Gebrüder Grimm - Biografie

  • Jacob Grimm
  • geboren: 04.01.1785 (Hanau)
  • gestorben: 20.09.1863 (Berlin)
  • Wilhelm Grimm
  • geboren: 24.02.1786 (Hanau)
  • gestorben: 16.12.1859 (Berlin)
Die Brüder Grimm
Die Brüder Grimm, Daguerreotypie von Hermann Biow (1804-1850), 1847

Die Brüder Jacob und Wilhelm Grimm gelten als Begründer der germanischen Philologie und der Folkloristik. Ihre Lebens- und Arbeitsgemeinschaft bestand bis zu ihrem Tod.

Der Germanist Jacob Grimm arbeitete von 1830-1837 als Professor in Göttingen, wurde jedoch - genauso wie sein Bruder - als Mitverfasser des politischen Protestes der »Göttinger Sieben« von seinem Amt enthoben. 1841 holte der preußische König Friedrich Wilhelm IV. die Brüder als Mitglieder an Akademie der Wissenschaften nach Berlin. Zu den Werken Jacobs gehören die »Deutsche Grammatik« (1819-1837), »Deutsche Rechtsaltertümer« (1828), die »Deutsche Mythologie« (1832-1854) und die »Geschichte der deutschen Sprache« (1848). Jacob blieb unverheiratet und lebte zusammen mit Wilhelms Familie.

Der Germanist Wilhelm Grimm begründete zusammen mit seinem Bruder Jacob Grimm und Karl Lachmann (1793-1851) die deutsche Philologie: das »Deutsche Wörterbuch« in 16 Bänden entstand ab 1854 (600.000 Wortbelege erarbeiteten die Grimms eigenhändig, fertiggestellt wurde das Mammutwerk erst 1961!). Wilhelm erforschte die Dichtung des Volkes und des Mittelalters. Zusammen mit Jacob brachte er die »Kinder- und Hausmärchen« (ab 1812-1815) und 1816 den ersten Band der »Deutschen Sagen« heraus. 1825 heiratete Wilhelm Henriette Dorothea Wild (1793-1867). Sie hatten vier Kinder, darunter der (spätere) Kunsthistoriker und Publizist Herman Friedrich Grimm (1828-1901). 1829 erschien Wilhelms zentrale Abhandlung »Die deutsche Heldensage«.

Zitat

Wir haben uns bemüht, diese Märchen so rein als möglich war aufzufassen, man wird in vielen die Erzählung von Reimen und Versen unterbrochen finden, die sogar manchmal deutlich alliteriren, beim Erzählen aber niemals gesungen werden, und gerade diese sind die ältesten und besten. Kein Umstand ist hinzugedichtet oder verschönert und abgeändert worden, denn wir hätten uns gescheut, in sich selbst so reiche Sagen mit ihrer eigenen Analogie oder Reminiscenz zu vergrößern, sie sind unerfindlich. In diesem Sinne existirt noch keine Sammlung in Deutschland, man hat sie fast immer nur als Stoff benutzt, um gröbere Erzählungen daraus zu machen, die willkührlich erweitert, verändert, was sie auch sonst werth seyn konnten, doch immer den Kindern das Ihrige aus den Händen rissen, und ihnen nichts dafür gaben. Selbst wer an sie gedacht, konnte es doch nicht lassen, Manieren, welche die Zeitpoesie gab, hineinzumischen; fast immer hat es auch an Fleiß beim Sammeln gefehlt und ein paar wenige, zufällig etwa aufgefaßte, wurden sogleich mitgetheilt. Wären wir so glücklich gewesen, sie in einem recht bestimmten Dialect erzählen zu können, so zweifeln wir nicht, würden sie viel gewonnen haben; es ist hier ein Fall, wo alle erlangte Bildung, Feinheit und Kunst der Sprache zu Schanden wird, und wo man fühlt, daß eine geläuterte Schriftsprache, so gewandt sie in allem andern seyn mag, heller und durchsichtiger aber auch schmackloser geworden, und nicht mehr fest an den Kern sich schließe.

Wir übergeben dies Buch wohlwollenden Händen, dabei denken wir überhaupt an die segnende Kraft, die in diesen liegt, und wünschen, daß denen, welche diese Brosamen der Poesie Armen und Genügsamen nicht gönen, es gänzlich verborgen bleiben möge.

Cassel, am 18ten October 1810.

Quelle: Jacob und Wilhelm Grimm: Kinder- und Hausmärchen. 2 Bände, Band 1, Berlin 1812/15, S. V5-XXII22. http://www.zeno.org/nid/20004900278

Märchen-Zitate

»Spieglein, Spieglein an der Wand,
Wer ist die Schönste im ganzen Land ?«
»Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier,
Aber Schneewittchen ist tausendmal schöner als Ihr.«

»Knupper, knupper, Kneischen,
Wer knuppert an meinem Häuschen?«
»Der Wind, der Wind,
Das himmlische Kind«

»Königstochter, jüngste, mach mir auf, weißt du nicht, was gestern du zu mir gesagt bei dem kühlen Brunnenwasser? Königstochter, jüngste, mach mir auf.«

Die Brüder Grimm, 1843
Jakob und Wilhelm Grimm, Radierung ihres Bruders Ludwig Emil Grimm (1790-1863), 1843

Rotkäppchen aber war nach den Blumen herumgelaufen, und als es so viel zusammen hatte, daß es keine mehr tragen konnte, fiel ihm die Großmutter wieder ein, und es machte sich auf den Weg zu ihr. Es wunderte sich, daß die Türe aufstand, und wie es in die Stube trat, so kam es ihm so seltsam darin vor, daß es dachte: »Ei, du mein Gott, wie ängstlich wird mir's heute zumut, und bin sonst so gerne bei der Großmutter!« Es rief »Guten Morgen«, bekam aber keine Antwort. Darauf ging es zum Bett und zog die Vorhänge zurück: da lag die Großmutter und hatte die Haube tief ins Gesicht gesetzt und sah so wunderlich aus. »Ei, Großmutter, was hast du für große Ohren!« »Daß ich dich besser hören kann.« »Ei, Großmutter, was hast du für große Augen!« »Daß ich dich besser sehen kann.« »Ei, Großmutter, was hast du für große Hände« »Daß ich dich besser packen kann.« »Aber, Großmutter, was hast du für ein entsetzlich großes Maul!« »Daß ich dich besser fressen kann.« Kaum hatte der Wolf das gesagt, so tat er einen Satz aus dem Bette und verschlang das arme Rotkäppchen.

»Heute back ich, morgen brau ich,
übermorgen hol ich der Königin ihr Kind;
ach, wie gut ist daß niemand weiß
daß ich Rumpelstilzchen heiß!«

Da war die Königin ganz froh daß sie den Namen wußte, und als bald hernach das Männlein kam, und sprach:
»Nun, Frau Königin, wie heiß ich?«
fragte sie erst »heißest du Kunz?«
»Nein.«
»Heißest du Heinz?«
»Nein.«
»Heißt du etwa Rumpelstilzchen?«

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Zuletzt geändert am 18.11.2012

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