Wilhelm Busch - Biografie

  • Heinrich Christian Wilhelm Busch
  • geboren: 15.04.1832 (Wiedensahl bei Stadthagen)
  • gestorben: 09.01.1908 (Mechtshausen bei Seesen im Harz)

Deutscher Schriftsteller, Zeichner und Maler, Vater des Comics, Schöpfer unsterblicher Figuren wie »Max und Moritz«, »Die Fromme Helene« und »Fipps der Affe« sowie den dazugehörenden satirischen Versen.

Wilhelm Busch Collage
Wilhelm Busch Collage, © 7/2003 by Klaus Oppermann

Wilhelm Busch, der älteste Sohn eines Kaufmanns, kam im Alter von 9 Jahren in die Obhut seines Onkels, dem Pastor Georg Kleine, nach Ebergötzen bei Göttingen. Dieser naturverbundene Mann und leidenschaftliche Imker prägte sicherlich Wilhelms Liebe zur Natur. Auf Wunsch seines Vaters begann er 1847 das Studium des Maschinenbaus, gab dies aber 1851 auf und studierte Malerei in Düsseldorf, Antwerpen und München. Von den großen flämischen und holländischen Meistern der Malerei des 16. und 17. Jahrhunderts war er derart beeindruckt, dass er seine eigenen Gemälde zeitlebens nicht veröffentlichte, da er sie für zu schlecht hielt.

In München wurde er ab 1858 satirischer Zeichner und Mitarbeiter der »Fliegenden Blätter« und der »Münchner Bilderbogen« (ab 1859). Seine erste Bildergeschichte, »Max und Moritz« erschien 1865. 1868 zog Wilhelm Busch nach Frankfurt, wo auch sein Bruder Otto lebte. Mit Johanna Keßler, die er dort kennenlernte, verband ihn eine tiefe Freundschaft.

1879 zog er zu seiner Schwester Fanny Nöldeke nach Wiedensahl. Nach dem Tod ihres Mannes übernahm Wilhelm die Erziehung seiner drei Neffen. 1899 zog er zu seinem Neffen, dem Pfarrer Otto Nöldeke, nach Mechtshausen am Harz. Dort starb er am 9. Januar 1908.

Franz von Lenbach: Porträt des Wilhelm Busch
Franz von Lenbach (1836-1904): Porträt des Wilhelm Busch (um 1875)

Werke:

  • Max und Moritz, 1865
  • Hans Huckebein, 1870
  • Die fromme Helene, 1872
  • Die Kritik des Herzens, 1874
  • Fipps der Affe, 1879
  • Maler Klecksel, 1884
  • Schein und Sein, 1909

Zitate:

»Ach, was muss man oft von bösen Kindern hören oder lesen! Wie zum Beispiel hier von diesen, welche Max und Moritz hießen.«

»Es ist ein Brauch von Alters her: wer Sorgen hat, hat auch Likör. Doch wer zufrieden und vergnügt, sieht zu, dass er auch welchen kriegt.«

»Wie klein ist das, was einer ist, wenn man's mit seinem Dünkel misst.«

»Dumme Gedanken hat jeder, aber der Weise verschweigt sie.«

»Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt, kriegt augenblicklich Junge.«

»Scheint dir auch mal das Leben rauh, sei still und zage nicht, die Zeit, die alte Bügelfrau, macht alles wieder schlicht!«

»Stets findet Überraschung statt, da, wo man's nicht erwartet hat.«

»Gedanken sind nicht stets parat. Man schreibt auch, wenn man keine hat.«

Will das Glück nach seinem Sinn

Will das Glück nach seinem Sinn
Dir was Gutes schenken,
Sage Dank und nimm es hin
Ohne viel Bedenken.
Jede Gabe sei begrüßt,
Doch vor allen Dingen:
Das worum du dich bemühst,
Möge dir gelingen.

Verzeihlich

Er ist ein Dichter; also eitel.
Und, bitte, nehmt es ihm nicht krumm,
Zieht er aus seinem Lügenbeutel
So allerlei Brimborium.

Juwelen, Gold und stolze Namen,
Ein hohes Schloß, im Mondenschein
Und schöne, höchstverliebte Damen,
Dies alles nennt der Dichter sein.

Indessen ist ein enges Stübchen
Sein ungeheizter Aufenthalt.
Er hat kein Geld, er hat kein Liebchen,
Und seine Füße werden kalt.

Die Affen

Der Bauer sprach zu seinem Jungen:
»Heut in der Stadt, da wirst du gaffen.
Wir fahren hin und sehn die Affen.
Es ist gelungen
Und um sich schiefzulachen,
Was die für Streiche machen
Und für Gesichter,
Wie rechte Bösewichter.
Sie krauen sich,
Sie zausen sich,
Sie hauen sich,
Sie lausen sich,
Beschnuppern dies, beknuppern das,
Und keiner gönnt dem andern was,
Und essen tun sie mit der Hand,
Und alles tun sie mit Verstand,
Und jeder stiehlt als wie ein Rabe.
Paß auf, das siehst du heute.« -

»O Vater«, rief der Knabe,
»Sind Affen denn auch Leute?« -

Der Vater sprach:»Nun ja,
Nicht ganz, doch so beinah.«

Die beiden Schwestern

Es waren mal zwei Schwestern,
Ich weiß es noch wie gestern.
Die eine namens Adelheid
War faul und voller Eitelkeit.
Die andre, die hieß Kätchen
Und war ein gutes Mädchen,
Sie quält sich ab von früh bis spät,
Wenn Adelheid spazieren geht.
Die Adelheid trank roten Wein,
Dem Kätchen schenkt sie Wasser ein.

Einst war dem Kätchen anbefohlen,
Im Walde dürres Holz zu holen.

Da saß an einem Wasser
Ein Frosch, ein grüner, nasser;
Der quakte ganz unsäglich
Gottsjämmerlich und kläglich
"Erbarme dich, erbarme dich,
Ach, küsse und umarme mich!"

Das Kätchen denkt: Ich will's nur tun,
Sonst kann der arme Frosch nicht ruhn!

Der erste Kuss schmeckt recht abscheulich.
Der gräsiggrüne Frosch wird bläulich.

Der zweite schmeckt schon etwas besser;
Der Frosch wird bunt und immer größer.

Beim dritten gibt es ein Getöse,
Als ob man die Kanonen löse.

Ein hohes Schloss steigt aus dem Moor,
Ein schöner Prinz steht vor dem Tor.
Er spricht: "Lieb Kätchen, du allein
Sollst meine Herzprinzessin sein!"

Nun ist das Kätchen hochbeglückt,
Kriegt Kleider schön mit Gold gestickt
Und trinkt mit ihrem Prinzgemahl
Aus einem goldenen Pokal.

Indessen ist die Adelheid
In ihrem neusten Sonntagskleid
Herumspaziert an einem Weiher,
Da saß ein Knabe mit der Leier.
Die Leier klang, der Knabe sang:
"Ich liebe dich, bin treu gesinnt,
Komm, küsse mich, du hübsches Kind!"

Kaum küsst sie ihn,
So wird er grün,
So wird er struppig,
Eiskalt und schuppig.

Und ist - o Schreck! - Der alte kalte Wasserneck.

"Ha!" lacht er. "Diese hätten wir!"
Und fährt bis auf den Grund mit ihr.

Da sitzt sie nun bei Wasserratzen,
Muss Wassernickels Glatze kratzen,
Trägt einen Rock von rauhen Binsen,
Kriegt jeden Mittag Wasserlinsen;
Und wenn sie etwas trinken muss,
Ist Wasser da im Überfluss.

aus: »Sechs Geschichten für Neffen und Nichten« (»Stippstörchen«), 1881

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Zuletzt geändert am 07.06.2009

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