Arno Holz - Biografie

  • Pseudonyme: Bjarne P. Holmsen, Hans Volkmar
  • geboren: 26.04.1863 (Rastenberg, Ostpreußen)
  • gestorben: 26.10.1929 (Berlin)

deutscher Schriftsteller, einer der bedeutendsten Vertreter des deutschen Naturalismus. Nach einer abgebrochenen Schulausbildung lebte der Sohn eines Apothekers in Berlin zunächst als Journalist, dann als freier Schriftsteller.

Arno Holz (1863-1929)
Arno Holz (1863-1929), Lithographie von Max Liebermann (1847-1935), 1922

Zusammen mit seinem Freund Johannes Schlaf (1862-1941) verfasste er 'Papa Hamlet' (1889) und das Drama 'Die Familie Selicke' (1890) und wurde damit zum Hauptbegründer der naturalistischen Literaturbewegung. Das 1886 verfasste Prosagedicht 'Phantasus' (erstmals erschienen 1896/1997) ist eines der Hauptwerke von Arno Holz.

Arno Holz hatte Zeit seines Lebens mit Geldsorgen zu leben. 1902 gründete er zusammen mit Richard Dehmel (1863-1920) das »Kartell lyrischer Autoren«, die erste Selbstorganisation von Schriftstellern. Die einzigen kommerziellen Erfolge waren 'Dafnis' (1904) und die Komödie 'Traumulus' (1904), welche zusammen mit Oskar Jeschke entstand.

1926 wurde Arno Holz in die 'Preußische Akademie der Künste' aufgenommen.

Werkauswahl:

  • Klinginsherz (1883)
  • Das Buch der Zeit (1886)
  • Papa Hamlet (1889)
  • Die Familie Selicke (1890)
  • Die Kunst, ihr Wesen und ihre Gesetze (1891/92)
  • Der geschundene Pegasus (1892)
  • Sozialaristokraten (1896)
  • Phantasus (ab 1898)
  • Die Blechschmiede (1902)
  • Dafnis (1904)
  • Traumulus (1904)
  • Sonnenfinsternis (1908)
  • Ignorabimus (1913)
  • Kindheitsparadies (Erinnerungen, 1924)

Vor meinem Fenster

Vor meinem Fenster
singt ein Vogel.

Still hör ich zu; mein Herz vergeht.

Er singt,
was ich als Kind besass,
und dann - vergessen.

Du gingst.

Du gingst.

Die Blätter . . . fallen.

In blaue Dämmrung sinkt das Thal.

Ich starre in die steigenden Nebel. . . .

Da,
einmal noch, aus der Ferne,
weht dein Tuch.

Grüsse! Grüsse!

Ich strecke sehnsüchtig die Arme . . .

Vorbei.

Aus den Silberpappeln schreien die Staare in den Sonnenuntergang.

Kleine, sonnenüberströmte Gärten

Kleine, sonnenüberströmte Gärten
mit bunten Lauben, Kürbissen und Schnittlauch.

Noch blitzt der Thau.

Ueber den nahen Häuserhorizont ragen Thürme.

Durch das monotone Geräusch der Neubauten,
ab und zu,
pfeifen Fabriken,
schlagen Glocken an.

Auf einer Hopfenstange sitzt ein Spatz.

Ich stehe gegen einen alten Drahtzaun gelehnt
und sehe zu, wie über einem Asternbeet
zwei Kohlweisslinge taumeln.

Ich bin der reichste Mann der Welt!

Ich bin der reichste Mann der Welt!

Meine silbernen Yachten
schwimmen auf allen Meeren.

Goldne Villen glitzern durch meine Wälder in Japan,
in himmelhohen Alpenseeen spiegeln sich meine Schlösser,
auf tausend Inseln hängen meine purpurnen Gärten.

Ich beachte sie kaum.

An ihren aus Bronze gewundenen Schlangengittern
geh ich vorbei,
über meine Diamantgruben
lass ich die Lämmer grasen.

Die Sonne scheint,
ein Vogel singt,
ich bücke mich
und pflücke eine kleine Wiesenblume.

Und plötzlich weiss ich: ich bin der ärmste Bettler!

Ein Nichts ist meine ganze Herrlichkeit
vor diesem Thautropfen,
der in der Sonne funkelt.

Jüngst sah ich den Wind

Jüngst sah ich den Wind

Jüngst sah ich den Wind,
das himmlische Kind,
als ich träumend im Walde gelegen,
und hinter ihm schritt
mit trippelndem Tritt
sein Bruder, der Sommerregen.

In den Wipfeln da ging's
nach rechts und nach links,
als wiegte der Wind sich im Bettchen;
und sein Brüderchen sang:
»Die Binke, die Bank,«
und schlüpfte von Blättchen zu Blättchen.

Weiß selbst nicht, wie's kam,
gar zu wundersam
es regnete, tropfte und rauschte,
daß ich selber ein Kind,
wie Regen und Wind,
das Spielen der beiden belauschte.

Dann wurde es Nacht,
und eh ich's gedacht,
waren fort, die das Märchen mir schufen.
Ihr Mütterlein
hatte sie fein
hinauf in den Himmel gerufen.

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Zuletzt geändert am 03.05.2009

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