Mit Poesie durch die Jahreszeiten - Sommer

Fotografie mit einem Sommermotiv

Die Unsterblichkeit der Seele

Da steh ich auf dem Hügel, und schau umher,
Wie alles auflebt, alles empor sich dehnt,
Und Hain und Flur, und Tal, und Hügel
Jauchzet im herrlichen Morgenstrahle.
O diese Nacht - da bebtet ihr, Schöpfungen!
Da weckten nahe Donner die Schlummernde,
Da schreckten im Gefilde grause
Zackigte Blitze die stille Schatten.
Jetzt jauchzt die Erde, feiert im Perlenschmuck
Den Sieg des Tages über das Graun der Nacht -
Doch freut sich meine Seele schöner;
Denn sie besiegt der Vernichtung Grauen.
Denn - o ihr Himmel! Adams Geschlechte sinds,
Die diese Erd im niedrigen Schoße trägt -
O betet an, Geschlechte Adams!
Jauchzet mit Engeln, Geschlechte Adams!
O ihr seid schön, ihr herrliche Schöpfungen!
Geschmückt mit Perlen blitzet das Blumenfeld;
Doch schöner ist des Menschen Seele,
Wenn sie von euch sich zu Gott erhebet.
O, dich zu denken, die du aus Gottes Hand
Erhaben über tausend Geschöpfe gingst,
In deiner Klarheit dich zu denken,
Wenn du zu Gott dich erhebst, o Seele!

Friedrich Hölderlin (1770-1843), Gedichte (1784-1800)


Seite 18 von 31

Natur - Sommer

Zuletzt geändert am 06.06.2009

Google+ Email
Facebook Twitter! Google+ Instagram Pinterest LinkedIn Xing