Trauer, Hass, Angst, Hoffnung

Gedanken zum 11. September 2001

World Trade Center, New York

»Die richtige Art, um die Toten zu trauern, besteht darin, für die Lebenden zu sorgen, die zu ihnen gehören.«
Edmund Burke (1729-1797)

Reifung

Die Äpfel und Birnen bekommen rote Bäckchen. Auch die Pflaumen sind reif und enden wahrscheinlich auf dem nach ihnen benannten, wunderbaren Kuchen. Kastanien und Walnüsse fallen in nächster Zeit wahrscheinlich aus allen Wolken. Besser sie, als die Flugzeuge tun es. Rot dominiert bei den Ebereschen und den Hagebutten. Auch die grünen und blauen Weintrauben erhalten die letzte Süße durch die Sonne.

Die Natur bleibt unbeeindruckt von den Schrecken der letzten Tage. Sie setzt ihren Reifungsprozess fort.

Leider haben die Menschen wenig an Reife dazu gewonnen, was den Friedensprozess angeht und der Friede steht noch aus. So wie im Moment versucht wird dieses »Meisterstück der Vernunft, den Frieden«, wie es Immanuel Kant nennt, anzufertigen, besteht wenig Hoffnung, dass es gelingt. Wessen Mittel Vergeltung und Krieg sind , der hat keine Aussicht auf Frieden und die Vernunft bleibt auf der Strecke. Hassgefühle lassen das Ziel, den Frieden, mehr und mehr aus dem Blickwinkel verschwinden und bringen ihn kein Stückchen näher.

Dietlinde Heider, 16.09.2001

Licht im Dunkeln

Ich zünde eine Kerze an,
sie leuchtet hell und sacht,
ein Licht scheint über diese Welt,
und strahlt in dunkler Nacht.

Wer Hass gesät, verliert das Herz
und bringt sich selber um,
die Seele weint in tiefster Not,
wird einsam, krank und stumm.

Wo Liebe zu dem Nächsten fliesst
entsteht ein warmes Licht,
in dem die Saat gedeihen kann
und karges Land durchbricht.

Ich zünde eine Kerze an,
ein Licht der Liebe scheint,
hinein in allen Hass der Welt
damit das Gute keimt.

Monika Schudel, 13.9.2001

»Die Menschen quälen sich ein Lebenlang, um im letzten Augenblick oder wenn der Tod sie auch nur streift, die Nichtigkeit all des von ihnen Erstrebten zu empfinden. Hier liegt eine ergaunerte Million neben mir und ein Schluck kaltes Wasser ist mir vielleicht unendlich viel mehr. Nichts hat Bedeutung und auch wieder alles; Großes, Kleines, sehr vage Begriffe.«
Theodor Fontane an Georg Friedlaender

»Die Toten sind nicht tot, sie sind nur nicht mehr sichtbar. Sie schauen mit ihren Augen voller Licht in unsere Augen voller Trauer.«
Augustinus Aurelius (354-430)

»Siehe, die Trauer, sie ist des Trauernden einziger Trost.«
Robert Hamerling (1830-1889)

»Auch der Schmerz will seinen Ausdruck haben. Und der Mann, vom Schmerze überwältigt, braucht sich seiner Tränen nicht zu schämen.«
Friedrich von Bodenstedt (1818-1892), Mirza Schaffy

»Die Tränen sind des Schmerzes heilig' Recht.«
Franz Grillparzer (1791-1872), Sappho

»Wir trauern um die Terror-Opfer. Unser herzliches Beileid gilt den Angehörigen. Wir verabscheuen jegliche Art von Terror an unschuldigen Menschen auf der ganzen Welt.« Traueranzeige der Islamischen Gemeinschaft e.V.
Mevlana Moschee, Nürtinger Zeitung, 19.09.2001

Zuletzt geändert am 26.12.2008

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