Michelangelo Buonarroti

Die Sixtinische Kapelle

Im März 1508 beauftragt Papst Julius II. Michelangelo mit der Ausmalung des Deckengewölbes der Sixtinischen Kapelle, einer Fläche von 1.100 Quadratmetern. Der Vertrag dazu wird am 10. Mai 1508 unterzeichnet. Michelangelo verwirft den Plan des Papstes, der die Darstellung von 12 Aposteln vorsah sowie die Ausschmückung mit geometrischen Figuren.
Am 31. Oktober 1512 wird die Sixtinische Kapelle eröffnet und das gigantische Meisterwerk enthüllt (Tagebuch-Notiz des Großkämmerers Grassis). Papst Julius II. stirbt am 21. Februar 1513. Sein Nachfolger wird Leo X. (Giovanni de’ Medici, 1475-1521), ein Jugendfreund Michelangelos.

Sixtinische Kapelle - Schöpfungsgeschichte
Michelangelo Buonarroti: Deckenfresko zur Schöpfungsgeschichte in der Sixtinischen Kapelle, Gesamtansicht, Quelle: www.zeno.org
  • Um unter der Decke arbeiten zu können, entwickelte Michelangelo zunächst ein spezielles Gerüst.
  • Über 200 Vorstudien fertigte Michelangelo für das Deckengemälde an, die anschließend auf Kartons übertragen wurden.
  • Seine Mitarbeiter, die anerkannte Maler waren, bezeichnete er stets nur als »garzoni«, als Gesellen und Handlanger.
  • Das Deckenfresko zeigt ringsum Sibyllen aus der griechischen und römischen Antike im Wechsel mit den Propheten des Alten Testaments. Insgesamt sind fast 300 Figuren zu sehen. Die eigentlichen Gemälde zeigen die Schöpfungsgeschichte der Menschheit, wobei die »Erschaffung Adams« das wohl berühmteste und am häufigsten kopierte ist.
  • Michelangelo gilt als der Schöpfer der 'künstlichen' Farbgebung des Manierismus.
  • Michelangelo wollte die Farbwirkung durch Ultramarin und Gold noch steigern, wurde aber durch die Ungeduld des Papstes daran gehindert.
  • Die Restauration der Decke (1980-1994) brachte die ursprünglichen, lichten und intensiven Farben wieder zum Vorschein.
Deckenfresko zur Schöpfungsgeschichte
Michelangelo Buonarroti: Deckenfresko zur Schöpfungsgeschichte in der Sixtinischen Kapelle, Quelle: www.zeno.org

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Das Jüngste Gericht

Am 1. September 1535 wird Michelangelo von Papst Paul III. (1468-1549) zum Obersten Architekten, Bildhauer und Maler des Vatikans ernannt. Er erhält den Auftrag, in der Sixtinischen Kapelle »Das Jüngste Gericht« zu malen. Das Werk wird am 31. Oktober 1541 enthüllt und sorgt vor allem wegen der dargestellten Akte für einen Skandal.

Das Jüngste Gericht
Michelangelo: Das Jüngste Gericht, 1535-1541, Quelle: www.zeno.org
  • Die Haut, die der heilige Bartholomäus hält, soll ein Selbstbildnis Michelangelos sein.
  • Der päpstliche Zeremonienmeister Biagio da Cesena äußerte, »dass die vielen nackten Körper, die ihre Scham zur Schau stellten, für einen so ehrwürdigen Ort wie die Papstkapelle unschicklich und eher für eine Badestube oder ein Wirtshaus geeignet seien«.
  • Biagio da Cesena wird von Michelangelo als Totenrichter Minos dargestellt, dem eine Schlange in die Genitalien beißt.
  • Auf dem Trienter Konzil wird am 21. Januar 1564 beschlossen, einige Körper zu verhüllen. Der ehemalige Schüler Michelangelos Daniele da Volterra (1509-1566) wird mit dieser Arbeit beauftragt. Er bedeckt einige Nackte mit lächerlich wirkenden 'Unterhosen', was ihm den Spitznamen Braghetta (Hosenschlitz, andere Quellen: Braghettone (Hosenmaler)) einbringt.
  • Bis zum 19. Jahrhundert folgen weitere Übermalungen. Ab 1975 werden die Fresken restauriert und einige der Übermalungen wieder entfernt.

Sixtinische Kapelle

Der Schöpfergott erschafft Adam
Michelangelo Buonarroti: Der Schöpfergott erschafft Adam / Die Erschaffung Adams, Quelle: www.zeno.org

[507] Sixtinische Kapelle, die Hauskapelle des Papstes im Vatikan zu Rom, 1473-81 unter Sixtus IV. von Giovanni de' Dolci erbaut, ist rechteckig, 48 m lang, 16 m breit und 18 m hoch, mit kleinen gerundeten Fenstern über der Galerie, sonst ohne architektonischen Zierat, aber in der Kunstgeschichte von höchster Bedeutung durch die Wandfresken von Perugino, Pinturicchio, Botticelli, Rosselli, Signorelli und Ghirlandajo, die eine Reihe von Szenen aus dem Alten Testament mit den entsprechenden aus dem Neuen darstellen, und vor allem durch die gewaltigen Schöpfungen Michelangelos: an der Decke die Schöpfungsgeschichte und der Sündenfall mit seinen Folgen, dazu die Kolossalgestalten der sieben Propheten und fünf Sibyllen etc., und an der Altarwand das Jüngste Gericht (s. Michelangelo, S. 763). Der Eingang zur Kapelle liegt an der Scala regia. Vgl. Steinmann, Die S. K. (2 Bde. Text und 2 Mappen mit Tafeln, Münch. 1901-05). - Auch der päpstliche Sängerchor, der hier hauptsächlich zu fungieren pflegt, führt den Namen S. K. Er wurde bereits von Gregor d. Gr. gegründet; die gegenwärtigen Statuten (die ältern gingen 1527 beim sogen. Saco di Roma zugrunde) stammen von Papst Paul III. aus dem Jahr 1545. Die Sänger sind Priester und päpstliche Kapläne und stehen unter einem Kapellmeister oder Primicerius, den sie alljährlich aus ihrer Mitte wählen. Ihre Zahl beläuft sich auf etwa 30. Sie singen stets ohne alle Begleitung von Instrumenten (a cappella), und ihre Vortragsart (namentlich das oft von ihnen angewandte Messa di voce) ist seit langem weltberühmt. Vgl. Schelle, Die päpstliche Sängerschule in Rom (Wien 1872); Haberl, Bausteine für Musikgeschichte, Heft 3 (Leipz. 1888).
Quelle: Meyers Großes Konversations-Lexikon, Band 18. Leipzig 1909, S. 507.

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Zuletzt geändert am 12.07.2015

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