Caspar David Friedrich - Biografie

  • geboren: 05.09.1774 (Greifswald, gehörte von 1630-1815 zu Schweden)
  • gestorben: 07.05.1840 (Dresden)
Der Wanderer über dem Nebelmeer
Caspar David Friedrich: Der Wanderer über dem Nebelmeer, um 1818

Caspar David Friedrich gilt als einer der wichtigsten Vertreter der deutschen Romantik. Schwerpunkt seiner künstlerischen Tätigkeit sind Landschaftsbilder mit allegorischer, religiöser oder historischer Bedeutung. Der Maler Carl Gustav Carus (1789-1869) beschreibt Friedrich als »recht scharf gezeichnete, norddeutsche Natur mit blondem Haar und Backenbart, einem bedeutenden Kopfbau und von hagerem, starkknochigem Körper« geprägt durch einen »eigenen melancholischen Ausdruck in seinem meist bleichen Gesicht, dessen blaues Augenpaar tief unter dem stark vorspringenden Orbitalrande und buschigen, ebenfalls blonden Augenbrauen verborgen lag«.

Caspar David Friedrich: Das Eismeer
Caspar David Friedrich (1774-1840): Das Eismeer (Die gescheiterte »Hoffnung«), 1823/24
Unter der großen Zahl guter Arbeiten, die er bei sich zu Hause hat, machte mir eine Nordmeerdarstellung lebhaften Eindruck; ein Eisschollengebirge, das ein Schiff verschlungen hat, dessen Trümmer man noch gewahrt. Es ist eine große und furchtbare Tragödie; kein Mensch hat überlebt. (David d/Angers, Tagebuchnotiz, 1834)

Selbstbildnis mit aufgestütztem Arm
Selbstbildnis mit aufgestütztem Arm

Caspar David Friedrich wurde als Sohn des Seifensieders Adolph Gottlieb Friedrich und seiner Ehefrau Sophie Dorothea geboren. Sophie Dorothea starb bereits 1781. Friedrichs um ein Jahr jüngerer Bruder Johann Christoffer (Christoph) rettete ihm im Jahre 1787 das Leben, als er beim Schlittschuhlaufen einbrach, ertrank aber selbst bei dem Rettungsversuch. Dieses traurige Erlebnis hat Friedrich wohl nachhaltig geprägt.

1790 wurde er Schüler des Zeichenlehrers der Greifwalder Universität, Johann Gottfried Quistorp (1755-1835), und ging 1794 an die Kunstakademie in Kopenhagen. Zu seinen Lehrern gehörte hier u.a. der dänische Maler Nicolai Abraham Abildgaard (1743-1809). 1798 siedelte er nach Dresden über, wo er an der Akademie auch Aktstudien betrieb. Er beschäftigte sich mit der »Dresdner Vedutenauffassung«, die durch den Schweizer Grafiker Adrian Zingg (1734-1816) vertreten wurde, dem Verfasser einer »Gründlichen Zeichenschule für Landschafter« (eine Vedute ist die wirklichkeitsgetreue Darstellung einer Landschaft oder eines Stadtbildes). 1801 und 1802 besuchte Friedrich die Insel Rügen. In Greifswald begegnete er dem deutschen Maler Philipp Otto Runge (1777-1810), mit dem er während dessen Dresdner Studienjahren (bis 1803) Kontakt hielt.

Ab 1807 malte Friedrich in Öl. Die beiden 1810 in der Berliner Akademieausstellung gezeigten Hauptwerke »Der Mönch am Meer« (1808-10) und »Abtei im Eichwald« (1809/10) wurden auf Drängen des 15jährigen Kronprinzen Friedrich Wilhelm IV. (1795-1861) vom preußischen König Friedrich Wilhelm III. (1770-1840) erworben. Herzog Karl August von Weimar (1757-1828) kaufte, vermutlich auf Empfehlung Johann Wolfgang von Goethes (1749-1832), die »Landschaft mit dem Regenbogen« (1810).

Kreidefelsen auf Rügen
Caspar David Friedrich (1774-1840): Kreidefelsen auf Rügen, um 1818

Caspar David Friedrich in seinem Atelier
Georg Friedrich Kersting (1785-1847):
Caspar David Friedrich in seinem Atelier
(Detail), 1819

1814 nahm Friedrich an der »Patriotischen Kunstaustellung« teil, die anlässlich der Befreiung Dresdens von den napoleonischen Truppen stattfand. Zu sehen waren seine Werke »Hermannsgrab« und »Höhle mit Grab« (1813/14).

Am 18. März 1810 wurde Friedrich Mitglied der Berliner Akademie, am 4. Dezember 1816 wurde er Mitglied der Dresdner Akademie. 1817 lernte er den deutschen Arzt, Naturwissenschaftler, Kunstphilosophen und Maler Carl Gustav Carus (1789-1869) kennen, den er zeitweilig unterrichtete. Die beiden verband eine lebenslange Freundschaft.

Am 6. September 1818 heiratete er die Bürgerstochter Christiane Caroline Bommer. Die Hochzeitsreise führte die beiden nach Greifswald und Rügen, wo Friedrichs wohl bekanntestes Werk »Kreidefelsen auf Rügen« (1818) entstand. Das Ehepaar hatte 3 Kinder: Emma, Agnes Adelheid und Gustav Adolf.

1818 kam der norwegische Maler Johan Christian Clausen Dahl (1788-1857), Norwegens bedeutendster Landschaftsmaler, nach Dresden und freundete sich mit Friedrich an. 1823 mietet Dahl eine Wohnung im selben Haus wie Friedrich.

1835 erlitt Friedrich einen Schlagfall, der zur Lähmung der rechten Hand führte. Als Folge beschränkte er sich nun auf die Sepia- und Aquarellmalerei. Ein zweiter Schlaganfall im Jahre 1837 führte zu einer fast vollständigen Lähmung. Caspar David Friedrich starb am 7. Mai 1840 in Dresden. Er wurde am 10. Mai auf dem Trinitatisfriedhof in Dresden-Johannstadt beigesetzt.

Bereits zu Lebzeiten war Friedrich's Werk fast vergessen. Erst 1906, zur »Jahrhundertausstellung der deutschen Malerei von 1775-1875« in der Berliner Nationalgalerie, wird er wiederentdeckt.

Caspar David Friedrich (1774-1840): Landschaft mit Grab, Sarg und Eule, um 1836/37
Caspar David Friedrich (1774-1840): Landschaft mit Grab, Sarg und Eule, um 1836/37

Zitate:

Die Kunst mag ein Spiel sein, aber sie ist ein ernstes Spiel.
(C. D. F.)

»Nichts ist Nebensache in einem Bilde, alles gehöret unumgänglich zum Ganzen, darf also nicht vernachlässigt werden. Wer dem Hauptteile seines Bildes nur dadurch einen Wert zu geben weiß, dass er andere, untergeordnete Teile in der Behandlung vernachlässigt, mit dessen Werk ist es schlecht bestellt. Alles muss und kann mit Sorgfalt ausgeführt werden, ohne dass jeder Teil sogleich sich aufdrängt«
(C. D. F.)

»Ihr nennt mich Menschenfeind, weil ich Gesellschaft meide, Ihr irret euch, ich liebe sie. Doch um die Menschen nicht zu hassen, muss ich den Umgang unterlassen.«
(C. D. F.)

»Ihr tadelt und sprecht, der Gegenstand ist in der Natur anders und der Maler hat viel hineingesehen, was gar nicht in der Wirklichkeit ist. Ich ehre, was ihr tadelt, denn was der Maler hineingesehen, ist immer schön und bleibt dem Charakter des Gegenstandes und der Natur getreu.«
(C. D. F.)

»Warum, die Frag ist oft zu mir ergangen, wählst Du zum Gegenstand der Malerei so oft den Tod, Vergänglichkeit und Grab? Um ewig einst zu leben, muss man sich oft dem Tod ergeben.«
(C. D. F.)

»Künstler und Kunstkenner sahen in Friedrich nur eine Art Mystiker, weil sie selbst nur das Mystische suchten...sie sahen nicht Friedrichs treues und gewissenhaftes Naturstudium in allem, was er darstellte; denn Friedrich wusste und fühlte recht wohl, dass man nicht die Natur selber malt oder malen kann, sondern die eignen Empfindungen - die jedoch müssen natürlich sein. Friedrich sah es auf eine eigene tragische Weise, die zwar nicht gerade gesucht, allein übertrieben in Bezug auf dasjenige war, was in der Malerei dargestellt werden kann.«
Johan Christian Clausen Dahl (1788-1857)

»Sein schönes Talent war bei uns bekannt und geschätzt, die Gedanken seiner Arbeiten zart, ja fromm, aber in einem strengeren Kunstsinne nicht durchgängig zu billigen. Wie dem auch sei, manche Zeugnisse seines Verdienstes sind bei uns einheimisch geworden.«
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832), anläasslich der Ausstellung Weimarer Kunstfreunde, 1805

»In seinem Werk spiegeln sich die Auffassung der Romantik, in der die Kunst als Selbstzeugnis des Künstlers, als ein Ausdruck des subjektiven Welterlebens angesehen wird. Im Gegensatz zum Klassizismus wollen die Romantiker Rätsel und kosmische Zusammenhänge vor allem erfühlen.
(»Chronik der Menschheit«, Seite 713, Chronik Verlag 1984)

Caspar David Friedrich: Mönch am Meer
Caspar David Friedrich: Mönch am Meer, um 1808/09

Empfindungen vor Friedrichs Seelandschaft

»Herrlich ist es, in einer unendlichen Einsamkeit am Meeresufer, unter trübem Himmel, auf eine unbegrenzte Wasserwüste hinauszuschauen. Dazu gehört gleichwohl, dass man dahin gegangen sei, dass man zurück muss, dass man hinüber möchte, dass man es nicht kann, dass man alles zum Leben vermißt und die Stimme des Lebens dennoch im Rauschen der Flut, im Wehen der Luft, im Ziehen der Wolken, in dem einsamen Geschrei der Vögel vernimmt. Dazu gehört ein Anspruch, den das Herz macht, und ein Abbruch, um mich so auszudrücken, den einem die Natur tut. Dies aber ist vor dem Bilde unmöglich, und das, was ich in dem Bilde selbst finden sollte, fand ich erst zwischen mir und dem Bilde, nämlich einen Anspruch, den mein Herz an das Bild machte, und einen Abbruch, den mir das Bild tat; und so ward ich selbst der Kapuziner, das Bild war die Düne, das aber, wohinaus ich mit Sehnsucht blicken sollte, die See, fehlte ganz. Nichts kann trauriger und unbehaglicher sein, als diese Stellung in der Welt: der einzige Lebensfunke im weiten Reiche des Todes, der einsame Mittelpunkt im einsamen Kreis. Das Bild liegt, mit seinen zwei oder drei geheimnisvollen Gegenständen, wie die Apokalypse da, als ob es Youngs Nachtgedanken hätte, und da es, in seiner Einförmigkeit und Uferlosigkeit, nichts, als den Rahm(en), zum Vordergrund hat, so ist es, wenn man es betrachtet, als ob einem die Augenlider weggeschnitten wären. Gleichwohl hat der Maler zweifelsohne eine ganz neue Bahn im Felde seiner Kunst gebrochen; und ich bin überzeugt, dass sich, mit seinem Geiste, eine Quadratmeile märkischen Sandes darstellen ließe, mit einem Berberitzenstrauch, worauf sich eine Krähe einsam plustert, und dass dies Bild eine wahrhaft Ossiansche oder Kosegartensche Wirkung tun müsste. Ja, wenn man diese Landschaft mit ihrer eignen Kreide und mit ihrem eigenen Wasser malte; so, glaube ich, man könnte die Füchse und Wölfe damit zum Heulen bringen: das Stärkste, was man, ohne allen Zweifel, zum Lobe für diese Art von Landschaftsmalerei beibringen kann.
- Doch meine eigenen Empfindungen, über dies wunderbare Gemälde, sind zu verworren; daher habe ich mir, ehe ich sie ganz auszusprechen wage, vorgenommen, mich durch die Äußerungen derer, die paarweise, von Morgen bis Abend, daran vorübergehen, zu belehren.«
Clemens Brentano (1778-1842), bearbeitet durch Heinrich von Kleist (1777-1811),
aus den »Berliner Abendblättern« Nr. 12 vom 13. Oktober 1810
Christian Begemann: Brentano und Kleist vor Friedrichs Mönch am Meer.

Caspar David Friedrich: Frau in der Morgensonne
Caspar David Friedrich: Frau vor der untergehenden Sonne (Sonnenuntergang, Sonnenaufgang, Frau in der Morgensonne, Morgenlicht), um 1818

Werke (Auswahl)

  • Das Kreuz im Gebirge, 1808
  • Mönch am Meer, um 1808-09
  • Frau am Strande von Rügen, um 1809
  • Grab des Arminius, um 1813
  • Landschaft mit dem Regenbogen, um 1814
  • Die Lebensstufen, vor 1815
  • Frau am Fenster, um 1818
  • Kreidefelsen auf Rügen, 1818
  • Auf dem Segler, um 1818
  • Zwei Männer, den Mond betrachtend, 1819
  • Hünengrab im Herbst, um 1820
  • Das Eismeer (Die gescheiterte »Hoffnung«), 1823/24
  • Mondaufgang am Meer, 1823
  • Der Watzmann, um 1824
  • Sonnenaufgang bei Neubrandenburg, 1830-35

Links:

Wiesen bei Greifswald
Caspar David Friedrich (1774-1840): Wiesen bei Greifswald, um 1818

Quellen:

  • »Harenberg Malerlexikon«, Harenberg Lexikon Verlag, 2001
  • »Kindlers Malereilexikon«, Kindler Verlag AG, Zürich, 1964-1971
  • »Caspar David Friedrich«, F. Bruckmann Verlag, 1976
  • »50 Klassiker - Gemälde«, Gerstenberg Verlag, Hildesheim, 2001/2005
Caspar David Friedrich: Der Morgen
Caspar David Friedrich: Der Morgen, um 1820-1821

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Zuletzt geändert am 12.07.2015

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