Albrecht Dürer - Biografie

Maler, Zeichner, Grafiker, Holz- und Kupferstecher, Kunsttheoretiker

  • geboren: 21.05.1471 (Nürnberg)
  • gestorben: 06.04.1528 (Nürnberg)

Deutscher Maler, Zeichner, Holz- und Kupferstecher, Grafiker und Kunsttheoretiker aus Nürnberg, einer der bedeutendsten deutschen Künstler. Der Sohn des aus Ungarn eingewanderten Goldschmieds Albrecht Dürer d.Ä. (1427-1502) wurde zunächst von seinem Vater zum Goldschmied ausgebildet. Von 1486 bis 1490 folgte die Lehre bei dem bedeutenden Maler Michael Wolgemut. Wanderschaft von 1490-1494 nach Colmar, Straßburg und Basel, Italienreisen 1494-1495 und 1505-1507, Reisen in die Niederlande 1520-1521.

Dürers Malerei symbolisierte den Übergang von der Spätgotik zur Renaissance, seine Werke hatten sowohl christlich-religiöse als auch weltliche Themen zum Inhalt. Seine Selbstportraits reflektieren das Persönlichkeitsbewußtsein des Renaissancemenschen.

Albrecht Dürer 1493Selbstbildnis mit Eryngium (Männertreu), 1493
Albrecht Dürer 1498Selbstbildnis, Öl auf Holz, 1498
Albrecht Dürer 1500Selbstbildnis im Pelzrock, Öl auf Lindenholz, 1500

Biografie

Albrecht Dürer hatte 17 Geschwister, von denen die meisten im Kindesalter oder sehr jung starben. Im Jahre 1524 lebten neben Albrecht nur noch seine Brüder Endres (1484-1555), der Goldschmied, und Hans (1490-1534). Hans wurde später Hofmaler des polnischen Königs Sigismund I. in Krakau.

Von 1477 bis 1483 besuchte Dürer die öffentliche Lateinschule in Nürnberg. Danach absolvierte er zunächst eine Goldschmiedelehre bei seinem Vater, bevor er am 30. November 1486 in die Werkstatt des Malers Michael Wolgemut (1434-1518) eintrat. Hier interessierte ihn vor allem die Herstellung von Holzschnitten, ein Schwerpunkt in Wolgemuts Werkstatt. Zahllose Holzschnittillustrationen entstanden hier, die Bücher erschienen bei dem berühmten Buchdrucker Anton Koberger, der Albrecht Dürers Taufpate war.

Wanderschaft 1490-1494

Zwischen April 1490 und Mai 1494 begab sich Dürer auf Wanderschaft. Ob er auch die Niederlande bereiste, ist nicht gesichert. Nach Aufenthalten in Nördlingen, Ulm, Konstanz und Basel ging es weiter nach Colmar. In Straßburg befreundete er sich mit dem Maler Hans Baldung Grien (1484/85-1545). Seinen Lebensunterhalt verdiente Dürer sich mit Zeichnungen und Holzschnitten.

Sieben Wochen nach seiner Rückkehr nach Nürnberg, am 7. Juli 1494, heiratete er die 19jährige Agnes Frey, Tochter des angesehenen Handelsherrn Hans Frey.
Die Ehe blieb kinderlos.

"Und als ich heimgekommen war, unterhandelte Hans Frey mit meinem Vater und gab mir seine Tochter, Jungfrau Agnes, und gab mir mit ihr 2oo Gulden, und wir hielten die Hochzeit, die war am Montag vor St. Margarethae (7. Juli) im Jahre 1494."

- Albrecht Dürer, Familienchronik, 1524

Eine lebenslange Freundschaft verbandt Dürer ab 1497 mit dem hochgebildeten Humanisten Willibald Pirckheimer (1470-1530).

Erste Italienreise 1494-1495

Wohl auch aufgrund des Ausbruchs der Pest in Nürnberg begab er sich wenige Monate später auf eine Reise nach Italien, wo er Padua, Mantua und Venedig besuchte. Seine Reisestationen hielt er in außergewöhnlichen Aquarellen fest. Die italienische Kunst der Renaissance sollte großen Einfluss auf Dürers weiteres Schaffen haben.

1495 richtete Dürer in Nürnberg eine eigene Werkstatt ein. Die Freundschaft zu Kurfürst Friedrich von Sachsen (1463-1525) und dessen Bewunderung für Dürer förderte die Karriere des jungen Malers enorm. 1498 erschien mit der »Apokalypse« sein erster Holzschnitt-Zyklus, der ihm große Anerkennung weit über Nürnberg hinaus brachte. 1503 kam Hans Baldung nach Nürnberg und wurde Dürers bedeutendstes Mitglied der Werkstatt.

Seit 1500 beschäftigte sich Dürer intensiv mit perspektivischen Problemen und den Proportionen des menschlichen Körpers.

Zweite Italienreise 1505-1507

Von 1505 bis 1507 bereiste Dürer - unterstützt durch die mächtige Bankiersfamile Fugger - erneut Italien, besuchte Padua, Bologna, Pavia und Venedig. In Bologna traf er den Mathematiker Luca Pacioli (1445-1517, Autor berühmter Traktakte wie De Divina Proportione, Grundlage für das Studium der Perspektive für Dürer und viele andere Künstler). Er entwickelte danach eine Proportionslehre, die allerdings erst 1528 erschien. Auch zu anderen Problemen der Malerei und Architektur verfasste Dürer theoretische Schriften. So erschienen 1525 seine Unterweisungen zur Messung von Körpern und 1527 seine Lehre zum Bau von Befestigungsanlagen.

1509 erwarb Dürer das große Haus in der Zisselgasse (»Dürerhaus«) für 275 Gulden. Im selben Jahr wurde er Mitglied des Großen Rates.

Bei der Bearbeitung von religiösen Themen bevorzugte Dürer vor allem die Passion, das Marienleben und das Heiligenleben. 1498 und 1511 gab Dürer seine Holzschnitte zum Marienleben »Die große Passion« und die »Apokalypse« als Bücher heraus. Die Art der Darstellung mit ihrer Lebensnähe und Realität zeugen von dem Einfluss der italienischen Renaissance in Dürers Schaffen.

Auftragsarbeiten für Kaiser Maximilian I.

Viele Werke entstanden ab 1512 im Auftrag von Kaiser Maximilian I. (1459-1519): Beiträge zur Ehrenpforte (1512-1515), einem riesigen Holzschnitt aus 192 Blättern nach dem Vorbild römischer Triumphbögen; zum Triumphzug, einer Holzschnittreihenfolge von 56 Metern; Randzeichnungen zum Gebetbuch Kaiser Maximilians. Die Verbindung vermittelte vermutlich Willibald Pirckheimer. 1515 erhielt Dürer von Maximilian I. eine jährliche Leibrente in Höhe von 100 Gulden.
Am 25. Juni 1518, auf dem Reichstag in Augsburg, entstand eine Vorzeichnung für das Bildnis des Kaisers, Grundlage für Holzschnitte und Tafelbilder mit dem Bildnis Maximilians I.

Ansicht der Stadt Nürnberg
Ansicht der Stadt Nürnberg, Aquarell, 1496/97

Dürer schuf Altäre, wie die »Sieben Schmerzen Mariens« (um 1495), den »Paumgartner-Altar« (1498-1504), sowie Andachtsbilder wie »Die Anbetung der Könige« (1504), das »Rosenkranzfest« (1506) und das »Allerheiligenbild« (1511). 1513/14 entstanden die drei »Meisterstiche«: Ritter, Tod und Teufel, Hieronymus im Gehäuse und Melancolia I.

Reise in die Niederlande

Zusammen mit seiner Frau Agnes und der Magd Susanna reiste Dürer 1520-1521 in die südlichen Niederlande, wohl auch um seine Leibrente erneuern zu lassen (was am 4. November 1520 geschah). Stationen der Reise waren Antwerpen, Brüssel, Gent, Brügge und Mecheln, wo Margarethe von Österreich lebte, die eine beachtenswerte Kunstkammer besaß.

"Und am Freitag (7. Juni) wies mir Frau Margareth alle ihre schönen Sachen. Darunter sah ich bei vierzig kleiner Bildchen in Oelfarben, dergleichen ich an Feinheit und Güte zugleich nie gesehen habe. Da sah ich auch noch andere gute Werke von Johannes und Jakob Walch. Ich bat die hohe Frau um Meister Jakob's Büchlein, aber sie sagte, sie hätte es bereits ihrem Maler versprochen. Sodann sah ich auch viel andere kostbare Sachen und eine köstliche Bibliothek."

- Tagebuch der Reise in die Niederlande. Juli 1520 - Juli 1521

Während der Reise entstanden zahlreiche Gemälde, grafische Blätter und Kostümentwürfe. Er nahm auch an der Krönung Karls V. (1500-1558) zum römisch-deutschen König am 23. Oktober 1520 im Kaiserdom zu Aachen teil.

"Am 23. Tag des October hat man König Karl zu Aachen gekrönt. Da sah ich alle köstliche Herrlichkeit, dergleichen keiner, der mit uns lebt, etwas Prächtigeres gesehen hat; wie denn das alles beschrieben worden ist."

- Tagebuch der Reise in die Niederlande. Juli 1520 - Juli 1521.

Dürer erkrankte während seiner vergeblichen Reise nach Seeland (um einen dort gestrandeten Wal zu sehen) an einer Malariainfektion, von der er sich nicht mehr erholen sollte.

- Tagebuch der Reise in die Niederlande. Juli 1520 - Juli 1521

Dürers Porträtmalerei

Ein weiterer Schwerpunkt von Dürer lag in der Porträtmalerei. Ungewöhnlich für seine Zeit malte Dürer Personen als individuelle, selbstbewusste Persönlichkeiten. Auch sich selbst malte er in selbstbewusster Haltung und mit ausgesuchter Kleidung, um seinen gehobenen Status in Nürnberg zu unterstreichen. Besonders hervorzuheben ist hier sein »Selbstbildnis im Pelzrock« (1500), dass aufgrund der »Christusähnlichkeit« häufig in der Literatur diskutiert wird. Das erste Selbstbildnis zeichnete er bereits im Alter von dreizehn Jahren (eines der ersten autonomen Selbstporträts der Kunstgeschichte).

1526 schenkte Dürer der Stadt Nürnberg die beiden Tafeln der »Vier Apostel« (er erhielt dennoch 100 Gulden Honorar), die wohl zu den großartigsten seiner Werke zählen.

Dürer starb am 6. April 1528 vermutlich an den Folgen eines Fiebers. Die Beisetzung fandt auf dem Johannis-Friedhof in Nürnberg statt. Die Grabinschrift (von Willibald Pirckheimer) lautet: »Was an Albrecht Dürer sterblich war, liegt hier begraben«

Albrecht Dürer Signatur


Werke (Auswahl):

Dürer schuf über 70 Gemälde, 350 Holzschnitte, 100 Kupferstiche, 900 Zeichnungen, Landschaftsaquarelle sowie theoretische Arbeiten.

Schriften:

  • 'Underweysung der Messung mit dem Zirkel und Richtscheyt in Linien, Ebenen und ganzen Körpern' (1525)
  • 'Etliche Unterricht zur Befestigung der Stett, Schloß und Flecken' (1527)
  • 'Vier Bücher von menschlicher Proportion', bei Hieronymus Andreae, Nürnberg 1528

Dürer, Albrecht

...Maler und Kupferstecher, geb. 21. Mai 1471 zu Nürnberg, gest. das. 6. April 1528. Er lernte bei Michel Wohlgemuth, besuchte 1490-94 das Elsaß, wahrscheinlich auch Venedig, weilte das. 1506-7 und bereiste 1521-22 die Niederlande. Seine religiösen Bilder sind rein menschlichen und streng sittlichen Inhalts, andere recht realistisch und, der damaligen Kunst entsprechend, auch phantastisch. Hauptwerke: Madonnen in Berlin, Wien und Florenz; Anbetung der Könige (1504, Florenz,) Das Rosenkranzfest (Prag), Der Baumgartnersche Altar (München), Christus am Kreuz (1506, Dresden), Heilige Dreifaltigkeit (1511, Wien) etc. Ferner von Bildnissen sein Selbstbildnis (1500, München), Kaiser Maximilian I. (1519, Wien), Holzschuher (1526, Berlin), Muffel (1526). Groß ist auch die Zahl seiner Handzeichnungen, seiner Kupferstiche und Holzschnitte: Kleine Passion, Große Passion, Apokalypse, Marienleben. Als Schriftsteller behandelte er die Perspektive, den Festungsbau, schrieb ferner: »Von menschlicher Proportion« (1528).

Quelle: Brockhaus. Kleines Konversationslexikon (1906)


Zuletzt geändert am 26.07.2015

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