zum Seiteninhalt springen

Christian Morgenstern

Zeitgenossen und Freunde

Julius Bab

geboren: 11.12.1881 (Berlin)
gestorben: 12.02.1955 (New York)

Theaterschriftsteller, Kulturkritiker, Biograph.
Julius Bab gab von 1923-1932 die «Dramaturgischen Blätter» heraus und verfasste zahlreiche, für die Theatergeschichte der 20er Jahre bedeutende Kritiken. 1939 emigrierte der Jude Bab nach Paris, zwei Jahre später nach New York. Dort war er als Theater- und Literaturkritiker der «New York Staatszeitung» tätig.

Michael Bauer

geboren: 28.10.1871 (Gössersdorf)
gestorben: 19.06.1929 (Breitbrunn heute zu Herrsching am Ammersee, Bayern)

Lehrer, Verfasser religiöser u. philosophischer Schriften.
Michael Bauer verband eine tiefe Freundschaft und Seelenverwandtschaft mit C.M.; er war einer der ersten Anthroposophen und ist der Mitverfasser der 1933 erschienenen Biographie «Christian Morgensterns Leben und Werk». Genau wie C.M. litt auch er an der Lungenkrankheit. Werk: «Pflanzenmärchen, Tiergeschichten und Sagen»

An Michael Bauer
Sanatorium Bozen-Gries, 3. März 1914

Lieber, keinen Brief, keine Mitteilungen, nur einen Gruß der Liebe! Wie viel denke ich an Sie, wie kehrt mein Herz immer wieder zu Ihnen zurück, als einem Allerbesten, einem Kleinod, das mir noch so spät geschenkt werden sollte. Portorose! So kurz zurück! Ich dachte nicht, daß es so schnell schon einen solchen Glanz bekommen sollte! Eine, trotz allem so wundervolle kleine 'Zufälligkeit', Zusammenfälligkeit.
Jetzt liege ich wieder einmal danieder und komme nicht in die Höhe. Wir wollen zu Hartungen nach Meran. Und dann muß ich irgendwo ans Wasser, am liebsten ins Wasser (bis an den Hals, nicht darüber).
Wien? Schwerlich. Ich kann keine zwanzig Schritte gehen, geschweige steigen. Aber dann Dornach!
Und Sie?...
Ihr Sie liebender
- 'A.f....s.'
Quelle: Michael Bauer. Gesammelte Werke, Band 3, S. 367/368

Fritz Beblo

Friedrich Karl Ewald Beblo
geboren: 10.11.1872 (Breslau)
gestorben: 11.04.1947 (München)

deutscher Oberbaurat, Architekt, Maler.
Fritz Beblo war der Schulkamerad von Friedrich Kayssler und ein Jugendfreund von C.M. in Breslau. Als Galgenbruder hatte er den Namen «Stummer Hannes»

Fritz Beblo erbaute zwischen 1904 und 1910 in Straßburg u.a. die Kirche Ste. Madeleine und das öffentliche Hallenbad, das heute auf der Liste der historischen Bauwerke steht. In München war er von 1919 - 1936 Stadtbaumeister. Für seine besonderen Verdienste um die Stadt München wurde 1955 eine Straße nach ihm benannt.

Bruno Cassirer

geboren: 12.12.1872 (Breslau)
gestorben: 20.10.1941 (Oxford)

Verleger, Kunsthändler.
Bruno Cassirer brachte von 1903-1933 die Zeitschrift 'Kunst und Künstler' heraus und verlegte die Werke Morgensterns 'Galgenlieder', Palmström', 'Palma Kunkel', 'Gingganz' und 'Melancholie' sowie das Kinderliederbuch 'Klein-Irmchen'. 1937 wurde der Verlag vom Insel-Verlag übernommen und der Jude Cassirer emigrierte 1938 nach England. 1939 gründete er in London einen neuen Verlag.

Marie Goettling

geboren: 25.01.1862 (Sorau)
gestorben: 18.01.1921 (Berlin)

Malerin.
Die Tochter des Archidiakonus Goettling in Sorau führte nach dem frühen Tod der Mutter den Haushalt des Vaters. Für C.M. wurde dessen Haus zur 'zweiten Heimat', mit Marie verband ihn eine lebenslängliche Freundschaft. Er widmete ihr das Gedicht: «Du warst ein reines Licht auf meinen Wegen» (in 'Zeit und Ewigkeit'). Marie verbrachte einige Jahre zusammen mit ihrem Bruder in Nordamerika und gründete später eine Fremdenpension in Berlin.

Einer Jugendfreundin
Zum Abschied von Europa

Du warst ein reines Licht an meinem Wege,
ein Licht, darauf dem Auge wohl zu ruhn.
Und wer dir nahte, pries dein helles Tun,
und manch ein Herz genas in deiner Pflege.

Die Gottheit, der dein Wesen ganz zu eigen,
zu Leben ward sie dir aus leerem Klang;
in deiner Seele wurde zu Gesang,
was andre ehren als das große Schweigen.

Du bliebst ein Weib, geschaffen nicht, zu treten
in einen Kampf, den Männer kaum bestehn,
ein Weib, so schön in seinem Trieb zu sehn,
zu lieben und in Liebe anzubeten.

Das deutsche Pfarrhaus, eine stille Quelle
des Besten und der Besten unsrer Welt,
sein Geist ist dein. Von seinem Glanz erhellt,
erfandst du dir zuletzt die eigne Helle.

Du teures Licht, mir einst so nahe, -
daß dir des Sturmes Fittich gnädig sei!
Daß erst, wenn du dich selbst gibst freudig frei,
dein Gott dich von dir selbst zurück empfahe!

Alfred Guttmann

geboren: 30.07.1873 (Posen)
gestorben: ?

Musiker, Sänger, Arzt.
Alfred Guttmann war ebenso wie seine spätere Ehefrau Eugenie Leroi neben Morgenstern, Kayssler, Beblo und Hirschfeld Mitglied in 'Der Orden'. Er emigrierte später nach Norwegen.

Georg Hirschfeld

geboren: 11.02.1873 (Berlin)
gestorben: 17.01.1942 (Pasing/München)

deutscher Schriftsteller jüdischer Herkunft.
Hirschfeld beschrieb die Freunde des 'Ordens' in dem Roman 'Das grüne Band' (1906), als Galgenbruder war er der «Verreckerle», sein Bruder Julius der «Schuhu». Weitere Werke: 'Dämon Kleist' (1895)

Friedrich Kayssler

Friedrich Martin Adalbert Kayssler
geboren: 07.04.1874 (Neurode / Nowa Ruda, Schlesien)
gestorben: 24.04.1945 (Klein-Machnow bei Berlin)

Schauspieler, Regisseur, Schriftsteller.
In Berlin freundete sich Kayssler mit Max Reinhardt an, mit dem er gemeinsam die «Schall und Rauch» - Abende veranstaltete. 1905 trat Reinhardt die Nachfolge Otto Brahms am Deutschen Theater und Kayssler wurde Mitglied dieser Bühne. Hier lernte er auch seine zweite Frau, die Schauspielerin und Bildhauerin Helene Fehdmer (1872-1939), kennen. Später war Kayssler Leiter der Volksbühne in Berlin, tourte mit seiner Frau im In- und Ausland und übernahm zahlreiche Filmrollen. Als Galgenbruder war er der «Gurgeljochem»

Friedrich Kayssler lernte während der gemeinsamen Schuljahre auf dem Breslauer Maria-Magdalenen-Gymnasium Christian Morgenstern kennen. Aus dieser Begegnung entstand eine lebenslange Freundschaft mit gemeinsamen Arbeiten und Projekten. Auch Fritz Beblo, Architekt und Maler, war ein Schulkamerad von Kayssler und Morgenstern.

Angeregt vom Auftritt des Meininger Theaters in Breslau (1890), entschloß sich Friedrich Kayssler schon während seiner Gymnasialzeit, Schauspieler zu werden. Das Universitätsstudium (in Breslau und München) brach er ab. Seine Schauspieler-Karriere begann er an verschiedenen deutschen Bühnen. Eine der ersten Theaterstationen war 1896/97 das sächsische Halle. Die Freundschaft mit Max Reinhardt führte in Berlin zu gemeinsamen Cabaret-Veranstaltungen ("Schall und Rauch"). Als Max Reinhardt 1905 Chef des Deutschen Theaters in Berlin wurde, holte er Kayssler in sein Ensemble.

Von 1918 bis 1923 war Friedrich Kayssler Direktor der "Volksbühne" in Berlin. Nebenbei war auch noch Bühnenautor und Schriftsteller (Lyrik: "Kreise" 1913, "Stunden in Jahren" 1924; Zaubermärchen "Tepe" 1929). Unter den Schauspielern schlesischer Abkunft gehörte er auch zum Freundeskreis von Gerhard Hauptmann.

Seine große Karriere aber machte Kayssler beim Film. Es begann 1915 mit dem Stummfilm "Der Tunnel". Seine ersten Erfolge feierte er mit "Fridericus Rex" (1922) und "Das brennende Herz" (1928). Es folgten die großen Tonfilmereignisse: "Das Flötenkonzert von Sans-souci" (1930), "Der Hauptmann von Köpenick" (1930), "Peer Gynt" (1934), "Der Hund von Baskerville" (1936), "Bismarck" (1940), "Friedrich Schiller" (1941) und "Träumerei" (1944). Insgesamt dürfte Kayssler bei etwa 50 Spielfilmen maßgeblich mitgewirkt haben.

Friedrich Kayssler (preußischer Staatsschauspieler) wird zu den bedeutendsten Charakter-Darstellern in der ersten Hälfte des 20. Jh. gerechnet. Neben seinen Filmen ist auch seine Stimme unvergessen (z.B. Faust-Rezitationen und Andersen-Märchen-Lesungen). Im Horen-Verlag, Berlin, erschienen 1930 Gedicht- und Prosa-Bände und 1942/44 weitere Arbeiten von Kayssler im Potsdamer Verlag Rütten & Loening.

In einem italienischen Bericht über die "Russen in Berlin" 1945 heißt es: "Wir wissen, dass der berühmte Schauspieler Friedrich Kayssler, der mit seiner eigenen Person seine Hausherrin zu schützen versuchte, (von sowjetischen Soldaten) getötet wurde."

Die Ergänzungen wurden mir freundlicherweise von Otmar Eitner (1929-2008) zur Verfügung gestellt. Sie stammen aus seiner Publikation Das St. Maria-Magdalenen-Gymnasium zu Breslau (2003).

Quellen:
www.cyranos.ch/smkays-d.htm
Neue Deutsche Biographie, 11. Bd., Duncker & Humblot, Berlin 1977
Arno Lubos, Geschichte der Literatur Schlesiens, Bd. III, München 1974
www.revisionismo.com/buconero/russ_a_berlino.html (offline!)

Eugenie Leroi

geboren: ? (Bad Ems)
gestorben: 1910

Sängerin.
Sie begegnete C.M. 1894 in Bad Grund. Er wollte ihr sein damals geplantes Werk 'Symphonie' widmen, dieses blieb jedoch unvollendet. Er ermutigte sie, in Berlin aufzutreten. 1899 heiratete sie Alfred Guttmann. Das Gedicht 'Ich bin eine Harfe' in dem Gedichtband 'Auf vielen Wegen' ist ihr gewidmet. Sie starb nach langer, schwerer Krankheit. C.M. überschrieb das Gedicht in der Neuausgabe des Bandes 1911 mit den Worten «Einer Heldin».

Ich bin eine Harfe
mit goldenen Saiten,
auf einsamem Gipfel
über die Fluren
erhöht.

Du laß die Finger leise
und sanft darüber gleiten,
und Melodien werden
aufraunen
und aufrauschen,
wie nie noch Menschen hörten;
das wird ein heilig Klingen
über den Landen sein...

Ich bin eine Harfe
mit goldenen Saiten,
auf einsamem Gipfel
über die Fluren
erhöht -

und harre Deiner,
oh Priesterin!
daß meine Geheimnisse
aus mir brechen
und meine Tiefen
zu reden beginnen
und, wie ein Mantel,
meine Töne
um dich fallen,
ein Purpurmantel
der Unsterblichkeit.

Dagny Lunde, geb. Fett

geboren: (Schweden)
gestorben: 1927 (Oslo)

C.M. verliebte sich während seiner Norwegenreise im Jahre 1898 in die einige Jahre jüngere Dagny Fett - es kam jedoch zu keiner Bindung für´s Leben. Am 23. August 1898 schreibt er ihr:

«Wir wollen versuchen, uns als rechte Freunde zu lieben. Wir wollen gute Kameraden sein, Dagny.»

Und werden wir uns besitzen,
so will ich Deinen Namen doch
ins Holz der Weltenesche schnitzen,
ein Zeugnis fernstem Volke noch.

So wollen tausend Herzen lesen,
die gern ein kleines Lied beglückt,
was Du dem Einsamen gewesen,
wie Du ihn innerlichst entzückt.

Zweimal noch sah er sie wieder: 1900 in Berlin und 1909 in Christiania (Oslo). Dagny starb 1927 nach langer Krankheit; der Gedichtband 'Ein Sommer' ist ihr gewidmet.

Margareta Morgenstern

Margareta Gosebruch von Liechtenstern
geboren: 1879
gestorben: 21.08.1968 (Breitbrunn/Ammersee)

Margareta und Christian lernten sich im Sommer 1908 in Dreikirchen (Südtirol) kennen. Sie heirateten am 07.03.1910. Margareta Morgenstern ist die Herausgeberin von Christian Morgensterns Nachlass.

An Margareta

Ich habe nicht gewußt, daß so viel Liebe
in einem Menschen sein kann - und zu mir.
Zwar - ich bin ungerecht. Und doch - es hat
mich nimmermehr zuvor so überwältigt.

So will ich sagen: Wissen um die Liebe,
das tat ich stets, und war auch wohl ihr Gast,
so wie ein Gast von Heim und Herdglut weiß.
Durch dich erst aber glaub' ich an die Liebe.

Selbst (und das ist das schwerste) an die meine;
an meine Fähigkeit zu jener letzten
Ver-einigung des ewig sonst Ent-zweiten.

Nun nicht mehr Gast nur wandl' ich durch die Zeiten, -
nun sitz ich selbst am Herd und atme Frieden,
und glaub an alle Liebe - durch die deine.

Max Reinhardt

(Max Goldmann)
geboren: 09.09.1873 (Baden bei Wien, Österreich)
gestorben: 30.10.1943 (New York)

Regisseur, Theaterleiter, Schauspieler.
Max Reinhardt, der bedeutendste Theaterleiter Deutschlands nach 1900, war Direktor des Deutschen Theaters in Berlin von 1905-1932 und Mitbegründer der Salzburger Festspiele. Für die Nationalsozialisten war er ein «Musterbeispiel für die Verjudung der deutschen Bühnen». Max Reinhardt emigrierte 1933 in die USA.

Rudolf Steiner

geboren: 27.02.1861 (Kraljevica, Kroatien)
gestorben: 30.03.1925 (Dornach bei Basel)

österreichischer Philosoph, Mathematiker, Naturwissenschaftler, Pädagoge und Architekt, Begründer der Anthroposophie (1913, Weltanschauungslehre), Mitarbeiter und Herausgeber der naturwissenschaftlichen Werke Goethes (1883-1897). Gründer der Freien Waldorfschulen.

Steiner begründete 1913 die Anthroposophische Gesellschaft. «Die Anthroposophie geht von einem stufenweisen Aufbau der Welt aus, die der Mensch einfühlend nachvollziehen könne, um entsprechende Fähigkeiten und übersinnliche Erkenntnisse zu erlangen.» Steiner wandte sich damit von der Theosophischen Gesellschaft ab, «wegen deren fremder Einstellung gegenüber dem Christentum und dem spez. abendländischen Geistesleben». Er hielt zahlreiche Vorträge im In- und Ausland und hat ein umfangreiches (schriftliches) Werk hinterlassen.

Google+ Email
Facebook Twitter! Google+ Instagram Pinterest LinkedIn Xing