
venezianischer Kaufmann, Handelsreisender und Entdecker, einer der bedeutendsten Reisenden des Mittelalters, lieferte mit seinem Erlebnisbericht die ersten Beschreibungen des »Fernen Ostens«.
Marco Polo (1254-1324) wurde am 15. September 1254 in Venedig geboren, wo er auch aufwuchs (andere Quellen geben die dalmatinische Insel Korcula - das damals venezianische Curzola - als Geburtsort an).
Marco Polos Vater Niccolò hatte China bereits 1260 zusammen mit seinem Bruder Maffeo bereist, um dort den Handel mit Seide und Gewürzen aufzunehmen. Während der Reise, von der sie schließlich im Jahre 1269 nach Venedig zurückkehrten, lernten sie den damaligen Herrscher Kublai Khan (1215-1294, Enkel von Dschingis Khan) kennen.
1271 brachen sie erneut auf, diesmal in Begleitung von dem damals 17-jährigen Marco Polo. Nach einer langen und strapaziösen Reise, die sie durch die Türkei, das Zweistromland, Afghanistan und Kaschgar führte, erreichten sie im Jahre 1275 den Hof des Khans in Khanbalik (Peking).
Marco Polo trat dank seiner guten Sprachkenntnisse als Diplomat in den Dienst des Khans und lernte auf vielen Dienstreisen das Reich und verschiedene Nachbarländer kennen. Zeitweilig soll er auch Statthalter einer Provinz gewesen sein. 1292 hatten die Polos den Auftrag, eine mongolische Prinzessin nach Persien bringen, wo sie mit einem persischen König verheiratet werden sollte. Die (Heim-) Reise führte sie u.a. über Sumatra, Vorderindien und Persien und Armenien. 1295 landeten sie schließlich wieder in Venedig.
Als Kommandant einer venezianischen Galeere nahm Marco Polo 1298 an einer Seeschlacht zwischen den Flotten Venedigs und Genuas teil - und geriet in Gefangenschaft. Während der Haft entstand sein Reisebericht, den er vermutlich seinem Mitgefangenen Rustichello da Pisa (Rusticiaus de Pise, Rusticiano) diktierte, einem Verfasser höfischer Romane. Als Original und Grundlage für die meisten Übersetzungen gelten die franko-italienischen Manuskripte »Le Divisament dou Monde« (»Die Vielfältigkeit der Welt«). Bekannt wurde es vor allem als »Il Milione« (»Die Million«). Zunächst als Lüge abgetan prägte Marco Polos Reisebericht die Vorstellungen von Ostasien im 14. und 15. Jahrhundert.
Nach seiner Entlassung im Jahre 1299 kehrte Marco Polo für immer in seine Heimatstadt Venedig zurück. Er heiratet die Kaufmannstochter Donat Badoer, gemeinsam haben sie drei Töchter: Fantina, Bellela und Moreta.
Marco Polo stirbt am 8. Januar 1324 in Venedig als hoch angesehener Bürger Venedigs(1). Er wird im Grab seines Vaters in der Kirche San Lorenzo beigesetzt.

»Kein Mensch, mag er nun Heide, Sarazene oder Christ sein, hat seit der Erschaffung Adams bis auf den heutigen Tag so viele und so gewaltige Dinge gesehen«
(aus dem Prolog seines Buches »Il Milione« 3)
War Marco Polo tatsächlich in China und damit einer der am weitesten gereisten Menschen seiner Zeit? Über diese Fragen streiten sich Wissenschaftler seit Jahrzehnten. Dietmar Henze, Autor der »Enzyklopädie der Entdecker und Forscher der Erde«, hält den China-Aufenthalt des wohl bekanntesten Forschungsreisenden für »den kolossalsten Schwindel der globalen Entdeckungsgeschichte«. Auch die renommierte britische Historikerin Frances Wood kommt zum selben Schluss, zu ungenau seien Polos Schilderungen. Hätte der berühmte Italiener nicht in seinen Reisebeschreibungen »Il Milione« Augenfälliges wie die Chinesische Mauer oder die kuriosen Schriftzeichen erwähnen müssen, wäre er wirklich im Reich der Mitte gewesen?
Schwerwiegend für die Zweifler ist außerdem: In keiner chinesischen Quelle wird Polo je erwähnt. Forscher, die Marco Polo verteidigen, wie der Hamburger Sinologe Hans-Wilm Schütte schieben schwammige Textpassagen dagegen auf »Verschlimmbesserungen« von Übersetzern und Kopisten, fehlende Beschreibungen schlicht auf das Desinteresse am Detail. Schließlich erwähne er kaum persönliche Erlebnisse, sondern gebe in erster Linie Informationen an Kaufmänner weiter.
Aus: GEO Special »Die Seidenstraße«, S. 72

Letzte Änderung: 29.06.2010