Franz Kafka - Biografie

  • geboren: 03.07.1883 (Prag, Österreich-Ungarn)
  • gestorben: 03.06.1924 (Kierling bei Klosterneuburg, Österreich)

Franz Kafka wurde als Sohn eines jüdischen Kaufmanns in Prag geboren. Er studierte zunächst Germanistik, dann Jura, arbeitete als Jurist und Versicherungsbeamter. Kafka beschäftigte sich intensiv mit dem Judentum, vor allem mit dem jiddischen Theater (»Rede über die jiddische Sprache«, 1912). Sein Durchbruch als Schriftsteller gelang ihm mit der 1912 erschienenen Erzählung »Das Urteil«. 1917 erkrankte er an Tuberkulose. Er starb am 03.06.1924 im Alter von nur 40 Jahren. Seine Romane wurden gegen seinen testamentarisch verfügten Willen von seinem Freund Max Brod veröffentlicht, der damit Kafkas Weltruhm begründete.

Franz Kafka zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Grundthema seiner Werke ist die Ohnmacht des Einzelnen gegen allmächtige anonyme Kräfte. Die formal und inhaltlich einzigartige Art der Gestaltung seiner Werke bezeichnet man als 'kafkaesk'.

Franz Kafka Collage
Franz Kafka Collage © 8/2003 by Klaus Oppermann

Werke:

  • 'Die Verwandlung' (1915)
  • 'Das Urteil, (1916)
  • 'In der Strafkolonie' (1919)
  • 'Ein Landarzt' (1919)
  • 'Ein Hungerkünstler' (1924)
  • 'Der Prozeß' (1925)
  • 'Das Schloß' (1926)
  • 'Amerika/Der Verschollene' (1927)
  • 'Beim Bau der chinesischen Mauer' (1931)
  • 'Beschreibung eines Kampfes' (1936)
  • 'Brief an den Vater' (1917/1952)
  • 'Briefe an Milena' (1952)
  • 'Hochzeitsvorbereitungen auf dem Lande' (1953)
  • 'Briefe an Felice' (1967)
  • 'Briefe an Otla' (1974)

Zitate:

»Ich muß viel allein sein. Was ich geleistet habe, ist nur ein Erfolg des Alleinseins.«

»Jeder, der sich die Fähigkeit erhält, Schönes zu erkennen, wird nie alt werden.«

»Verbringe die Zeit nicht mit der Suche nach einem Hindernis. Vielleicht ist keines da.«

»Die Fesseln der gequälten Menschheit sind aus Kanzleipapier.«

Auszug aus: Die Verwandlung

[...] Wäre doch die Schwester hier gewesen! Sie war klug; sie hatte schon geweint, als Gregor noch ruhig auf dem Rücken lag. Und gewiß hätte der Prokurist, dieser Damenfreund, sich von ihr lenken lassen; sie hätte die Wohnungstür zugemacht und ihm im Vorzimmer den Schrecken ausgeredet. Aber die Schwester war eben nicht da, Gregor selbst mußte handeln. Und ohne daran zu denken, das er seine gegenwärtigen Fähigkeiten, sich zu bewegen, noch gar nicht kannte, ohne auch daran zu denken, das seine Rede möglicher - ja wahrscheinlicherweise wieder nicht verstanden worden war, verließ er den Türflügel; schob sich durch die Öffnung; wollte zum Prokuristen hingehen, der sich schon am Geländer des Vorplatzes lächerlicherweise mit beiden Händen festhielt; fiel aber sofort, nach einem Halt suchend, mit einem kleinen Schrei auf seine vielen Beinchen nieder.
Kaum war das geschehen, fühlte er zum erstenmal an diesem Morgen ein körperliches Wohlbehagen; die Beinchen hatten festen Boden unter sich; sie gehorchten vollkommen, wie er zu seiner Freude merkte; strebten sogar danach, ihn fortzutragen, wohin er wollte; und schon glaubte er, die endgültige Besserung alles Leidens stehe unmittelbar bevor. Aber im gleichen Augenblick, als er da schaukelnd vor verhaltener Bewegung, gar nicht weit von seiner Mutter entfernt, ihr gerade gegenüber auf dem Boden lag, sprang diese, die doch so ganz in sich versunken schien, mit einem Male in die Höhe, die Arme weit ausgestreckt, die Finger gespreizt, rief: 'Hilfe, um Gottes willen, Hilfe!', hielt den Kopf geneigt, als wolle sie Gregor besser sehen, lief aber, im Widerspruch dazu, sinnlos zurück; hatte vergessen, das hinter ihr der gedeckte Tisch stand; setzte sich, als sie bei ihm angekommen war, wie in Zerstreutheit, eilig auf ihn; und schien gar nicht zu merken, das neben ihr aus der umgeworfenen großen Kanne der Kaffee in vollem Strome auf den Teppich sich ergoß [...]

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Zuletzt geändert am 03.07.2015

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