Märchenwelt

Märchenwelt

Märchengedicht

Die Burgruine findest Du
auf der Wanderung quer durch den herbstlichen Wald.
Auf dem Berg oben schaust Du Dich suchend um,
weil Waffengeklirr zu Dir herüber schallt.

Verschüttet vom Erdreich, überwuchert von Farn
entdeckst Du verfallene Zinnen,
beugst Dich über den Rand, schaust hinab in ein Land,
wo verborgene Träume beginnen.

Am uralten schweren Eichenportal
stehen geharnischte Wärter
und drunten im Schloßhof kreuzen die Ritter
in der Sonne funkelnde Schwerter.

Welch großes Turnier, welch buntes Treiben
Du hältst den Atem an,
wohl wissend, daß ein herabrollender Stein
das Schauspiel beenden kann.

Den Wettkämpfen folgen Musik und Tanz,
alte Wappen in strahlender Pracht.
Bevor Du Dich daran satt sehen kannst,
senkt sich über den Wald schon die Nacht.

Erst als in der Burg unten alles schon schläft,
gehst Du heimwärts auf finsteren Wegen.
Noch lange grübelst Du darüber nach,
was Du heute und hier gesehen.

Und sollte Dich irgendwann mal jemand fragen,
woher Du die alten Wappen kennst,
dann würdest Du wissend lächelnd sagen,
"Das verriet mir im Traum einst das Burggespenst!"

© 1995 by Katrin Stephan
Homepage: www.besinnlich.de


Märchen 25 von 26

Poesie - Märchenwelt

Zuletzt geändert am 09.06.2015

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