Heinrich Heine - Biografie

  • Harry Heine (bis 1825)
  • Heinrich Johann Christian Heine
  • geboren: 13.12.1797 (Düsseldorf)
  • gestorben: 17.02.1856 (Paris)

Einer der bedeutendsten und einflussreichsten deutschen Dichter, Schriftsteller und Journalisten, Mitbegründer des modernen Feuilletons.

Heine studiere ab 1819 Rechtswissenschaften in Bonn, Göttingen und Berlin. In Berlin war er Mitglied im »Verein für Cultur und Wissenschaft der Juden« und Gast im Salon von Rahel Varnhagen. 1824 kehrte er an die Universität Göttingen zurück und schloss dort sein Studium ab. Vor der Promotion (1825) trat er vom jüdischen zum protestantischen Glauben über. Danach lebte er als freier Schriftsteller.

Heinrich Heine
Heinrich Heine, Zeichnung von Franz Theodor Kugler (1808-1858)
»So sah ich aus, heute Morgen, den 6ten April 1829. H. Heine«

Ab 1831 lebte er in Paris und war dort als Berichterstatter für die Augsburger »Allgemeine Zeitung« tätig. Als Mitbegründer des »Jungen Deutschland« (siehe Ludwig Börne) wurden seine Schriften 1835 in Deutschland verboten. 1841 heiratete er seine Lebensgefährtin Mathilde Mirat. Seine Verssatire 'Deutschland - Ein Wintermärchen' entstand nach seinen Reisen nach Deutschland, die er 1843/1844 inkognito unternahm. Darin kritisierte er die »deutsche Kleinstaaterei« und die »beschränkte geistige Atmosphäre« des Landes. Ab 1848 fesselte ihn eine fortschreitende Krankheit, eine Rückenmarksschwindsucht, an das Bett (seine »Matratzengruft«).

Heine schrieb zahlreiche Lieder, die zum Teil von Schubert, Schumann u.a. vertont wurden. Während der Naziherrschaft galten seine Werke als »jüdisch entartet«.

Werke:

  • 'Reisebilder' (1821-1831)
  • 'Gedichte' (1822)
  • 'Lyrisches Intermezzo' (1823)
  • 'Buch der Lieder' (1827)
  • 'Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland' (1834)
  • 'Die romantische Schule' (1836)
  • 'Ludwig Börne. Eine Streitschrift' (1840)
  • 'Der Rabbi von Bacherach' (1840)
  • 'Deutschland, ein Wintermärchen' (1844)
  • 'Romanzero' (1851)
Heinrich Heine Collage
Heinrich Heine Collage © 8/2003 by Klaus Oppermann

Zitate:

»Dort, wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch Menschen.«
Almansor, Vers 243f

»Der Hund, dem man einen Maulkorb anlegt, bellt mit dem Hintern.«
Aphorismen und Fragmente - Heinrich Heine: Werke und Briefe in zehn Bänden. Band 7, Berlin und Weimar 21972, S. 363-432.

»So ein bisschen Bildung ziert den ganzen Menschen.«
Reisebilder, Die Bäder von Lucca VIII

"Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, daß ich so traurig bin; ein Märchen aus alten Zeiten, das kommt mir nicht aus dem Sinn." - Gedicht 2 aus "Heimkehr", 1823-24 (bekannt als "Die Lore-Lei")

Nachtgedanken

Denk ich an Deutschland in der Nacht,
Dann bin ich um den Schlaf gebracht,
Ich kann nicht mehr die Augen schließen.
Und meine heißen Tränen fließen.

Die Jahre kommen und vergehn!
Seit ich die Mutter nicht gesehn,
Zwölf Jahre sind schon hingegangen;
Es wächst mein Sehnen und Verlangen.

Mein Sehnen und Verlangen wächst.
Die alte Frau hat mich behext,
Ich denke immer an die alte,
Die alte Frau, die Gott erhalte!

Die alte Frau hat mich so lieb,
Und in den Briefen, die sie schrieb,
Seh ich, wie ihre Hand gezittert,
Wie tief das Mutterherz erschüttert.

Die Mutter liegt mir stets im Sinn.
Zwölf lange Jahre flossen hin,
Zwölf lange Jahre sind verflossen,
Seit ich sie nicht ans Herz geschlossen.

Deutschland hat ewigen Bestand,
Es ist ein kerngesundes Land;
Mit seinen Eichen, seinen Linden,
Werd ich es immer wiederfinden.

Nach Deutschland lechzt' ich nicht so sehr,
Wenn nicht die Mutter dorten wär;
Das Vaterland wird nie verderben,
Jedoch die alte Frau kann sterben.

Seit ich das Land verlassen hab,
So viele sanken dort ins Grab,
Die ich geliebt - wenn ich sie zähle,
So will verbluten meine Seele.

Und zählen muß ich - Mit der Zahl
Schwillt immer höher meine Qual,
Mir ist, als wälzten sich die Leichen
Auf meine Brust - Gottlob! sie weichen!

Gottlob! durch meine Fenster bricht
Französisch heitres Tageslicht;
Es kommt mein Weib, schön wie der Morgen,
Und lächelt fort die deutschen Sorgen.

Neue Gedichte, entstanden 1824-1844

Caput II

Während die Kleine von Himmelslust
Getrillert und musizieret,
Ward von den preußischen Douaniers
Mein Koffer visitieret.

Beschnüffelten alles, kramten herum
In Hemden, Hosen, Schnupftüchern;
Sie suchten nach Spitzen, nach Bijouterien,
Auch nach verbotenen Büchern.
Ihr Toren, die ihr im Koffer sucht!
Hier werdet ihr nichts entdecken!
Die Konterbande, die mit mir reist,
Die hab ich im Kopfe stecken.
Hier hab ich Spitzen, die feiner sind
Als die von Brüssel und Mecheln,
Und pack ich einst meine Spitzen aus,
Sie werden euch sticheln und hecheln.

Im Kopfe trage ich Bijouterien,
Der Zukunft Krondiamanten,
Die Tempelkleinodien des neuen Gotts,
Des großen Unbekannten.

Und viele Bücher trag ich im Kopf!
Ich darf es euch versichern,
Mein Kopf ist ein zwitscherndes Vogelnest
Von konfiszierlichen Büchern.

Glaubt mir, in Satans Bibliothek
Kann es nicht schlimmere geben;
Sie sind gefährlicher noch als die
Von Hoffmann von Fallersleben! -

Ein Passagier, der neben mir stand,
Bemerkte mir, ich hätte
Jetzt vor mir den preußischen Zollverein,
Die große Douanenkette.

»Der Zollverein« - bemerkte er -
»Wird unser Volkstum begründen,
Er wird das zersplitterte Vaterland
Zu einem Ganzen verbinden.

Er gibt die äußere Einheit uns,
Die sogenannt materielle;
Die geistige Einheit gibt uns die Zensur,
Die wahrhaft ideelle -

Sie gibt die innere Einheit uns,
Die Einheit im Denken und Sinnen
Ein einiges Deutschland tut uns not,
Einig nach außen und innen.«

Deutschland. Ein Wintermärchen, Quelle: Digitale Bibliothek, Sonderband Meisterwerke deutscher Dichter und Denker

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Zuletzt geändert am 03.07.2015

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