Martin Luther - Biografie

  • geboren: 10.11.1483 (Eisleben)
  • gestorben: 18.02.1546 (Eisleben)
Lucas Cranach d.Ä.: Martin Luther

Der Reformator und Begründer des (lutherischen) Protestantismus wird 1483 als Sohn des Bergmannes Hans Luder und seiner Frau Margarethe geboren. Das Studium der Rechte an der Universität Erfurt beendet er 1505 als Magister. Nachdem er am 2. Juli 1505 nur knapp einem Blitzeinschlag entkommen ist, gelobt er, Mönch zu werden. Am 17. Juli 1505 tritt er in das Erfurter Augustinerkloster ein und wird 1507 zum Priester geweiht. 1508 wird er an die von dem sächsischen Kurfürsten Friedrich III. dem Weisen (1463-1525) gegründete Universität Wittenberg gesandt, wo er 1512 zum Doktor der Theologie promoviert.

Am 31. Oktober 1517 schreibt Luther Briefe an den Mainzer Kurfürsten und Erzbischof Albrecht II. von Brandenburg (1490-1545) und andere hohe kirchliche Amtsinhaber, in denen er die Ablassprediger und die Auswüchse des Ablasshandels scharf angreift. Den Briefen legt er seine 95 Thesen »Zur Aufklärung über die Kraft des Ablasses« bei, die als Grundlage für eine Disputation (Streitgespräch) gedacht sind.
Die Vergebung der Sünden durch Zahlung von Geldbußen war immer mehr zu einem einträglichen Geldgeschäft der Kirche geworden. Und sie diente nicht nur Kirchenprojekten. Der Dominikaner Johannes Tetzel (um 1465-1519) hatte in seinen marktschreierischen Predigten behauptet, mit dem Geld solle der Bau des Petersdoms in Rom finanziert werden. »Der Taler in dem Säcklein klingt, die Seele aus dem Feuer springt«. In Wirklichkeit diente es zur Hälfte zur Schuldenbegleichung von Erzbischof Albrecht II., der sich 1513/1514 seine Kirchenämter mit Bestechungsgeldern erkauft hatte und das Geld nun an das Bankhaus Fugger zurückzahlen musste. Im Oktober 1517 gelangte Luther in den Besitz einer Dienstanweisung des Erzbischofs Albrecht II. an den Ablassprediger Tetzel, worauf er die 95 Thesen verfasste. Er wendet sich nicht gegen das Ablasswesen selbst, sondern gegen dessen Missbrauch.

Die Thesen finden schnell weite Verbreitung. 1518 erhebt Erzbischof Albrecht Anklage wegen Ketzerei in Rom. Vom 12. bis 18. Oktober 1518 wird Luther auf dem Reichstag in Augsburg von dem päpstlichen Gesandten, Kardinal Thomas Cajetan (1468-1534), verhört. Einen Widerruf verweigert Luther jedoch unter Berufung auf das Evangelium; den Vermittlungsversuch des päpstlichen Kammerherrn von Miltitz lehnt er ab. Luthers Meinung nach setzt sich das Papsttum über den klaren Wortlaut der Schrift hinweg. Die »Leipziger Disputation« im Juni und Juli 1519 mit den Theologen Johannes Eck (1486-1543) und Andreas Karlstadt verschärfen die Lage noch, da Luther die Unfehlbarkeit des Papstes in Frage stellt.
1520 entstehen seine drei bedeutenden reformatorischen Schriften: »An den christlichen Adel deutscher Nation«, »Von der babylonischen Gefangenschaft der Kirche« und »Von der Freiheit eines Christenmenschen«. Die Androhung des Kirchenbanns durch Papst Leo X. (1475-1521), die Bulle »Exsurge Domini« vom 15. Juni 1520, wird von ihm am 10. Dezember 1520 öffentlich verbrannt. Am 3. Januar 1521 wird er von Papst Leo X. exkommuniziert.

Lucas Cranach d.Ä.: Martin Luther als Junker Jörg

Auf dem Wormser Reichstag (17./18. April 1521), wo Martin Luther seine Lehre vor Kaiser Karl V. (1500-1558) verteidigt, und den Widerruf sowie eine stumme Unterwerfung verweigert, wird er von Karl V. als Ketzer bezeichnet und mit der Reichsacht belegt (»Wormser Edikt«, unterzeichnet von Karl V. am 25. Mai 1521). Durch einen von Friedrich III. dem Weisen veranlassten Scheinüberfall gelangt Luther sicher auf die Wartburg, wo er vom 4. Mai 1521 bis zum 6. März 1522 als »Junker Jörg« lebt. Hier übersetzt er, anhand der griechisch-lateinischen Bibelübersetzung des Erasmus von Rotterdam (1466/69-1536), das Neue Testament in die »hochdeutsche« Sprache seiner Heimat. 1522 wird die Übersetzung bereits gedruckt. Mit seiner Übersetzung legt Luther eine wichtige Grundlage für die Entwicklung einer deutschen Gemeinsprache. 1529 erscheint der »Kleine Katechismus« (zur Belehrung für das Volk) und der »Große Katechismus« (für die Pfarrer). 1534 erscheint die komplette Bibelübersetzung (Altes und Neues Testament, die »Vollbibel«) bei Hans Lufft in Wittenberg. Die Arbeit daran leistete neben Luther seine Arbeitsgruppe »Collegium biblicum«, zu der auch der Humanist und Reformator Philipp Melanchthon (1497-1560) gehörte. Luther ist außerdem der Schöpfer des evangelischen Gesangbuchs.

Im Sommer 1524 brechen Bauernaufstände aus, die sich auf Luthers Lehren berufen. In den »Zwölf Artikeln der Bauernschaft in Schwaben«, aufgestellt im Februar/März 1525 in Memmingen, fordern die Bauern u.a. die Abschaffung der Frondienste und der Leibeigenschaft sowie die Aufhebung der Standesunterschiede. Sie werden teilweise von Bürgern, aber auch von einigen Rittern - wie dem fränkischen Reichsritter Götz von Berlichingen (1480-1562) - unterstützt. In Thüringen werden die Aufstände von dem radikalen Theologen Thomas Müntzer (um 1490-1525) angeführt. Die Aufstände sind jedoch jeweils regional begrenzt und ohne zentrale Führung, und werden von den Landesfürsten und ihren Heeren niedergeschlagen. Die Anführer und insgesamt etwa 100.000 Bauern werden, oft auf grausame Art, hingerichtet (Thomas Müntzer am 7. Mai 1525). Wegen der ausufernden Gewalt der Bauern hatte auch Luther die Fürsten zur Niederschlagung der »räuberischen und mörderischen Rotten der Bauern« aufgerufen.

Am Karsamstag 1523 flieht die Nonne Katharina von Bora (1499-1552) zusammen mit anderen Ordensschwestern aus dem Zisterzienserinnenkloster Marienthron in Nimbschen bei Grimma nach Wittenberg. Luther nimmt die Frauen auf und sorgt für ihre Unterkunft und Verheiratung. Er selbst heiratet am 13. Juni 1525 Katharina. Aus der Ehe gehen 6 Kinder hervor.

Lucas Cranach d.Ä.: Martin Luther und seine Frau
Lucas Cranach d.Ä. (1472-1553): Martin Luther und seine Frau

Ein Streit mit dem niederländischen Humanisten Erasmus von Rotterdam (1524-1526) belastet die reformatorische Bewegung. Viele Humanisten wenden sich von Luther ab.

Am 27. Februar 1526 schließen Landgraf Philipp von Hessen und Kurfürst Johann von Sachsen das »Gotha-Torgauer Bündnis«. Im Fall eines katholischen Angriffs wollen sie sich gegenseitig unterstützen. Zahlreiche Reichsstände schließen sich an.

Am 19. April 1529 findet der zweite Reichstag zu Speyer statt. Ferdinand I. (1503-1564, ab 1531 römischer König, Kaiser von 1556-1564, ungarischer und böhmischer König 1526-1564), der Bruder Karls V., fordert die Aufhebung des Reichstagsbeschlusses von 1526, der den Landesherren die persönliche Stellung zur Reformation überlassen hat. Die 19 evangelischen Reichsstände lehnen dies in einer »protestatio« ab. Die Vertreter der neuen Glaubensrichtung werden daraufhin »Protestanten« genannt. Der Protest bedeutet die endgültige Spaltung der evangelischen und katholischen Reichsstände.

Vom 1.-4. Oktober 1529 finden auf Einladung des Landgrafen Philipp I. von Hessen die so genannten »Marburger Religionsgespräche« statt. Die Wittenberger, Straßburger und Schweizer Reformatoren - Martin Luther, Philipp Melanchthon, Adam Krafft, Martin Bucer, Caspar Hedio, Huldrych (Ulrich) Zwingli (1484-1531) und Johannes Ökolampad - wollen die politische Einigung der evangelischen Fürsten erreichen, scheitern jedoch an dem Abendmahlsstreit.

Philipp Melanchthon (1497-1560) verliest am 25. Juni 1530 auf dem »Augsburger Reichstag« die »Confessio Augustana« (Augsburger Bekenntnis), die lutherische Glaubenslehre. Darin betont Melanchthon die Gemeinsamkeiten der katholischen und der evangelischen Lehre. Der schweizerische Reformator Huldrych (Ulrich) Zwingli lehnt das Bekenntnis ab. Kaiser Karl V. beauftragt einen katholischen und einen evangelischen Ausschuss, sich mit dem Forderungen auseinanderzusetzen, es kommt jedoch zu keiner Einigung.

Im thüringischen Schmalkalden schließen die protestantischen Reichsstädte und Fürsten am 27. Februar 1531 ein schnell wachsendes Verteidigungsbündnis, um Glauben und politische Selbstständigkeit zu wahren. England und Frankreich erhoffen sich von dem Bündnis ein Gegengewicht zum übermächtigen katholischen Kaiser Karl V. - dieser verhängt am 20. Juli 1546 die Reichsacht über die Bundeshauptleute und bekämpft den Bund im so genannten »Schmalkaldischen Krieg«. Am 24. April 1547 gelingt ihm in der »Schlacht bei Mühlberg an der Elbe« der entscheidende Sieg. Der Bund wird aufgelöst und mit Ausnahme von Magdeburg unterwirft sich das gesamte evangelische Norddeutschland. Die Ergebnisse der Reformation sind jedoch nicht mehr rückgängig zu machen.

Der »Augsburger Religionsfrieden«, den König Ferdinand I., der Bruder Karls V., am 25. September 1555 mit den Reichsständen schließt, beendet vorläufig die Glaubenskämpfe im Reich. Die im Jahr 1530 von Philipp Melanchthon formulierte »Confessio Augustana« (Augsburger Bekenntnis), die lutherische Glaubenslehre, wird reichsrechtlich anerkannt. Untertanen müssen sich dem Bekenntnis ihres Landesherrn anschließen (»cuius regio eius religio - Wessen Land, dessen Religion«). Damit ist die konfessionelle Spaltung Deutschlands endgültig.

In seinen letzten Lebensjahren wendet sich Luther gegen alle, die sich nicht bekehren lassen wollen, auch gegen das Judentum. In seiner Schrift »Dass Jesus ein geborener Jude sei« hatte er 1523 noch eine versöhnliche Haltung gezeigt. Dies ändert sich jedoch später, wie seine Schriften »Brief wider die Sabbather an einen guten Freund« (1538), »Von den jüden und iren lügen« (1543) und »Vom Schem Hamphoras und vom Geschlechte Christi« (1544) belegen.

Martin Luther stirbt am 18. Februar 1546 in seiner Geburtsstadt Eisleben und wird auf Anordnung des Kurfürsten in der Schlosskirche zu Wittenberg bestattet.

Zitate:

»Hilf du, Heilige Anna, ich will ein Mönch werden!«
(Martin Luther, nachdem knapp neben ihm ein Blitz eingeschlagen ist)

»Wenn ich nicht durch Zeugnisse der Schrift und klare Vernunftgründe überzeugt werde; denn weder dem Papst noch den Konzilien allein glaube ich, da es feststeht, daß sie öfter geirrt und sich selbst widersprochen haben, so bin ich durch die Stellen der heiligen Schrift, die ich angeführt habe, überwunden in meinem Gewissen und gefangen in dem Worte Gottes. Daher kann und will ich nichts widerrufen, weil wider das Gewissen etwas zu tun weder sicher noch heilsam ist. Gott helfe mir, Amen!«
(Martin Luther vor dem Wormser Reichstag, 17./18. April 1521)

»Man muss nicht die Buchstaben der lateinischen Sprache fragen, wie man soll deutsch reden, sondern man muss die Mutter im Hause, die Kinder auf der Gasse, den gemeinen Mann auf dem Markt drum fragen und denselbigen aufs Maul sehen, wie sie reden, und danach dolmetschen, so verstehn sie es denn und merken, dass man deutsch mit ihnen redet.«
(Martin Luther)

»Man lasse die Geister auseinanderplatzen, aber die Faust haltet still.«
(Martin Luther)

»Es ist kein Rock noch Kleid, das einer Frau oder Jungfrau übler ansteht, als wenn sie klug sein will«
(Martin Luther, Tischreden)

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Zuletzt geändert am 09.08.2011

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