Melancholie & Nostalgie

Melancholie

Die letzte Sonne sah uns ins Gesicht

Wir saßen am Feldrand und sahen ins Land,
Die Erde schien ausgestreckt wie eine schwielige Hand,
In ihren Runzeln und Hügeln ein Haus manchmal stand.
Die letzte Sonne sah uns ins Gesicht,
Sie färbte uns bräuner mit bronzenem Licht;
Wir wurden wie Köpfe, die man auf Münzen sticht.
Dann versanken die Bäume und wichen aus,
Die Felder verlöschten, es schwand Dorf und Haus,
Und die Mondsichel wuchs aus den Ähren heraus.
Es raschelt im Korn und knirscht noch ein Stein,
Es fielen noch Rufe ins Dunkel hinein, -
Dann durften wir Schulter an Schulter im Endlosen sein.

Max Dauthendey (1867-1918)


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Poesie - Melancholie

Zuletzt geändert am 04.05.2009

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