Traumzeit - Zeit zum Träumen

Traumzeit

Loslassen

Am Ufer steht seit je am gleichen Ort
die alte Bank, auf der wir einst gesessen.
Die Nacht trägt meine wunden Träume fort
und hüllt sie schweigend ein in das Vergessen.

Im Widerschein des Mondes ruht der See,
der sich in seinem Silberglanze weidet.
Ich trag in mir der Liebe letztes Weh,
das langsam nun von meiner Seele scheidet.

Es fliegt in stetem Gleichmaß hin die Zeit,
hat ihren Trost mir freundlich zugemessen,
denn nichts ist zwingend für die Ewigkeit.
Wenn Liebe geht, hast du sie nie besessen.

Im Widerschein des Mondes glänzt der See,
hat seine Wasser friedlich ausgebreitet.
Ich werf hinein mein allerletztes Weh,
bevor der neue Tag mich froh begleitet.

Karin Heinrich, Homepage: Gedichtschatulle

Tanka

Die Alltagssorgen
versinken im See des Traums -
Seelenreinigung...

Der Traum - Hüter des Schlafes -
entsorgt den Belastungsmüll.

Gerhard Becker, September 02

November

Seelenlose Geisterstädte stehn vor schwarzem Horizont,
in zerbrochnen Fensterscheiben thront ein bleicher fahler Mond.
Kahle Äste müder Bäume krallen in ein kaltes Nichts,
skelettierten Händen ähnelnd, winkend links und rechts.

Zerfetzte Wolkenbilder jagen hinter Sommertagen her,
die warme Luft gebracht einst haben übers weite Meer.
Donnergrollen in der Ferne, Blitze schlagen ins Geäst,
und der Totensturm des Herbstes kreischt und schreit und ächzt.

Bricht dem eingeschlafnen Baume durch sein Toben das Genick,
wie ein Henker richtet er dann auf ihn seinen Blick.
Wolken weinen Regengüsse, als der Morgen graut,
krachend geht die Krone nieder, wie ein geköpftes Haupt.

Denise, Homepage: Reimgedichte


Seite 30 von 35

Zuletzt geändert am 04.05.2009

Google+ Email
Facebook Twitter! Google+ Instagram Pinterest LinkedIn Xing