Jesus von Nazareth - Biografie

  • Jesus Christus
  • Yehoshua / Jeschua / Josua (hebr.) (»Jahwe ist Heil«, »der Herr hilft«)
  • Christus (gr.), Moshiach / Messias (hebr.) (»Der Gesalbte«)
  • geboren: um 4-8 v.Chr. (Nazareth)
  • gestorben: vermutlich 07.04.30 = 14./15. Nissan (Golgatha, Jerus.)
  • während der Amtszeit des Pontius Pilatus als Statthalter Judäas (26-36)

Laut Lukas- und Matthäusevangelium wurde Jesus als Sohn der Jüdin Maria (Mirjam) in Bethlehem geboren, historisch wahrscheinlicher ist jedoch seine Geburt in Nazareth. Seine Muttersprache war aramäisch. Er hatte einige Geschwister, wohl 4 Brüder (Jakobus, Joseph, Simon und Judas, lt. Matthäus 13,56) und eine Schwester. Vermutlich erlernte er, genau wie sein Vater Joseph, das Handwerk des Zimmermanns (oder Bauhandwerkers) und arbeitete auch in diesem Beruf.

Die Evangelien berichten über ihn ab seinem 30. Lebensjahr (ca. 27/28) und beginnen mit seiner Taufe im Fluss Jordan durch Johannes den Täufer. Nach der Taufe verbrachte Jesus 40 Tage fastend und betend in der Wüste. Nachdem Johannes gewaltsam getötet worden war, wanderte Jesus durch Galiläa und Judäa und gewann dabei einige Anhänger (Jünger), die mit ihm zogen. In seinen volksnah gehaltenen Reden und Gleichnissen behauptete Jesus, dass das Reich Gottes zum Teil bereits angebrochen sei: »Wenn ich aber die Dämonen durch den Finger Gottes austreibe, so ist ja das Reich Gottes zu euch gekommen!« (Lukas 11,20). Er forderte zu uneingeschränkter Gottes- und Nächstenliebe auf. Zugleich kritisierte er eine »erstarrte Gesetzlichkeit« seiner Religion. Er wandte sich jedoch nicht generell gegen das Judentum: »Ihr sollt nicht wähnen, daß ich gekommen sei, das Gesetz oder die Propheten aufzulösen! Ich bin nicht gekommen aufzulösen, sondern zu erfüllen.« (Matthäus 5,17). Populär wurde Jesus auch als Arzt und Wundertäter. Das Volk verehrte Jesus als Rabbi (hebr. »Meister«, »Lehrer«).

Durch seine Lehren geriet er in Konflikt mit der jüdischen Obrigkeit. Er wurde verhaftet und der Gotteslästerung angeklagt. Vom Hohen Rat (Synhedrion), den der Hohepriester Kaiphas anführte, wurde er zum Tod durch Steinigung verurteilt. Er wurde dem Landpfleger (Prokurator) Pontius Pilatus übergeben, und von diesem als Schwerverbrecher nach römischem Strafvollzug dem qualvollen Kreuzestod überantwortet.

Sein Leichnam wurde in einem Felsengrab beigesetzt. Als 2 Frauen aus der Anhängerschaft Jesu 3 Tage später das Grab aufsuchten, war es leer. Nach den Evangelisten erfolgte 3 Tage nach der Grablegung die Auferstehung Jesu. Wenige Jahrzehnte nach seinem Tod verbreitete sich seine Lehre von Palästina aus ins Transjordanland, nach Syrien, Griechenland, Ägypten, Italien, Spanien, Nordafrika, Mesopotamien, Armenien, Persien, ins Partherreich, in die Balkanländer, nach Gallien und Germanien. Zu seiner Kernbotschaft gehört die Bergpredigt (Matthäus 5, 1-7,27).

Giovanni Paolo Pannini: Jesus vertreibt die Händler aus dem Tempel, um 1750
Giovanni Paolo Pannini (1691/92-1765): Jesus vertreibt die Händler aus dem Tempel, um 1750

Historische Quellen:

Plinius der Jüngere (um 61 - um 113), Statthalter von Bithynien unter Trajan berichtet um 112 in einem Brief an den Kaiser über Christen.

Der römische Historiker Tacitus (um 55 - nach 117) berichtet um 116 in seinen »Annalen« von einem »Chrestus«, den der Prokurator Pontius Pilatus hinrichten ließ. Er schreibt auch davon, wie der römische Kaiser Nero den Christen den Brand von Rom im Jahre 64 anzuhängen versuchte. »..der Mann, von dem sich dieser Name (Chrestianer) herleitet, Christus, war unter der Herrschaft des Tiberius auf Veranlassung des Prokurators Pontius Pilatus hingerichtet worden...«.

Sueton (um 70-140) berichtet um 120 von jüdischen Unruhen in Rom im Jahre 49, die auf »Chrestus« zurückgehen.

Der jüdische Historiker Flavius Josephus (37-100) schreibt in »Jüdische Altertümer«: »...er versammelte daher den hohen Rath zum Gerichte und stellte vor denselben den Bruder des Jesus, der Christus genannt wird, Jakobus mit Namen, nebst noch einigen Andern, die er als Übertreter des Gesetzes anklagte und zur Steinigung verurtheilen ließ« (Jüdische Altertümer, XX, 9, 1).

Im babylonischen Talmud wird Jesus als Wundertäter und Verächter der Schriftgelehrten beschrieben, der am Vorabend des Pesachfestes gehängt wurde: »...dagegen wird gelehrt: Am Vorabend des Pesahfestes hängte man Jesu. Vierzig Tage vorher hatte der Herold ausgerufen: Er wird zur Steinigung hinausgeführt, weil er Zauberei getrieben und Jisrael verführt und abtrünnig gemacht hat; wer etwas zu seiner Verteidigung zu sagen hat, der komme und sage es. Da aber nichts zu seiner Verteidigung vorgebracht wurde, so hängte man ihn am Vorabend des Pesahfestes« (Babylonischer Talmud, Synhedrin, 43a).

Im Koran, wo Jesus Isa genannt wird, findet man Berichte über Jesus als dem letzten großen Propheten vor Mohammed: »Einst sprachen die Engel: "Maria, Gott verkündet dir eine frohe Botschaft durch ein Wort von Ihm. Sein Name ist Jesus, Sohn Marias, der Messias (al-Masîh Isa Ibn Maryam). Würdig ist er im Diesseits und im Jenseits. Er gehört zu denen, die in Gottes Nähe weilen. In der Wiege und im Mannesalter wird er zu den Menschen sprechen. Er gehört zu den Rechtschaffenen." Sie sprach: "Herr, wie soll ich einen Sohn gebären, da mich kein Mann berührt hat?" Darauf hörte sie sagen: "So ist Gott. Er schafft, was Er will. Wenn Er etwas beschließt, sagt er nur: Es sei! und es ist."« (Sura 3, 45-47) und »...und weil sie sagten: "Wir haben Gottes Gesandten, Jesus Christus, den Sohn Marias, getötet." Die Wahrheit ist, daß sie ihn weder getötet noch gekreuzigt haben, sondern es war ein anderer, den sie für Jesus hielten. Sie sind über ihn im Zweifel, und ihre Ansichten gehen auseinander. Sie wissen darüber nichts, sondern gehen ausgeklügelten Vermutungen nach. Sie haben ihn gewiß nicht getötet.« (Sura 4, 157)

Biblische und Historische Quellen im Überblick:

(in Klammern die Entstehungszeit)

  • Apostelbriefe des Paulus (50 und 63)
  • Markus-Evangelium (vor 70)
  • Matthäus-Evangelium (ca. 85)
  • Lukas-Evangelium (ca. 85)
  • 1. Klemensbrief des Klemens von Rom an die Korinther (ca. 96)
  • Flavius Josephus »Antiquitates Judaicae« (ca. 100)
  • Plinius der Jüngere, Briefe (um 112)
  • Ignatius von Antiochien, 7 Briefe (113-115)
  • Tacitus, die »Annalen«, (113-115)
  • Sueton, »Das Leben der Zwölf Cäsaren«, (um 120)
  • Das apokryphe Evangelium des Petrus (um 130)
  • Das apokryphe Evangelium des Thomas (um 130)

Links:

Für diese Biografie verwendete Literatur:

  • Michel Quesnel: Jesus Christus, BLT 1998
  • Julius H. Schoeps: Neues Lexikon des Judentums, 1998
  • ADAC: Das Jahrtausendbuch, 2001
  • Udo Tworuschka: Die Religionen der Welt, 1999

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Zuletzt geändert am 05.05.2009

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