Johann Wolfgang von Goethe - Biografie

  • geboren: 28.08.1749 (Frankfurt/M.)
  • gestorben: 22.03.1832 (Weimar)

deutsch. Schriftsteller, Dichter, Naturwissenschaftler, Naturphilosoph, der bedeutendste und einflussreichste deutsche Dichter aller Zeiten. Zusammen mit Friedrich von Schiller bildete er das »Zentrum der klassischen deutschen Literatur«. In seinen Werken verarbeitete Goethe zumeist persönliche (leidvolle) Lebens- und Liebeserfahrungen, so auch in seinem Roman 'Die Leiden des jungen Werthers' (1774), der seinen Weltruf begründete. Darin verarbeitet Goethe seine unerwiderte Liebe zu Charlotte Buff. Auch der Kampf gegen Unrecht und Unterdrückung und die Forderung nach Freiheit und Selbstbestimmung sind wiederkehrende Themen von Goethes Werk.

Als Naturforscher war Goethe der Vertreter einer »ganzheitlichen Naturbetrachtung«, der den Menschen als Teil der Natur betrachtete (nicht als Beherrscher der Natur). Er forschte auf den Gebieten Geologie, Mineralogie, Meteorologie, Botanik, Anatomie und Optik. Nach anatomischen Studien entdeckte er 1784 den Zwischenkieferknochen beim Menschen. Diese Entdeckung widerlegte die anatomische Sonderstellung des Menschen, da man zuvor das Fehlen eines Zwischenkiefers beim erwachsenen Menschen als Beweis für seine Unabhängigkeit vom Tierreich angesehen hatte.

1810 gab Goethe seine 'Farbenlehre' heraus, das erste grundlegende Werk über Farbenlehre, welches er als sein eigentliches Lebenswerk ansah und als wichtiger als seine literarischen Werke einstufte. Auch die Farbgebung auf geologischen Karten geht auf seine Entwürfe zurück.

Moritz Daniel Oppenheim: Goethe...
Moritz Daniel Oppenheim (1800-1882): Goethe umgeben von den Illustrationen zu seinen Werken, 1840-1850

Auswahl seiner Werke:

  • 'Götz von Berlichingen' (1773)
  • 'Clavigo' (1774)
  • 'Die Leiden des jungen Werthers' (1774)
  • 'Urpflanze' (1786)
  • 'Versuch, die Metamorphose der Pflanze zu erklären' (1790)
  • 'Der Versuch als Vermittler von Objekt und Subjekt' (1793)
  • 'Erster Entwurf einer allgemeinen Einleitung in die vergleichende Anatomie, ausgehend von der Osteologie' (1795)
  • 'Die Wahlverwandtschaften' (1809)
  • 'Farbenlehre' (1810)
  • 'Zur Naturwissenschaft überhaupt, besonders zur Morphologie' (Schriften, 1817-1827)
  • 'Wilhelm Meisters Wanderjahre' (1821)
  • 'Spiraltendenz der Vegetation' (1831)
  • 'Faust' (Teil I 1808, Teil II 1832)
Johann Heinrich Wilhelm Tischbein: Goethe in der Campagna, 1787
Johann Heinrich Wilhelm Tischbein: Goethe in der Campagna, 1787

Erlkönig

Wer reitet so spät durch Nacht und Wind?
Es ist der Vater mit seinem Kind;
Er hat den Knaben wohl in dem Arm,
Er faßt ihn sicher, er hält ihn warm.
Mein Sohn, was birgst du so bang dein Gesicht?
Siehst, Vater, du den Erlkönig nicht?
Den Erlenkönig mit Kron und Schweif?
Mein Sohn, es ist ein Nebelstreif.
Du liebes Kind, komm, geh mit mir!
Gar schöne Spiele spiel ich mit dir;
Manch bunte Blumen sind an dem Strand,
Meine Mutter hat manch gülden Gewand.
Mein Vater, mein Vater, und hörest du nicht,
Was Erlenkönig mir leise verspricht?
Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind;
In dürren Blättern säuselt der Wind.
Willst, feiner Knabe, du mit mir gehn?
Meine Töchter sollen dich warten schön;
Meine Töchter führen den nächtlichen Reihn,
Und wiegen und tanzen und singen dich ein.
Mein Vater, mein Vater, und siehst du nicht dort
Erlkönigs Töchter am düstern Ort?
Mein Sohn, mein Sohn, ich seh es genau:
Es scheinen die alten Weiden so grau.
Ich liebe dich, mich reizt deine schöne Gestalt;
Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt.
Mein Vater, mein Vater, jetzt faßt er mich an!
Erlkönig hat mir ein Leids getan!
Dem Vater grausets, er reitet geschwind,
Er hält in Armen das ächzende Kind,
Erreicht den Hof mit Mühe und Not;
In seinen Armen das Kind war tot.

(1782)

Auszug aus: Faust

Mißhör mich nicht, du holdes Angesicht!
Wer darf ihn nennen?
Und wer bekennen:
Ich glaub ihn?
Wer empfinden
Und sich unterwinden
Zu sagen: ich glaub ihn nicht?
Der Allumfasser,
Der Allerhalter,
Faßt und erhält er nicht
Dich, mich, sich selbst?
Wölbt sich der Himmel nicht da droben?
Liegt die Erde nicht hier unten fest?
Und steigen hüben und drüben
Ewige Sterne nicht herauf?
Schau ich nicht Aug' in Auge dir,
Und drängt nicht alles
Nach Haupt und Herzen dir
Und webt in ewigem Geheimnis
Unsichtbar sichtbar neben dir?
Erfüll davon dein Herz, so groß es ist,
Und wenn du ganz in dem Gefühle selig bist,
Nenn das dann, wie du willst,
Nenn's Glück! Herz! Liebe! Gott!
Ich habe keinen Namen
Dafür. Gefühl ist alles,
Name Schall und Rauch,
Umnebelnd Himmelsglut.

Auszug aus: Faust. Eine Tragödie, Vor dem Tor

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Durch des Frühlings holden, belebenden Blick;
Im Tale grünet Hoffnungsglück;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zog sich in rauhe Berge zurück.
Von dorther sendet er, fliehend, nur
Ohnmächtige Schauer körnigen Eises
In Streifen über die grünende Flor;
Aber die Sonne duldet kein Weißes:
Überall regt sich Bildung und Streben,
Alles will sie mit Farben beleben;
Doch an Blumen fehlt's im Revier,
Sie nimmt geputzte Menschen dafür.
Kehre dich um, von diesen Höhen
Nach der Stadt zurückzusehen.
Aus dem hohlen finstern Tor
Dringt ein buntes Gewimmel hervor.
Jeder sonnt sich heute so gern.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selber auferstanden
Aus niedriger Häuser dumpfen Gemächern,
Aus Handwerks- und Gewerbesbanden,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus der Straßen quetschender Enge,
Aus der Kirchen ehrwürdiger Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht.
Sieh nur, sieh! wie behend sich die Menge
Durch die Gärten und Felder zerschlägt,
Wie der Fluß, in Breit' und Länge,
So manchen lustigen Nachen bewegt,
Und bis zum Sinken überladen
Entfernt sich dieser letzte Kahn.
Selbst von des Berges fernen Pfaden
Blinken uns farbige Kleider an.
Ich höre schon des Dorfs Getümmel,
Hier ist des Volkes wahrer Himmel,
Zufrieden jauchzet groß und klein.
Hier bin ich Mensch, hier darf ich's sein!

Mignon

Kennst du das Land, wo die Zitronen blühn,
Im dunkeln Laub die Goldorangen glühn,
Ein sanfter Wind vom blauen Himmel weht,
Die Myrte still und hoch der Lorbeer steht,
Kennst du es wohl?
Dahin! Dahin
Möcht ich mit dir, o mein Geliebter, ziehn.

Kennst du das Haus? Auf Säulen ruht sein Dach,
Es glänzt der Saal, es schimmert das Gemach,
Und Marmorbilder stehn und sehn mich an:
Was hat man dir, du armes Kind, getan?
Kennst du es wohl?
Dahin! Dahin
Möcht ich mit dir, o mein Beschützer, ziehn.

Kennst du den Berg und seinen Wolkensteg?
Das Maultier sucht im Nebel seinen Weg;
In Höhlen wohnt der Drachen alte Brut;
Es stürzt der Fels und über ihn die Flut,
Kennst du ihn wohl?
Dahin! Dahin
Geht unser Weg! o Vater, laß uns ziehn!

Aus dem Roman »Wilhelm Meisters Lehrjahre«

Zitate:

»Der Deutsche soll alle Sprachen lernen, damit ihm zu Hause kein Fremder unbequem, aber er in der Fremde überall zu Hause sei.«

»Wer fremde Sprachen nicht kennt, weiß nichts von seiner eigenen.«

»Es ist nicht gut, dass der Mensch alleine sei; und besonders nicht, dass er alleine arbeite; vielmehr bedarf er der Teilnahme und Anregung, wenn etwas gelingen soll.«

»Die Irrtümer des Menschen machen ihn eigentlich liebenswürdig.«

»Ironie ist das Körnchen Salz, das das Aufgetischte überhaupt erst genießbar macht.«

»Die Erfahrung lehrt uns, dass die einzelnen Farben besondere Gemütsstimmungen geben.«

»Der Deutsche hat Freiheit der Gesinnung, und daher merkt er nicht, wenn es ihm an Geschmacks- und Geistesfreiheit fehlt.«

»Es ist nicht genug zu wissen, man muß es auch anwenden; es ist nicht genug zu wollen, man muß es auch tun.«

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Zuletzt geändert am 03.05.2009

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