübt.
    Link: Michael Servetus in der Wikipedia
  • 25.09.1555: Der »Augsburger Religionsfrieden«, geschlossen von König Ferdinand I., der Bruder Karls V., und den Reichsständen, beendet vorläufig die Glaubenskämpfe im Reich. Die im Jahre 1530 von Philipp Melanchthon (1497-1560) formulierte »Confessio Augustana« (Augsburger Bekenntnis), die lutherische Glaubenslehre, wird reichsrechtlich anerkannt. Untertanen müssen sich dem Bekenntnis ihres Landesherrn anschließen (»cuius regio eius religio - Wessen Land, dessen Religion«). Damit ist die konfessionelle Spaltung Deutschlands endgültig.

zum Seitenanfang

  • 27.05.1564: Der französisch-schweizerische Reformator und Begründer des Calvinismus, Johannes Calvin (Jean Cauvin, 1509-1564) stirbt nach langer, schwerer Krankheit in Genf.
    Calvin kommt 1533 mit den Lehren von Martin Luther in Berührung, wird ein Anhänger der Reformation und muss Ende 1533 wegen dem Verdacht der Ketzerei von Paris nach Basel flüchten. 1534 veröffentlicht er sein wichtigstes theologisches Werk »Christianae Religionis Institutio«. Ab 1536 wird er auf Vermittlung des Reformators Guillaume Farel (1489-1565) evangelischer Prediger in Genf, und beginnt dort, eine strenge Kirchenzucht einzuführen. Als er jedoch versucht, den »Genfer Katechismus« einzuführen, werden er und Farel 1538 ausgewiesen. Calvin lebt bis 1541 in Straßburg, als Seelsorger der französischen Flüchtlingsgemeinde, den Hugenotten. Er verfasst eine Kirchenordnung, die später für alle französischen protestantischen Gemeinden Vorbild wird.
    Nach seiner Rückberufung führt er in Genf eine auf strenge Gemeindezucht angelegte Kirchenordnung ein. Bei den heftigen Kämpfen zwischen Anhängern und Gegnern Calvins kommt es zu Verbannungen und Hinrichtungen (so wird am 27. Oktober 1553 der spanische Arzt Michael Servetus (1511-1553) verbrannt). Sie enden erst 1555 mit der Annahme der neuen Lehre. Der Calvinismus beeinflusst die reformierte Kirche in ganz Europa maßgeblich. Den Hugenotten und den protestantischen Holländern gibt er die Kraft für den Widerstand gegen die französische und die spanische Unterdrückung.
    Link: Johannes Calvin in der Wikipedia

zum Seitenanfang

Zuletzt geändert am 30.12.2014

Google+ Email
Facebook Twitter! Google+ Instagram Pinterest LinkedIn Xing