Kalenderblatt - Thema: Deutsche Demokratische Republik - DDR

Nationalfahne der Deutschen Demokratischen Republik
Nationalfahne der Deutschen Demokratischen Republik

Chronik - 1940er Jahre

  • 25.05.1945: »Im Interesse der schnellen Wiederherstellung des normalen Lebens der Bevölkerung der Stadt Berlin, im Interesse des Kampfes gegen Verbrechen und öffentliche Ruhestörung, der Regulierung des Straßenverkehrs und des Schutzes der Selbstverwaltungsgebäude der Stadt Berlin ist der Selbstverwaltung der Stadt Berlin vom Kommando der Roten Armee erlaubt, die Stadtpolizei, das Gericht und die Staatsanwaltschaft zu organisieren; diese Organe sind bereits am 20. Mai dieses Jahres gebildet und haben ihre Arbeit begonnen.«
    Befehl des Militärkommandanten der Stadt Berlin, 25. Mai 1945

    Quelle: »Volkspolizei«, Verlag Zeit im Bild, ca. 1980, S. 14
  • 09.06.1945: Bildung der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) in Berlin-Karlshorst. Hauptaufgaben sind Entnazifizierung, Bestrafung von Kriegsverbrechern, Rückführung sowjetischer Staatsbürger und die Überwachung des politischen Lebens. Faktisch hat die SMAD - bis zur Übertragung der Verwaltungshoheit der Regierung der DDR am 11. November 1949 - die Souveränität in der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) inne. Erster Chef der SMAD ist der sowjetische Marschall Georgi K. Schukow (1896-1974).
    Link: Die SMAD in der Wikipedia
  • 01.07.1945: Offizielles Gründungsdatum der »Deutschen Volkspolizei« (DVP) in der sowjetischen Besatzungszone. Von der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) wird die DVP mit notwendigen technischen und materiellen Ausrüstungen versorgt, am 31. Oktober 1945 wird die Genehmigung zur Bewaffnung erteilt. Ende 1945 werden in den Innenministerien der Länderverwaltungen Landespolizeibehörden gebildet. Am 30. Juli 1946 wird die Deutsche Verwaltung des Innern (DVdI) gebildet, die der Koordination der Polizei in der SBZ dient. Erst am 11. Juni 1968 wird das »Gesetz über die Aufgaben und Befugnisse der DVP« erlassen.
    Links: Wiederbewaffnung in der SBZ/DDR zwischen 1945 und 1955, Die Volkspolizei in der Wikipedia
  • 07.03.1946: Auf dem Gründungskongress der sozialistischen Massenorganisation »Freie Deutsche Jugend« (FDJ) wird Erich Honecker (1912-1994) zum 1. Vorsitzenden gewählt. Diese Funktion hat er bis 1955.
    Link: »Freie Deutsche Jugend« in der Wikipedia
  • 21.04.1946: Unter sowjetischem Druck werden in der sowjetischen Besatzungszone die SPD und die KPD zur »Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands« (SED) zwangsvereinigt. Gefordert worden ist die Vereinigung von der Sowjetischen Militär-Administration in Deutschland (SMAD) und der KPD; die SPD hatte sich zunächst gegen eine Verschmelzung ausgesprochen. An der Spitze der Partei stehen Wilhelm Pieck (1876-1960, KPD), Otto Grotewohl (1894-1964, SPD) und Walter Ulbricht (1893-1973, KPD). Die erste Ausgabe der Parteizeitung »Neues Deutschland« erscheint am 23. April 1946.
  • 17.05.1946: Gründung der Deutschen Film-AG (DEFA) in Potsdam-Babelsberg auf dem Gelände der 1917 gegründeten Ufa (Universum-Film-AG). Die Aktiengesellschaft wird 1953 in einen volkseigenen Betrieb (VEB) umgewandelt und produziert zwischen 1946 und 1992 neben Wochenschauen, Dokumentationen und Trickfilmen etwa 800 Spielfilme, darunter: »Die Mörder sind unter uns« (1946, Regie Wolfgang Staudte), »Der Untertan« (1951), »Der geteilte Himmel« (1964), »Spur der Steine« (1966), »Jakob, der Lügner« (1975) und »Solo Sunny« (1979).
    Links: Die DEFA in der Wikipedia und www.defa-sternstunden.de
  • 09.07.1946: Die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) verfügt die Gründung der Länder Mecklenburg, Sachsen und Sachsen-Anhalt sowie der Provinzen Brandenburg und Thüringen innerhalb der SBZ.
  • 26.10.1946: Gründung des Allgemeinen Deutschen Nachrichtendienstes (ADN), der staatlichen Nachrichtenagentur der DDR.
    Link: Der »Allgemeine Deutsche Nachrichtendienst« in der Wikipedia
  • 01.12.1946: Aufstellung der Grenztruppen der DDR als »Deutsche Grenzpolizei« durch die sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD). Aufgabe ist die Überwachung der Außengrenzen der DDR. Zunächst sind die Grenztruppen dem DDR-Innenministerium, ab 1956 dem Ministerium für Staatssicherheit unterstellt. Von 1961 bis 1973 sind sie offizieller Bestandteil der Nationalen Volksarmee (NVA), 1974 erhalten sie einen (eigenständigen) Sonderstatus innerhalb der NVA.
    Link: Die »Grenztruppen der DDR« in der Wikipedia
  • 30.07.1947: Gründung der »Gesellschaft zum Studium der Kultur der Sowjetunion«, die am 2. Juli 1949 zur »Gesellschaft für deutsch-sowjetische Freundschaft« wird. Sie ist - nach der Einheitsgewerkschaft FDGB - die zweitgrößte Massenorganisation der DDR.
    Link: »Gesellschaft für deutsch-sowjetische Freundschaft« in der Wikipedia
  • 17.-18.03.1948: 2. Deutscher Volkskongress in Berlin. Wahl des Deutschen Volksrates in der sowjetischen Besatzungszone (SBZ) mit Wilhelm Pieck (SED), Otto Nuschke (CDU) und Wilhelm Külz (LDPD) als Vorsitzende des Präsidiums.
    Link: Der »Deutsche Volksrat« in der Wikipedia
  • 20.03.1948: Der Alliierte Kontrollrat für Deutschland stellt aufgrund der Auseinandersetzungen zwischen UdSSR und Westalliierten über die Londoner Sechsmächtekonferenz (23. Februar - 6. März) seine Tätigkeit ein. Am 16. Juni 1948 stellen die sowjetischen Vertreter ihre Mitarbeit in der Allierten Kommandantur in Berlin ein.
    Link: Der »Alliierte Kontrollrat« in der Wikipedia
  • 20.07.1948: Gründung der Deutschen Notenbank (DNB) als Organ des Ministerrates der DDR.
  • 13.10.1948: Dem Bergarbeiter Adolf Hennecke (1905-1975) gelingt als Hauer die Übererfüllung der Schichtnorm um 387 Prozent (530 Zentner). Die DDR-Regierung erklärt den 13. Oktober zum »Tag der Aktivisten«.
    Link: Adolf Hennecke in der Wikipedia
  • 03.11.1948: Gründung der Handelsorganisation (HO) als staatliches Einzelhandelsunternehmen der DDR.
    »Volkseigenes Handelsunternehmen für den Einzelhandel mit Lebensmitteln und Industriewaren sowie Gaststätten und Hotels. Die HO wurde 1948 gegründet und tätigt in einem ausgedehnten und leistungsfähigen Handelsnetz etwa 40 Prozent des Einzelhandelsumsatzes in der DDR. Spezialisierte HO-Betriebe bzw. Kombinatsbetriebe unterstehen den örtlichen Räten, überregional bedeutende Objekte, z.B. "Centrum"-Warenhäuser u. Interhotels, werden zentral geleitet.«
    Quelle: MEYERS UNIVERSAL-LEXIKON, Band 2, VEB Bibliographisches Institut Leipzig 1980, S. 242

    Link: Wirtschaft der DDR
  • 13.12.1948: Gründung der Pionierorganisation (die seit 1952 den Namen »Ernst Thälmann« trägt), der »einheitlichen sozialistischen Massenorganisation für Kinder«. Sie war der »Freien Deutschen Jugend« (FDJ) angegliedert. 1989 gehörten ihr 98% der Jungen und Mädchen im Alter von 6 bis 13 Jahren an. Der 13. Dezember wurde in der DDR als Pioniergeburtstag begangen. Von 1949 bis 1955 war Margot Honecker (*1927) Vorsitzende der Pionierorganisation.
    Link: »Junge Pioniere« in der Wikipedia
  • 29.05.1949: Der kurz zuvor gewählte 3. Volkskongress der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) verabschiedet die Verfassung der Deutschen Demokratischen Republik (DDR).
    Link: Die »Sowjetische Besatzungszone« in der Wikipedia
  • 07.10.1949: Der Deutsche Volksrat in Ost-Berlin proklamiert die Deutsche Demokratische Republik (DDR). Erster (und einziger) Staatspräsident wird am 11. Oktober der SED-Vorsitzende Wilhelm Pieck (1876-1960), erster Ministerpräsident wird am 12. Oktober Otto Grotewohl (1894-1964).
  • 07.11.1949: »Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt, lass uns dir zum Guten dienen, Deutschland, einig Vaterland« sind die Anfangsverse der Nationalhymne der DDR. Gedichtet wurde sie von Johannes Robert Becher (1891-1958), vertont von Hanns Eisler (1898-1962). Am 7. November 1949 wird sie erstmals öffentlich gesungen. Die Deutsche Demokratische Republik wurde am 7. Oktober 1949 vom Deutschen Volksrat in Ost-Berlin proklamiert.
    Link: »Auferstanden aus Ruinen« in der Wikipedia

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17. Juni 1953: Heranrückende Volkspolizisten
17. Juni 1953: Heranrückende Volkspolizisten
Quelle: © AdsD der Friedrich-Ebert-Stiftung

Chronik - 1950er Jahre

  • September 1950: Die DDR wird Mitglied im RGW (»Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe«), im Westen COMECON (»Council for Mutual Economic Assistance«) genannt.
  • 08.02.1950: Die Volkskammer der DDR beschließt ein Gesetz über die Bildung des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS, kurz Stasi genannt), die staatsfeindliche Bestrebungen im Inland und nachrichtendienstliche Tätigkeiten im Ausland steuern soll. Nach Wilhelm Zaisser (von 1950-1953) und Ernst Wollweber (von 1953-1957) wird Erich Mielke am 1. November 1957 Chef des MfS. Die Stasi beschäftigte zum Schluss 91.000 hauptamtliche und 174.200 »Inoffizielle Mitarbeiter« (»IM«), außerdem ein Wachregiment von 11.000 Mann sowie ein Heer von Offizieren im besonderen Einsatz (OibE) und »Gesellschaftlichen Mitarbeitern Sicherheit« (»GSM«). Kein Lebensbereich war vor Spitzeln sicher.
    Link: Das »Ministerium für Staatssicherheit« in der Wikipedia
  • 06.07.1950: Im »Görlitzer Vertrag« zwischen Polen und der DDR wird die Oder-Neiße-Linie als Staatsgrenze zwischen den beiden Ländern festgelegt. Am 5./6. Juni hatte eine Regierungsdelegation unter Walter Ulbricht Polen besucht und die Unantastbarkeit dieser »Friedens- und Freundschaftsgrenze« vereinbart. Am 13. Juni legen alle Fraktionen des Deutschen Bundestages (mit Ausnahme der KPD) in Bonn in einer gemeinsamen Erklärung Rechtsverwahrung ein.
  • 20.-24.06.1950: Auf dem 3. SED-Parteitag (20. - 24. Juli 1950) in Berlin (Ost) werden die Grundsätze für den Ersten Fünfjahrplan der DDR-Volkswirtschaft für 1951-1955 sowie die Umwandlung des Vorstandes in ein Zentralkomitee (ZK) beschlossen.
    Link: »Staatliche Plankommission« in der Wikipedia
  • 25.07.1950: Nachdem die SED beim III. Parteitag (20. - 24. Juli 1950) die Umwandlung des Vorstandes in ein Zentralkomitee (ZK) beschlossen hat, wählt das ZK ein Politbüro und ein Sekretariat. Vorsitzende werden Wilhelm Pieck (1876-1960) und Otto Grotewohl (1894-1964), Generalsekretär ist Walter Ulbricht (1893-1973).
    Link: Das »Politbüro des ZK« in der Wikipedia
  • 07.09.1950: Auf Beschluss der provisorischen Volkskammer der DDR wird in Ost-Berlin das während des Zweiten Weltkrieges stark beschädigte Stadtschloss »Feudalburg Hohenzollern« gesprengt. Erhalten bleibt nur ein Portal mit dem Balkon, von dem Karl Liebknecht 1918 die sozialistische Republik ausgerufen hatte.
    Link: Das Berliner Stadtschloss in der Wikipedia
  • 09.12.1950: In Berlin erfolgt die Premiere des ersten DEFA-Farbfilms »Das kalte Herz« nach dem Märchen von Wilhelm Hauff (1802-1827). Regisseur des von der SED-Führung kritisch betrachteten Films ist Paul Verhoeven (1901-1975).
    Link: Porträt Paul Verhoeven
  • 22.04.1951: In Ost-Berlin wird das »Nationale Olympische Komitee der DDR« gegründet. Es wird allerdings erst 1968 - anlässlich der Olympischen Spiele in Mexiko - als vollständig gleichwertig vom »Internationalen Olympischen Komitee« (»IOC«) anerkannt. Erster Präsident von 1951-1955 ist Kurt Edel.
  • 10.03.1952: Die Sowjetunion unterbreitet den Westmächten mit der so genannten »Stalinnote« einen Vorschlag zur Wiedervereinigung Deutschlands. Bedingungen sind u.a.: der Abzug der Besatzungstruppen; die Gewährleistung von demokratischen Rechten und Grundfreiheiten; freie Betätigung für Parteien und Organisationen; gleiche politische Rechte für ehemalige Angehörige der Wehrmacht und frühere Nationalsozialisten (Ausnahme: gerichtlich Verurteilte). Wichtigster Punkt wäre die Verpflichtung des geeinten Deutschlands zur Neutralität, was einen Beitritt zur EVG oder NATO ausschließen würde. Bundeskanzler Adenauer lehnt den Vorschlag ab, da er die Gefahr einer russischen Besetzung für gegeben sieht. Die militärische Einbindung Deutschlands in den Westen wird von den Westmächten und der Bundesregierung als unabdingbar angesehen.
  • 22.05.1952: Auf dem dritten Deutschen Schriftstellerkongress in Berlin wird der »Deutsche Schriftstellerverband« als eigenständige Organisation gegründet. Zur Vorsitzenden wird die Schriftstellerin Anna Seghers (1900-1983, SED) gewählt. Die Mitglieder müssen sich zur »Schaffensmethode des sozialen Realismus« bekennen, was bald darauf zu Konflikten zwischen Künstlern und Verband führt. So gelten u.a. die Werke von Franz Kafka als bürgerlich dekadent...
    Link: Der Schriftstellerverband der DDR in der Wikipedia
  • 26.05.1952: In Bonn wird zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den drei westlichen Besatzungsmächten der »Deutschlandvertrag« (»Vertrag über die Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und den Drei Mächten«) geschlossen, der das Ende des Besatzungsregimes regelt und der Bundesrepublik Deutschland die Souveränität verleiht. Der DDR-Ministerrat kündigt die Absperrung der Grenzen zur Bundesrepublik an und schränkt den Besucher- und Fernsprechverkehr mit West-Berlin ein.
  • 01.07.1952: Neugliederung der Kasernierten Bereitschaften der Volkspolizei in der DDR. Die Bereitschaften werden in die »Kasernierte Volkspolizei«, »Volkspolizei-See« und »Volkspolizei-Luft« unterteilt.
    Link: Die »Volkspolizei-Bereitschaften« in der Wikipedia
  • Juli 1952: Auf der 2. Parteikonferenz der SED in Ost-Berlin werden Maßnahmen zur Bildung von Genossenschaften beschlossen. Die Bauern werden aufgefordert, sich zu Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) zusammenzuschließen. Bis 1960 sind über 80% der landwirtschaftlich genutzten Flächen in der Hand der LPG.
    Link: »Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften« in der Wikipedia
  • 23.07.1952: Mit dem »Gesetz über die weitere Demokratisierung des Aufbaus und der Arbeitsweise der staatlichen Organe« treten 14 Bezirke an die Stelle der 5 alten Länder: Rostock, Neubrandenburg, Schwerin, Potsdam, Frankfurt (Oder), Magdeburg, Cottbus, Halle, Leipzig, Erfurt, Dresden, Chemnitz/Karl-Marx-Stadt, Gera und Suhl. Ostberlin wurde trotz des alliierten Sonderstatus für Berlin am 7. September 1961 zum 15. Bezirk.
    Link: »Bezirke der DDR« in der Wikipedia
  • 07.08.1952: Gründung der »Gesellschaft für Sport und Technik« (GST), einer paramilitärischen Jugendorganisation in der DDR.
    Link: Die »Gesellschaft für Sport und Technik« in der Wikipedia
  • 21.12.1952: Der Deutsche Fernsehfunk in Berlin-Adlershof strahlt sein erstes Versuchsprogramm aus. Im Handel wird 1954 das Fernsehgerät »Leningrad« aus der Sowjetunion angeboten. Den regulären Sendebetrieb nimmt das DDR-Fernsehen am 3. Januar 1956 auf.
    Link: »Deutscher Fernsehfunk« in der Wikipedia
  • 17.06.1953: Der Streik von Ost-Berliner Bauarbeitern wegen der Erhöhung der Arbeitsnormen weitet sich zu einem landesweiten Aufstand gegen das SED-Regime aus. Die Demonstranten fordern freie Wahlen, den Rücktritt der SED-Regierung, die Freilassung der politischen Gefangenen und die Zulassung unabhängiger demokratischer Parteien. Am 17. Juni 1953 wird der Aufstand von der Volkspolizei und sowjetischen Truppen mit Panzern blutig niedergeschlagen. 200 Menschen sterben dabei, mehrere Personen werden von sowjetischen Standgerichten zum Tode verurteilt und hingerichtet. Bis zur Wiedervereinigung wird dieser Tag in Westdeutschland als »Tag der deutschen Einheit« gefeiert.
  • September 1953: Aufstellung der Kampfgruppen als Reaktion auf den »konterrevolutionären Aufstand« vom 17. Juni 1953. Aus den bewaffneten Betriebskampfgruppen, die gegen Saboteure und andere »Feinde des Sozialismus« vorgehen sollten, wurden die militärischen »Kampfgruppen der Arbeiterklasse«, eine 400.000 Mann starke Reservearmee. Sie wurden auch zur Grenzsicherung beim Bau der Berliner Mauer 1961 eingesetzt.

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Halle/Saale
Halle/Saale, Markt, Rathausseite, um 1900, Quelle: [16]
  • 27.03.1955: In Ost-Berlin findet die erste Jugendweihe statt (laut Beschluss des Politbüros der SED vom 14. März 1954). Die Jugendweihe, an der die Jugendlichen der 8. Schulklassen teilnahmen, sollte in der DDR den Übergang der Jugendlichen in die Welt der Erwachsenen kennzeichnen (»eine gesellschaftliche Einrichtung zur Unterstützung der politisch-ideologischen Bildung«). Im Mittelpunkt stand das öffentliche Gelöbnis zur DDR, zum Sozialismus sowie zur Freundschaft mit der Sowjetunion.
    Links: Jugendweihe, Die »Jugendweihe« in der Wikipedia
  • 14.05.1955: Gründung des »Warschauer Paktes« (»Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand«) durch die Ostblock-Länder Albanien, Bulgarien, DDR, Polen, Rumänien, Sowjetunion und Tschechoslowakei mit politisch-militärischer Kontrolle durch die UdSSR.
  • 20.09.1955: Durch einen Staatsvertrag wird die Beziehung zwischen der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) und der Sowjetunion geregelt und der DDR volle Souveränität (staatliche Selbständigkeit) eingeräumt.
    Link: Die Deutsche Demokratische Republik in der Wikipedia
  • 23.09.1955: Der deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer (1876-1967) verkündet die »Hallstein-Doktrin«, laut der die Bundesrepublik Deutschland keine diplomatischen Beziehungen mit Ländern unterhalten wird, welche die DDR anerkennen. Die Beziehung zur Sowjetunion wird als Sonderfall gesehen. Zuvor hatte Adenauer sich mit der Führung der Sowjetunion über die Freilassung der letzten Kriegsgefangenen geeinigt (8.-14. September 1955 in Moskau), die bereits ab dem 7. Oktober im Lager Friedland eintreffen.
    Link: Die Hallstein-Doktrin in der Wikipedia
  • 01.12.1955: Dig, Dag und Digedag, kurz die »Digedags«, sind die Helden des ersten DDR-Comicheftes »Mosaik«. Von 1955 bis 1975 erleben sie Abenteuer in der Südsee, bei den Römern, im Weltraum, bei den Rittern, in Amerika und im Orient. Schöpfer der Figuren ist der Zeichner Hannes Hegen (*16.05.1925).
    Link: Die »Digedags« in der Wikipedia
  • 03.01.1956: Der erste »Deutsche Fernsehfunk« (»DFF«) nimmt seinen regulären Sendebetrieb auf. Damit endet das seit dem 21. Dezember 1952 laufende »öffentliche Versuchsprogramm«. Einer der ersten 'Stars' ist der TV-Entertainer Heinz Quermann (1921-2003) mit seiner »Schlagerrevue«. Am 22. November 1959 hat »Das Sandmännchen« seinen ersten Auftritt. Die berühmt-berüchtigte politische Sendung »Der Schwarze Kanal« wird ab dem 21. März 1960 ausgestrahlt.
    Link: Der erste »Deutsche Fernsehfunk« in der Wikipedia
  • 18.01.1956: Die Volkskammer der DDR beschließt durch das »Gesetz über die Schaffung der Nationalen Volksarmee und des Ministeriums für Nationale Verteidigung« die Errichtung der »Nationalen Volksarmee« (NVA). Sie erfolgt am 1. März 1956.
    Link: Die »Nationale Volksarmee« in der Wikipedia
  • 27.01.1956: Die DDR tritt dem »Warschauer Vertrag« (»Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und gegenseitigen Beistand«) bei, dem militärischen Beistandspakt des Ostblocks unter der Führung der Sowjetunion.
    Link: Der »Warschauer Vertrag« in der Wikipedia
  • 30.04.1956: Das erste Regiment der Nationalen Volksarmee der DDR (NVA) leistet »den Schwur auf die Heimat«. Am 1. März 1956 hatte das Ministerium für Nationale Verteidigung seine Arbeit aufgenommen, zum Minister für Nationale Verteidigung beruft die Volkskammer Willi Stoph (1914-1999).
    Link: Die NVA in der Wikipedia
  • 20.12.1956: Gründung der Geschenkdienst- und Kleinexporte GmbH (GENEX) durch die Regierung der DDR. Über die von der SED betriebene Firma und (ab 1961) ihre Filialen in Dänemark und in der Schweiz konnten Bürger westlicher Staaten DDR-Bürgern hochwertige, unerschwingliche Waren aus dem Westen oder auch aus örtlicher Produktion schenken, mussten dafür aber in harten Devisen - also in Westwährungen - bezahlen. Die GENEX lieferte ohne Wartezeiten und zu erheblich niedrigeren Preisen, als sie in der DDR galten. Die GENEX unterlief damit den zum Schein aufrechterhaltenen offiziellen Kurs von 1:1. Sie war eine der wichtigsten Devisenquellen der Kommerziellen Koordinierung, einer Abteilung des Ministeriums für Außenhandel der DDR.
    (Quelle: Die DDR, Otus-Verlag AG, 2004, S.169)
    Link: Die GENEX in der Wikipedia
  • 27.11.1958: Die Sowjetunion übermittelt das »Berlin-Ultimatum« an die drei Westmächte, die BRD und die DDR, in dem auf verschiedene Probleme und Gefahren im Zusammenhang mit Berlin hingewiesen wird. Berlin sei zu »einem gefährlichen Knoten der Gegensätze zwischen den Großmächten« geworden. Den USA, Großbritannien und Frankreich wird ein »grobschlächtiger Missbrauch ihrer Besatzungsrechte in Berlin« vorgeworfen, so dass sich auch die UdSSR nicht mehr an die Alliiertenabkommen von 1944/45 über Berlin gebunden fühle. Westberlin soll nach dieser Note eine selbständige politische Einheit werden.
    Link: Das Berlin-Ultimatum in der Wikipedia
  • 22.11.1959: Im Deutschen Fernsehfunk (DFF) hat »Unser Sandmännchen« seinen ersten Auftritt. Schöpfer der Sandmann-Figur ist der Bühnen- und Kostümbildner Gerhard Behrendt (1929-2006), die detailreichen Kulissen und Fahrzeuge werden von Harald Serowski (*1929) gestaltet. Seit Oktober 1958 sendet der DFF den »Abendgruß« für Kinder. Der Sandmann wird bald zum Liebling aller Kinder in Ost und West. Kultstatus erreichten auch der Kobold Pittiplatsch und die Ente Schnatterinchen, die beim Sandmännchen ihren Auftritt haben.
    Links: »Unser Sandmännchen« und Das Märchenland des DDR-Kinderfernsehens

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Kampfgruppen der DDR, 1986
Plakat der DDR zum 25. Jahrestag des Mauerbaus, 1986, Detail: Kampfgruppen
Quelle: © AdsD der Friedrich-Ebert-Stiftung

Chronik - 1960er Jahre

  • 08.09.1960: Das Innenministerium der DDR verhängt ein Einreiseverbot für Bürger der Bundesrepublik Deutschland nach Ostberlin. Enreisen sind künftig nur noch mit einer Sondergenehmigung möglich. Am 30. September kündigt die Bundesrepublik Deutschland daraufhin das 1951 geschlossene Interzonenhandelsabkommen.
  • 12.09.1960: Nach dem Tod von Wilhelm Pieck (1876-1960) am 7. September wird das Amt des Staatspräsidenten abgeschafft und durch den »Staatsrat der DDR« als kollektives Staatsoberhaupt ersetzt. Erster »Staatsratsvorsitzender« wird Walter Ulbricht (1893-1973).
    Link: Der »Staatsrat der DDR« in der Wikipedia
  • 15.06.1961: »Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.« beteuert SED-Generalsekretär und DDR-Staatsratsvorsitzender Walter Ulbricht (1893-1973) auf einer internationalen Pressekonferenz in Ost-Berlin, obwohl er selbst auf einer Sitzung in Moskau am 28./29. März 1961 eine Schließung der Grenzen nach West-Berlin vorgeschlagen hatte (was damals abgelehnt wurde). Auf einem Treffen der Generalsekretäre der kommunistischen Parteien aller Warschauer-Pakt-Staaten vom 3.-5. August in Moskau erhält er die Zustimmung zur Abriegelung der Fluchtwege, um den wirtschaftlichen Zusammenbruch der DDR zu verhindern. Siehe: 13. August 1961.
    Link: Walter Ulbricht in der Wikipedia
  • 13.08.1961: Die bewaffnete Grenzpolizei und Betriebskampfgruppen der DDR riegeln die Grenzen zwischen Ost- und Westberlin sowie zwischen den drei Westsektoren und der DDR ab. Grundlage ist der am Vortage von der DDR-Volkskammer gefasste Beschluss, »eine solche Kontrolle an den Grenzen der DDR einschließlich der Grenze zu den Westsektoren von Großberlin (einzuführen), wie sie an den Grenzen jedes souveränen Staates üblich ist«. Der Mauerbau, der drei Tage später beginnt, erfolgt laut DDR-Ministerrat »zur Unterbindung der feindlichen Tätigkeit der revanchistischen und militaristischen Kräfte Westdeutschlands und West-Berlins« und soll an den Grenzen »eine verlässliche und wirksame Kontrolle gewährleisten«. In Wahrheit soll damit der Flüchtlingsstrom (2,9 Millionen Menschen seit 1949) aus der DDR und der wirtschaftliche Zusammenbruch verhindert werden. Der »Kalte Krieg« erreicht durch den Mauerbau einen neuen Höhepunkt. Bis zum 9. November 1989 trennt die Mauer die Deutschen. Erstes »Maueropfer« ist am 17. August 1962 der Bauarbeiter Peter Fechter (18).
    »Eine Schranke von Stacheldraht wurde quer durch Eure Stadt gezogen. Sie hat für Euch und, was noch wichtiger ist, für Eure Brüder im Osten lebenswichtige, menschliche Bande zerrissen ... Ich verstehe den Schmerz und die Erbitterung, die Ihr fühlt.« (US-Präsident Johnson (1908-1973) bei seinem Besuch am 19. August im Schöneberger Rathaus)
    Link: Da schlug's 13 - Bau der Berliner Mauer
  • 13.08.1961: »Und ich sage: Ulbricht wird an seiner Mauer ersticken.« sagt Willy Brandt (1913-1992, SPD) nach dem Bau der Berliner Mauer am 13. August 1961.
  • 18.08.1961: »Der Regierende Bürgermeister von Berlin hat in diesen Tagen aus allen Teilen der Bevölkerung unzählige Beweise erhalten, dass es falsch ist zu glauben, die Menschen in der Bundesrepublik würden nicht verstehen, was seit dem Sonntag in Berlin und in der Zone passiert ist. ... Was in Ost-Berlin geschehen ist, das ist der Einmarsch einer Armee in ein Territorium, in dem sie nichts zu suchen hat. Die sogenannte Volksarmee mit ihren Nebenorganisationen hat Ost-Berlin annektiert. Sie hat den Vier-Mächte-Status unter ihren Panzerketten zermahlen.« (Willy Brandt, Rede vor dem Deutschen Bundestag, Bonn, 18. August 1961)
  • August 1961: Einrichtung des Grenzübergangs Checkpoint Charlie an der Friedrichstraße in Berlin durch die Allierten. Er dient der Kontrolle von des Ausländerverkehrs zwischen Ost- und Westberlin. Am 25. Oktober 1961 stehen sich hier amerikanische und sowjetische Panzer gegenüber, da die Westalliierten das Recht auf Bewegungsfreiheit in ganz Berlin durchsetzen wollen. Am 17. August 1962 stirbt der Ost-Berliner Bauarbeiter Peter Fechter bei seinem Fluchtversuch, 100 m vom Checkpoint Charlie entfernt.
    Link: »Checkpoint Charlie« in der Wikipedia

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1. Mai-Kundgebung
1. Mai-Kundgebung vor dem Reichstagsgebäude auf dem Platz der Republik. 1. Mai 1962
Quelle: © AdsD der Friedrich-Ebert-Stiftung
  • 24.01.1962: Einführung der allgemeinen Wehrpflicht in der DDR. Sie gilt für alle Männer vom 18. bis zum 50. Lebensjahr und dauert achtzehn Monate. Sie gilt auch in Ost-Berlin, was zu Protesten der drei westlichen Stadtkommandanten führt. Wehpflichtige können auch zu den Grenztruppen eingezogen werden. Am 7. September 1964 führt die DDR als einziges Land des »Warschauer Paktes« einen waffenlosen Dienst - als »Bausoldat« - ein.
    Link: Die Nationale Volksarmee (NVA) in der Wikipedia
  • 17.08.1962: Der Ost-Berliner Bauarbeiter Peter Fechter (18) stirbt bei seinem Fluchtversuch aus der DDR. 100 m vom »Checkpoint Charlie«, dem Kontrollpunkt der Amerikaner, versuchen er und ein Kollege die Mauer zu übersteigen. Während seinem Kollegen die Überwindung der Mauer gelingt, wird Fechter von DDR-Grenzsoldaten niedergeschossen. Er verblutet zwischen den Fronten liegend, ohne das ihm die Amerikaner oder die Grenzpolizisten helfen. Zwischen 1949 und 1989 sterben an der Grenze zur DDR etwa 250 Menschen bei ihren Fluchtversuchen, über 300 werden verletzt. Im September 1991 beginnen die ersten »Mauerschützenprozesse«.
    Link: Peter Fechter in der Wikipedia
  • 14.12.1962: Gründung der staatlichen Handelsorganisation Intershop, die frei konvertierbare Währungen (Devisen, Valuta) erwirtschaften soll. Erst ab dem 19. Dezember 1973 dürfen auch DDR-Bürger mit westlicher Währung, ab 1979 nur noch mit so genannten Forumschecks, dort einkaufen.
    Link: »Intershop« in der Wikipedia
  • 07.09.1964: Die DDR führt als einziges Land des »Warschauer Paktes« einen waffenlosen Dienst - als »Bausoldat« - ein.
    »Im Bereich des Ministeriums für Nationale Verteidigung sind Baueinheiten aufzustellen. Der Dienst in den Baueinheiten ist Wehrersatzdienst ... Er wird ohne Waffe durchgeführt ... Zum Dienst in den Baueinheiten werden solche Wehrpflichtigen herangezogen, die aus religiösen Anschauungen oder aus ähnlichen Gründen den Wehrdienst mit der Waffe ablehnen«
    Link: Stichwort »Bausoldat« in der Wikipedia
  • 24.09.1964: Willi Stoph (1914-1999) wird von der Volkskammer der DDR zum Vorsitzenden des Ministerrats und des Staatsrats gewählt. Er ist Nachfolger des am 21. September 1964 verstorbenen Otto Grotewohl (1894-1964).
    Links: Willi Stoph und Otto Grotewohl in der Wikipedia
  • 25.09.1965: In Leipzig wird die 800jährige Geschichte der Messestadt gefeiert. 1165 erteilt Markgraf Otto der Reiche von Meißen das Stadtrecht und das Marktprivileg. 1409 erfolgt die Gründung der »Alma mater Lipsiensis«, der Universität Leipzig. Seit 1650 erscheint in Leipzig die erste Tageszeitung der Welt. Der gebürtige Leipziger Walter Ulbricht (1893-1973) verweist in seinen Ansprachen auf die Traditionen der Arbeiterklasse in der Stadt.
    Link: Leipzig in der Wikipedia
  • 01.04.1966: Im Ministerium für Außenhandel der DDR wird die Dienststelle »Kommerzielle Koordinierung« (»KoKo«) gebildet, die 1972 den Status einer Valutabehörde und eines Devisenausländers erhält. Geleitet wurde der Bereich seit der Gründung von dem MfS-Offizier Alexander Schalck-Golodkowski (*1932).
    Links: Kommerzielle Koordinierung im DDR-Lexikon, »Kommerzielle Koordinierung« in der Wikipedia
  • 09.04.1968: In der DDR tritt eine neue Verfassung in Kraft, in welcher der Führungsanspruch der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) festgelegt wird. Die DDR wird als ein von der Arbeiterklasse und ihrer Partei geführter »sozialistischer Staat deutscher Nation« beschrieben, in dem der Sozialismus verwirklicht wird.
    Link: Die SED in der Wikipedia
  • 10./11.06.1968: Die Volkskammer der DDR führt im Reise- und Transitverkehr der Bundesrepublik und West-Berlins mit der DDR den Pass- und Visazwang ein.
  • 01.12.1968: Das Genthiner Waschmittelwerk bringt in der DDR ein neues Vollwaschmittel auf den Markt: »Spee™« (SPEzialEntwicklung). Verbesserte »waschaktive Substanzen« sowie Bleichmittel sorgen für weißere Wäsche. Bis zur Wende hat »Spee™« in der DDR einen Marktanteil von 80 Prozent. Das Genthiner Werk wurde am 26. April 1921 gegründet. Ab März 1923 werden hier die ersten Marken - Persil™, Imi™ und Ata™ - produziert. 1949 wandelt man den Betrieb in das »VEB Waschmittelwerk« um. 1990 wird das Werk von der Firma Henkel KGaA übernommen, die Spee™ inzwischen bundesweit vermarktet.
  • 10.06.1969: Gründung des »Bundes der Evangelischen Kirchen in der DDR« (BEK), dem organisatorischen Zusammenschluss der acht protestantischen Landeskirchen der DDR. Die I. Synodentagung findet vom 10. bis 14. September 1969 statt.
    Link: Der BEK in der Wikipedia

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Erntezeit in der DDR, 1986
Plakat der DDR zum 25. Jahrestag des Mauerbaus, 1986, Detail: Erntezeit
»Wir schützen, was des Volkes Hände schaffen«
Quelle: © AdsD der Friedrich-Ebert-Stiftung

Chronik - 1970er Jahre

  • 1970: Einführung des Begrüßungsgeldes als Unterstützung für die in die BRD einreisenden Bürger der DDR sowie wie für Polen mit deutscher Abstammung. Das Begrüßungsgeld beträgt 30,00 D-Mark und kann zweimal im Jahr beansprucht werden. Ab August/September 1987 wird der Betrag auf 100,00 D-Mark erhöht, aber nur noch einmal pro Jahr gezahlt.
    Link: Das »Begrüßungsgeld« in der Wikipedia
  • 19.03.1970: Der Vorsitzende des DDR-Ministerrats Willi Stoph (1914-1999) trifft sich mit Bundeskanzler Willy Brandt (1913-1992) in Erfurt. Die 2. Gesprächsrunde findet am 21. Mai in Kassel statt. Willy Brandt unterbreitet einen 20-Punkte-Vorschlag zur vertraglichen Regelung der Beziehungen zwischen der BRD und DDR.
    Link: Kleine Chronik - DDR
  • 03.05.1971: Auf der 16. Tagung des Zentralkomitees der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) wird Erich Honecker (1912-1994) zum neuen Ersten Sekretär gewählt. Er ist Nachfolger von Walter Ulbricht (1893-1973), der offiziell aus gesundheitlichen Gründen zurücktritt, tatsächlich aber mit Billigung Moskaus abgesetzt wird. Ulbricht bleibt allerdings weiterhin Staatsratsvorsitzender und damit formelles Staatsoberhaupt der DDR.
    Link: Walter Ulbricht in der Wikipedia
  • 03.06.1972: Das »Transitabkommen« (»Abkommen zwischen der Regierung der Bundesrepublik Deutschland und der Regierung der Deutschen Demokratischen Republik über den Transitverkehr von zivilen Personen und Gütern zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Berlin (West)«) zwischen der BRD und der DDR, paraphiert am 11. Dezember 1970, unterzeichnet am 17. Dezember 1971 in Bonn, tritt in Kraft.
    Link: Das Transitabkommen in der Wikipedia
  • 21.12.1972: Unterzeichnung des Grundlagenvertrages (Vertrag über die Grundlagen der Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik) durch Michael Kohl (Staatssekretär, DDR) und Egon Bahr (Bundesminister für besondere Aufgaben, BRD) in Ost-Berlin. Der Vertrag wird am 11. Mai 1973 ratifiziert und tritt am 21. Juni 1973 in Kraft.
    Link: Der »Grundlagenvertrag« in der Wikipedia
  • 09.02.1973: Als erste NATO-Staaten erkennen Frankreich und Großbritannien die Deutsche Demokratische Republik (DDR) diplomatisch an.
    Link: Die Deutsche Demokratische Republik in der Wikipedia
  • 18.09.1973: Die Deutsche Demokratische Republik und die Bundesrepublik Deutschland werden Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen (UNO, United Nations Organization, Organisation der Vereinten Nationen).
    Link: Die »Vereinten Nationen« in der Wikipedia
  • 06.05.1974: Der seit 1973 als Referent im Bundeskanzleramt tätige Günther Guillaume (1927-1995) wird als DDR-Spion entlarvt, am 24. April festgenommen und wegen Landesverrats zu 13 Jahren Haft verurteilt. Bundeskanzler Willy Brandt (1913-1992) übernimmt die politische Verantwortung und tritt am 6. Mai zurück. Finanzminister Helmut Schmidt (1918-2015) wird am 16. Mai zum neuen Kanzler gewählt. Guillaume wird 1981 in die DDR entlassen.
    Link: Günther Guillaume in der Wikipedia
  • 22.09.1975: Die Rockgruppe »Renft« wird in der DDR verboten. Sie hatte zuvor das Veröffentlichungsverbot für ihren Liedermacher Gerulf Pannach ignoriert und seine Texte gesungen. »Glaubensfragen« behandelt den Wehrdienst, die »Rockballade vom kleinen Otto« hat die Republikflucht zum Thema. Klaus Renft (eigentl. Klaus Jentsch, 1942-2006) hatte die »Klaus Renft Combo« 1958 gegründet.
    Link: Klaus Renft Combo - Die offizielle Heimseite
  • 1976: Gründung der Handelskette »Delikat-Läden« (»Deli«, »Fress-Ex«) zur Vermarktung von Lebensmitteln des gehobenen Bedarfs.
  • 16.11.1976: Das Politbüro der SED beschließt die Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann (*15.11.1936) aus der DDR. Biermann gibt am 13. November ein Konzert in Köln, Auftakt einer Konzertreise durch Westdeutschland. Die kritischen Texten des unbequemen Sängers sind der DDR-Führung schon länger ein Dorn im Auge (»Ach, Sindermann, du blinder Mann, du richtest nur Schaden an«), nun begründen sie die Ausbürgerung damit, dass sich sein Programm in der Bundesrepublik gegen die DDR und den Sozialismus richte. Wolf Biermann gilt als Symbolfigur des Widerstands im Osten. Viele namhafte Künstler wie Christa Wolf, Stefan Hermlin, Stefan Heym, Sarah Kirsch, Jurek Becker, Günter Kunert und Fritz Cremer protestieren in einer Erklärung gegen die Zwangsausbürgerung.
    Link: Wolf Biermann in der Wikipedia
  • 30.04.1976: Der Fluchthelfer und ehemalige politische Häftling in der DDR, Michael Gartenschläger (1944-1976), wird bei dem Versuch, Selbstschussanlagen an der deutsch-deutschen Grenze abzumontieren, durch ein Spezialkommando der DDR-Staatssicherheit erschossen.
    Links: Michael Gartenschläger in der Wikipedia
  • 26.08.1978: Der Oberleutnant der Luftwaffe der DDR, Sigmund Jähn (*1937), startet als erster Deutscher in den Weltraum. Zusammen mit dem sowjetischen Kosmonauten Waleri Fjodorowitsch Bykowski (*1934) startet er mit dem Raumschiff »Sojus 31«, welches dann an die sowjetische Orbitalstation »Salut-6« (Komplex aus »Saljut 6« und »Sojus 29«) ankoppelt. Die Rückkehr erfolgt am 3. September 1978.
    Link: Sigmund Jähn in der Wikipedia

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Arbeiter in der DDR, 1986
Plakat der DDR zum 25. Jahrestag des Mauerbaus, 1986, Detail: Arbeiter
Quelle: © AdsD der Friedrich-Ebert-Stiftung

Chronik - 1980er Jahre

  • 18.09.1980: Gründung des Erberates der DDR (»Nationaler Rat der DDR zur Pflege und Verbreitung des Deutschen Kulturerbes«).
  • 26.06.1981: In Leipzig (DDR) wird der Hauptmann des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) Werner Teske (1942-1981) wegen angeblichen Hochverrats hingerichtet. Er ist der letzte Mensch, der in der DDR hingerichtet wird. 1987 wird die Todesstrafe in der DDR offiziell abgeschafft. 1993 wird das Urteil gegen Teske für rechtsstaatswidrig erklärt und annulliert.
    Links: Die letzte Hinrichtung in der DDR, Letztes deutsches Todesurteil
  • 13.02.1982: Aus Anlass des 37. Jahrestags der Luftangriffe auf Dresden rufen private Christengruppen zu einem Schweigemarsch für Frieden und Abrüstung auf. 5.000 meist junge DDR-Bürger versammeln sich in der Kreuzkirche zu einem Friedensforum. Unter dem dem Schutz der evangelischen Kirche entsteht eine unabhängige Friedensbewegung. Unter dem biblischen Motto »Schwerter zu Pflugscharen« engagiert sie sich für Abrüstung in Ost und West und fordert unter anderem ein atomwaffenfreies Europa, die Einführung eines sozialen Friedensdienstes und die Abschaffung des Wehrkunde-Unterrichts an den Schulen.
    Link: »Schwerter zu Pflugscharen« in der Wikipedia

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  • 12.06.1989: Staatsbesuch (12. bis 15. Juni) des russischen Staats- und Parteichefs Michail Gorbatschow (*1931) in der Bundesrepublik Deutschland. Von der Bevölkerung werden »Gorbi« und seine Frau Raissa (1922-1999) mit großem Jubel empfangen. Gorbatschow und Bundeskanzler Helmut Kohl unterzeichnen eine »Gemeinsame Erklärung«, in der beide Seiten das Recht eines jeden Staates, das eigene politische und soziale System frei zu wählen und die Achtung des Selbstbestimmungsrechtes aller Völker als unumstößliche Prinzipien ihrer Politik anerkennen.
    »Die Situation in Europa, die wir heute haben, ist eine Realität ... und die Mauer kann verschwinden, wenn jene Voraussetzungen entfallen, die diese Wand ins Leben gerufen haben« (Michail Gorbatschow auf einer Pressekonferenz in Bonn, 15. Juni 1989)
    Link: www.chronik-der-mauer.de - Juni 1989
  • 19.08.1989: Das Ungarische Demokratische Forum und weitere ungarische Oppositionsgruppen laden zu einem »paneuropäischen Picknick« an die ungarisch-österreichische Grenze bei Sopron ein. Durch ein symbolisch geöffnetes Grenztor gelangen über 600 DDR-Bürger nach Österreich.
    Link: Das »Paneuropäische Picknick« in der Wikipedia
  • 04.09.1989: Nach einem Friedensgebet in der Leipziger Nicolai-Kirche fordern rund 1.000 Demonstranten Reise-, Presse- und Versammlungsfreiheit. In den folgenden Wochen finden regelmäßige Montagsdemonstrationen in Leipzig statt.
    Link: Montagsdemonstrationen
  • 11.09.1989: Die ungarische Regierung lässt in Anbetracht der Flüchtlingssituation in der Botschaft in Budapest und nach Gesprächen von Außenminister Gyula Horn mit der Bundesregierung seit Mitternacht die in Ungarn befindlichen DDR-Bürger nach Österreich ausreisen. Innerhalb von 24 Stunden reisen etwa 10.000 Bürger der DDR in den Westen, weitere 47.000 folgen in den nächsten Wochen.
    Link: www.chronik-der-mauer.de - September 1989
  • 06./07.10.1989: »Wenn wir zurückbleiben, bestraft uns das Leben sofort« sagt der sowjetische Staatschef Michail Gorbatschow (*1931) während der Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der DDR, und meint damit die notwendigen bzw. längst überfälligen Reformen. In mehreren Städten demonstrieren die Menschen für eine Umgestaltung der DDR und eine demokratische Erneuerung. Die Sicherheitskräfte gehen mit Schlagstöcken und Wasserwerfern gegen die Demonstranten vor, etwa 1.000 Personen werden festgenommen.
    Links: Michail Gorbatschow - Festansprache zum 40. Jahrestag der DDR, Zusammenbruch des SED-Regimes
  • 09.10.1989: »Wir sind das Volk« ist erstmals das Motto der Montagsdemonstrationen, die sich nach dem Gottesdienst in der Leipziger Nikolaikirche zu einem friedlichen Protest versammeln. Sie fordern eine Umgestaltung der DDR und eine demokratische Erneuerung. Die erste Montagsdemonstration fand am 4. September 1989 statt.
    Link: »Montagsdemonstrationen 1989/1990 in der DDR«
  • 30.09.1989: Außenminister Hans-Dietrich Genscher (1927-2016) verkündet vom Balkon der Prager Botschaft, er habe eine Ausreiseerlaubnis für die etwa 6.000 Flüchtlinge, die sich in der bundesdeutschen Botschaft in Prag aufhalten. Die Tschechoslowakische Sozialistische Republik (CSSR) hatte zuvor die Kontrolle an der Grenze zu Ungarn verschärft.
    Link: Ausreisewelle
  • 18.10.1989: Erich Honecker (1912-1994), der Generalsekretär des Zentralkomitee der SED und Staatsratsvorsitzender der Deutschen Demokratischen Republik, wird zum Rücktritt gezwungen. Neuer Generalsekretär der SED wird Egon Krenz (*1937). Am 7./8. November treten die Regierung Stoph und das Politbüro geschlossen zurück. Am 9. November 1989 kommt es zum Fall der Berliner Mauer. Am 3. Dezember 1989 wird Honecker aus der SED ausgeschlossen. Erich Honecker stirbt am 29. Mai 1994 in Santiago de Chile.
    Link: Erich Honecker in der Wikipedia
  • 09.11.1989: Fall der Berliner Mauer. Gegen 19:00 Uhr verliest SED-Politbüromitglied Günter Schabowski (1929-2015) den Beschluss des DDR-Ministerrats, der eine freie Ausreise garantiert. Diese Nachricht führt zur Versammlung tausender DDR-Bürger an den Grenzübergängen Ost-Berlins. Etwa 50.000 Menschen werden auf der Westseite des Brandenburger Tores von jubelnden Berlinern empfangen.
    Vorausgegangen waren die Leipziger Montagsdemonstrationen (erstmals im August 1989 in der Leipziger Nikolaikirche), an denen ständig mehr Menschen teilnahmen und die mit ihrem Motto »Wir sind das Volk« den Anstoß zur Wende gaben. Weitere Stationen auf dem Weg zur Wiedervereinigung Deutschlands sind die Reformen des Staatspräsidenten der UdSSR, Michail Gorbatschow (*1931) ab 1985, die Grenzöffnung der Ungarn am 11. September 1989 und der Rücktritt des Staatschefs Erich Honecker (1912-1994) am 18. Oktober 1989.
    Link: Der Fall der Berliner Mauer in der Wikipedia

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Plakat der DDR
Plakat der DDR zum 25. Jahrestag des Mauerbaus, 1986
Quelle: © AdsD der Friedrich-Ebert-Stiftung

Chronik - 1990er Jahre

  • 18.03.1990: Stärkste Partei bei den ersten freien und demokratischen Wahlen zur Volkskammer der DDR wird die Christlich-Demokratische Union Deutschlands (CDU), die im konservativen Wahlbündnis »Allianz für Deutschland« zusammen mit dem Demokratischen Aufbruch (DA) und der Deutschen Sozialen Union (DSU) antritt. Die Sozialdemokratische Partei der DDR (SPD) erhält 21,9 % der Stimmen.
    Link: Volkskammerwahl 1990 in der Wikipedia
  • 03.10.1990: In Berlin nehmen hunderttausende Menschen an den Feiern der Einheit und Souveränität Deutschlands teil. Am 12. September 1990 hatten die USA, die UdSSR, Großbritannien und Frankreich sowie die Regierungen der Bundesrepublik und der DDR in den so genannten Zwei-plus-Vier-Gesprächen - dem »Vertrag über die abschließende Regelung in Bezug auf Deutschland« - dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik zum 3. Oktober 1990 zugestimmt und dem vereinten Deutschland volle Souveränität zugebilligt.
    »Sich zu vereinen, heißt teilen zu lernen« sagt der deutsche Bundespräsident Richard von Weizsäcker (*1920) bei einem Staatsakt in der Berliner Philharmonie anlässlich der Wiedervereinigung.
    Link: Die Deutsche Wiedervereinigung in der Wikipedia
  • 10.02.1992: Beginn des Prozesses gegen Erich Mielke (1907-2000), dem ehemaligen DDR-Minister für Staatssicherheit. 1993 wird Mielke zu sechs Jahren Haft verurteilt, aus Gesundheitsgründen aber vorzeitig entlassen. Mielke stirbt am 21. Mai 2000.
    Link: Erich Mielke in der Wikipedia
  • 13.01.1993: Das Verfahren gegen Erich Honecker (1912-1994) - Erteilung des Schießbefehls an der innerdeutschen Grenze - wird wegen seines schlechten Gesundheitszustandes eingestellt. Erich Honecker stirbt am 29. Mai 1994 in Santiago de Chile.
    Link: Erich Honecker in der Wikipedia

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Zuletzt geändert am 05.04.2016

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