Klabauti

Der Webmaster...

Klabautermann
Klabautermann, aus: »Zur See«, Verlagsanstalt und Druckerei Actien-Gesellschaft, 1895

Und wer steckt nun hinter all dem Seemannsgarn, den Fotos und Gedichten, den Bildern und Geschichten?
Nun, das ist der Klaus, der sich eigens für diese Seiten den Namen Klabauti zugelegt hat. Ich wohne und lebe in Oldenburg (Ol), im Norden Deutschlands, also nicht weit von der Nordseeküste und ganz in der Nähe der Hansestadt Bremen. Das Meer, das Spiel der Wellen, der Wechsel von Ebbe und Flut, das Wattenmeer... all das hat mich schon immer fasziniert! Ebenso interessiert mich alles, was mit Geschichte zu tun hat, also auch die Geschichte(n) der großen Entdecker und der »berühmten« Schiffe...
Das Philososchiff, das zunächst als reine Spaßseite (und Teil von OPPIS WORLD) vom Stapel lief, habe ich stetig ergänzt und erweitert - das Resultat siehst du nun vor dir. Ich wünsche gute Unterhaltung!
Klabauti :-)

Wer allzu straff die Segeltaue spannt
Und niemals schießen lässt,
Der kentert bald / Und mag,
den Kiel nach oben, weitersegeln.

(Sophokles, 497/96-406/05 v.Chr., griechischer Tragödienschreiber, Antigone)

Acht Glasen (Wachwechsel)
Winslow Homer (1836-1910): Acht Glasen (Wachwechsel), 1888

Es geht ein starker Nordostwind, und die Hexen haben wieder viel Unheil im Sinne. Man hegt hier nämlich wunderliche Sagen von Hexen, die den Sturm zu beschwören wissen; wie es denn überhaupt auf allen nordischen Meeren viel Aberglauben gibt. Die Seeleute behaupten, manche Insel stehe unter der geheimen Herrschaft ganz besonderer Hexen, und dem bösen Willen derselben sei es zuzuschreiben, wenn den vorbeifahrenden Schiffen allerlei Widerwärtigkeiten begegnen. Als ich voriges Jahr einige Zeit auf der See lag, erzählte mir der Steuermann unseres Schiffes, die Hexen wären besonders mächtig auf der Insel Wight und suchten jedes Schiff, das bei Tage dort vorbeifahren wolle, bis zur Nachtzeit aufzuhalten, um es alsdann an Klippen oder an die Insel selbst zu treiben. In solchen Fällen höre man diese Hexen so laut durch die Luft sausen und um das Schiff herumheulen, daß der Klabotermann ihnen nur mit vieler Mühe widerstehen könne. Als ich nun fragte, wer der Klabotermann sei, antwortete der Erzähler sehr ernsthaft: »Das ist der gute, unsichtbare Schutzpatron der Schiffe, der da verhütet, daß den treuen und ordentlichen Schiffern Unglück begegne, der da überall selbst nachsieht und sowohl für die Ordnung wie für die gute Fahrt sorgt.« Der wackere Steuermann versicherte mit etwas heimlicherer Stimme, ich könne ihn selber sehr gut im Schiffsraume hören, wo er die Waren gern noch besser nachstaue, daher das Knarren der Fässer und Kisten, wenn das Meer hoch gehe, daher bisweilen das Dröhnen unserer Balken und Bretter; oft hämmere der Klabotermann auch außen am Schiffe, und das gelte dann dem Zimmermanne, der dadurch gemahnt werde, eine schadhafte Stelle ungesäumt auszubessern; am liebsten aber setze er sich auf das Bramsegel, zum Zeichen, daß guter Wind wehe oder sich nahe. Auf meine Frage, ob man ihn nicht sehen könne, erhielt ich zur Antwort: Nein, man sähe ihn nicht, auch wünsche keiner ihn zu sehen, da er sich nur dann zeige, wenn keine Rettung mehr vorhanden sei. Einen solchen Fall hatte zwar der gute Steuermann noch nicht selbst erlebt, aber von andern wollte er wissen, den Klabotermann höre man alsdann vom Bramsegel herab mit den Geistern sprechen, die ihm untertan sind; doch wenn der Sturm zu stark und das Scheitern unvermeidlich würde, setze er sich auf das Steuer, zeige sich da zum erstenmal und verschwinde, indem er das Steuer zerbräche - diejenigen aber, die ihn in diesem furchtbaren Augenblick sähen, fänden unmittelbar darauf den Tod in den Wellen.

Der Schiffskapitän, der dieser Erzählung mit zugehört hatte, lächelte so fein, wie ich seinem rauhen, wind- und wetterdienenden Gesichte nicht zugetraut hätte, und nachher versicherte er mir, vor funfzig und gar vor hundert Jahren sei auf dem Meere der Glaube an den Klabotermann so stark gewesen, daß man bei Tische immer auch ein Gedeck für denselben aufgelegt und von jeder Speise, etwa das Beste, auf seinen Teller gelegt habe, ja, auf einigen Schiffen geschähe das noch jetzt.

Heinrich Heine, Reisebilder, die Nordsee, 1826

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Letzte Änderung: 09.07.2015

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