Judentum - Gebet

Documentary Photography and Photojournalism by Ben Eden
Der Kantor David Kamhi, der Violinunterricht an der Musik-Akademie
von Sarajevo erteilt, eröffnet den Sabbat.

Höre, Israel! JHWH, unser Gott, JHWH ist einzig.

Der Ewige, unser Gott, der Ewige ist einzig.
Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben
mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.
Diese Worte, auf die ich dich heute verpflichte,
sollen auf deinem Herzen geschrieben stehen.
Du sollst sie deinen Söhnen wiederholen.
Du sollst von ihnen reden,
wenn du zu Hause sitzt und wenn du auf der Straße gehst,
wenn du dich schlafen legst und wenn du aufstehst.
Du sollst sie als Zeichen um das Handgelenk binden.
Sie sollen zum Schmuck auf deiner Stirn werden.
Du sollst sie auf die Türpfosten deines Hause
und in deine Stadttore schreiben.
(Dtn 6,4-9)

Quelle: Wege des Glaubens, Patmos Verlag Düsseldorf, 1988

Das jüdische Beten ist mit bestimmten Riten verbunden. Es beginnt mit dem Waschen der Hände (beim Morgengebet auch des Gesichtes) voran, zu dem eine entsprechende Beracha (Segensspruch) gesprochen wird. Zum Morgengebet und zum Gottesdienst in der Synagoge trägt man den Gebetsmantel (Tallit), ein großes, viereckiges Tuch mit Schaufäden (Zizit) an den Ecken. Zum Beten gehört auf jeden Fall eine Kopfbedeckung als Zeichen der Demut vor Gott. Beim täglichen Morgengebet werden die Gebetskapseln und -riemen (Tefillin) um den linken Unterarm und den Kopf gelegt; die Kapseln enthalten Zettel mit den Texten 5. Mose 6, 4-9.11.13-21; 2. Mose 13, 1-16, mit denen man sich als »Zeichen auf der Hand und Merkzeichen zwischen den Augen« täglich von neuem in den Bund mit Gott einbindet. (Der Anfang des Abschnittes aus 5. Mose 6 ist durch die Mesusa, eine kleine Kapsel mit einer Pergamentrolle darin, »auf die Pfosten des Hauses und an die Tore« geschrieben.) Beim Beten werden die Hände nicht gefaltet; manche Beter bewegen den Oberkörper vor und zurück, manche hüllen sich ganz in den Gebetsmantel.

Unter den verschiedenen Richtungen im Judentum gibt es große Übereinstimmung in der Gebetspraxis. Das Reformjudentum gibt allerdings dem Gebet in der Landessprache, dem freien Gebet und liturgischen Funktionen der Frauen größeren Freiraum und verzichtet auf manche Gebetsbräuche.

Kerngebet und zugleich Glaubensbekenntnis ist das Schma Jisrael (Höre Israel), das täglich im Morgen- und Abendgebet und auch in der Todesstunde gesprochen werden soll und dessen Text in Tefillin und Mesusa enthalten ist. Es ruft zum Glauben an den einen Gott.
Das Hauptgebet im Gottesdienst - oft einfach »Gebet« (Tefilla) genannt, ist das »Achtzehnbittengebet« (Schmone Esre), das dem christlichen Vaterunser inhaltlich ähnelt.
Das Kaddisch ist eines der häufigsten jüdischen Gebete und wird vielfach auch von Trauernden gebetet.

  • Quelle: Was jeder vom Judentum wissen muß, Gütersloher Verlagshaus 1983
  • Foto: Ben Eden, veröffentlicht mit seiner freundlichen Genehmigung

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Zuletzt geändert am 18.03.2016

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