
Muttertraum
Die Mutter betet herzig und schaut
Entzückt auf den schlummernden Kleinen.
Er ruht in der Wiege so sanft und traut.
Ein Engel muß er ihr scheinen.
Sie küßt ihn und herzt ihn, sie hält sich kaum.
Vergessen der irdischen Schmerzen,
Er schweift in der Zukunft ihr Hoffnungstraum,
So träumen Mütter im Herzen.
Der Rab? indes mit der Sippschaft sein
Kreischt draußen am Fenster die Weise:
Dein Engel, dein Engel wird unser sein,
Der Räuber dient uns zur Speise.
Hans Christian Andersen (1805-1875), Übersetzung von Adelbert von Chamisso (1781-1838)
Gemälde: Michael Lukas Leopold Willmann - Landschaft mit der Darstellung von Jakobs Traum: Die Engelsleiter, um 1691
Zuletzt geändert am 31.05.2009