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Michelangelo Buonarroti

  • Michelagniolo di Ludovico di Lionardo di Buonarroti
  • Michelagniolo di Ludovico Buonarroti-Simoni
  • auch: Michelangiolo, lt. Vasari und Geburtsurkunde: Michelagnolo
  • geboren: 06.03.1475 (Caprese, heute: Caprese Michelangelo, Prov. Arezzo)
  • gestorben: 18.02.1564 (Rom)

Italienischer Bildhauer, Maler, Baumeister, Dichter,
bedeutendster Künstler der italienischen Hoch- und Spätrenaissance.

Kindheit und Jugend

Michelangelo wird am 6. März 1475 als zweiter Sohn des Florentiner Beamten Ludovico di Lionardo di Buonarroti Simoni (1444-1534) und der Francesca di Neri di Miniato del Sera (1456-1481) in Caprese (Apenningebirge, Toskana, 60 km von Florenz entfernt) geboren. Getauft wird er am 8. März 1475 in der Kirche San Giovanni zu Caprese. Michelangelo hat vier Brüder: Lionardo (1473-1510), Buonarroto (1477-1528), Giovansimone (1479-1548) und Sigismondo (1481-1555). Seine Amme ist die Frau eines Steinmetzes aus Settignano bei Florenz. Michelangelo wird später zu Giorgio Vasari sagen: »Giorgio, mein Geist an sich ist nichts nütze, sondern nur, weil er in der milden Luft von Arezzo, Eurer Heimat, ans Licht gekommen ist, so wie ich auch mit der Milch meiner Amme Meißel und Hammer eingesogen, womit ich meine Figuren mache.«.

Die Mutter stirbt, als Michelangelo 6 Jahre alt ist. Michelangelos Vater heiratet in zweiter Ehe 1485 Lucrezia Ubaldini (gest. 1497).

Giuliano Bugiardini (1475-1554): Porträt des Michelangelo Buonarroti mit Turban
Giuliano Bugiardini (1475-1554): Porträt des Michelangelo Buonarroti mit Turban, um 1522

Um 1482 kommt Michelangelo in die Lateinschule des Francesco da Urbino. Obwohl er gegen die künstlerischen Tätigkeiten seines Sohnes ist, da diese nicht seinem vermeintlich edlem Stande entsprechen, schließt sein Vater am 1. April 1488 einen Lehrvertrag für Michelangelo mit den Brüdern Davide und Domenico Ghirlandaio (1449-1494). Bereits 1489 tritt Michelangelo - durch die Unterstützung seines Freundes Franceso Granacci - in die Kunstschule von Lorenzo de’ Medici (1449-1492) ein, deren Leitung Bertoldo di Giovanni (um 1420-1491) inne hat, einem Schüler des berühmten Bildhauers Donatello (1386-1466). Eine seiner ersten Statuen ist der »Faunskopf« (verschollen), dem Michelangelo nach einer Bemerkung Lorenzos eine Zahnlücke verpasst, um ihn realistischer erscheinen zu lassen. Lorenzo de’ Medici behandelt Michelangelo wie seinen eigenen Sohn und fördert ihn in Kunst und Philosophie. Bei einem Streit schlägt ihn sein Mitschüler Torrigiano ins Gesicht und entstellt ihn. Sein ganzes Leben wird er unter dieser »Hässlichkeit« leiden.

Mit Unterstützung des Priors Fra Nicholaio di Giovanni, für den er ein Holzkruzifix ausführt, beginnt er 1491 anatomische Studien in der Totenkammer des Konvents von Santo Spirito. 1494 flieht Michelangelo nach Bologna, da er den Fall der Medici-Familie vorausahnt (Lorenzo starb 1492). Er erschafft einige Skulpturen für die Kirche San Domenico. Im Frühjahr 1495 kehrt er nach Florenz zurück und arbeitet an dem »Schlafenden Cupido« (verschollen), wegen dem er im Juni 1496 nach Rom kommt. Hier wird er von Kardinal Riario und dem Bankier Jacopo Galli gefördert. Der Kardinal beauftragt Michelangelo mit der Skulptur des »Trunkenen Bacchus« (1496/97).

Die Pietà

Von Kardinal Jean de Bilhères de Lagraulas erhält Michelangelo den Auftrag für eine »Pietà«. Im Frühjahr 1498 bricht Michelangelo in Carrara Marmor für die Skulptur (»Pietà von St. Peter«), die er 1499 vollendet. »Es wird wohl nie ein anderer Bildhauer ... den Entwurf dieses Werkes an Anmut und Schönheit übertreffen, noch den Marmor ... kunstvoller ausmeißeln können.« beschreibt der Biograf Giorgio Vasari (1511-1574) dieses Meisterwerk.

Um 1500 beginnt Michelangelo mit dem Verfassen von Dichtungen und Sonetten.

Der David

Am 16. August 1501 erhält Michelangelo von der Wollweberzunft der Stadt Florenz den Auftrag für die Marmorstatue des »David«, mit der er am 13. September beginnt. Der David soll ein Symbol für den »Sieg der Republik über die Tyrannei« sein. Dazu verwendet Michelangelo einen verhauenen Marmorblock, an dem sich schon 40 Jahre zuvor zwei andere Künstler vergeblich versucht hatten. Denkbar ungünstige Voraussetzungen, aber Michelangelo erschafft ein weiteres, zeitloses Meisterwerk. Im April 1504 ist der David vollendet und wird vom 14.-18. Mai 1504 zum Palazzo della Signoria transportiert.

Ebenfalls 1501 erhält Michelangelo Aufträge für ein Bild der Heiligen Familie von Agnolo Doni (»Tondo Doni«), die »Mouscron-Madonna« (»Brügger Madonna«) und über fünfzehn Figuren für den Piccolomini-Altar des Domes zu Siena.

Michelangelo: Heilige Familie
Michelangelo: Heilige Familie (»Tondo Doni«), um 1504
  • Das einzige mit Sicherheit nachgewiesene Tafelbild Michelangelos wurde von dem Florentiner Patrizier Agnolo Doni anlässlich seiner Heirat mit Maddalena Strozzi in Auftrag gegeben.
  • Das Rundbild (tondo) hat einen Durchmesser von 120 cm.

Das Julius-Grabmal

Im März 1505 ruft Papst Julius II. (1443-1513, Papst von 1503-1513) Michelangelo nach Rom: er beauftragt ihn mit der Errichtung seiner Grabstätte. Michelangelo erarbeitet einen Entwurf, der pyramidenförmig und mit 3 Ebenen gestaltet ist und 40 Statuen vorsieht. Acht Monate verbringt er in Carrara, um die passenden Marmorblöcke zu beschaffen.

Julius II. ist jedoch in militärische Auseinandersetzungen verwickelt und wird zudem (vermutlich) von dem Baumeister Donato Bramante (1444-1514) beeinflusst, der Michelangelo als Konkurrenten fürchtet. Bramante wird mit dem Neubau von St. Peter (San Pietro) beauftragt. Am 17. April 1506, dem Vorabend der Grundsteinlegung, verlässt Michelangelo Rom. Die Arbeit an dem Grabmal wird Michelangelo jedoch noch über Jahrzehnte beschäftigen und zu Streitigkeiten mit den Erben von Julius II. führen. Erst 1545 wird das Grabmahl in stark vereinfachter Form vollendet. Zwischen 1513 und 1516 erschafft Michelangelo für dieses Grabmal den »Gefesselten Sklaven«, den »Sterbenden Sklaven« und den gewaltigen »Moses«.

Von Dezember 1506 bis Februar 1508 arbeitet Michelangelo an einer Bronzestatue für Julius II., die am 21. Februar 1508 über dem Portal von San Petronio aufgestellt wird. Die Statue wird am 30. Dezember 1511 während einer Revolution zerstört.

Grablegung, um 1510
Grablegung, um 1510, Michelangelo zugeschrieben.

Die Fresken in der Sixtinischen Kapelle

Im März 1508 beauftragt Papst Julius II. Michelangelo mit der Ausmalung des Deckengewölbes der Sixtinischen Kapelle, einer Fläche von 1.100 Quadratmetern. Der Vertrag dazu wird am 10. Mai 1508 unterzeichnet. Michelangelo verwirft den Plan des Papstes, der die Darstellung von 12 Aposteln vorsah sowie die Ausschmückung mit geometrischen Figuren.
Am 31. Oktober 1512 wird die Sixtinische Kapelle eröffnet und das gigantische Meisterwerk enthüllt (Tagebuch-Notiz des Großkämmerers Grassis).

Papst Julius II. stirbt am 21. Februar 1513. Sein Nachfolger wird Leo X. (Giovanni de’ Medici, 1475-1521), ein Jugendfreund Michelangelos.

Im Juli 1516 erhält Michelangelo von Papst Leo X. den Auftrag für den Fassadenbau von San Lorenzo in Florenz. Zwischen 1516 und 1518 hält Michelangelo sich in Carrara und Pietrasanta auf, um Marmor für das Projekt auszuwählen, zu brechen und Straßen für den Transport anzulegen. Der Vertrag über die Fassade wird am 19. Januar 1518 unterzeichnet. Am 10. März 1520 wird dieser Vertrag wieder gelöst. Leo X. beauftragt Michelangelo mit dem Bau einer Bibliothek und einer Grabkapelle neben der Kirche San Lorenzo.

Zwischen 1521 und 1534 arbeitet Michelangelo an der Sagrestia Nuova und an den Grabmälern des Lorenzo de’ Medici (Florenz, San Lorenzo, Cappella Medici). Es entstehen u.a. die Figuren »Der Morgen«, »Der Abend« und »Lorenzo«. 1524 beginnen die Arbeiten an der »Biblioteca Laurenziana«.

1523 wird Kardinal Giulio de’ Medici (1478-1534) als Klemens VII. neuer Papst.

Kriegsbaumeister von Florenz

Florentiner Pietà
Die »Florentiner Pietà« (1535-1555) war ursprünglich für Michelangelos eigenes Grabmal geplant. Die Figur des Nikodemus, Schutzpatron der Steinmetze, ist wohl ein Selbstbildnis Michelangelos. Foto: (C) Michael Petery

Im Jahre 1529 wird Michelangelo in den Verteidigungsrat der Neun von Florenz berufen und am 6. April 1529 zum Bevollmächtigten Kriegsbaumeister ernannt. Michelangelo fertigt einen Entwurf der Stadtbefestigung an. Am 21. September flieht er aus Florenz, kehrt aber im November 1529 wieder zurück. 1530 ist Florenz wieder in den Händen der Medici. Der Pontifikalgouverneur Baccio Valori erteilt den Befehl, Michelangelo wegen seiner politischen Positionen umzubringen. Figiovanni, der Prior von San Lorenzo, versteckt Michelangelo, bis Papst Klemens VII. ihm Leben und Freiheit garantiert. Im November 1530 setzt er die Arbeiten an der Medicikapelle der Kirche San Lorenzo fort.

1532 lernt Michelangelo den jungen römischen Edelmann, Humanisten und Gelehrten Tommaso Cavalieri kennen, für den er eine »platonische« Leidenschaft hegt. Die Freundschaft wird bis zum Michelangelos Tod bestehen.

Michelangelos Vater stirbt 1534 im Alter von 91 Jahren. Michelangelo siedelt nun endgültig nach Rom über.

Das Jüngste Gericht

Am 13. Oktober 1534 erhält Michelangelo von Papst Paul III. (1468-1549) den Auftrag, in der Sixtinischen Kapelle »Das Jüngste Gericht« zu malen. Das Werk wird am 31. Oktober 1541 enthüllt und sorgt vor allem wegen der dargestellten Akte für einen Skandal.

Am 1. September 1535 wird er von Papst Paul III. zum Obersten Architekten, Bildhauer und Maler des Vatikans ernannt.

Vittoria Colonna

Wohl 1536 (?) begegnet Michelangelo erstmals Vittoria Colonna (1490-1547), der Marchesa (Marktgräfin) von Pescara und Witwe des Francesco von Avalos (†1525). Vittoria ist Mittelpunkt eines literarischen und religiösen Zirkels reformwilliger Katholiken, zu denen neben den Schriftstellern Pietro Aretino, Ludovico Ariosto und Baldassare Castiglione auch die Kardinäle Reginald Pole und Pietro Bembo gehören. Sie schreibt Gedichte (Sonette) religiösen Inhaltes und über ihren verstorbenen Gemahl. Während ihrer Aufenthalte in Rom (1538-1541 und 1544-1547) lernen die beiden sich gut kennen. Michelangelo schreibt bewegende Gedichte für sie, über seine Kunst, die Liebe und Gott. Er übernimmt die den Protestanten verwandte »Lehre der alleinigen Gerechtigkeit«. Die Gespräche mit Vittoria über die Malerei werden von Francisco de Hollanda (1517-1584) aufgezeichnet (Diálogos em Roma, 1538).

In einem Brief bittet Michelangelo seinen Neffen Lionardo 1543, ihn künftig weder Michelangelo Simoni noch Bildhauer zu nennen, sondern einfach Michelangelo Buonarroti, denn »als solcher sei er bekannt«.

Baumeister von St. Peter

Papst Julius II. und die Künstler Bramante, Michelangelo und Raffael (Detail, 1827)
Horace Emile Jean Vernet (1789-1863): Papst Julius II. beauftragt die Künstler Bramante, Michelangelo und Raffael mit dem Ausbau des Vatikans und des Petersdoms (Detail, 1827). Die Grundsteinlegung zu Neu-Sankt-Peter in Rom findet am 18. April 1506 statt.

1546 erkrankt Michelangelo schwer und wird von Luigi del Riccio gepflegt.
Papst Paul III. (1468-1549) zwingt ihn im November dazu, den Bau von St. Peter zu übernehmen. Am 1. Januar 1547 wird er zum Baumeister von St. Peter ernannt (bestätigt am 23. Januar 1552). 1557/58 arbeitet Michelangelo an dem Holzmodell zur Kuppel von St. Peter.

Am 16. Juli 1553 erscheint das Werk »Vita di Michelangelo« (»Das Leben des Michelangelo Buonarroti«) von Ascanio Condivi (um 1525-1574), das einer Selbstbiographie gleichkommt.

Michelangelo stirbt am 18. Februar 1564 gegen 16:00 Uhr in Rom. Sein Leichnam wird heimlich nach Florenz überführt, wo ihm Vasari in der Kirche Santa Croce 1572 ein Grabmal errichtet.

Werkauswahl:

Längsschnitt der Peterskirche
Längsschnitt der Peterskirche nach dem Entwurf Michelangelos. Stich von Etienne du Pérac (um 1525-1604), 1569.
  • »Faunskopf« (verschollen, 1490 (?))
  • »Madonna an der Treppe« (1490/1492)
  • »Kampf der Kentauren und Lapithen« (1492, Florenz, Casa Buonarroti)
  • Statuen: »Heiliger Petronius«, »Heiliger Proculus«, »Leuchtertragender Engel« (1494, Bologna)
  • »Schlafender Cupido« (verschollen, 1495)
  • »Trunkener Bacchus« (1497, Florenz, Bargello)
  • »Pietà« (Petersdom, Rom, 1498-1499)
  • »David« (Accademia, Florenz, 1501-1504)
  • »Mouscron-Madonna« (1501- ,Brügge, Notre-Dame)
  • Gemälde »Madonna Doni« (1503, Florenz, Uffizien)
  • Karton für die »Schlacht von Cascina« (1504-1505)
  • Marmorrelief »Madonna Pitti« (1504-1505, Florenz, Bargello)
  • Marmorrelief »Madonna Taddei« (1505-1506, London, Royal Academy of Fine Arts)
  • Erster Entwurf zum »Julius-Grabmal«
  • Bronzestatue »Julius II.« (1506-1508, 1511 zerstört)
  • Deckenfresken in der Sixtinischen Kapelle (1508-1512)
  • Skulpturen für das Julius-Grabmal: »Gefesselter Sklave«, »Sterbender Sklave« (1513-1516, Paris, Louvre)
  • Skulptur für das Julius-Grabmal: »Moses« (1513-1516, Rom, San Pietro in Vincoli)
  • Entwürfe für den Petersdom in Rom (Bauleitung ab 1546)
  • Grabkapelle der Medici (Florenz, 1519-1534)
  • Fresken »Das Jüngste Gericht« in der Sixtinischen Kapelle (Rom, 1536-1541)
  • Ausschmückung der Cappella Paolina (Rom, 1542-1545)
  • »Pietà« im Dom von Florenz (1535-1555)
Mailänder Pietà
Die »Mailänder Pietà« (»Pietà Rondanini«), an der Michelangelo ab 1555 bis wenige Tage vor seinem Tod gearbeitet hat. Foto: (C) Michael Petery

Zitate:

»Der nur die Meisterschaft erringt, der in die Tiefen von Kunst und Leben dringt.«

»Die Liebe ist stärker als der Tod. Nicht verloren, nur verloren gegangen.«

»Die Jahre meines Laufes sind am Ziel wie Pfeile, wenn sie stecken in der Scheibe.«

»Die Kunst gehört keinem Lande an, das Vaterland der Kunst ist der Himmel.«

»Gott hat der Hoffnung einen Bruder gegeben. Er heißt Erinnerung.«

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Zuletzt geändert am 25.01.2014

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