Kalenderblatt - Thema: Österreich 1900-1955

Wien um 1900
Wien um 1900, Quelle: [16]

Chronik:

  • 24.04.1900: In Wien demonstrieren Tausende von Arbeitern wegen ihrer wirtschaftlichen Notlage.
  • 30.04.1900: An der Universität Wien promoviert die erste Frau zum Doktor der Philosophie.
  • 1905: Der so genannte »Mährische Ausgleich« regelt auf vorbildliche Weise den Sprachen- und Nationalitätenstreit zwischen den Deutschen und den Tschechen in Mähren.
  • 22.06.1905: Die k.u.k. Hofzensur verbietet die Aufführung der Oper »Salome« von Richard Strauss (1864-1949), weil sie angeblich gegen Anstand und Moral verstößt. Die Uraufführung erfolgt am 9. Dezember an der Dresdner Hofoper.
    Link: Richard Strauss in der Wikipedia
  • 20.09.1905: Der österreichische Kaiser Franz Joseph I. (1830-1916) eröffnet in Gastein die Tauernbahn (Nordrampe), die Schwarzach-St. Veit im Bundesland Salzburg mit Spittal an der Drau in Kärnten verbindet. Die Bauarbeiten unter der Leitung von Dr. Ing. Carl Wurmb (1850-1907) beginnen am 24. Juni 1901, im September 1905 ist die Strecke von Schwarzach-St.Veit bis Badgastein befahrbar. Die komplette Strecke - mit der Fortsetzung über die Karawankenbahn nach Triest - wird im Juli 1909 vollendet.
    Link: Die Tauernbahn in der Wikipedia
  • 1906: In Österreich wird per Gesetz das »allgemeine, gleiche, geheime und direkte Wahlrecht« eingeführt. In Ungarn bleibt das »Zensurwahlrecht« bestehen, welches die Herrschaft der magyarischen Herrenschicht sichert.
  • 08.07.1906: Zwischen Österreich-Ungarn und Serbien beginnt ein Zollkrieg.
  • 05.10.1908: Österreich-Ungarn annektiert Bosnien und die Herzegowina, die sich schon seit 1878 unter seiner Verwaltung befinden. Es kommt zu Protesten Serbiens, das ein »Großserbisches Reich« errichten will und einen Ausgleich fordert. Ein drohender militärischer Konflikt kann durch die Vermittlungen Englands, Frankreichs, Italiens und des Deutschen Reiches verhindert werden. Am 10. März 1909 lenkt Serbien mit dem Hinweis ein, die bosnisch-herzegowinische Frage sei eine europäische Frage und die Signatarmächte des Berliner Vertrages (1878) hätten über die Behandlung Bosniens und der Herzegowina zu entscheiden.
    Link: Österreich-Ungarn in der Wikipedia
  • 1908-1914: Sprachen- und Machtkampf zwischen Tschechen und Deutschen in Böhmen und im Wiener Reichsrat. Der Führer der Jungtschechen, Karl Kramár (1860-1937), fordert den Föderalismus des Reiches zugunsten der tschechischen Mehrheit in Böhmen und Mähren und deren Vereinigung mit der ungarischen Slowakei. Der deutsch-tschechische Ausgleich scheitert 1913.
    (Föderalismus = Selbständigkeit der einzelnen Länder innerhalb eines Staatsganzen)

zum Seitenanfang

Plakat: Zeichnet Kriegsanleihe!
Plakat: Zeichnet Kriegsanleihe! Wien 1917, Quelle: [16]
  • 23.03.1911: Eine Volkszählung in Wien ergibt eine Einwohnerzahl von mehr als zwei Millionen Menschen.
    Link: Die Geschichte Wiens in der Wikipedia
  • 18.05.1911: In Wien stirbt der österreichische Komponist und Dirigent Gustav Mahler (1860-1911), einer der bedeutendsten Dirigenten seiner Zeit, der in seinen Sinfonien die modernen Kompositionstechniken vorweg genommen hatte.
    Link: Gustav Mahler in der Wikipedia
  • 02.03.1913: Der österreichische Philosoph Rudolf Steiner (1861-1925) gründet die »Anthroposophische Gesellschaft«. Steiners Lehre besagt, dass der Mensch stufenweise übersinnliche Erkenntnisse erlangen kann. Die Anthroposophen gründen auch die Waldorf-Schulen.
    Link: Rudolf Steiner und die Anthroposophische Gesellschaft
  • 28.06.1914: Bei einem »Attentat in der bosnischen Hauptstadt Sarajevo« werden der österreichischen Erzherzog Franz Ferdinand (1863-1914) und seine Gemahlin Herzogin Sophie von Hohenberg (1868-1914) von dem serbischen Gymnasiasten Gavrilo Princip (1895-1918) erschossen. Zuvor war ein Bombenattentat des Studenten Nedjelko Cabrinovic fehlgeschlagen. Als Drahtzieher der Attentate stellt sich der Serbe Dragutin Dimitrijevic (genannt »Apis«) heraus, der Chef des serbischen Geheimdienstes und fanatischer Nationalist. Die Attentäter gehören zur Geheimorganisation »Schwarze Hand«, die mit allen Mitteln ein »Großserbisches Reich« errichten wollen, welches alle südslawischen Völker (auch Bosnien und Kroatien) vereinen soll. Der deutsche Kaiser Wilhelm II. lässt am 6. Juli durch Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg die »unbedingte Bündnistreue des Deutschen Reiches zu Österreich-Ungarn« erklären. Siehe: 23. Juli 1914.
  • 23.07.1914: Österreich-Ungarn richtet ein Ultimatum an Serbien, in dem die Verfolgung und Bekämpfung der Attentäter innerhalb von 48 Stunden gefordert wird. Nach einer ausweichenden Antwort Serbiens werden am 25. Juli 1914 die diplomatischen Beziehungen zu Serbien abgebrochen. Siehe: 28. Juli 1914.
  • 28.07.1914: Österreich-Ungarn erklärt Serbien den Krieg - der Beginn des »Großen Krieges«, der später der »Erste Weltkrieg« genannt wird. Russland beginnt daraufhin am 30. Juli 1914 mit der Mobilmachung, um Serbien zu unterstützen. Siehe: 1. August 1914.
  • 01.08.1914: Das Deutsche Reich, durch den »Dreibund« mit Österreich-Ungarn und Italien verbunden, erklärt Russland den Krieg. Am 2. August 1914 beginnt Frankreich mit der Mobilmachung. Frankreich ist durch die »Entente cordiale« mit Großbritannien und Russland verbunden. Am 3. August 1914 erklärt das Deutsche Reich Frankreich den Krieg. Siehe: 4. August 1914.
  • 03.11.1914: Der österreichische Lyriker Georg Trakl (1887-1914) stirbt in einer psychiatrischen Klinik in Krakau an einer Überdosis Kokain. Als Folge seiner schrecklichen Erlebnisse als Sanitäter im »Großen Krieg« hatte er einen Nervenzusammenbruch erlitten, dem ein Selbstmordversuch folgte. Mit seinen schwermütigen Werken gilt Trakl als einer der bedeutendsten Vertreter des österreichischen Expressionismus.
    Links: Georg Trakl in der Wikipedia und Georg Trakl im Projekt Gutenberg
  • 23.05.1915: Italien erklärt Österreich-Ungarn den Krieg. In geheimen Absprachen mit Großbritannien und Frankreich war Italien als Gegenleistung für diesen Schritt die Annexion Südtirols, Istriens sowie Teile Dalmatiens zugesagt worden.
    Link: Italien im Ersten Weltkrieg (Wikipedia)

zum Seitenanfang

US-Präsident Theodore Roosevelt (1858-1919) in Wien
US-Präsident Theodore Roosevelt (1858-1919) in Wien, Quelle: [16]
  • 21.10.1916: Ermordung des österreichischen Ministerpräsidenten (seit 1911) Karl Reichsgraf von Stürgkh (1859-1916) durch Friedrich Adler, dem Führer des linken Flügels der sozialdemokratischen Partei Österreichs und Gegner der einen Krieg befürwortenden Politik seiner Partei. Nachfolger wird Ernst von Koerber (1850-1919), allerdings nur bis zum 19. Dezember. In der Folgezeit kommt es zu ständigen Regierungswechseln. Die Todesstrafe wird anlässlich des Regierungsantritts von Karl I. (1887-1922) in eine lebenslange Haft umgewandelt, 1918 wird Adler begnadigt.
  • 27.08.1916: Rumänien erklärt Österreich-Ungarn den Krieg. Damit stehen den österreichischen Truppen weitere 750.000 Soldaten entgegen. Das Zugeständnis Russlands an Rumänien: die Bukowina, Siebenbürgen und das Banat.
    Link: Rumänien im Ersten Weltkrieg (Wikipedia)
  • 21.11.1916: Der österreichische Kaiser Franz Joseph I. (1830-1916), Herrscher seit 1848, stirbt in Schönbrunn. Nachfolger wird sein Großneffe Karl I. (1887-1922).
    Link: Franz Joseph I. in der Wikipedia
  • 30.04.1917: Der Versuch eines Sonderfriedens des österreichischen Kaisers Karl I. (1887-1922) mit der Entente scheitert. Karl I. hatte damit vergeblich versucht, die Monarchie vor dem Zerfall zu retten.
    Link: Karl I. in der Wikipedia
  • 06.02.1918: In Wien stirbt der österreichische Maler Gustav Klimt (1862-1918), der wichtigste Maler des österreichischen Jugendstils, und von 1897-1905 Leiter der von ihm mitbegründeten »Wiener Sezession«.
    Link: Gustav Klimt in der Wikipedia
  • 20.03.1918: Die österreichische Regierung führt in der Schweiz mit den USA Sondierungsgespräche über einen eventuellen Separatfrieden.
  • 10.04.1918: Auf einem »Nationalitätenkongress« von Völkern der Doppelmonarchie in Rom fordern Tschechen, Südslawen, Rumänen und Polen das Selbstbestimmungsrecht.
    Link: Die »Doppelmonarchie« in der Wikipedia
  • 30.06.1918: Italien und Frankreich erkennen die Selbständigkeit der Tschechoslowakei an. Großbritannien folgt am 13. August, die USA am 3. September 1918.
    Link: Die Tschechoslowakei in der Wikipedia
  • 17.10.1918: Kaiser Karl I. (1887-1922) erlässt auf Druck der Alliierten das »Völkermanifest«. Die Tschechen, Ungarn, Slowenen und Kroaten verkünden daraufhin ihre Unabhängigkeit von Österreich.
    Link: Karl I. in der Wikipedia
  • 31.10.1918: Der österreichische, expressionistische Maler Egon Schiele (1890-1918) stirbt an der »Spanischen Grippe«. Durch die schlechte Versorgung sind die geschwächten Menschen besonders anfällig für die Krankheitserreger. Erstmals soll die Krankheit am 11. März 1918 in einem überfüllten Armeelager in Fort Riley in Kansas (USA) aufgetreten sein. Durch die Verschiffung der (überlebenden) Soldaten gelangt sie nach Europa. Mit etwa 20 Millionen Todesopfern fallen ihr 1918/1919 weltweit mehr Menschen zum Opfer, als dem »Großen Krieg«. Zur gleichen Zeit brechen auch Epidemien von Kinderlähmung und Gehirnhautentzündung aus.
    Links: Spanische Grippe und Egon Schiele-Museum Tulln
  • 03.11.1918: Bei Padua wird zwischen dem ehemaligen Österreich-Ungarn und den Alliierten der »Waffenstillstand von Villa Giusti« unterzeichnet. Am 11. November 1918 dankt der österreichische Kaiser Karl I. (1887-1922) ab.
    Link: Waffenstillstand von Villa Giusti in der Wikipedia
  • 11.11.1918: Der österreichische Kaiser Karl I. (1887-1922) verzichtet auf den Thron. Bereits am 2. November 1918 war er gezwungen worden, als König von Ungarn abzudanken. Damit endet die über 600jährige Herrschaft der Habsburger. Der Versuch Karls I., 1921 den Thron zurück zu gewinnen, scheitert.
    Link: Karl I. in der Wikipedia
  • 12.11.1918: Die deutsch-österreichische provisorische Nationalversammlung proklamiert die »Republik Deutsch-Österreich« mit der Festsetzung: »Deutsch-Österreich ist ein Bestandteil der Deutschen Republik«. Staatskanzler wird am 14. März der SPÖ-Politiker Karl Renner (1870-1950).
  • 16.02.1919: In Deutsch-Österreich finden die ersten freien und gleichen Parlamentswahlen statt, bei der die SPÖ unter Karl Renner (1870-1950) gewinnt. Es sind die ersten Wahlen nach Auflösung der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn, die als historisches Ereignis gefeiert werden.
    Link: Karl Renner in der Wikipedia
  • 14.03.1919: Das deutsch-österreichische Parlament nimmt eine Verfassung an und erklärt Deutsch-Österreich als Bestandteil des Deutschen Reiches. Der SPÖ-Politiker Karl Renner (1870-1950) wird Staatskanzler. Er bildet eine Koalitionsregierung von Sozialdemokraten und Christlich-Sozialen.
  • 03.04.1919: Die deutsch-österreichische Nationalversammlung hebt alle Herrscherrechte der Habsburger auf, zieht deren Vermögen ein und verweist alle Angehörigen des Hauses Habsburg-Lothringen, sofern diese nicht auf ihre Vorrechte verzichten, des Landes.
    Link: Das Adelsgeschlecht Habsburg in der Wikipedia
  • 10.09.1919: Nach Zustimmung der Wiener Nationalversammlung unterzeichnet Österreich in St. Germain-en-Laye (bei Paris) den Friedensvertrag der Alliierten. Österreich muss, wie das Deutsche Reich, die Kriegsschuld auf sich nehmen und verliert Südtirol, Triest, Istrien und Dalmatien und muss die staatliche Selbständigkeit von Ungarn, Polen, der Tschechoslowakei und Jugoslawien anerkennen. Der Name »Deutsch-Österreich« wird verboten, der Anschluss an das Deutsche Reich wird untersagt.
    Link: Der »Vertrag von St. Germain« in der Wikipedia

zum Seitenanfang

  • 16.07.1920: Der am 10. September 1919 von dem SPÖ-Politiker Karl Renner unterzeichnete »Friedensvertrag von Saint-Germain-en-Laye« tritt in Kraft. Deutsch-Österreich wird in »Republik Österreich« umbenannt, und muss, wie das Deutsche Reich, die Kriegsschuld auf sich nehmen. Österreich verliert Südtirol, Triest, Istrien und Dalmatien und muss die staatliche Selbständigkeit von Ungarn, Polen, der Tschechoslowakei und Jugoslawien anerkennen. Der Anschluss an das Deutsche Reich ist untersagt.
    Link: Der »Vertrag von St. Germain« in der Wikipedia
  • 22.08.1920: Die ersten Salzburger Festspiele werden mit dem Stück »Jedermann« in der Bearbeitung von Hugo von Hofmannsthal (1874-1929) eröffnet, Regie führt Max Reinhardt (1873-1943).
    Link: Die Geschichte der Salzburger Festspiele
  • 10.10.1920: Gemäß dem »Friedensvertrag von Saint-Germain-en-Laye« wird im südlichen Teil von Kärnten eine Volksabstimmung durchgeführt. Die Einwohner des vom Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (Jugoslawien) beanspruchten Gebietes stimmen darin für den Verbleib bei Deutsch-Österreich (59,04 Prozent).
    Link: Volksabstimmung 1920 in Kärnten
  • 10.11.1920: In Österreich tritt die 1918 ausgearbeitete Verfassung (Bundesstaat) in Kraft. Im Dezember 1920 wird Michael Hainisch (1858-1940) zum ersten österreichischen Bundespräsidenten gewählt.
    Link: Michael Hainisch in der Wikipedia
  • 25.01.1921: Das »Bundesverfassungsgesetz über die Stellung des Burgenlandes als selbständiges und gleichberechtigtes Land im Bund und über seine vorläufige Einrichtung« regelt die Aufnahme des Burgenlandes in die Republik Österreich. Die Einwohner von Ödenburg (Sopron) stimmen bei einer Volksabstimmung (14./21. Dezember 1921) für den Verbleib ihrer Stadt bei Ungarn.
    Link: Die Geschichte des Burgenlandes in der Wikipedia
  • 01.04.1922: Der ehemalige (und letzte) österreichische Kaiser Karl I. (1887-1922) stirbt im Exil in Funchal auf Madeira. Am 2. November 1918 war er gezwungen worden, als König von Ungarn abzudanken, am 11. November 1918 hatte er auf den österreichischen Thron verzichtet. Zwei Versuche im Jahre 1921, seine Macht zurück zu gewinnen, waren gescheitert.
    Link: Karl I. in der Wikipedia
  • 04.10.1922: Die »Genfer Protokolle«, unterzeichnet von Österreich, Frankreich, Gro0britannien, Italien und der Tschechoslowakei, sprechen Österreich internationale Kredite unter Garantie des Völkerbundes zu und garantieren die Unabhängigkeit des Landes. Damit soll auch ein Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich verhindert werden. Die Sozialdemokraten protestieren scharf gegen die Annahme der Protokolle. Der SPÖ-Politiker Karl Renner (1870-1950) erklärt den Anschluss an den Staat »zu dem wir der Natur der Dinge nach gehören«, als einzige Lösung.
  • 13.02.1923: Die »Duineser Elegien« des österreichischen Dichters Rainer Maria Rilke (1875-1926) erscheinen in Leipzig. Rilke hatte seit 1912 daran gearbeitet; sie gelten als bedeutendste Lyrik des 20. Jahrhunderts.
    Links: Rainer Maria Rilke in der Wikipedia, Kalenderblatt: Duineser Elegien veröffentlicht
  • 03.06.1924: Der an Lungentuberkulose leidende Dichter Franz Kafka (1883-1924) stirbt in dem Sanatorium Kierling bei Wien. Bekannt wird Kafka erst nach seinem Tod, als sein Freund Max Brod (1884-1968) - entgegen Kafkas Wünschen - die Veröffentlichung seiner Werke veranlasst.
  • 1926: Die alliierte Finanzkontrolle über Österreich wird aufgehoben.
  • 15.07.1927: Der Justizpalast in Wien wird in Brand gesteckt, wobei 85 Demonstranten und 4 Polizisten getötet werden. Zwar kann die Ordnung von der Bundesregierung schnell wieder hergestellt werden, doch bestimmen in den folgenden Jahren zunehmend Wehrverbände die Innenpolitik. Auslöser für die so genanten »Juli-Unruhen« ist das »Schattendorfer Urteil«.
    Link: Das »Schattendorfer Urteil« in der Wikipedia
  • 07.12.1929: Nach einer von Bundeskanzler Johann Schober (1874-1932) eingebrachten und mit den Stimmen von Regierung und Opposition verabschiedeten Verfassungsreform wird Österreich von der Parlaments- zur Präsidentschaftsrepublik. Der Bundespräsident wird künftig vom Volk gewählt; ihm obliegt die Ernennung und Entlassung der Bundesregierung und ist auch Oberbefehlshaber des Heeres. Bundespräsident seit dem 5. Dezember 1928 ist Wilhelm Miklas (1872-1956).
    Link: Johann Schober in der Wikipedia
  • 15.07.1929: Der österreichische Dichter Hugo von Hofmannsthal (1874-1929), Mitbegründer der Salzburger Festspiele, stirbt in Rodaun in der Nähe von Wien. Er gilt als bedeutendster Vertreter der Schriftstellergruppe des »Jungen Wien«.
    Link: Hugo von Hofmannsthal in der Wikipedia

zum Seitenanfang

Einmarsch der Deutschen Polizei in Imst (Tirol)
»Österreich wird Deutsch. Einmarsch der Deutschen Polizei in Imst (Tirol).
Austria becomes German. Entry of German police into Imst. Heinrich Hoffman Collection, März 1938«, Quelle: [13]
  • Januar 1930: Auf der Haager Konferenz werden die österreichischen Reparationsverpflichtungen fast vollständig aufgehoben.
  • 11.05.1931: Der Bankkrach bei der »Österreichischen Credit-Anstalt« offenbart die katastrophale Finanzlage Österreichs. Nach einer Regierungskrise tritt die Regierung Ender am 16. Juni zurück. Neuer Bundeskanzler wird Karl Buresch (1878-1936), der ein Sanierungsprogramm mit drastischen Einschränkungsmaßnahmen in die Wege leitet.
  • 21.10.1931: Der österreichische Schriftsteller und Dramatiker Arthur Schnitzler (1862-1931) stirbt in Wien. Seine Werke schildern in skeptisch-ironischer Sichtweise die Wiener Gesellschaft der Jahrhundertwende. Er gilt als einer der bedeutendsten österreichischen Schriftsteller der Zeit um 1900. Werke: »Liebelei« (1895), »Reigen« (1897), »Der Weg ins Freie« (1908), »Traumnovelle« (1926).
    Link: Arthur Schnitzler in der Wikipedia
  • 24.04.1932: Bei den Landtagswahlen in Niederösterreich, Salzburg, Kärnten, der Steiermark und Wien erzielen die Nationalsozialisten erstmals starke Erfolge.
    Link: Stichwort »Nationalsozialisten« in der Wikipedia
  • 20.05.1932: Nach dem Rücktritt der Regierung von Bundeskanzler Karl Buresch (1878-1936) bildet der christlich-soziale Landwirtschaftsminister Engelbert Dollfuß (1892-1934) eine Koalitionsregierung.
    Link: Karl Buresch in der Wikipedia
  • 15.07.1932: Das »Lausanner Protokoll« beschließt eine Völkerbundanleihe von 300 Millionen Schilling zur Linderung der Finanznot in Österreich und spricht ein Verbot der wirtschaftlichen oder politischen Union mit Deutschland aus.
    Link: Die »Konferenz von Lausanne« in der Wikipedia
  • 07.03.1933: Der christlich-soziale Politiker Engelbert Dollfuß (1892-1934) - österreichischer Bundeskanzler seit 1932 - errichtet nach einem Staatsstreich ein autoritäres Regime (»Austrofaschistische Diktatur«) und regiert mit Hilfe des »Kriegswirtschaftlichen Ermächtigungsgesetzes« vom 24. Juli 1917.
    Link: Stichwort »Austrofaschismus« in der Wikipedia
  • 20.05.1933: Der österreichische, christlich-soziale Bundeskanzler Engelbert Dollfuß (1892-1934) gründet die ständesstaatlich ausgerichtete »Vaterländische Front«, welche die politischen Parteien ersetzen soll. Am 26. Mai wird die Kommunistische Partei verboten, am 19. Juni die Nationalsozialistische Partei.
    Link: Engelbert Dollfuß in der Wikipedia
  • 12.02.1934: Straßenkämpfe zwischen »Republikanischen Schutztruppen« und der Regierung während der Februar-Unruhen (11.-16. Februar 1934) in Großstädten Österreichs führen zum Verbot aller Parteien außer der am 20. Mai 1933 gegründeten »Vaterländischen Front«
  • 25.07.1934: Österreichische Rechtsradikale in Uniformen des Bundesheeres und der Polizei überfallen in Wien das Gebäude des österreichischen Rundfunks sowie das Bundeskanzleramt, nachdem Österreichs Sozialdemokraten am 12. Februar erfolglos den Umsturz versucht hatten. Der christlich-soziale Bundeskanzler Engelbert Dollfuß (1892-1934) wird während dieses (gescheiterten) nationalsozialistischen »Juliputsches« im Kanzleramt ermordet. Kurt von Schuschnigg (1897-1977), der am 30. Juli neuer Bundeskanzler wird, setzt seine Politik fort.
    Link: Engelbert Dollfuß in der Wikipedia
  • 12.03.1938: Deutsche Truppen marschieren in Österreich ein. Am 13. März wird der »Anschluss« Österreichs an das Deutsche Reich proklamiert, durch den das am 11. Juli 1937 getroffene Verständigungsabkommen unwirksam wird, welches die Souveränität Österreichs unter weitgehender Gleichschaltung mit der deutschen Politik garantierte. Die politischen Gremien werden zerschlagen, Österreich wird in »Ostmark« umbenannt.
    Der österreichische Bundeskanzler Kurt von Schuschnigg (1897-1977) musste am 12. Februar 1938 auf Druck Adolf Hitlers (1889-1945) der Ernennung des nationalsozialistischen Politikers Arthur Seyß-Inquart (1892-1946) zum Innenminister zustimmen. Nach Schuschniggs Rücktritt am 11. März wird Seyß-Inquart sein Nachfolger. Am 15. März proklamiert Adolf Hitler vor über 100.000 jubelnden Menschen auf dem Wiener Heldenplatz den »Wiedereintritt seiner Heimat in das Deutsche Reich«.
    Link: Der »Anschluss« in der Wikipedia
  • 10.04.1938: Unter den Bedingungen der Diktatur stimmen 99,6 Prozent der Österreicher dem »Anschluss« ihres Landes an Hitler-Deutschland zu. Zahlreiche Gegner der Annexion waren zuvor in das KZ Dachau oder seine Außenstelle Mauthausen verschleppt worden. Mit dem »Ostmark-Gesetz« vom 14. April 1938 wird Österreich neu gegliedert.
    Link: Der Anschluss (Österreich) in der Wikipedia
  • 23.09.1939: Der österreichische Nervenarzt Sigmund Freud (1856-1939) stirbt im Londoner Exil. Mit seiner Traumdeutung und seinen Theorien über das Unbewusste, die Verdrängung und den so genannten »Ödipus-Komplex« ist er der Begründer der Psychoanalyse.
    Link: Sigmund Freud in der Wikipedia

zum Seitenanfang

Gefangener im Konzentrationslager Gusen
Gefangener im Konzentrationslager Gusen, Mai 1945, Quelle: [13]
  • 14.01.1940: Der österreichische Kabarettist, Regisseur, Schauspieler, Conférencier und Bühnenschriftsteller Fritz Grünbaum (1870-1940) stirbt im Konzentrationslager Dachau.
    Link: Fritz Grünbaum in der Wikipedia
  • 15.04.1942: In Genf stirbt der österreichische Schriftsteller Robert Musil (Robert Edler von Musil, 1880-1942). Mit seinem unvollendeten Roman »Der Mann ohne Eigenschaften« schuf er ein Bild der Monarchie vor dem 1. Weltkrieg.
    Link: Robert Musil in der Wikipedia
  • 31.10.1943: Der österreichische Regisseur, Theaterleiter und Schauspieler Max Reinhardt (Max Goldmann, 1873-1943) stirbt in New York. Er ist der Begründer des modernen »Regietheaters« und der bedeutendste Theaterleiter Deutschlands nach 1900.
    Link: Max Reinhardt in der Wikipedia
  • 01.11.1943: In der »Moskauer Deklaration der Vier Nationen« verkünden die USA, Großbritannien, die UdSSR und China als eines ihrer Kriegsziele die Wiederherstellung der Republik Österreich.
    Link: Die »Moskauer Deklaration« in der Wikipedia
  • 13.04.1945: Sowjetische Truppen erobern Wien. Der Sozialdemokrat Karl Renner (1870-1950) bildet eine provisorische Regierung und erklärt am 27. April 1945 die Wiederinkraftsetzung der Verfassung von 1920 und damit einen unabhängigen Staat Österreich.
    Link: Karl Renner in der Wikipedia
  • 27.04.1945: Die Provisorische Regierung Österreichs unter Karl Renner (SPÖ, 1870-1950), gebildet ohne Zustimmung der Westmächte, aber mit Duldung der UdSSR, proklamiert die Wiederinkraftsetzung der Verfassung von 1920 und damit einen unabhängigen Staat Österreich. Die Verfassung von 1920 (in der Fassung von 1929) tritt am 1. Mai 1945 in Kraft. Am 20. Mai wird die Provisorische Regierung von den Westmächten anerkannt.
    Link: Karl Renner in der Wikipedia
  • 05.05.1945: Befreiung der Konzentrationslager Gusen und Mauthausen in Österreich durch eine amerikanische Patrouille unter dem Kommando von Sgt. Albert J. Kosiek. Von den 20.000 in Gusen noch lebenden Häftlingen sterben noch etwa 2.000 an Krankheiten oder den Folgen der Unterernährung.
    Links: Das Konzentrationslager Gusen (offizielle Website) und das KZ Mauthausen in der Wikipedia
  • 04.07.1945: Nachdem im Mai 1945 amerikanische, britische und französische Truppen in Westösterreich eingerückt sind, übernehmen die vier Siegermächte des Zweiten Weltkriegs im Ersten Kontrollabkommen die oberste Regierungsgewalt und grenzen ihre Besatzungszonen ab. Die Wiener Bezirke 2 bis 21 werden in vier Sektoren aufgeteilt, die Innenstadt besetzen alle vier Mächte abwechselnd.
  • 12.08.1945: Unterstützt von der amerikanischen Besatzungsmacht werden in Salzburg die ersten Festspiele nach dem Krieg eröffnet. Sie dauern bis zum 1. September 1945. Für die Organisation ist der aus dem Exil zurückgekehrte Otto von Pasetti verantwortlich, Festspielpräsident ist Baron Puthon. Zwei Drittel der Festspielbesucher sind Armeeangehörige.
    Link: Die Geschichte der Salzburger Festspiele
  • 25.11.1945: Aus den ersten Nationalratswahlen in Österreich seit 1930 geht die Österreichische Volkspartei (ÖVP) mit 85 Mandaten als stärkste Partei hervor, gefolgt von der Sozialistischen Partei Österreichs (SPÖ) mit 76 und der Kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ) mit 4 Mandaten. Eine Allparteienregierung unter Bundeskanzler Leopold Figl (ÖVP, 1902-1965) organisiert den demokratischen Neubeginn, dem die Alliierten mit dem Zweiten Kontrollabkommen vom 28. Juni 1946 mehr Spielraum gewähren. Karl Renner (SPÖ, 1870-1950) wird am 20. Dezember 1945 erster Bundespräsident.
  • 02.07.1948: Mit der Unterzeichnung des Marshallplan-Abkommens zwischen den USA und Österreich wird eine Wirtschaftshilfe in Höhe von 1,6 Mrd. US-Dollar zugesichert.
    Link: Der Marshallplan (Österreich) in der Wikipedia
  • 08.02.1949: Vertreter Großbritanniens, Frankreichs, der USA und der UdSSR nehmen in London die Verhandlungen über einen Friedensvertrag für Österreich wieder auf.
    Link: Österreichs Nachkriegszeit in der Wikipedia
  • 20.06.1949: Die Außenministerkonferenz der »Großen Vier« in Paris geht in der Deutschlandfrage ohne Einigung zu Ende, doch die Minister verständigen sich über die Grundzüge eines Friedenvertrags mit Österreich.
    Link: Österreichs Nachkriegszeit in der Wikipedia

zum Seitenanfang

Winter 1951 in Österreich
»Austria. The Marshall Plan has favored many projects, such as roads, ski-lifts, hotels. designed to increase the European travel volume. Here winter sport enthusiasts travel by horse-drawn sleigh along the Flexen Highway in Austria, to reach the famous mountain resort of Lech. This part of the road is protected by an avalanche control tunnel financed by the Marshall Plan which permitted the road to be opened a short time after the heavy avalanches of Winter 1951 had stopped.«, Quelle: [13]
  • Oktober 1950: Eine von den Kommunisten organisierte Streikbewegung soll als Teil einer stalinistischen Strategie eine revolutionäre Situation schaffen und eine Volksdemokratie nach sowjetischem Vorbild herbeiführen. Sie scheitert.
  • 27.05.1951: Zum ersten Mal wird in Österreich der neue Bundespräsident direkt vom Volk gewählt. Gewinner der Wahl ist der - nach dem Tod von Karl Renner (1870-1950) - nominierte Kandidat der Sozialdemokratischen Partei Österreichs (SPÖ) Theodor Körner (1873-1957).
    Link: Theodor Körner in der Wikipedia
  • 13.07.1951: Der österreichische Maler, Musiktheoretiker, Komponist und Schöpfer der Zwölftonmusik, Arnold Schönberg (1874-1951), stirbt in Los Angeles.
    Link: Arnold Schönberg in der Wikipedia
  • 15.05.1955: Die Außenminister der USA, der UdSSR, Frankreichs, Großbritanniens und Österreichs unterzeichnen den »österreichischen Staatsvertrag«, mit dem Österreich die staatliche Souveränität und Unabhängigkeit zurückerhält. Österreich wird in den Grenzen vom 1. Januar 1938 anerkannt, die Truppen verlassen das Land, eine Vereinigung mit der Bundesrepublik Deutschland ist untersagt. Weiterhin verpflichtet sich Österreich zur militärischen Neutralität und wird in die UNO aufgenommen.
    Link: Website zum Jubiläumsjahr 2005
  • 21.05.1955: Die Enteignung deutscher Vermögenswerte in Österreich in Höhe von mindestens 4,1 Milliarden DM aufgrund des Staatsvertrages löst in Deutschland heftige Proteste aus.
    Link: Der österreichische Staatsvertrag in der Wikipedia
  • 01.08.1955: Der österreichische Rundfunk (ORF) beginnt mit einem regelmäßigen Fernsehversuchsprogramm, dass an drei Wochentagen über die Sender Wien-Kahlenberg, Linz-Freinberg und Graz-Schöckl ausgestrahlt wird. Am 1. Januar 1957 wird der reguläre Fernsehbetrieb (an 6 Tagen in der Woche) aufgenommen, ab Oktober 1959 wird das Programm an allen 7 Tagen der Woche gesendet.
    Links: Österreich und das Fernsehzeitalter und ORF in der Wikipedia
  • 23.10.1955: Der letzte alliierte Soldat verlässt österreichischen Boden. Der Abzug der Besatzungstruppen hatte am 27. Juli 1955 begonnen. Am 26. Oktober 1955 beschließt der Nationalrat das Neutralitätsgesetz und erfüllt damit die Voraussetzung des Staatsvertrages.
    Link: Der österreichische Staatsvertrag in der Wikipedia
  • 26.10.1955: Der Nationalrat beschließt die »immerwährende Neutralität« Österreichs. Damit wird eine Teilung nach deutschem "Vorbild" verhindert und der Abzug der Besatzungsmächte erreicht. Die Zugehörigkeit zu internatonalen (nichtmilitärischen) Organisationen wird nicht ausgeschlossen.
    Link: Die »immerwährende Neutralität« Österreichs in der Wikipedia
  • 14.12.1955: Österreich wird Vollmitglied der Vereinten Nationen.

zum Seitenanfang

Links:

Quellen:

  • Harenberg Schlüsseldaten 20. Jahrhundert, Harenberg Lexikon Verlag, 1997
  • Bilder des 20. Jahrhunderts, Bechtermünz Verlag, 1999
  • Der grosse Ploetz, Daten Enzyklopädie der Weltgeschichte, 2000

Zuletzt geändert am 30.12.2014

Google+ Email
Facebook Twitter! Google+ Instagram Pinterest LinkedIn Xing