Judentum - Kalender

Documentary Photography and Photojournalism by Ben Eden
Ein tschechischer Jude und Überlebender des Holocaust entzündet den Chanukka-Leuchter. Prag 1999

Die jüdische Zeitrechnung beginnt mit dem Tag der Weltschöpfung (dem 5. Oktober 3761 vor der christlichen Zeitrechnung). Um das jüdische Jahr zu errechnen, zählt man zum christlich-gregorianischen Kalenderjahr 3760 Jahre hinzu, ab dem Monat Tischri (September/Oktober) addiert man 3761 Jahre.

Im jüdischen Kalender haben die Monate abwechselnd 29 und 30 Tage, das Jahr zwischen 353 und 355 Tage. Dadurch ist das normalerweise aus 12 Monaten bestehende Jahr durchschnittlich 11 Tage kürzer als das gewöhnliche Kalenderjahr. Diese Abweichung wird durch Einfügen eines zusätzlichen Monats (Adar) ausgeglichen. Ein Jahr mit 13 Monaten wird als Schaltjahr bezeichnet. In einem Zyklus von 19 Jahren gibt es 7 jüdische Schaltjahre. Das jüdische Jahr beginnt in der Regel mit dem Molad (dem Zeitpunkt, an dem der Mond direkt zwischen Sonne und Erde steht) von Tischri.

Der Tag beginnt mit dem Einbruch der Nacht und hat 24 Stunden mit je 1080 »Teilchen« (Chalakim); diese haben jeweils 76 »Augenblicke« (Regaim). Die Tage der Woche werden durch die sechs ersten Buchstaben des hebräischen Alphabets oder durch Ordnungszahlen bezeichnet. Der siebte Tag der Woche heißt Sabbat, die Woche beginnt mit dem Sonntag.

Tischri - September/Oktober

  • 01.-02.: Rosch ha-Schana - Neujahrsfest, am 1. und 2. Tischri, einer der höchsten jüdischen Feiertage, nach Rabbi Elieser ben Hyrkanos (lebte um 100) wurde die Welt an diesem Tag erschaffen
  • 03.: Gedalja-Fasten
  • 10.: Jom Kippur (Jom ha-Kippurim) - Versöhnungsfest am 10. Tischri, größtes und wichtigstes Fest des Judentums, gemäß der Hebräischen Bibel der »Sabbat Sabbaton«, ein Sühnetag und der letzte der 10 mit Rosch ha-Schana beginnenden Bußtage
  • 15.-21.: Sukkot(h) - Laubhüttenfest, Fest anläßlich der Obst- und Weinlese vom 15.-22. Tischri, entsprechend dem biblischen Gebot ein Fest der Freude
  • 23.: Simchat Thora - Gesetzesfreude

Cheschwan - Oktober/November

  • kein Feiertag, daher oft auch als Marcheschvan (bitterer Cheschvan) bezeichnet

Kislev - November/Dezember

  • 25.-03.: Tewet Chanukka (hebbr. »Einweihung«) - 8-tägiges Lichterfest, beginnend am 25. Kislew, zur Erinnerung an die Wiedereinweihung des Tempels in Jerusalem

Tewet - Dezember/Januar

  • 10.: Assara be-Tewet - Fasttag

Schewet - Januar/Februar

  • 15.: Chamischa Assar bi-Schewat - Fasttag

Adar - Februar/März

  • 13.: Ester-Fastentag
  • 14.: Purim - Freudenfest, (im Schaltjahr im Adar II, der 14./15. Adar I heißt dann Purim katan - »kleines Purim«) zur Erinnerung an die (persischen) Juden von Susa, die von Ester vor der Verfolgung Hamans gerettet wurden

Nissan - März/April

  • 14.: Fastentag der Erstgeborenen
  • 14./15.-21./22.: Passah/Pessach - Frühlingsfest, Beginn der Gerstenernte, Erinnerung an den Exodus aus Ägypten (entspricht Ostern)
  • 27.: Holocaust-Gedenktag

Ijar - April/Mai

  • 05.: Israels Unabhängigkeitstag
  • 18.: Lag ba-Omer - Der 33. Tag der Omerzählung

Siwan - Mai/Juni

  • 06.-07.: Schawuot (Chag ha-Schawuot) - Wochenfest, Wallfahrtsfest am 6. Siwan, Fest der Schnitternte, Erinnerung an die Übergabe der Gesetzestafeln (entspricht Pfingsten)

Tammus - Juni/Juli

  • 17.: Schiwa-Assar be-Tammus - Fasttag, der an den Beginn der Zerstörung des Tempels von Jerusalem erinnert

Aw - Juli/August

  • 09.: Tischa be-Aw - Trauer- und Fastentag zur Erinnerung an die Zerstörung Jerusalems und der beiden Tempel

Elul - August/September

  • 15.: Chamischa Assar be-Aw - Erinnerungstag des Weinlesefestes

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Von Jom Kippur bis Pessach

von Pascal Venetianer

Ernst und heiter, besinnlich und verspielt, hoch heilig und geschichtlich begründet - jüdische Feste haben viele Gesichter. Größtes und wichtigstes Fest des Judentums ist Jom Kippur, das Versöhnungsfest. Es gehört zu den »Hohen Tagen« des jüdischen Jahres. Nach der Bibel kehrte Religionsgründer Moses am Jom Kippur mit den Steintafeln der Thora vom Berg Sinai zu den Israeliten zurück. Wie es weiter heißt, war es das zweite Mal, daß er auf dem Sinai von Gott das Gesetz (»Die fünf Bücher Mose«) entgegennahm. Die ersten Tafeln hatte Moses in seinem Zorn vernichtet, als er das Volk ein Götzenbild, das goldene Lamm, verehren sah. Dennoch versöhnt sich Gott nach diesem Sündenfall mit den Israeliten, und so soll es an diesem Feiertag nach dem jüdischen Glauben auch unter den Menschen zugehen.

Das erste Fest im jüdischen Jahr wird schon zehn Tage vor Jom Kippur gefeiert: Es ist das Neujahrsfest, auf hebräisch: Rosch Haschana. Zwischen Rosch Haschana und Jom Kippur entscheidet sich das Schicksal aller Lebewesen, so die Tradition. Zu biblischen Zeiten zogen anlässlich von drei Festen Scharen von Pilgern nach Jerusalem. Sukkot oder das Laubhüttenfest erinnert an die vierzigjährige Wanderung in der Wüste, bevor die Juden das Gelobte Land erreichten.
Die Befreiung durch Gott aus Ägypten steht im Mittelpunkt von Pessach, die im Frühling gefeiert wird. Schließlich ist Schawuot das Erntedankfest. Einmal jährlich - in den Städten meistens in Hinterhöfen - ist Zeltbauen angesagt. In Sachsen spielt sich die Zeremonie für alle Gläubigen bei der Chemnitzer Gemeinde ab. Die Aufforderung zum Hüttenbau stammt aus der Bibel: "Damit eure kommenden Generationen wissen, daß ich die Israeliten in Hütten wohnen ließ, als ich sie aus Ägypten herausführte". Im Zelt wird gebetet, aber auch gegessen und getrunken.

Am letzten Tag des Laubhüttenfestes ist die Atmosphäre in der Synagoge besonders locker: Simchat Thora, das Freudenfest der Thora, steht an. Siebenmal gehen die Männer mit den Thora-Rollen umher, Tanz, Gesang beherrschen die Szene. Immer wieder sind es die Kinder, die bei den Festen in den Mittelpunkt rücken. Schließlich werden sie als Erwachsene die Tradition und das Gesetz an ihre Kinder weitergeben. So ist das auch am Seder-Abend, am Vorabend der Pessach, wenn das Familienoberhaupt die Geschichte der Befreiung aus Ägypten erzählt.

Jedes Jahr stellen die Kinder Fragen dazu. Was zum Beispiel auf den Tisch kommt, muß erklärt werden: Die Mazza - ein der Waffel ähnliches Brot ohne Hefe, weil die Israeliten beim Exodus aus Ägypten keine Zeit zum Brot backen hatten. Im Meerrettich erkennt man den bitteren Geschmack der Sklaverei in Ägypten wieder, ein Glas Salzwasser symbolisiert die Tränen. Jeder soll sich so fühlen, als wäre er derjenige, den Gott aus Ägypten befreit hat.

Vom jüdischen Osterfest zum jüdischen Weihnachten: Im jüdischen Kalender fällt Chanukka meistens auf die Zeit vor dem 24. Dezember, dem christlichen Heiligabend. Während für die Christen Weihnachten einen der Höhepunkte im Religionsjahr ausmacht, so ist Chanukka für die Juden eher von geringerer Bedeutung. Es erinnert an ein historisches Ereignis: 164 v. Chr wurde der Tempel in Jerusalem wieder eingeweiht. Juda Makkabi hat das Heiligtum von dem griechisch-hellenistischen Herrscher Antiochius Epiphanes zurückerobert. Antiochius ließ dort die Skulptur des griechischen Hauptgottes Zeus aufstellen, den Juden wollte er dessen Kult aufzwingen. Es wird erzählt: Als die Religionsstätte wieder in jüdischer Hand war, fand man dort nur noch ein Gefäß heiligen Lampenöles vor - genug für einen Tag. Durch ein Wunder brannte das Öl jedoch acht Tage lang. So blieb den Israeliten Zeit, Nachschub anzufertigen, ohne dass das so wichtige Licht erloschen wäre. Zum Andenken zünden die Juden während der acht Tage von Chanukka jeden Tag ein neues Licht an einem achtarmigen Leuchter an - bis am letzten Tag alle acht Kerzen brennen.

Last, but not least: Das jede Woche zurückkehrende Fest des Judentums ist der Sabbat, der allsonnabendliche Ruhetag nach sechs Tagen Arbeit. Untrennbar vom jüdischen Glauben, wie das auch der Spruch zeigt: »Nicht nur, daß die Juden über Jahrtausende den Chanukka eingehalten haben, der Sabbat hat die Juden erhalten.«. Mehr Informationen aus erster Hand über den jüdischen Glauben gibt es in Dresden voraussichtlich ab 2001. Im Gemeindehaus neben der Synagoge, die dann fertiggestellt wird, soll auch ein "Museum zum Anfassen" entstehen.

Textbeitrag »Von Jom Kippur bis Pessach«: Pascal Venetianer, mit freundlicher Genehmigung der Pressestelle der Technischen Universität Dresden
Foto: Ben Eden, veröffentlicht mit seiner freundlichen Genehmigung

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Zuletzt geändert am 28.03.2016

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