Sigmund Freud - Biografie

  • geboren: 06.05.1856 (Freiberg/heute Príbor, Tschechien)
  • gestorben: 23.09.1939 (London/GB)

österr. Neurologe, Nervenarzt, Hypnotherapeut und Psychiater, Begründer der Psychoanalyse, der Traumdeutung und der Hypnose als Behandlungsmethode, beeinflusste mit seinen Theorien maßgeblich die weitere Entwicklung der Medizin, Psychologie, Anthropologie, Philosophie, Kunst und Literatur.

Der österreichische Psychologe und Mediziner Sigmund Freud wurde 1856 als Sohn des jüdischen Stoffhändlers Jacob Freud (1815-1896) und dessen Frau Amalia (1835-1930) geboren. Von 1873 bis 1881 studierte er Medizin in Wien wobei er sich besonders mit dem Zentralnervensystem beschäftigte. Seit 1876 arbeitete er im physiologischen Labor von Ernst Wilhelm Ritter von Brücke (1819-1892) und betrieb hirnanatomische Studien bei dem Hirnpathologen Theodor Meynert (1833-1892). Von 1882-1885 war er als Assistent im Wiener Allgemeinen Krankenhaus tätig. 1886 eröffnete Freud eine Praxis für Neurologie, nachdem er in Paris bei Jean Martin Charcot studiert und dessen Theorien zur Hysterie übernommen hatte. 1886 heiratete er Martha Bernays (1861-1951). Von 1902 bis 1938 lehrte Freud als Privatdozent für Neuropathologie an der Wiener Universität.

Zu Freuds Schülern gehörten Alfred Adler (1870-1937) und Carl Gustav Jung (1875-1961), die später die Theorien ihres Lehrers kritisierten und eigene psychologische Anschauungen entwickelten.

Sigmund Freud emigrierte 1938 zusammen mit seiner Tochter Anna Freud (1895-1982) nach London.

Sigmund Freud (1856-1938)
Sigmund Freud (1856-1938), Quelle: lcweb2.loc.gov

Mit dem im Jahre 1900 veröffentlichten Werk »Die Traumdeutung« (1899) legte Freud die Grundlagen der analytischen Psychologie. Ausgehend von der Annahme, dass menschliche Handlungen von unterdrückten und verdrängten Trieben beeinflusst werden, will laut Freud die Psychoanalyse die hinter Handlungen, Worten und Bildern verborgenen unbewussten Bedeutungen entschlüsseln, um den Menschen zu heilen. Wichtige therapeutische Mittel sind dabei die Traumdeutung und das freie Assoziieren des Patienten.

Seine Schrift »Totem und Tabu« (1913) verstand Freud als den Versuch, »Gesichtspunkte und Ergebnisse der Psychoanalyse auf unerklärte Probleme der Völkerpsychologie anzuwenden«.

Sein Werk »Das Ich und das Es« (1923) rechnete Freud zu seinen »metapsychologischen« Spätschriften. Als Träger des Bewusstseins nimmt das Ich die Außenwelt wahr und ordnet die Sinneseindrücke. Das Ich versucht, auf das Es, das Unbewusste und Träger der menschlichen Triebe, einzuwirken und zwischen dem Es und den Anforderungen der Außenwelt zu vermitteln. Ziel des Ichs ist es, »das Realitätsprinzip an die Stille des Lustprinzips zu setzen, welches im Es uneingeschränkt regiert. Die Wahrnehmung spielt für das Ich die Rolle, welche im Es dem Trieb zufällt. Das Ich repräsentiert, was man Vernunft und Besonnenheit nennen kann, im Gegensatz zum Es, welches die Leidenschaft enthält«. Das Über-Ich ist für Freud der Träger der »höheren« Werte des Menschen (Moral, auferlegte Normen, Gewissen, Pflicht u.a).

Freuds Theorie, die er auf alle geistig-kulturellen Bereiche ausweitete, hatte enormen Einfluss auf nahezu alle Human- und Geisteswissenschaften, ist in der Fachwelt aber auch heftig umstritten.

Werkauswahl:

  • 'Studien über Hysterie' (1895)
  • 'Traumdeutung' (1900)
  • 'Psychopathologie des Alltagslebens' (1901)
  • 'Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten' (1905)
  • 'Totem und Tabu' (1913)
  • 'Jenseits des Lustprinzips' (1920)
  • 'Massenpsychologie und Ich-Analyse' (1921)
  • 'Das Ich und das Es' (1923)
  • 'Die Zukunft einer Illusion' (1927)
  • 'Das Unbehagen in der Kultur' (1929)
  • 'Warum Krieg?' (1933, gemeins. m. Albert Einstein)
  • 'Abriß der Psychoanalyse' (1938)
  • 'Der Mann Moses und die monotheistische Religion' (1939)

Links:

Quellen:

  • Chronik Handbuch »Personen des 20. Jahrhunderts«
  • Lexikon der Naturwissenschaftler, Spektrum Akademischer Verlag, 2000

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Zuletzt geändert am 05.05.2009

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