Traumtänzer

Traumtänzer

Ach! Könnten wir doch auf einen Stuhl steigen und unser Ohr fest an den Mond pressen! Was er uns nicht alles sagen würde!

Jules Renard (1864-1910)

Die Sterne können den Glanz des Mondes nicht vermehren.

Chinesisches Sprichwort

Litore quot conchae,
tot sunt in amore dolores -
Soviel Muscheln am Strand,
soviel Schmerzen bringt die Liebe.

Ovid (43 v.Chr.-um 17 n.Chr.)

Hab ich nicht dieselben Träume
Schon geträumt von diesem Glücke?
Warens nicht dieselben Bäume,
Blumen, Küsse, Liebesblicke?
Schien der Mond nicht durch die Blätter
Unsrer Laube hier am Bache?
Hielten nicht die Marmorgatter
Vor dem Eingang stille Wache?
Ach! ich weiß, wie sich verändern
Diese allzuholden Träume,
Wie mit kalten Schneegewändern
Sich umhüllen Herz und Bäume;
Wie wir selber dann erkühlen
Und uns fliehen und vergessen,
Wir, die jetzt so zärtlich fühlen,
Herz an Herz so zärtlich pressen.

Heinrich Heine (1797-1856), Neue Gedichte, Neuer Frühling

Es ist, als wenn der Mond mit den Sternen zusammenklingt,
als wenn Melodien durch den Flimmerschein wehen.

Ludwig Tieck (1773-1853)

Wie anziehend, wie fesselnd sind doch Meer und Strand!
Wie verliert man sich in ihrer Einfachheit,
ja, in ihrer Leere!

Walt Whitman (1819-1892)

Zur Nacht

Vorbei der Tag! Nun laß mich unverstellt
Genießen dieser Stunde vollen Frieden!
Nun sind wir unser; von der frechen Welt
Hat endlich uns die heilige Nacht geschieden.

Laß einmal noch, eh sich dein Auge schließt,
Der Liebe Strahl sich rückhaltlos entzünden;
Noch einmal, eh im Traum sie sich vergißt,
Mich deiner Stimme lieben Laut empfinden!

Was gibt es mehr! Der stille Knabe winkt
Zu seinem Strande lockender und lieber;
Und wie die Brust dir atmend schwellt und sinkt,
Trägt uns des Schlummers Welle sanft hinüber.

Theodor Storm (1817-1888) - Gedichte, 1885

Zuletzt geändert am 31.05.2009

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