Traumtänzer

Traumtänzer

Auch der Baum, auch die Blume warten nicht bloß auf unsere Erkenntnis.
Sie werben mit ihrer Schönheit... aller Enden um unser Verständnis.

Christian Morgenstern (1871-1914)

Blaue Hortensie

So wie das letzte Grün in Farbentiegeln
sind diese Blätter, trocken, stumpf und rauh,
hinter den Blütendolden, die ein Blau
nicht auf sich tragen, nur von ferne spiegeln.

Sie spiegeln es verweint und ungenau,
als wollten sie es wiederum verlieren,
und wie in alten blauen Briefpapieren
ist Gelb in ihnen, Violett und Grau;

Verwaschenes wie an einer Kinderschürze,
Nichtmehrgetragenes, dem nichts mehr geschieht:
wie fühlt man eines kleinen Lebens Kürze.

Doch plötzlich scheint das Blau sich zu verneuen
in einer von den Dolden, und man sieht
ein rührend Blaues sich vor Grünem freuen.

Rainer Maria Rilke (1875-1926)

Blumen sind die Liebesgedanken der Natur.

Bettina von Arnim (1785-1859)

Dem Fröhlichen ist jedes Unkraut eine Blume, dem Betrübten ist jede Blume ein Unkraut.

Finnisches Sprichwort

Besitz

Großer Garten liegt erschlossen, weite schweigende Terrassen:
müßt mich alle Teile kennen, jeden Teil genießen lassen!
Schauen auf vom Blumenboden, auf zum Himmel durch Gezweige,
längs dem Bach ins Fremde schreiten, niederwandeln sanfte Neige:
dann, erst komme ich zum Weiher, der in stiller Mitte spiegelt,
mir des Gartens ganze Freude träumerisch vereint entriegelt.
Aber solchen Vollbesitzes tiefe Blicke sind so selten!
Zwischen Finden und Verlieren müssen sie als göttlich gelten.
All in einem, Kern und Schale, dieses Glück gehört dem Traum
tief begreifen und besitzen! Hat dies wo im Leben Raum?

Hugo von Hofmannsthal (1874-1929)

Die Nachtblume

Nacht ist wie ein stilles Meer,
Lust und Leid und Liebesklagen
Kommen so verworren her
In dem linden Wellenschlagen.

Wünsche wie die Wolken sind,
Schiffen durch die stillen Räume,
Wer erkennt im lauen Wind,
Ob's Gedanken oder Träume? -

Schließ ich nun auch Herz und Mund,
Die so gern den Sternen klagen:
Leise doch im Herzensgrund
Bleibt das linde Wellenschlagen.

Joseph von Eichendorff (1788-1857)

Sehnsucht läßt alle Dinge blühen.

Marcel Proust (1871-1922)

Träume, träume, du mein süßes Leben

Träume, träume, du mein süßes Leben,
Von dem Himmel, der die Blumen bringt.
Blüten schimmern da, die leben
Von dem Lied, das deine Mutter singt.
Träume, träume, Knospe meiner Sorgen,
Von dem Tage, da die Blume sproß;
Von dem hellen Blütenmorgen,
Da dein Seelchen sich der Welt erschloß.
Träume, träume, Blüte meiner Liebe,
Von der stillen, von der heilgen Nacht,
Da die Blume seiner Liebe
Diese Welt zum Himmel mir gemacht.

Richard Dehmel (1863-1920)

Gebt dem kleinen Kind einen dürren Zweig, es wird mit seiner Phantasie Rosen daraus sprießen lassen.

Jean Paul (1763-1825)

Zuletzt geändert am 31.05.2009

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