Eduard Mörike - Biografie

  • geboren: 08.09.1804 (Ludwigsburg)
  • gestorben: 04.06.1875 (Stuttgart)

deutscher Schriftsteller, evangelischer Pfarrer (1834-1843), Literaturlehrer in Stuttgart, einer der großen Lyriker deutscher Sprache und einer der Hauptvertreter des Biedermeier, schrieb volksliedhafte Naturgedichte ('Frühling läßt sein blaues Band...'), humorvolle Idyllen, Liebeslyrik, Märchen und Novellen.

Werke:

  • 'Maler Nolten' (Roman, 1832)
  • 'Idylle vom Bodensee' (Idylle, 1846)
  • 'Das Stuttgarter Hutzelmännlein' (Märchen, 1853)
  • 'Mozart auf der Reise nach Prag' (Novelle, 1856)
  • 'Übersetzungen von Theokrit' (1855)
  • 'Übersetzungen von Anakreon (1864)

Im Frühling

Hier lieg ich auf dem Frühlingshügel:
Die Wolke wird mein Flügel,
Ein Vogel fliegt mir voraus.
Ach, sag mir, alleinzige Liebe,
Wo du bleibst, dass ich bei dir bliebe!
Doch du und die Lüfte, ihr habt kein Haus.

Der Sonnenblume gleich steht mein Gemüte offen,
Sehnend,
Sich dehnend
In Lieben und Hoffen.
Frühling, was bist du gewillt?
Wann werd ich gestillt?

Die Wolke seh ich wandeln und den Fluss,
Es dringt der Sonne goldener Kuss
Mir tief ins Geblüt hinein;
Die Augen, wunderbar berauschet,
Tun, als schliefen sie ein,
Nur noch das Ohr dem Ton der Biene lauschet.
Ich denke dies und denke das,
Ich sehne mich und weiß nicht recht, nach was:
Halb ist es Lust, halb ist es Klage;
Mein Herz, o sage,

Was webst du für Erinnerung
In golden grüner Zweige Dämmerung? -
Alte unnennbare Tage.

Er ist's

Frühling läßt sein blaues Band
Wieder flattern durch die Lüfte;
Süße, wohlbekannte Düfte
Streifen ahnungsvoll das Land.
Veilchen träumen schon,
Wollen balde kommen.
- Horch, von fern ein leiser Harfenton!
Frühling, ja du bist's!
Dich hab ich vernommen!

Gesang Weylas

Du bist Orplid, mein Land!
Das ferne leuchtet;
Vom Meere dampfet dein besonnter Strand
Den Nebel, so der Goetter Wange feuchtet.

Uralte Wasser steigen
Verjuengt um deine Hueften, Kind!
Vor deiner Gottheit beugen
Sich Koenige, die deine Waerter sind.

Der Feuerreiter

Sehet ihr am Fensterlein
Dort die rote Mütze wieder?
Nicht geheuer muss es sein,
Denn er geht schon auf und nieder.
Und auf einmal welch Gewühle
Bei der Brücke, nach dem Feld!
Horch! das Feuerglöcklein gellt:
  Hinterm Berg,
  Hinterm Berg
Brennt es in der Mühle!

Schaut! da sprengt er wütend schier
Durch das Tor, der Feuerreiter,
Auf dem rippendürren Tier,
Als auf einer Feuerleiter!
Querfeldein! Durch Qualm und Schwüle
Rennt er schon, und ist am Ort!
Drüben schallt es fort und fort:
  Hinterm Berg,
  Hinterm Berg
Brennt es in der Mühle!

Der so oft den roten Hahn
Meilenweit von fern gerochen,
Mit des heilgen Kreuzes Span
Freventlich die Glut besprochen -
Weh! dir grinst vom Dachgestühle
Dort der Feind im Höllenschein.
Gnade Gott der Seele dein!
  Hinterm Berg,
  Hinterm Berg
Rast er in der Mühle!

Keine Stunde hielt es an,
Bis die Mühle borst in Trümmer;
Doch den kecken Reitersmann
Sah man von der Stunde nimmer.
Volk und Wagen im Gewühle
Kehren heim von all dem Graus;
Auch das Glöcklein klinget aus.
  Hinterm Berg,
  Hinterm Berg
Brennts! -

Nach der Zeit ein Müller fand
Ein Gerippe samt der Mützen
Aufrecht an der Kellerwand
Auf der beinern Mähre sitzen:
Feuerreiter, wie so kühle
Reitest du in deinem Grab!
Husch! da fällt's in Asche ab.
  Ruhe wohl,
  Ruhe wohl
Drunten in der Mühle!

Zitate:

»Am Waldsaum kann ich lange Nachmittage, dem Kuckuck horchend, in dem Grase liegen.«

»Brich nur die Dielen auf, wenn es um dich stinkt. Die tote Maus wird sich finden.«

»Besser dünkt ja allen, was vergangen ist.«

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Zuletzt geändert am 15.06.2015

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