Moses Mendelssohn - Biografie

  • Moses ben Mendel Heymann
  • geboren: 06.09.1729 (Dessau)
  • gestorben: 04.01.1786 (Berlin)

jüdischer Philosoph, Humanist, Schriftsteller der Aufklärung, Wegbereiter der Emanzipation der Juden, versuchte die jüdische Religion mit Begriffen der Philosophie zu interpretieren.

Moses Mendelssohn
Moses Mendelssohn, Quelle: »Das 19. Jahrhundert in Wort und Bild«, Deutsches Verlagshaus Bong & Co., 1900.

1743, im Alter von 14 Jahren, kam Moses Mendelssohn nach Berlin, arbeitete als Hauslehrer eines Seidenfabrikanten, war später dessen Buchhalter und Teilhaber. Er lernte Latein, Griechisch, Französisch, Englisch und Italienisch und veröffentlichte 1754 eine moral-philosophische Abhandlung in hebräischer Sprache. Befreundet war er u.a. mit Johann Gottfried Herder, Christoph M. Wieland, Georg Christoph Lichtenberg, Wilhelm und Alexander von Humboldt und Immanuel Kant. Eine lebenslange Freundschaft verband ihn mit dem Schriftsteller Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781), der 1755 Mendelssohns »Philosophische Gespräche« drucken ließ und ihm 1779 sein Drama »Nathan der Weise« widmete.

Nach einem provokativen Angriff (1769) des Zürcher Pfarrers Johann Kaspar Lavater, der Moses Mendelssohn aufforderte, »den Beweis des französischen Schriftstellers Charles Bonnet für die Wahrheit des Christentums zu widerlegen oder zum Christentum überzutreten«, setzte sich Mendelssohn verstärkt für die wissenschaftliche Bildung und Gleichberechtigung der Juden ein. 1778-79 übersetzte und kommentierte er gemeinsam mit befreundeten Gelehrten die Fünf Bücher Mose und die Psalmen.

Der bedeutende Komponist Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) ist sein Enkel.

Moses Mendelssohn
Moses Mendelssohn, Quelle: Prints and Photographs Online Catalog

Werke:

  • 'Philosophische Gespräche' (1755)
  • 'Über die Evidenz in methaphysischen Wissenschaften' (1763)
  • 'Phaedon oder über die Unsterblichkeit der Seele' (1767)
  • 'Jerusalem oder über religiöse Macht und Judentum' (1782)
  • 'Morgenstunden oder Vorlesungen über das Dasein Gottes' (1785)

Zitate:

»Der Sinn des Schönen liegt nur im Schönen selbst und ist nicht zweckbestimmt.«

»Auch die Begriffe von Tugend und Sittlichkeit sind der Mode unterworfen, und wer sich nicht nach den Modebegriffen seines Jahrhunderts schmiegen kann, der wird von den Zeitgenossen verkannt und verschrien.«

»Nach Wahrheit forschen, Schönheit lieben, Gutes wollen, das Beste tun - das ist die Bestimmung des Menschen.«

Moses Mendelssohn (1729-1786)
Der jüdische Philosoph Moses Mendelssohn (1729-1786), der Schriftsteller Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781) und der Theologe Johann Kaspar Lavater (1741-1801). Gemälde von Moritz Daniel Oppenheim (1800-1882), 1856.

Johann Peter Hebel über Moses Mendelson

Moses Mendelson war jüdischer Religion, und Handlungsbedienter bei einem Kaufmann, der das Pulver nicht soll erfunden haben. Dabei war er aber ein sehr frommer und weiser Mann, und wurde daher von den angesehensten und gelehrtesten Männern hochgeachtet und geliebt. Und das ist recht. Denn man muß um des Bartes willen den Kopf nicht verachten, an dem er wächst. Dieser Moses Mendelson gab unter anderm von der Zufriedenheit mit seinem Schicksal folgenden Beweis. Denn als eines Tages ein Freund zu ihm kam, und er eben an einer schweren Rechnung schwitzte, sagte dieser: »Es ist doch schade, guter Moses, und ist unverantwortlich, daß ein so verständiger Kopf, wie Ihr seid, einem Manne ums Brot dienen muß, der Euch das Wasser nicht bieten kann. Seid Ihr nicht am kleinen Finger gescheider, als der am ganzen Körper, so groß er ist?« Einem andern hätt das im Kopf gewurmt, er hätte Feder und Dintenfaß mit ein paar Flüchen hinter den Ofen geworfen, und seinem Herrn aufgekündet auf der Stelle. Aber der verständige Mendelson ließ das Dintenfaß stehen, steckte die Feder hinter das Ohr, sah seinen Freund ruhig an, und sprach zu ihm also: »Das ist recht gut, wie es ist, und von der Vorsehung weise ausgedacht. Denn so kann mein Herr von meinen Diensten viel Nutzen ziehn, und ich habe zu leben. Wäre ich der Herr, und er mein Schreiber, ihn könnte ich nicht brauchen.«
Aus: Johann Peter Hebel (1760-1826), Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes, 1809

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Zuletzt geändert am 05.05.2009

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