Theodor Storm - Biografie

  • geboren: 14.09.1817 (Husum/Schleswig - Königreich Dänemark)
  • gestorben: 04.07.1888 (Hademarschen/Holstein)

deutscher Schriftsteller, Lyriker und Novellist.

Storm studiert Jura in Kiel (1837 u. 1839-1842) und Berlin (1838-1839) und arbeitet danach als Advokat in Husum (Niederlassung dort 1843). 1852 wird Storm 'wegen patriotisch-politischer Gedichte' von den Dänen mit einem Berufsverbot belegt. Theodor Storm geht nach Berlin und arbeitet dort im preußischen Justizdienst. In Berlin freundet er sich mit Theodor Fontane, Paul Heyse und Joseph von Eichendorff an. 1856 wird Storm Kreisrichter in Heiligenstadt. Nach dem Abzug der Dänen kehrt Storm im Jahre 1864 nach Husum zurück und wird von der Ständeversammlung zum Landvogt von Husum gewählt. Er arbeitet hier als Amtsrichter (ab 1867) und als Amtsgerichtsrat (ab 1879). 1880 zieht er sich in den Ruhestand zurück.

Seine Erzählungen und Gedichte gehören zu den schönsten Werken deutscher Sprache. Oft tragisch und voller Melancholie, jedoch nicht ohne Ironie und aufblitzendem Humor schildert Storm die Schicksale seiner 'Helden' vor dem Hintergrund seiner Heimat, die eigentlich immer die Hauptrolle spielt: das Meer und die Heide.

Werke:

  • Immensee (1849 )
  • Gedichte (1857)
  • Auf dem Staatshof (1859)
  • Die Regentrude (1866)
  • Pole Poppenspäler (1875)
  • Aquis submersus (1877)
  • Renate (1878)
  • Carsten Curator (1878)
  • Die Söhne des Senators (1881)
  • Zur Chronik von Grieshuus (1884)
  • Bötjer Basch (1887)
  • Der Schimmelreiter (1888)

Meeresstrand

Ans Haff nun fliegt die Möwe,
Und Dämmrung bricht herein;
Über die feuchten Watten
Spiegelt der Abendschein.

Graues Geflügel huschet
Neben dem Wasser her;
Wie Träume liegen die Inseln
Im Nebel auf dem Meer.

Ich höre des gärenden Schlammes
Geheimnisvollen Ton,
Einsames Vogelrufen -
So war es immer schon.

Noch einmal schauert leise
Und schweiget dann der Wind;
Vernehmlich werden die Stimmen,
Die über der Tiefe sind.

Sturmnacht

Im Hinterhaus, im Fliesensaal
Über Urgroßmutters Tisch' und Bänke,
Über die alten Schatullen und Schränke
Wandelt der zitternde Mondenstrahl.
Vom Wald kommt der Wind
Und fährt an die Scheiben;
Und geschwind, geschwind
Schwatzt er ein Wort,
Und dann wieder fort
Zum Wald über Föhren und Eiben.

Da wird auch das alte verzauberte Holz
Da drinnen lebendig;
Wie sonst im Walde will es stolz
Die Kronen schütteln unbändig,
Mit den Ästen greifen hinaus in die Nacht,
Mit dem Sturm sich schaukeln in brausender Jagd,
Mit den Blättern in Übermut rauschen,
Beim Tanz im Flug
Durch Wolkenzug
Mit dem Mondlicht silberne Blicke tauschen.

Da müht sich der Lehnstuhl, die Arme zu recken,
Den Rokokofuß will das Kanapee strecken,
In der Kommode die Schubfächer drängen
Und wollen die rostigen Schlösser sprengen;
Der Eichschrank unter dem kleinen Troß
Steht da, ein finsterer Koloß.
Traumhaft regt er die Klauen an,
Ihm zuckt's in der verlornen Krone;
Doch bricht er nicht den schweren Bann. -
Und draußen pfeift ihm der Wind zum Hohne
Und fährt an die Läden und rüttelt mit Macht,
Schmeißt die Fledermäuse, die kleinen Gespenster,
Klitschend gegen die rasselnden Fenster.
Die glupen dumm neugierig hinein -
Da drinn' steht voll der Mondenschein.

Aber droben im Haus
Im behaglichen Zimmer
Beim Sturmgebraus
Saßen und schwatzten die Alten noch immer,
Nicht hörend, wie drunten die Saaltür sprang,
Wie ein Klang war erwacht
Aus der einsamen Nacht,
Der schollernd drang
Über Trepp' und Gang,
Daß drin in der Kammer die Kinder mit Schrecken
Auffuhren und schlüpften unter die Decken.

Knecht Ruprecht

Von drauß' vom Walde komm ich her;
Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!
Allüberall auf den Tannenspitzen
Sah ich goldene Lichtlein sitzen;
Und droben aus dem Himmelstor
Sah mit großen Augen das Christkind hervor,
Und wie ich so strolcht durch den finstern Tann,
Da rief's mich mit heller Stimme an.
»Knecht Ruprecht«, rief es, »alter Gesell,
Hebe die Beine und spute dich schnell!
Die Kerzen fangen zu brennen an,
Das Himmelstor ist aufgetan,
Alt' und Junge sollen nun
Von der Jagd des Lebens einmal ruhn;
Denn es soll wieder Weihnachten werden!«
Ich sprach: »O lieber Herre Christ,
Meine Reise fast zu Ende ist;
Ich soll nur noch in diese Stadt,
Wo's eitel gute Kinder hat.«
- »Hast denn das Säcklein auch bei dir?«
Ich sprach: »Das Säcklein, das ist hier;
Denn Äpfel, Nuß und Mandelkern
Fressen fromme Kinder gern.«
- »Hast denn die Rute auch bei dir?«
Ich sprach: »Die Rute, die ist hier;
Doch für die Kinder nur, die schlechten,
Die trifft sie auf den Teil, den rechten.«
Christkindlein sprach: »So ist es recht;
So geh mit Gott, mein treuer Knecht!«
Von drauß' vom Walde komm ich her;
Ich muß euch sagen, es weihnachtet sehr!
Nun sprecht, wie ich's hierinnen find!
Sind's gute Kind, sind's böse Kind?

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Zuletzt geändert am 03.05.2009

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