
Der Germanist Jacob Grimm arbeitete von 1830-1837 als Professor in Göttingen, wurde jedoch - genauso wie sein Bruder - als Mitverfasser des politischen Protestes der »Göttinger Sieben« von seinem Amt enthoben. 1841 holte der preußische König Friedrich Wilhelm IV. die Brüder als Mitglieder an Akademie der Wissenschaften nach Berlin. Zu den Werken Jacobs gehören die »Deutsche Grammatik« (1819-1837) und die »Geschichte der deutschen Sprache« (1848).
Der Germanist Wilhelm Grimm begründete zusammen mit seinem Bruder Jacob Grimm und Karl Lachmann (1793-1851) die deutsche Philologie: das »Deutsche Wörterbuch« in 16 Bänden entstand ab 1854 (fertiggestellt wurde das Mammutwerk erst 1961!). Wilhelm erforschte die Dichtung des Volkes und des Mittelalters. Zusammen mit Jacob brachte er die »Kinder- und Hausmärchen« (1812-1815) heraus. 1829 erschienen sein Werk »Die deutsche Heldensage«.
»Spieglein, Spieglein an der Wand,
Wer ist die Schönste im ganzen Land ?«
»Frau Königin, Ihr seid die Schönste hier,
Aber Schneewittchen ist tausendmal schöner als Ihr.«
»Knupper, knupper, Kneischen,
Wer knuppert an meinem Häuschen?«
»Der Wind, der Wind,
Das himmlische Kind«
»Königstochter, jüngste, mach mir auf, weißt du nicht, was gestern du zu mir gesagt bei dem kühlen Brunnenwasser? Königstochter, jüngste, mach mir auf.«
Rotkäppchen aber war nach den Blumen herumgelaufen, und als es so viel zusammen hatte, daß es keine mehr tragen konnte, fiel ihm die Großmutter wieder ein, und es machte sich auf den Weg zu ihr. Es wunderte sich, daß die Türe aufstand, und wie es in die Stube trat, so kam es ihm so seltsam darin vor, daß es dachte: »Ei, du mein Gott, wie ängstlich wird mir's heute zumut, und bin sonst so gerne bei der Großmutter!« Es rief »Guten Morgen«, bekam aber keine Antwort. Darauf ging es zum Bett und zog die Vorhänge zurück: da lag die Großmutter und hatte die Haube tief ins Gesicht gesetzt und sah so wunderlich aus. »Ei, Großmutter, was hast du für große Ohren!« »Daß ich dich besser hören kann.« »Ei, Großmutter, was hast du für große Augen!« »Daß ich dich besser sehen kann.« »Ei, Großmutter, was hast du für große Hände« »Daß ich dich besser packen kann.« »Aber, Großmutter, was hast du für ein entsetzlich großes Maul!« »Daß ich dich besser fressen kann.« Kaum hatte der Wolf das gesagt, so tat er einen Satz aus dem Bette und verschlang das arme Rotkäppchen.
»Heute back ich, morgen brau ich,
übermorgen hol ich der Königin ihr Kind;
ach, wie gut ist daß niemand weiß
daß ich Rumpelstilzchen heiß!«
Da war die Königin ganz froh daß sie den Namen wußte, und als bald hernach das Männlein kam, und sprach:
»Nun, Frau Königin, wie heiß ich?«
fragte sie erst »heißest du Kunz?«
»Nein.«
»Heißest du Heinz?«
»Nein.«
»Heißt du etwa Rumpelstilzchen?«
Zuletzt geändert am 03.05.2009