Deutscher Kaufmann, der 1937 während des »Massakers von Nanking« (Nanjing) in China durch Einrichtung einer Schutzzone etwa 200.000 Chinesen das Leben rettete. In China ist John Rabe einer der bekanntesten Deutschen überhaupt und wird als »Deutscher Buddha von Nanking« wie ein Heiliger verehrt.
John Rabe kommt 1908 nach China und arbeitet ab 1911 bei der »Siemens China Co.« (einer Tochtergesellschaft des Siemens-Konzerns) in Peking (Beijing). 1919 müssen - auf Druck der Briten - alle Deutschen China verlassen. 1920 kehrt Rabe jedoch nach Peking zurück und gründet dort - getarnt durch eine Strohfirma - erneut eine Siemensvertretung. Ab 1931 ist er offiziell Chef der Siemensvertretung in Nanking. 1934 tritt der politisch naive John Rabe in die NSDAP ein, was ihm die Einrichtung und Führung einer deutschen Schule in Nanking ermöglicht.
Nach der Einnahme Nankings gründen die Deutschen das »Internationale Komitee für die Sicherheit von Nanking« unter der Führung von John Rabe. Innerhalb einer 4 Quadratkilometer großen Schutzzone finden 250.000 Menschen zeitweise Unterschlupf. John Rabe richtet in seinem Garten einen Unterstand ein und spannt eine Hakenkreuzflagge auf. Mehr als 600 Menschen nimmt er bei sich auf. Da Deutschland mit Japan verbündet ist, erhofft sich Rabe durch die Flagge einen Schutz vor japanischen Fliegerangriffen.
1938 wird John Rabe gegen seinen Willen von seiner Firma nach Deutschland zurückbeordert. Durch seine Vorträge in Berlin versucht er, auf die japanischen Kriegsverbrechen aufmerksam zu machen. Er schreibt Gesuche an Adolf Hitler, der seinen Einfluss auf die Japaner geltend machen soll, wird jedoch selbst vorrübergehend von der Gestapo verhaftet. Durch Eingreifen von Siemens kommt er wieder frei, darf sich aber nicht mehr öffentlich zu den Vorfällen in Japan äußern. Nach dem Krieg verliert er seine Stelle bei Siemens. Die Briten lehnen wegen seiner ehemaligen Mitgliedschaft bei der NSDAP seine »Entnazifizierung« ab. Erst in einer Berufungsinstanz wird er 1946 wegen seiner humanitären Arbeit entnazifiziert.
John Rabe stirbt, verarmt und krank, am 5. Januar 1950 an den Folgen eines Schlaganfalls. 1996 veröffentlicht seine Enkelin Ursula seine Tagebücher. 1997 überführen die Chinesen seinen Grabstein nach Nanking und errichten eine Statue. Am 13. August 2005 enthüllt sein Enkel Thomas Rabe ein durch Spenden finanziertes Denkmal auf seinem Privatgrundstück in Heidelberg.
Während des Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieges (1937-1945) wird China 1937 von den Japanern erobert.
Nach Schätzungen europäischer Beobachter wurden 20.000 Soldaten und 30.000 Zivilisten von Maschinengewehren niedergemäht oder als menschliche Zielscheiben für Bajonettübungen missbraucht. Anfangs ließ man Berge von Toten unbegraben verwesen. Später übergossen die Japaner wohl aus Furcht vor Krankheiten die Toten mit Benzin, aber es gelang ihnen nur, sie zu widerlichen Massen verschmorten Fleisches zu reduzieren ...
Während zwei Monaten wurden über 20.000 Frauen vergewaltigt. Die Flüchtlingscamps wurden zu Pferchen, aus denen sich die Japaner nach Belieben Frauen holten ...
Der »Japanese Advertiser«, eine in Tokio gedruckte, englischsprachige Zeitung ... veröffentlichte folgende Notiz: "Oberleutnant Mukai und Oberleutnant Noda befinden sich in ihrem freundschaftlichen Wettkampf darum, wer von ihnen als Erster vor dem Fall von Nanking 100 Chinesen im Nahkampf mit dem Schwert besiegt ... Kopf an Kopf. Das Ergebnis lautet: Mukai 89, Noda 78. Mukais Klinge wurde im Kampf leicht beschädigt. Er erklärte, das sei passiert, als er einen Chinesen in zwei Hälften zerteilte."
Der australische Kriegsberichterstatter Rhodes Farmer über die ersten Wochen der Gräueltaten von Nanjing (Nanking) im Jahr 1937. Quelle: »Unser 20. Jahrhundert«, Band »Zwischen den Kriegen. 1919-1939«, Seite 123, Readers Digest 1998/2000
Zuletzt geändert am 07.06.2009