Paul Heyse - Biografie

  • geboren: 15.03.1830 (Berlin)
  • gestorben: 02.04.1914 (München)

deutscher Schriftsteller u. Dichter, erhielt 1910 den Literatur-Nobelpreis.

Eine lebenslange Freundschaft verband Heyse mit Emanuel Geibel, der ihn auch förderte. Während seiner Studienzeit (Philologie, Kunstgeschichte, Romanistik) machte Heyse außerdem die Bekanntschaft mit Jacob Burckhardt (1818-1897), Theodor Fontane und Theodor Storm. Der bayrische König Maximilian II. holte ihn - auf Betreiben Geibels - 1854 nach München und setzte ihm ein Jahresgehalt von 1000 Gulden aus. In München gründete Heyse zusammen mit Geibel die Dichtervereinigung 'Krokodil'. 1884 erhielt er den Schiller-Preis, 1910 die Ehrenbürgerschaft der Stadt München, 1910 den Literatur-Nobelpreis »in Anerkennung der vollendeten, von Idealismus durchleuchteten Kunst als Lyriker, Dramatiker, Romanschriftsteller und Erzähler«.

Paul Heyse (1830-1914)
Paul Heyse (1830-1914), Quelle: lcweb2.loc.gov

Werke:

  • L'Arrabbiata (1855)
  • Das Mädchen von Treppi (1855)
  • Andrea Delfin (1862)
  • Rafael (1862)
  • Elisabeth Charlotte (1864)
  • Colberg (1868)
  • Moralische Novellen (1869)
  • Kinder der Welt (1873)
  • Im Paradiese (1875)
  • Spielmannslegende (1883)
  • Merlin (1892)

Vorfrühling

Stürme brausten über Nacht,
und die kahlen Wipfel troffen.
Frühe war mein Herz erwacht,
schüchtern zwischen Furcht und Hoffen.

Horch, ein trautgeschwätz'ger Ton
dringt zu mir vom Wald hernieder.
Nisten in den Zweigen schon
die geliebten Amseln wieder?

Dort am Weg der weiße Streif -
Zweifelnd frag' ich mein Gemüte:
Ist's ein später Winterreif
oder erste Schlehenblüte?

Über ein Stündlein

Dulde, gedulde dich fein!
Über ein Stündlein
ist deine Kammer voll Sonne.

Über den First, wo die Glocken hangen,
ist schon lange der Schein gegangen,
ging in Türmers Fenster ein.
Wer am nächsten dem Sturm der Glocken,
einsam wohnt er, oft erschrocken,
doch am frühsten tröstet ihn Sonnenschein.

Wer in tiefen Gassen gebaut,
Hütt' an Hüttlein lehnt sich traut,
Glocken haben ihn nie erschüttert,
Wetterstrahl ihn nie umzittert,
aber spät sein Morgen graut.

Höh' und Tiefe hat Lust und Leid.
Sag ihm ab, dem törigen Neid:
andrer Gram birgt andre Wonne.

Dulde, gedulde dich fein!
Über ein Stündlein
ist deine Kammer voll Sonne.

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Zuletzt geändert am 05.05.2009

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