Melancholie & Nostalgie

Melancholie

l i c h t II

rotgoldenes licht der aufgehenden sonne
befreit blumen und getier
vom grauen schleier der nacht.
tropfen des morgentaus
im herzen der blätter von lupinen,
funkelnd wie diamanten.
spinnennetze,
perlenketten gleich,
mit aufgereihten tautröpfchen.
libellen leuchtend wie neonstäbchen,
käfer glitzern in metallicfarben.

die sonne sät farbsamen aus -
staunende augen
bereit zur täglichen ernte von farbfrüchten...
die untergehende sonne,
alles im feurigen licht tauchend -
selbst steine scheinen zu glüh'n -
bevor die dunkelheit die farben aufsaugt,
alles mit grauer lichtasche bedeckend.

nachts liege ich im bett und
spür deine wärme im dunkeln.
mehr licht brauche ich nicht,
du meine sonne!

 
l i c h t III

blindgewordener seelenspiegel,
das lebenslicht nicht mehr reflektierend,
die gefühlsräume des herzens dunkel,
zum schwarzen loch der totalen apathie kollabierend,
die augen ohne glanz,
orientierungslos
im labyrinth der gedankenfinsternis umherrirrend..

da höre ich deine stimme,
die mir so vertraute,
der seelenspiegel plötzlich wie poliert,
das herz voller glück und helligkeit.
die augen mit freudenglanz,
sich nach dem licht orientierend,
dass von deinem herzen kommt.

ich liege im bett und
spür deine wärme im dunkeln,
mehr licht brauche ich nicht!

 
l i c h t IV

die sonne im rücken
schaue ich dir in die augen
und sehe zwei kleine sonnen
aus deinem gesicht scheinen...

zwei kleine sonnen,
mit denen du mich beschenkst,
mit denen du mich die kälte vergessen lässt,
mit denen du meinem glück inhalt gibst.

küssend drehen wir uns im kreis
und das sonnenlicht
fällt auf meine geschlossenen augen
mit hellrotem schein.

ich sehe zwei kleinen sonnen,
dann wieder hellrotes licht,
spüre sonnenwärme im rücken und
deine wärme im herzen...

wir tanzen im gleißenden sonnenlicht,
spüren die hitze -
nicht nur von der sonne -
und die helligkeit der freude.

tränennasse wangen berühren sich...

nachts liege ich im bett und
spür deine wärme im dunkeln.
mehr licht brauche ich nicht,
du meine sonne!

 
l i c h t VI

 
der himmel
mit dunklen wolken verhangen,
als sei der tag zu müde,
um aufzustehen.

die stimmungsluft
dick und zäh,
gefühle in der kältestarre.

plötzlich hat sich ein loch
am himmel aufgetan,
sonnenstrahlen,
wie breite lichtbänder,
stehen starr,
als stützten sie
den noch müde scheinenden himmel.

ein wolkenloch hier,
ein wolkenloch da,
der himmel streckt sich
zur ermunterung.

strahlenbündel gleiten herab von oben,
lichtbesen gleich,
die dunkelheit wegkehrend.

da trifft auf mich ein lichtstrahl,
düsternis von mir aufsaugend,
und ich dreh mich um -
du stehst hinter mir
und lachst mich an
mit der herrlichkeit der sonne!

abends liege ich im bett und
spür deine wärme im dunkeln,
mehr licht brauche ich nicht!

Gerhard Becker, © 2003


Melancholie & Nostalgie 64 von 70

Poesie - Melancholie

Zuletzt geändert am 14.06.2015

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