Traumzeit - Zeit zum Träumen

Traumzeit

Voraussetzung

Sich zuwenden und voneinander abwenden,
Nähe und Ferne, Festhalten und Loslassen,
sind gleichermaßen Voraussetzung
für den Fortbestand der Liebe.

Karin Heinrich, Homepage: Gedichtschatulle

Auf und davon

Ich möchte davonfliegen
ganz weit weg
um bei mir anzukommen

Otto Lenk

Das Taubenpärchen

Eine Taube und ein Täuberich
sitzen auf einem Ast,
ein jeder haltend seine Rast.
Da man sich noch nicht kennt,
ist man zueinander fremd.
Er sitzt schüchtern da,
sie sitzt schüchtern hier.
Er blinzelt zu ihr,
sie blinzelt zurück.

Da sagt sich der Täuberich:
»Sprech ich sie jetzt nicht an,
dann kommt ein andrer Taubenmann.
Soll ich dann drein schaun wie ein Trottel?
Das haut mich doch glatt vom Sockel...«

So fasste er sich Mut
und sprach mit Herzensglut:
»Schöne Frau,
ich bin zwar nicht Walter von der Vogelweide,
vermag auch nicht zu dichten,
doch sie sind sehr schön in ihrem Federkleide,
würd es auch täglich schnabelweise richten!«

»Ach junger Mann,
warum woll'n sie es täglich richten,
sie sagten doch ohne Walter von der Vogelweide,
ich sei sehr schön in meinem Federkleide?«

»Gewiss, gewiss junge Frau,
es glänzt gar wie der Morgentau.
Ich geb's zu bei den Eicheln,
wollt sie in Wirklichkeit nur streicheln!«

»Das hört sich schon anders an,
grad das erwarte ich von einem Mann!
Doch um eins möchte ich dich bitten:
Richte täglich doch mein Kleid,
möchte bleiben die schönste Maid!
Und Kinder möchte ich gar viele,
wie ich Federn hab an meine Kiele.«

»Ach so lange du mich tust liebe,
mach ich mit dir Kinder gar viele.
Dein Federkleid wird zwar drunter leiden,
aber deshalb das Kindermachen meiden?
Ich bleibe dennoch immer an deiner Seit
und richte täglich dein schönes Federkleid!«

Gerhard Becker, September 02


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Zuletzt geändert am 14.06.2015

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