Emanuel Geibel - Biografie

  • Franz Emanuel August Geibel, ab 1852: von Geibel
  • geboren: 17.10.1815 (Lübeck)
  • gestorben: 06.04.1884 (Lübeck)

deutscher Dichter.
Geibel studiert zunächst Theologie in Bonn, ab 1836 klassische Philologie in Berlin, wo er die Bekanntschaft mit Adelbert von Chamisso (1781-1838) und Joseph von Eichendorff macht. Bettina von Arnim vermittelt ihm eine Stelle als Hofmeister des russischen Gesandten in Athen (bis 1840). Aufgrund seiner patriotischen Gedichte erhält Geibel vom preußischen König Friedrich Wilhelm IV. eine jährliche Pension von 300 Talern. Der bayrische König Maximilian II. beruft ihn 1852 als Professor für deutsche Literatur und Poetik nach München. Hier wird er Mittelpunkt des Dichterkreises 'Krokodil'. 1868, nach Entzug der bayrischen Pension, kehrt Emanuel von Geibel nach Lübeck zurück. Er erhält eine preußische Pension von 1000 Talern.
Eines seiner bekanntesten Werke ist 'Der Mai ist gekommen'.

Emanuel Geibel (1815-1884)
Emanuel Geibel (1815-1884)
Quelle: »Das 19. Jahrhundert in Wort und Bild«, Deutsches Verlagshaus Bong & Co., 1900

Werke:

  • Zeitstimmen (1841)
  • König Roderich (1844)
  • Zwölf Sonette für Schleswig-Holstein (1846)
  • Juniuslieder (1848)
  • Meister Andrea (1855)
  • Neue Gedichte (1856)
  • Brunhild (1857)
  • Gedichte und Gedenkblätter (1864)
  • Sophonisbe (1868)
  • Heroldsrufe (1871)
  • Spätherbstblätter (1877)

Frühlingslied

Mit geheimnisvollen Düften
Grüßt vom Hang der Wald mich schon,
Über mir in hohen Lüften
Schwebt der erste Lerchenton.

In den süßen Laut versunken
Wall' ich hin durchs Saatgefild,
Das noch halb vom Schlummer trunken
Sanft dem Licht entgegenschwillt.

Welch ein Sehnen! welch ein Träumen!
Ach, du möchtest vorm Verglühn
Mit den Blumen, mit den Bäumen,
Altes Herz, noch einmal blühn

Der Mai ist gekommen

Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus
Da bleibe wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus;
Wie die Wolken dort wandern am himmlischen Zelt
So steht auch mir der Sinn in die weite, weite Welt.

Herr Vater, Frau Mutter, daß Gott euch bemüht!
Wer weiß, wo in der Ferne mein Glück mir noch blüht!
Es gibt so manche Straße, da nimmer ich maschiert,
Es gibt so manchen Wein, den nimmer ich probiert.

Frischauf drum, frischauf im hellen Sonnenstrahl
Wohl über die Berge, wohl durch das tiefe Tal!
Die Quellen erklingen, die Bäume rauschen all,
Mein Herz ist wie ne Lerche und stimmt ein mit Schall.

Und abends im Städtlein, da kehr ich durstig ein;
»Herr Wirt, Herr Wirt, ne Kanne blanken Wein!
Ergreife die Fidel, du lustiger Spielmann du,
Von meinem Schatz das Liedel das singe ich dazu.«

Und find ich keine Herberg, so liege ich zur Nacht
Wohl unter blaumen Himmel, die Sterne halten wacht;
lm Winde die Linde, die rauscht mich ein gemach,
Es küsset in der Früh das Morgenrot mich wach.

0 Wandern, o Wandern, du freie Burschenlust!
Da wehet Gottes Odem so frisch in die Brust,
Da singet und jauchzet das Herz zum Himmelszelt
Wie bist du doch so schön, du weite, weite Welt.

Melancholie

Wann, wann erscheint der Morgen,
Wann denn, wann denn!
Der mein Leben löst aus diesen Banden?
Ihr Augen, vom Leide so trübe,
Saht nur Qual für Liebe,
Saht nicht eine Freude,
Saht nur Wunde auf Wunde,
Schmerz auf Schmerz mir geben,
Und im langen Leben
Keine frohe Stunde.
Wenn es endlich doch geschähe,
Daß ich säh' die Stunde,
Wo ich nimmer sähe!
Wann erscheint der Morgen,
Der mein Leben löst aus diesen Banden?

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Zuletzt geändert am 03.05.2009

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